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Peter Berling

Die Kinder des Gral

Roman; G.Lübbe, Bergisch Gladbach 1991, 768 S., ISBN: 3-7857-0606-5, >>> Amazon

LeserInnen, die Umberto Ecos DER NAME DER ROSE verschlungen haben, können sich nun erneut in einen gut 750 Seiten dicken, wunderbar ausgestatteten "Schmöker" vertiefen, der im Umfeld kirchengeschichtlicher Intrigenspiele des Mittelalters seinen Erzählfaden aufnimmt.
Anno Domini 1244 entbrennt zwischen Papst und Kaiser, Ketzern (Katharer), Tempelrittern und Assassinen der Kampf um zwei Kinder, deren Herkunft und Bestimmung, nicht nur nach dem Glauben der Katharer(=die Reinen), es ermöglicht, das Machtgefüge der Welt aus den Angeln zu heben. DIE KINDER DES GRAL werden von der sie umgebenden Lobby eines buntgewürfelten Interessenverbandes in die direkte Blutsverwandschaft zu Jesus Christus gesetzt: Der Heilige Gral = San Gral = Sang Réal = Heiliges Blut ist in seiner Konsistenz bis heute ungeklärt. Ist es ein Stein oder ein Kelch mit den aufgefangenen Blutstropfen Jesu oder eben das Wissen um geheime Dinge wie die Dynastie des königlichen Hauses Davids über Jesus von Nazareth bis nach Okzitanien hinein?
Peter Berling, u.a. auch ein Tausendsassa der Filmbranche, sagt von sich selbst: "Im hohen Mittelalter kenn' ich mich besser aus als im 18. oder 19. Jahrhundert. Man sagt ich sei ein Renaissance-Mensch, aber ich hätte lieber am Hofe Friedrichs II. gelebt und ihn - mit meiner Kenntnis der Zusammenhänge und Konsequenzen - beraten."
Nicht nur seine überprüfbaren Anmerkungen im umfangreichen Anhang weisen in tatsächlich als einen Kenner aus, der in der seltenen Lage ist, aus seiner Kenntnis ein farbenprächtiges und plausibles Panorama jener Zeitläufte zu vermitteln. Seinem Protagonisten, dem Franziskaner Willem von Roebruck, wird Schicht um Schicht der frommen Naivität abgerissen, bis er die Würdenträger aller religiösen "Gattungen" als das durchschaut, was sie sind: Machthungrige Wölfe, die mehr oder weniger nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht sind - ganz egal, ob sie nun eine "Koalition" der drei Schriftreligionen gegen die gefürchteten mongolischen "Horden" entwickeln oder die Vorherrschaft ihrer Glaubensgemeinschaft gegen den Kaiser ausbauen wollen: Ein mittelalterliches "Dallas" also. Die Kinder des Gral haben sich stets deren Kalkül unterzuordnen, werden je nach Interessenlage hin und her geschoben. Der Junge und das Mädchen, beide von erfrischender Lebhaftigkeit, entwickeln jedoch genügend Selbstbewußtsein, um schließlich sich selbst und auch ihren geliebten Willem zu schützen.
Nota bene: In diesem Roman geht es nur ganz selten um den Glauben an den einen Gott. Peter Berling erzählt eine Kirchengeschichte, die sich so oder ähnlich tatsächlich abgespielt haben könnte, und wenn man heutzutage wieder zu lesen bekommt, wie beispielsweise katholische Würdenträger inklusive Papst ihr Ränkespiel um die nachwievor geheimgehaltenen Qumrantexte treiben, handelt es sich offenbar um eine durchaus aktuelle Geschichte.

Weitere Besprechungen zu Werken von Peter Berling siehe:
Peter Berling: Die Kinder des Gral (1991)
Peter Berling: Der schwarze Kelch (1997)
Peter Berling: Der Kelim der Prinzessin (2005)

Buechernachlese © Ulrich Karger


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