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Adam Zameenzad

Das 13. Haus

Roman. Klett-Cotta, Stuttgart 1991, 296 S., ISBN: 3-608-95684-0, >>> Amazon

Obwohl DAS 13. HAUS im Orginal schon 1987 in London erschienen ist, wirkt es wie die gepfefferte Antwort zu Hanif Kureshis jüngst von den Medien hochgepuschtes Buch DER BUDDHA AUS DER VORSTADT.
Zahid hat es geschafft für seine vierköpfige Familie, ein mit seinen drei Zimmern vergleichsweise geräumiges Haus zu mieten. Die Miete verschlingt mehr als ein Drittel seines unsicheren Einkommens, das trotz jahrelanger Anstellung bei ein und derselben Firma jederzeit ausfallen kann. Nun gut, er hat auch noch einen Nebenjob als Hauslehrer verwöhnter Töchter, und die Miete ist, wie er weiß, nur deshalb so "günstig", weil das Haus im Ruf steht, seinen Bewohnern Unglück zu bringen. Zahid fühlt "sich von einer Welle des Erstaunens darüber durchgeschüttelt, daß ihm das nichts ausmachte".
Es ist ein dreizehntes Haus, das aus dem Rahmen des Beziehungsgeflechtes der zwölf Häuser des Tierkreises fällt. Man weiß nicht viel darüber, nur das darin das Schicksal unbarmherzig zuschlägt.
Wenn Doris Lessing diesen Erstlingsroman von Zameenzad als "ungewöhnlich stark und talentvoll" anerkannte, ist das nicht nur ein Hinweis auf die Qualität, sondern auch auf die verwendeten Sprachbilder.
Für den westlichen Macher, der Nöte und Vergangenheiten partout bewältigen will, sind weniger die von außen auf den Protagonisten Zahid einstürmenden Tragödien beängstigend, als seine in direkter Rede und in surrealistischen Traumbildern vorgestellte resignative Lebenshaltung. Resignativ ist hierbei wortwörtlich zu verstehen: Lebenszeichen zurücknehmen bzw. in Zahids Fall gar nicht erst laut werden lassen. Natürlich kennt auch Zahid die Wünsche nach mehr Geld und etwas mehr Luxus. In Pakistan, bei einer durchschnittlichen Lebenserwartung unter 30 Jahren, wäre das z.B. die für uns selbstverständliche ärztliche Betreuung seines dritten, vermutlich epileptischen Sohnes, nachdem die ersten beiden schon gestorben sind, und die schulische Ausbildung seiner Tochter, die zwar gesund, aber eben "nur ein Mädchen" ist. Dabei ist Zahid nicht etwa auf der breitbesiedelten niedrigsten Sozialstufe. Er hat studiert und war bisher nie arbeitslos.
Jedes bißchen Glück empfindet Zahid mit tiefer Dankbarkeit ..und großer Angst. Es kann gar nicht sein, es darf gar nicht sein, und wenn, dann hat es seinen irrational überhöhten Preis, der jederzeit unverhofft, zumeist im "schönsten Augenblick" brutal eingefordert wird - slapstickartige Szenen des Horrors, bei denen einem das Lachen im Halse stecken bleibt. Sicher denken einige sofort an die notwendige Erhöhung des "Entwicklungshilfe"-anteils, die wenigstens die ärgste Not lindern könnte. Zahid erlebt jedoch die Politik als etwas, das das Unglück der Menschen noch voll macht.
Es bleibt eine Fremdheit, die vermutlich unüberbrückbar ist, die aber wenigstens zur Kenntnis genommen werden sollte, wenn sie einem schon so meisterlich vorgestellt wird.

Weitere Besprechungen zu Werken von Adam Zameenzad siehe:
Adam Zameenzad: Das 13. Haus (1991)
Adam Zameenzad: Mein Freund Matt und Hena die Hure (1992)

Buechernachlese © Ulrich Karger


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