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Michael Maar

Warum Nabokov Harry Potter gemocht hätte

Literarkritisches Essay. Berlin Verlag, Berlin 2002. 186 Seiten. 14,- Euro. ISBN: 3-8270-0454-3, >>> Amazon

'Warum Nabokov Harry Potter gemocht hätte' - allein die Wahl des Titels nötigt schon Respekt ab!
Nabokov, jenen von Marcel Reich-Ranicki nach Thomas Mann wohl meistgenannten wie gelobten Autor überhaupt in einen Zusammenhang und dann auch noch in einen solch positiven Zusammenhang mit Harry Potter zu stellen, zeugt von einem über den Tellerrand schauenden Witz, der von M.R.R. aus vielerlei Gründen eben nicht mehr zu erwarten ist.
Nun ist Michael Maar als Literaturkritiker selbst kein kleines Licht und hat sich in zwei vorangegangenen Bänden ebenfalls an Thomas Mann abgearbeitet - aber anstatt sich nun an den sakrosankten Autoren des 19. und 20. Jahrhunderts festzubeißen, geht er eben auch an einer verdächtig erfolgreichen Jugendbuchserie nicht vorbei, ohne sie einer ernsthaften Prüfung zu unterziehen. Und siehe da, er lehrt uns Joanne Rowling als eine sehr ernstzunehmende, ihre Plots höchst virtuos durchkomponierende (Vorbild: Jane Austen) Autorin wertzuschätzen, deren Motive und Metaphern von alten Mythen, der Bibel, C.G. Jung, Charles Dickens und eben auch Nabokov abzuleiten sind. J.R.R. Tolkien sei dagegen ein Autor, der sich ein vergleichsweise enges Korsett angelegt hätte. Maar orientierte sich für seine Arbeit an den englischen Originalen, die offenkundig in der deutschen Übersetzung viel vom angelsächsischen Sprachwitz verloren haben, ja zuweilen sinnverfälschend daherkommen. Allein die Deutung sinn- und lautmalender Namen sind für jeden tieferschürfenden Fan ein echter Lust- und Wissensgewinn und gewähren hilfreiche Orientierung in einem seiten- wie facettenreichen Werk.
Auf dieser Grundlage vermag er dann sogar, unter allem Hogwart'schem Vorbehalt, eine recht stimmige Prognose über die restlichen geplanten Harry-Potter-Bände zu wagen.
Und ja, zuletzt erscheint es mehr als glaubhaft, dass Nabokov Harry Potter und seine Autorin sehr gemocht hätte.
Ein Anhang mit Quellenangaben sowie einer 'Tafel der Figuren, Orte und magischen Hilfsmittel' setzen denn auch den formvollendeten I-Punkt auf dieses Essay.
Steht diese kleine Besprechung auf dem einen Ende der Skala, so zelebriert Michael Maar die zurecht raumgreifende, weil von Esprit und profunder Kenntnis getragene Hochform der Literaturkritik. Und wer wegen der merkantilen Möglichkeiten dieses Themas Böses denkt, hätte Maar ja nur zuvorkommen und es genauso gut machen müssen ...

Siehe auch die Besprechungen zu:
Michael Maar: Warum Nabokov Harry Potter gemocht hätte
Michael Maar: Hilfe für die Hufflepuffs
Joanne K. Rowling: Harry Potter und der Halbblutprinz

Buechernachlese © Ulrich Karger


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