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Büchernachlese-Extra: SF/Fantasy nicht nur für die Jugend

Margaret Mahy

Rasende Roboter und ohnmächtige Onkel

Erzählung. Tatjana Hauptmann (Illus.),Hanser Verlag, München-Wien 1995, 101 S., ISBN 3-446-17106-1, >>> Amazon

Von wegen Zwillinge hätten stets die gleichen Neigungen: Jasper ist Schurke von Beruf, und seine sieben Söhne heißen Caligula, Nero, Dschingis, Tarquin, Belsazar, Adolf und Klein Jack. Julian dagegen ist ein Tugendbold und lebt mit seiner einzigen Tochter Edeltraud am anderen Ende der Stadt. Beide Väter sind alleinerziehend und nehmen diese Aufgabe sehr ernst. Jaspers Söhnen werden jedoch in Fächern wie "Schändlicher Verrat", "Schiere Selbstsucht" und "Korruption" nur äußerst mangelhafte Noten gegeben - dabei hat Jasper hart gearbeitet, um seine Kinder auf eine exklusive Schurkenschule schicken zu können. (Zum Beispiel unzählige Witwen und Waisen geschröpft, Staatsgeheimnisse verkauft - von den schwersten Körperverletzungen gar nicht zu reden ...) Aber auch Edeltraud macht ihrem Vater Kummer und versagt auf der exklusiven Akademie für altmodische Heldinnen, einer Vegetarischen Töchterschule. In den Hauptfächern "Allgemeine Wohltätigkeit", "Erhabene Gefühle" sowie "Selbstentsagung und Zerknirschung" wird sie Klassenletzte beziehungsweise sogar nur Klassenallerletzte. Von den Leistungen in solchen Fächern wie Lesen und Elektronik will keiner der beiden Väter etwas wissen.
Die Söhne Jaspers müssen in einen Nachhilfe-Sonderkurs der Hexen-Selbsthilfegruppe. Dort basteln sie an einer Gemeinschaftsarbeit. Dank eines neu erlernten Zaubers vermögen sie die Puppe aus Wachs sogar zum Leben zu erwecken, allerdings hat der kurzsichtige Dschingis anstelle eines Teelöffels Ekligkeit einen Eßlöffel Edelmut in sie hineingerührt. Da Jasper sie nun nicht mal mehr geschenkt haben will, wird sie als Geschenk an Edeltraud geschickt. Zum "Dank" schickt Edeltraud postwendend einen von ihr konstruierten Roboter, dessen eingeschaltete Stromkreise die Nadel der Feineinstellung auf "Superschurkenhaft" jagt.
Die Väter sind hellauf begeistert, entsprechen Puppe und Roboter doch genau ihren Wünschen an den eigenen Nachwuchs. Vorerst jedenfalls. Der Nachwuchs aber verschwindet, trifft sich zufällig und nutzt schließlich gemeinsam seine bis dahin nicht anerkannten Fähigkeiten zum Selbstständigwerden.
Die Neuseeländerin Margret Mahy erzählt in "Rasende Roboter und ohnmächtige Onkel" ein anarchisches Märchen, das bis zum chaotischen Happy-End vor Wortwitz und skurrilen Ideen nur so übersprudelt. Die keineswegs moralinsaure Botschaft an Eltern, Pädagogen und so weiter: Erstens kommt es anders, als man zweitens denkt. Die Botschaft an die Kinder: Bleibt gelassen, geht euren eigenen Weg und laßt euch durch die Erwachsenen nicht verrückt machen. Die Illustrationen von Tatjana Hauptmann setzen dem Ganzen noch den I-Punkt auf, so daß selbst die größten Büchermuffel schwach werden sollten.

Weitere Besprechungen zu Werken von Margaret Mahy siehe:
Margaret Mahy: Im Banne der Erinnerung (1988)
Margaret Mahy: Rasende Roboter und ohnmächtige Onkel (1995)

Buechernachlese © Ulrich Karger


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