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Alexander Pechmann

Die zehnte Muse

Roman. Steidl Verlag, Göttingen 2020. 176 Seiten. 18,00 Euro. ISBN: 978-3-95829-715-9, >>> Amazon

1905 kommt der Maler Paul Severin im Zug nach Königsfeld mit dem englischen Journalisten und Abenteurer Algernon Blackwood ins Gespräch. Algernon Blackwood hat auf einem Gemälde Severins ein Mädchen wiedererkannt - doch das Gemälde ist gut 20 Jahre nach seiner Internatszeit in Königsfeld entstanden, von der Blackwood ausführlich erzählt. Aus jener Zeit ist ihm vor allem die Begegnung mit besagtem Mädchen in Erinnerung geblieben, die ihm damals so reizvoll wie unheimlich erschien. Severin schließt daran mit einer Geschichte über seine verlustreiche Kindheit als Jenischer in der Königsfelder Gegend an, aus der ihn sonderbare, aber auch hilfreiche Begegnungen erst nach Karlsruhe, dann nach Paris führen sollten, um schließlich vor Jahren als Maler wieder nach Königsfeld zurückzukehren und ebenfalls unter mysteriösen Umständen auf jenes Mädchen im Wald zu treffen - was allein vom Alter her ja eigentlich gar nicht möglich sein kann. In Königsfeld angekommen, beschließen die Männer, nun beide vor Ort der Geschichte dieses Mädchens nachzuspüren.
Alexander Pechmann hat in "Die zehnte Muse" erneut historische Persönlichkeiten und wahre Begebenheiten sprachlich sehr eingängig zu einer vielschichtigen Schauergeschichte verarbeitet.
So besuchte Algernon Blackwood (1869-1951) tatsächlich während des im Buch angegebenen Jahres ein Internat in Königsfeld. Auch andere in der Geschichte eine Rolle spielende Figuren, wie der Buchhändler Edmond Bailly, sind historisch belegt. Für die Karriere des fiktiven Ich-Erzählers und Malers Paul Severin hat sich der Autor in Teilen Karl Hofer (1878-1955) zum Vorbild genommen.
Den spannungsanziehenden Aspekt des Schauerlichen unterfüttert Pechmann u.a. mit bekannten Schwarzwald-Sagen wie auch einigen okkulten Lehren, die Ende des 19. Jahrhunderts diskutiert wurden. Doch noch mehr ziehen in dieser Geschichte seine Beschreibungen der Jenischen in den Bann, zu denen in der Geschichte offenbar nicht nur Paul Severin gezählt hatte
Pechmann lässt einmal mehr das schaurig Unerklärliche zur ansprechenden Unterhaltung werden - und benennt dafür am Ende auch die historischen Quellen, aus denen er mit viel Gewinn geschöpft hat.

Weitere Besprechungen zu Werken von Alexander Pechmann siehe:
Alexander Pechmann: Die Nebelkrähe (2019)
Alexander Pechmann: Die zehnte Muse (2020)

Buechernachlese © Ulrich Karger


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