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Michael Morpurgo

Die schwarze Hexe

Erzählung. Aus dem Englischen von Fred Schmitz. Dressler Verlag, Hamburg 2001. 126 Seiten. 18,80 DM. Ab 8 Jahren. ISBN: 3-7915-1351-6, >>> Amazon

Der Umzug in die Victoriastraße 23 schien erst eine prima Sache zu sein, nicht zuletzt weil Billy nun nicht mehr mit seiner kleinen Schwester Rula und ihrem Kaninchen Muckel ein Zimmer teilen muß. Doch dann verschwindet Muckel eines Tages. Als Billy sich auf die Suche nach ihm macht, findet er das Tier ausgerechnet im Garten von Hausnummer 22. Hier wohnt 'Die schwarze Hexe'. Stets vom Hut bis zu den Schuhen in schwarz gekleidet, läßt sie Billy kaum mehr als ihre Brille sehen, nachdem er bei ihr angeklopft hat. Und schon bald bereut Billy seinen Wagemut und hätte Muckel lieber nicht wiedergefunden.

Ein weiteres Buch des 'Dreamteams' Michael Morpurgo und Tony Ross. Vorurteile und die Angst vor Fremden pflegen Briten gewiß nicht weniger als unsereins, jedoch verfügen sie über eine unwiderstehliche Waffe dagegen. Der angelsächsische Humor vermag exzentrischem Verhalten mit stoischer Gelassenheit, wenn nicht sogar mit insgeheimer Bewunderung zu begegnen. Und das spiegelt sich en passent selbst in Morpurgos Nebenfiguren. Eine andere Brücke ist die 'Fairness', die sich schlicht und einfach von erwiesenen Fakten überzeugen läßt. Da ihm die 'Hexe', wenn auch 'unheimlich kichernd', das Kaninchen ohne weiteres übergibt, läßt sich der Ich-Erzähler Billy auch zu einem Gefallen für sie 'hinreißen'. Er kümmert sich nun für zwei Wochen heimlich um ihren Kater. Dazu muß er sich wie sie verkleiden, weil 'Rambo' das Fressen sonst nicht annimmt und so zudem auch niemand erfährt, daß die Hexe nicht zu Hause ist. Das erlaubt sehr komische Verwicklungen und Mißverständnisse, die Tony Ross in seinen Vignetten einmal mehr sehr treffsicher zu unterstreichen weiß. Am Ende stellt sich heraus, daß die Hexe keine Hexe, sondern der weltbeste Schachspieler ist, der während seiner Abwesenheit einen von Billys ganzer Familie voller Spannung am Bildschirm verfolgten Wettstreit gegen einen Schachcomputer gewonnen hat.

Weitere Besprechungen zu Werken von Michael Morpurgo siehe:
Michael Morpurgo: Die Sache mit Billys Knie (2000)
Michael Morpurgo: Die schwarze Hexe (2001)
Michael Morpurgo: Toro! Toro! (2002)
Michael Morpurgo: Das schlafende Schwert (2003)
Michael Morpurgo: Nur Meer und Himmel (2015)

Buechernachlese © Ulrich Karger


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