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Isabel Allende

Paula

Lebensroman, Suhrkamp Verlag, Frankfurt a. M. 1995, 488 S., ISBN: 3-518-40694-9, >>> Amazon

Spätestens nach der Verfilmung von "Das Geisterhaus" dürfte Isabel Allende als Autorin von Weltrang selbst Lese-Banausen ein Begriff sein. Mit "PAULA" hat sie nun ihren "Lebensroman" vorgelegt.
"Hör mir zu, Paula, ich werde dir eine Geschichte erzählen, damit du, wenn du aufwachst, nicht gar so verloren bist."
Schon bald aber dient dieses Erzählen der Familiengeschichte vor allem dem eigenen Überleben am Bett der komatösen Tochter. Die Kapitel, die über ein Jahr hinweg den jeweiligen Zustand Paulas und die unternommenen Heilungsversuche schildern, korrespondieren mit einer Biographie, die jede Fiktion um Längen schlägt. Selbst der entschlüsselte Hintergrund zu "Das Geisterhaus" erweist sich um einiges bizarrer als der gestaltete Roman. Es überrascht dann auch gar nicht weiter, daß die Mutter Paulas nicht nur Schulmediziner, sondern auch Schamanen, Hexen und Gebetsgruppen an das Bett der Tochter führt. Darüberhinaus verweist diese Autobiographie - Isabel Allende ist die Nichte des ermordeten Präsidenten Salvador Allende - exemplarisch auf die Geschichte Chiles. Diese Familie Allende als faszinierend zu kennzeichnen, wäre ein Euphemismus. Sie ist in keinen Schrank, geschweige denn in eine Schublade einzuordnen. Von reaktionärem Dünkel bis zur heldenhaften Selbstaufopferung für Unterdrückte reicht das schillernde Spektrum dieses Zeugnisses. Isabel Allende selbst, die vielen mit ihren Aktivitäten im Untergrund das Leben gerettet hatte, bekennt darin, das ihr Heldentum oft auch Frucht ihrer Naivität war. Dieser Naivität stand aber stets zumindest eine gehörige Portion an Willenskraft und Intuition gegenüber. Ein Mal, ein einziges nicht zu vernachlässigendes Mal versagt die Intuition Isabel Allendes allerdings: Sie verspüre noch heute gegenüber einem Fischer, der sie als 8-jährige "nur" mißbraucht, aber nicht "vergewaltigt" habe, ein "zärtliches Gefühl". Da hilft es dann auch nicht, wenn dem Mann zwei Tage später von vielleicht nicht ganz unbekannter Hand der Schädel eingeschlagen wurde. Darüber hinwegzulesen fällt schwer, auch wenn der überwältigende "Rest" einmal mehr ein Leseabenteuer ersten Ranges ist.

Weitere Besprechungen zu Werken von Isabel Allende siehe:
Isabel Allende: Der unendliche Plan (1992)
Isabel Allende: Paula (1995)
Isabel Allende: Fortunas Tochter (1999)
Isabel Allende: Die Stadt der wilden Götter (2002)

Buechernachlese © Ulrich Karger


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