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Büchernachlese-Extra: Jesus Christus (Romane, Sachbücher)

Gerald Messadié

Ein Mensch namens Jesus

Roman. Droemer Knaur, München 1989, 751 S., ISBN: 3-426-19256-X, >>> Amazon

Schon der Buchtitel EIN MENSCH NAMENS JESUS ist für viele praktizierende Christen und Christinnen aller Konfessionen eine Provokation, denn sie können und wollen Jesus, den "Sohn Gottes", nicht einfach nur als Menschen sehen. Gerald Messadié, "ein gläubiger Katholik", versuchte aus den sich oft widersprechenden Angaben in den Evangelien des Neuen Testamentes eine plausible Geschichte zu erzählen. Unter Einbeziehung der neuesten historischen Kenntnisse wie sie für den entsprechenden Zeitabschnitt im römischen Reich zuhauf vorliegen, bis hin zu den Funden in Qumran (bis dato die ältesten Bibelhandschriften u.a.) recherchierte er 10 Jahre lang für diesen Roman. Selbst die feinsinnigsten TheologInnen werden G.M. zugestehen müssen, daß ihm ein pralles Zeitpanorama geglückt ist. Selten (und ganz bestimmt nicht in den zum x-ten Mal an Weihnachten und Ostern wiederholten Hollywood-Schinken) wurde so kompetent und in anschaulicher Weise das spannungsgeladene Beziehungsgeflecht der jüdischen Gruppen untereinander sowie zwischen Juden und römischer Besatzungsmacht vorgestellt. Problematisch bis "blasphemisch" wird es für die Gläubigen bei der Charakterisierung der Personen, insbesondere der Jünger, denen der Autor alles andere als Hochachtung zollt. Eine Empfängnis ohne Vorankündigung, die den angesehenen Zimmermann und Priester Josef in große Verlegenheit bringt bis hin zu einer "Auferstehung", die unter dem "Segen" des Prokurators Pontius Pilatus stand, läßt G.M. nichts aus, was ihm früher den Tod auf dem Scheiterhaufen eingebracht hätte.
ABER ..., G.M. will sich nicht als effektheischender Ketzer verstanden wissen. Für ihn war Jesus trotz aller Entlarvung mancher Legendenschnörkel ein Mann, der für den Glauben an den einen Gott sein Leben gegeben hat und der bis zuletzt von den meisten (auch von seinen Jüngern) nicht verstanden wurde. Der Titel EIN MENSCH NAMENS JESUS ist insofern Hochstapelei, als G.M. bei Jesus kräftige Farben scheut und die Schlußfolgerungen für das Wie und Warum seines Lebensantriebes schuldig bleibt. Es sind die Nebenfiguren, die das Vakuum in der Erwartung eines MESSIAS umranden und es unbedingt noch zu ihren Lebzeiten gefüllt sehen wollen.
Um diesem, bei allem Vorbehalt, fesselnden Roman etwas entgegensetzen zu können, müßte man sich erstmal selbst sehr ernsthaft mit der Thematik auseinandersetzen. Den christlichen Kirchen kann's nur recht sein!

Weitere Besprechungen zu Werken von Gerald Messadié siehe:
Gerald Messadié: Ein Mensch namens Jesus (1989)
Gerald Messadié: Moses - Herrscher ohne Krone (1999)
Gerald Messadié: Die Geliebte des Herrn (2005)
Gerald Messadié: Ein Freund namens Judas (2007/2009)]

Buechernachlese © Ulrich Karger


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