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John Ajvide Lindqvist

So finster die Nacht

Roman (Horror-Thriller). Aus dem Schwedischen von Paul Berf. Bastei Lübbe Verlag, Bergisch-Gladbach 2007. 639 Seiten. 8,95 Euro. ISBN: 978-3-404-15755-6, >>> Amazon

Oskar wird von einigen "Klassenkameraden" mit unerbittlicher Regelmäßigkeit gequält. Sich den Lehrern oder seiner Mutter anzuvertrauen, hieße nach Einschätzung des 12-jährigen nur, eine weit schlimmere Rache heraufzubeschwören. Doch seine wachsende Wut sucht nach einem Ventil - wenigstens in der Phantasie sticht er auf seine Widersacher ein und beharkt mit einem Küchenmesser die Bäume eines nahe gelegenen Wäldchens. Dann wird ein Junge gefunden, der mit den Füßen an einem Baum hängt und völlig ausgeblutet ist. Wenig später lernt Oskar die Hintergründe dieses Mordes nur allzu genau kennen ...
John Ajvide Lindqvist (bzw. John A. Lindqvist) war lange Zeit erfolgreicher TV-Standup-Comedian, bevor er sich dem Schreiben von Horror-Thrillern widmete. Sein sehr flüssig ins Deutsche übersetzte Roman "So finster die Nacht" macht deutlich, warum er in Schweden nun auch als großes Talent der Literaturszene gefeiert wird.
Lindqvist entwickelt seine Handlungsträger bis zur letzten Seite als Menschen, die mit sehr spektakulären Veränderungen klarkommen müssen. Doch der in diesem Roman verhandelte Vampirismus wird als Krankheit und nicht als Teil einer dämonischen Geisterwelt eingeführt - ohne dabei auf solche Kennzeichen wie potenzielle Unsterblichkeit oder die Vampirzähne zu verzichten. Wird man unter anderem bei Stephen King spätestens am Ende seiner Romane - auch seiner besseren - meist wegen ihrer zum fesselnden Vorlauf sehr abflachenden Auflösungen enttäuscht, hält dieser Roman bis zur letzten Seite eine überzeugende Balance des Grauens.
Wenn man trotz des anrüchigen Genres bei Lindqvist von Literatur sprechen mag, dann nicht zuletzt wegen seiner unter die Haut gehenden Ausgestaltung der Protagonisten. Neben Oskar sind es noch drei, die im besonderen Fokus stehen, aber auch die Nebenfiguren werden in ihren Antrieben bis zuletzt konsequent und als eigene bedeutsame Größe vorgestellt. Für sie alle gemeinsam als folgenreich erweist sich eine offenbar auch in Schweden verbreitete Nicht-Wahrnehmung von Kindern und eine Vereinsamung der Erwachsenen, die meist nur durch gemeinschaftlich hohen Drogen- bzw. Alkoholkonsum überwunden wird.
Selbst hartgesottenen Horror-Liebhabern wird dank dieser vom Autor an keiner Stelle einem schlichten Gut-Böse-Schema geopferten Identifikationsfiguren das Fürchten gelehrt - das sich hierbei literweise verspritzende Blut ist da nur noch ein thematisch bedingtes, zusätzliches Ingredienz.

Weitere Besprechungen zu Werken von John Ajvide Lindqvist siehe:
John Ajvide Lindqvist: So finster die Nacht (2007)
John Ajvide Lindqvist: Menschenhafen (2009)
John Ajvide Lindqvist: Im Verborgenen (2010)
John Ajvide Lindqvist: Wolfskinder (2011)

Buechernachlese © Ulrich Karger


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