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Büchernachlese-Bestenliste 2008

Heinz Bude

Die Ausgeschlossenen

Das Ende vom Traum einer gerechten Gesellschaft. Hanser Verlag, München 2008. 141 Seiten. 14,90 Euro. ISBN: 978-3-446-23011-8, >>> Amazon

In "Die Ausgeschlossenen" hat Heinz Bude, Leiter des Bereichs "Die Gesellschaft der Bundesrepublik" am Hamburger Institut für Sozialforschung sowie Lehrstuhlinhaber für Makrosoziologie an der Universität Kassel, zehn Betrachtungen über "Das Ende vom Traum einer gerechten Gesellschaft" versammelt. Diese wenden sich nicht an ein Fachpublikum, sondern verstehen sich als "öffentliche Soziologie", die Distanz hält zu institutionellen Auftraggebern, keine Vorschläge zu machen sucht und sich vielmehr um die nüchterne Darstellung dessen bemüht, "was Sache ist".
Dem kommt der Autor präzise und in eingängiger Sprachregelung nach. Das, was sich zuweilen auch für eine interessierte Öffentlichkeit vom fragmentarischen Durcheinander lediglich zu einem allgemeinen Unbehagen zu summieren vermochte, wird hier nun in ein geordnetes Bedingungsgefüge gesetzt, nicht zuletzt auch dank eines neuen soziologischen Begriffs: Die "soziale Exklusion" ginge den Spannungsfeldern "soziale Ungleichheit" und "materielle Armut" oft voraus und dann mit ihnen einher.
"Der Bezugspunkt dieses Begriffs ist die Art und Weise der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, nicht der Grad der Benachteiligung nach Maßgabe allgemein geschätzter Güter wie Einkommen, Bildung und Prestige."
"Soziale Exklusion" meint demnach ein durch Erleben oder auch nur durch die Befürchtung eines Ausschlusses gemindertes Selbstwertgefühl, das gleich einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung einen solchen Ausschluss zu bewahrheiten und am Ende zu zementieren scheint. Etwas, das unsereins längst zu fühlen, aber eben noch nicht als eine entscheidende Variable für Schlussfolgerungen über den Stammtisch hinaus zu formulieren wusste. Dieser Begriff ermöglicht somit eine exaktere Beschreibungshilfe für Phänomene wie z.B. das gespaltene Ganze, die PISA-Daten, den Zusammenprall von bedeutungshungrigen Gruppen in "Anti-Ghettos", die alleinerziehenden Mütter, "verwilderte Jungmänner", Bildungsdefizite, Körpermale bzw. äußerlich sichtbare Kennzeichen von Wohlstand oder Verwahrlosung, Ansteckungsängste, die wirkliche Kultur der Unterschicht und last, but not least, die Armen von morgen.
Doch was nützt eine solche quellenbelegte Beschreibung und Zusammenschau all dessen? Nun, sie wirft in jedem Fall neue Fragen auf. Wer sie sich dann zu welchem Behufe stellt, bleibt jedoch wie immer offen - oder auch nicht. Diejenigen, die einen Titel wie diesen nachfragen und gewiss mit großem Gewinn für sich und andere lesen werden, sind in der Regel leider nicht jene, die es - allein schon zum reinen Eigennutz - lesen sollten. Aber irgendwie sind Landespolitiker, Manager und Großkapitaleigner halt auch Ausgeschlossene ...

Buechernachlese © Ulrich Karger


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