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Lara Schützsack

Sonne, Moon und Sterne

Roman. Fischer Sauerländer Verlag, Frankfurt a. M. 2019. 239 Seiten. 14,00 EUR. Ab 10 Jahren. ISBN: 978-3-7373-5622-0, >>> Amazon

Noch ist Gustav elf Jahre alt, aber nicht lange, dann sind Sommerferien und sie feiert Geburtstag. Doch das scheint ein rabenschwarzer Tag zu werden.
Sonst feierten sie ihren Geburtstag stets in Dänemark, doch diesmal bleibt das gemietete Wohnmobil vor der Haustür stehen. Gustavs Eltern streiten sich nur noch und benötigen Abstand voneinander. So ist Gustavs Mutter Iris zu einer Freundin nach Mallorca geflogen, während ihr Vater Erik zu Hause die Wände anstarrt. Gustavs ältere und hochgradig pubertäre Schwestern Ramona und Sara sind da auch kein Trost, ganz im Gegenteil: Als Gustav ihnen die Veränderungen an ihrem Oberkörper zeigt, wird sie ausgelacht, weil sie die zwei "Erbsen" nicht gleich als werdenden Busen erkannt hat. Außerdem sieht sie mit diesen Erbsen im Badeanzug unmöglich aus und kann demzufolge auch nicht ins Freibad gehen. Bleiben nur noch Sand, die altersschwache Hündin, die schon vor Gustavs Geburt zur Familie gehörte und Moon, dieser seltsam aussehende Schüler, der am letzten Schultag Gustavs Klasse fürs kommende Schuljahr kennenlernen wollte. Mit beiden wird sie in diesen Ferien so manchen Anfang und auch so manches Ende erleben und dabei unter anderem entdecken, dass zuweilen das Traurig-Sein vom Glücklich-Sein nur eine Armlänge weit entfernt ist.
Lara Schützsack hat mit "Sonne, Moon und Sterne" fünf Jahre nach ihrem preisgekrönten Debüt "Und auch so bitterkalt" ihr zweites Kinderbuch vorgelegt. Die Autorin versteht es darin, sehr präzise und mit gelungenen Sprachbildern einen wichtigen Abschnitt im Leben eines Mädchens zu entfalten. Warum Gustav Gustav genannt wird, "weiß eigentlich niemand mehr so genau" - ist aber nicht von Bedeutung. Weit wichtiger ist, das Gustavs Beziehungsgefüge auseinanderzufallen droht. Nicht nur ihre von allen mit Vornamen angesprochenen Eltern gehen erstmals getrennte Wege, auch ihre beste Freundin Anina "appt" aus ihrem Ferienaufenthalt in Frankreich nur noch kurze, nichtssagende Nachrichten. Dazu noch der sich verändernde Körper und die damit verbundene Drohung, bald genauso selbstbezogen zu werden wie ihre Schwestern. Die Hündin Sand als einzig verlässliche Konstante zwingt sie immerhin noch zum Gassigehen, so dass sie auch Moon wieder trifft. Als Einzelkind hat er mit seiner alleinerziehenden Mutter ganz andere, im Kern jedoch ähnliche Probleme wie Gustav. Doch erst am bittersüßen Ende der Geschichte vermag Gustav in all den "Enden" auch die Chance für froh stimmende Neuanfänge zu entdecken.
Wie die Autorin kleine und größere Katastrophen im Leben von Gustav zur Sprache bringt, ist schlicht exzellent: mit einer guten Portion Situationskomik besticht sie vor allem durch ihre Liebe zum Detail, die die schrille Tonlage Pubertierender genauso treffend wiedergibt, wie das leis-zarte Kennenlernen von Gustav und Moon oder die stille Verzweiflung des Vaters als erwachsener Nebenfigur.
Ganz egal, ob während einer Ferienreise oder zu Hause - ein spannendes Leseabenteuer, das Selbstbewusstsein wecken hilft.

Buechernachlese © Ulrich Karger


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