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Jürg Schubiger & Franz Hohler

Aller Anfang

Geschichten. Illustrationen: Jutta Richter. Beltz & Gelberg Verlag, Weinheim - Basel 2006. 125 Seiten. 16,90 EUR. Für Erwachsene und Kinder ab 9 Jahren. ISBN: 3-407-79914-4, >>> Amazon

Wie ist unsere Welt entstanden? Woher kommen all die Sterne, die Sonne, die Erde und der Mond? Und das Meer? Und die Sprache, mit der die Menschen allen Dingen Namen gaben? Und überhaupt die Menschen - wie sind die denn auf die Welt gekommen?

Jürg Schubiger und Franz Hohler antworten darauf in "Aller Anfang" mit 34 Geschichten. Schubiger hat das erste, Hohler das letzte Wort in einem ständigen Hin und Her, das jeweils mit der Geschichte des anderen korrespondiert und Elemente daraus gleich einem Ball aufgreift, um sie mit einem neuen Drall zu versehen. Einige dieser Geschichten von Franz Hohler sind schon älter und bildeten für diese Zusammenstellung offenbar die Ausgangsbasis, an der sich Jörg Schubiger erstmal "abzuarbeiten" hatte - alles andere aber ist neu und auch die alten Geschichten fügen sich nun wie von vorneherein zugehörige Mosaiksteine in dieses Buch.
Doch wer nun meint, ihre Geschichten orientierten sich an den religiösen Schöpfungsmythen, liegt haarscharf bis kilometerweit daneben. Haarscharf deshalb, weil die beiden Autoren zuweilen durchaus mit Aspekten der Bibel spielen - so gibt es z.B. Geschichten, in denen Gott, aber auch eine Göttin, Adam und Eva, aber auch Bedam und Cedam vorkommen. Aber oft sind es Geschichten, die mit ihrem skurrilen Humor kilometerweit von jeder religiösen Anspielung entfernt sind, wie in jener von der zwanzigtausend Kilo schweren Kältehummel in Nordgrönland, wegen der es alle Jahre den Winter bei uns gibt. Oft nur eine Manuskriptseite lang, bilden die Texte ein so unprätentiöses wie sprachdichtes Amalgam aus Poesie und Witz, Philosophischem und Albernem - in jedem Fall aber ein Vergnügen.
Weit mehr als nur ein Sahnehäubchen sind zudem die köstlichen Illustrationen von Jutta Bauer, die hier nicht nur mit koloriertem Zeichenstrich glänzt, sondern den Hintergrund ihrer Bilder auch noch sehr gewitzt mit erfindungsreichen Collagetechniken erweitert hat. Ihre Bilder greifen die Erzählfäden der beiden Autoren kongenial auf und werden so zum dritten, alles verbindenden Korrespondenz-Partner, der das Auge so lange auf der jeweiligen Geschichte ruhen lässt, bis man ihren Pointen nachgespürt hat.
Doch wenn der Verlag voller Begeisterung als Zielgruppe "Für alle" angibt, so trifft das nur in dem Sinne zu, als neben Kindern auch und gerade Erwachsene von diesem Buch angesprochen sein werden. Viele der anspielungsreichen Geschichten aber bedürfen eines größeren Wortschatzes, als er Kindern unter neun Jahren zueigen ist, und auch einer gewissen Vorkenntnis, um ihren Humor zur Gänze würdigen zu können. Dies ist aber nur eine marginale Einschränkung für ein wunderbares Buch, dem man Muße schenken und es gleich einem Gedichtband nach und nach und durchaus öfter lesen sollte.

Weitere Besprechungen zu Werken von Jürg Schubiger siehe:
Jürg Schubiger: Mutter, Vater, ich und sie (1997)
Jürg Schubiger & Franz Hohler: Aller Anfang (2006)

Weitere Besprechungen zu Werken von Franz Hohler siehe:
Franz Hohler: Wenn ich mir etwas wünschen könnte (2000)

Buechernachlese © Ulrich Karger


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