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Uri Orlev

Der Mann von der anderen Seite

Roman. Elefanten Press, Berlin 1990, 143 S., ISBN: 3-88520-354-5, >>> Amazon

Marian ist ungefähr vom selben Jahrgang wie ein gewisser, mit der späten Geburt begnadeter, deutscher Politiker. Marian stammt aus Warschau und trifft vor einigen Jahren den Autoren Uri Orlev in Jerusalem. Ihm erzählt er seine Geschichte, die für ihn noch heute eine "empfindliche Angelegenheit" ist. Uri Orlev soll also bitte nichts darüber schreiben.
"Aber nur solange du lebst."
"In Ordnung. Jetzt hast du einen guten Grund, länger zu leben als ich."
Marian ist zwei Monate später bei einem Flugzeugunglück ums Leben gekommen.
Uri Orlev hat mit dem Nacherzählen der Geschichte von Marian ganz bestimmt keinen Verrat an seinem Freund begangen, und in Mirjam Pressler eine Übersetzerin aus dem Hebräischen gefunden, die die ganze Dramatik dieser Geschichte nachspürbar gemacht hat.
Marian ist 14 Jahre alt, als Antoni, sein Stiefvater ihn mit in die Kanalisation nimmt, um Nahrungsmittel in das Ghetto zu schmuggeln. Marian hält Antoni für einen "Primitivling", aber er teilt vorerst dessen Abneigung gegen Juden, die beinahe jeden Preis für das zahlen, was er an Lebensmitteln organisieren kann. Marian und zwei Freunde erpressen sogar Geld von einem aus dem Ghetto geflohenen Mann. Seine Mutter erwischt ihn dabei, und sie vertraut ihm das Geheimnis der Herkunft seines Vaters an, das schlagartig sein Leben verändert. Marians Vater war kommunistischer Widerstandskämpfer ... und Jude. Da trifft Marian Herrn Jozek, der ebenfalls dem Ghetto entkommen ist. Er versteckt ihn. Aber als ihm Ghetto der Aufstand losbricht, will Herr Jozek zurück. Marian wagt es, Herrn Jozek durch die unterirdischen Gänge zu führen. Niemand darf davon wissen, vor allem Antoni nicht ...
Diese Geschichte hat sich wirklich zugetragen, Uri Orlev brauchte also keine literischen Kunstgriffe anwenden, um für Spannung zu sorgen. Eine Spannung, die Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen in den Bann zu ziehen vermag.
Das deutsche Politikerkind hatte oft Schwierigkeiten damit, Vorreiter zu sein, weil ja die anderen nicht mitmachen würden. In Marian hätte er einen Vorreiter in Sachen Scham-und Erinnerungsvermögen, dem er sich nun vertrauensvoll anschließen könnte.

Weitere Besprechungen zu Werken von Uri Orlev siehe:
Uri Orlev: Der Mann von der anderen Seite (1990)
Uri Orlev: Das kleine große Mädchen (1997)

Buechernachlese © Ulrich Karger


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