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Andreas Venzke

Veit und ein anderer Tag

Erzählung. Oetinger Verlag, Hamburg 1996, 91 S., ISBN 3-7891-5001-0, >>> Amazon

Es fängt eigentlich ganz harmlos an. Gerade hatte Veit als Bücherwurm den "beknackten" Wettlauf von Amundsen und Scott an den Südpol begleitet, da schickt ihn der Vater zum Bierholen. Veits Vater ist stets mißlaunig, weil arbeitslos. Mit dem Bier würde er wenigstens Ruhe geben. Im Supermarkt trifft Veit dann seine heimliche Liebe Martina. Heimlich deshalb, weil die Liebe eines "Klumpfußes" zu so einem tollen Mädchen ja nie und nimmer auf Gegenliebe stoßen kann. Veit ist schon froh, daß Martina gelegentlich ein Wort mit ihm auf dem Schulhof wechselt. Und dabei hat sie eine Art, "da könnte Veit immer 'nen dreifachen Salto machen, mindestens. So witzig ist sie, so lieb. So normal ist sie zu ihm." Auch jetzt im Supermarkt lacht sie ihn an und hakt sich bei Veit sogar unter. Hilft er ihr beim Schokoladekaufen, begleitet sie ihn beim Bierholen. Doch Martina klaut eine der drei Tafeln Schokolade. Sie hat Veit nur als Deckung mißbraucht. Und dann werden sie auch noch erwischt. Als Veit, ganz Held, die Schuld auf sich alleine nimmt, läßt Martina ihn im Stich ...
Dem in Berlin geborenen Mittdreißiger Andreas Venzke gelingt in VEIT UND EIN ANDERER TAG nicht zuletzt dank seiner hellhörig abgelauschten und wohldosiert eingesetzten Jugendlichen-Idiome die keineswegs leichte Gratwanderung zwischen Anrührung und Situationskomik. Seine Sprachregelung, gekonnt zwischen erster und dritter Person changierend, gewährt eine glaubwürdige und durchaus vielschichtige Innenschau in das verunsicherte Gefühlsleben eines Jugendlichen. Der "Kniff", seinen Helden mit einem "Klumpfuß" auszuzeichnen, entfaltet eine überzeugende Eigendynamik. Die Gedankengänge Veits erhalten so einen weiteren Drall, gerade weil sie sich nur unwesentlich von nichtbehinderten Menschen seines Alters unterscheiden. Aus der Summe seiner Eigenheiten hat Veit jedoch eine hohe Sensibilität entwickelt. So kennt er sich zwar auch im Selbstmitleid ganz gut aus, findet aber immer wieder zu sich und einer unaufdringlich auch die LeserInnen positiv verstärkenden Haltung zurück. Der "ganz normale" Alltag mit ignoranten Lehrern, brutalisierten Mitschülern und dem arbeitslosen, geschiedenen Vater sorgt in dieser "heimlichen" Liebesgeschichte zudem für eine gehörige Portion Spannung und kommt im Happy End ohne Übertreibungen aus.

Weitere Besprechungen zu Werken von Andreas Venzke siehe:
Andreas Venzke: Veit und ein anderer Tag (1996)
Andreas Venzke: Zwei Fluchten (1997)

Buechernachlese © Ulrich Karger


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