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Paul Bowles

Der ferne Kontinent

Erzählungen. Goldmann Tb, München 1995, 157 S., ISBN: 3-442-42148-9, >>> Amazon

"Er schrieb viele Short stories, doch keine Romane. Es gab mehr und mehr Menschen auf der Welt. Und es gab nichts, was er dagegen tun konnte."
So endet die 1986 selbstverfaßte Biographie von Paul Bowles. Geboren 1910 in New York lebt er seit den 60ern in Tanger und wird bereits zu Lebzeiten als ein Klassiker der amerikanischen Gegenwartsliteratur geschätzt. In einem preiswerten Taschenbuch sind nun sieben seiner Erzählungen plus der obenerwähnten Biographie unter dem Titel DER FERNE KONTINENT versammelt. Kongenial übersetzt und herausgegeben von Pociao belegen sie die erzählerische Kraft dieses Altmeisters mit Werken, die zwischen 1958 und 1990 entstanden sind. "Sekou" ist die jüngste Arbeit und erzählt von einem Geschwisterpaar, das für geraume Zeit in einem Tal an den Ufern des Niger lebt. Er hat als Maler ein Stipendium für diesen Aufenthalt bekommen, sie hat gerade eine Trennung hinter sich. Dem, was die beiden Amerikaner an Fragestellungen mitbringen, stellt Bowles nun einige Facetten afrikanischer Lebensart gegenüber. Das fängt mit einem "traummächtigen" Häuptling an und hört bei einer assimilierten Französin auf, die keinesfalls mehr in das "zivilisierte" Europa zurückmöchte. Bowles nutzt nicht nur in dieser Geschichte ein geheimnisvoll phantastisches Ambiente, um mit einer paradoxen Mischung aus Fatalismus und Erstaunen der menschlichen Verdrängungsgabe unaufdringliche Denkmäler zu setzen. So werden auch in den anderen Geschichten Abgründe ausgeleuchtet: Nicht, um sie moralin-sauer anzuprangern, sondern um sie festzuhalten, nach dem Motto "So sind wir eben". Ein Leiden an dieser Menschheit wird nicht laut, schon eher eine Haß-Liebe. Denn das Leben ist doch trotz der Menschen erstaunlich. Und so endet eine andere seiner Geschichten denn auch: "Es gibt einfach zu wenig Zeit im Leben für gegenseitige Schuldzuweisungen."
Wer viel erlebt hat, hat viel zu erzählen. Paul Bowles verdient es, daß ihm zugehört wird.

Weitere Besprechungen zu Werken von Paul Bowles siehe:
Paul Bowles: M'hashish (1987)
Paul Bowles: Der ferne Kontinent (1995)

Buechernachlese © Ulrich Karger


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