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Peter Berling

Der schwarze Kelch

Roman; Lübbe Verlag, Bergisch Gladbach 1997, 1278 S., ISBN: 3-7857-0887-4, >>> Amazon

"DER SCHWARZE KELCH" beschließt die nunmehr insgesamt fast 4000 Seiten umfassende Tetralogie um die "Kinder des Grals".
Aus den im Jahre 1244 vor der Inquisition geretteten Kleinkindern sind mittlerweile jugendliche Erwachsene geworden, die es leid sind, ständig als Spielball zwischen den verschiedensten Interessenvertretern hinundherjongliert zu werden. Sie werden jetzt von den Katharern als das "Königliche Paar" verehrt, das, wenn schon keine neue Weltordnung, dann wenigstens eigene und weitgehend selbstbestimmte Akzente setzen will. Während Roç Trencavel du Haut-Ségur, Nachfahre des Parzifal, auf ritterliche Heldentaten aus ist und den Gral in einer greifbaren Manifestation sucht, will Yeza Esclarmunde du Mont y Sion seine ideellen Bedeutung erkennen und würde am liebsten eine Universität der toleranten Gelehrsamkeit mitten in Jerusalem gründen. Die Anzahl geheim oder auch offen bekennender Anhänger der katharischen, d.h. der "reinen" Lehre ist gar nicht so klein. Aber es brodeln die Intrigen und Kämpfe um die Weltvorherrschaft, und die Stauffer und erst recht der Vatikan lassen in ihrer Verfolgung der "Ketzer" nicht nach. Dann kommt es auch noch zur Trennung. Roç und Yeza haben das Gefühl, nur unabhängig voneinander ihre Bestimmung finden zu können...
Peter Berling gelang mit seinem Opus magnum ein pralles Panorama des ausgehenden Mittelalters, das in seiner Weitläufigkeit - vom Languedoc über den Vorderen Orient bis in die Mongolei - konkurrenzlos dastehen dürfte. So werden im umfangreichen Anhang u.a. auch die vielsprachigen Redewendungen kommentiert, die im Text die differenzierte Farbigkeit seiner Protagonisten ohne Reibungsverluste unterstreichen. Selten bietet ein deutschsprachiger Autor so unverkrampft und sprachgewandt anregende und zugleich bildende Unterhaltung. Neben den zahllosen Abenteuern finden sich immer wieder höchst geistreiche Dialoge und Reflexionen über Gott und die Welt - aus den unterschiedlichsten, z.T. auch aberwitzigsten Perspektiven, denn selbst dieses angeblich so finstere Zeitalter zeichnete sich nicht nur durch weltweite Beschränktheit aus. Hervorragend ausgestattet (u.a. Leinenbindung, Lesebändchen), kann diese Tetralogie Peter Berlings ohne weiteres neben "Der Medicus" und "Der Name der Rose" eingereiht werden.

(Ein Irrtum - erst mit Der Kelim der Prinzessin liegt seit 2005 der 5. und letzte Band vor.)

Weitere Besprechungen zu Werken von Peter Berling siehe:
Peter Berling: Die Kinder des Gral (1991)
Peter Berling: Der schwarze Kelch (1997)
Peter Berling: Der Kelim der Prinzessin (2005)

Buechernachlese © Ulrich Karger


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