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Isabel Allende

Fortunas Tochter

Roman, Suhrkamp Verlag, Frankfurt a. M. 1999, 485 S., ISBN: 3-518-41075-x, >>> Amazon

Schon die ersten Lebenstage Eliza Sommers sind reich an tragikomischen Zügen. Sie wird in einer Seifenschachtel, nur von einer Männerweste umwickelt, vor der Tür eines Geschwisterhaushaltes in Valparaiso gefunden. Jeremy, John und nicht zuletzt Rose Sommers hatten Anfang der 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts London verlassen und sich hierher zurückgezogen. Aus gewissen Gründen. Während der moralinsaure Jeremy zu Ansehen in der chilenischen Vertretung der British Trading Company kommt, hält sich John als Kapitän nur hin und wieder bei seinen Zwischenaufenthalten in Valparaiso auf. Für das gesellschaftliche Leben und die Haushaltsführung der drei ist die "gefallene" Rose zuständig. Rose war es dann auch, die Jeremy schließlich von der Adoption dieses Babys überzeugte und Eliza im Lauf der Jahre zu einer gebildeten jungen Frau heranzog. Nur in einem versagte "Miss Rose": Eliza die Erfahrungen ihrer Jugend zu ersparen. Noch keine 17 Jahre alt, nimmt Eliza die für sie fast tödlichen Gefahren als blinde Passagierin auf sich, um ihren verschwundenen Geliebten in San Francisco zu suchen. Dort versinkt gerade nahezu alles im berühmt-berüchtigten "Goldrausch"...
Isabel Allende hat sich mit einem Roman zurückgemeldet, der, was Aberwitz und Fabulierkunst angeht, direkt beim "Geisterhaus" anknüpft. Sie beweist darin einmal mehr, daß das klassische Motiv odysseehafter Irrfahrten und den Suchen nach dem einen "Schatz" noch längst nicht ausgereizt ist. Dazu muß man allerdings auch ein schier unerschöpfliches Reservoir von Biographien im Kopf haben (oder sich ausdenken können), und in der Lage sein, diese in fesselnde Netzwerke menschlicher Beziehungen einzuarbeiten. Selbst die Nebenfiguren strotzen geradezu vor Plastizität und lassen keinen unberührt. Und natürlich haben hier auch wieder, wohldosiert, Geister ihren Auftritt. Gleich einem Bindeglied begegnen sich in diesem Werk ihre südamerikanischen Vertreter mit chinesischen. Isabel Allende gibt mit "Fortunas Tochter" der puren Leselust Zucker und spielt mit so manchem Klischee, nur um es alsbald wieder aufzubrechen. Ihre Gabe auf einer breiten Klaviatur die Leserschaft und insbesondere deren Zwerchfelle zu berühren, geht einher mit dem unverkrampften Umgang von Weisheit und der daraus resultierenden Forderung nach Toleranz und dem Respekt vor jedem Individuum.

Weitere Besprechungen zu Werken von Isabel Allende siehe:
Isabel Allende: Der unendliche Plan (1992)
Isabel Allende: Paula (1995)
Isabel Allende: Fortunas Tochter (1999)
Isabel Allende: Die Stadt der wilden Götter (2002)

Buechernachlese © Ulrich Karger


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