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Noah Gordon

Die Erben des Medicus

Roman. Droemer Knaur Verlag, München 1995, 435S., ISBN: 3-426-19331-0, >>> Amazon

"DIE ERBEN DES MEDICUS" schließen die Trilogie um die Ärztedynastie der Coles ab. Seit dem Mittelalter verfügen sie über die "Gabe", mit ihren Händen den nahenden Tod eines Patienten zu erahnen, auch wenn die äußeren Anzeichen noch gar nicht dafür sprechen. Neben der Tradition, dem ältesten Sohn stets den Rufnahmen Robert zu geben und zur Unterscheidung vom Vater lediglich den zweiten mit "J" beginnenden Vornahmen zu variieren, waren und sind sie stets auch idealistische Zeugen von Menschlichem und Allzumenschlichem, z.B. auch dem Haß gegen alles, was anders ist. Beim "Urmedicus" setzten die Religionskämpfe, beim "Schamanen" die kolonialistische Haltung gegenüber den Ureinwohnern Nordamerikas den akribisch recherchierten und fesselnd aufbereiteten Rahmen. Im letzten Band ist es nun eine Roberta J. Cole, die in den gegenwärtigen USA das Gesundheitssystem und die Auseinandersetzungen mit fanatischen Abtreibungsgegnern anprangert. Trotz einer vielversprechenden Laufbahn in Boston nimmt sie einen "Karriereknick" in Kauf und läßt sich als Landärztin in Masachusetts nieder. Nur wenige ihrer Patienten sind krankenversichert, manche zahlen in Naturalien, manche gar nicht ... Noah Gordon hat sich der "political correctness" wie kaum ein zweiter verschrieben, so auch in diesem Band. Seine leider den Erzählfluß z.T. störenden Einschübe statistischer Angaben über die Not von armen Patienten sind ernüchternd und gemahnen in ihrem Informationsgestus an die Journalistik früherer DDR-Autoren. Wer wollte Noah Gordon vorwerfen, seinen guten Namen u.a. auch dafür einzusetzen, Bill Clinton an seine Wahlversprechen zu erinnern? Nur die Literaturkritiker! Zwar wird auch diesen Band keiner vor der letzten gelesenen Seite aus der Hand legen wollen, aber dann längst nicht so befriedigt wie nach dem ersten dieser Trilogie, der in seiner Sozialkritik weit subtiler war und mehr der Magie des Erzählens gehuldigt hatte.

Weitere Besprechungen zu Werken von Noah Gordon siehe:
Noah Gordon: Der Diamant des Salomon (1993)
Noah Gordon: Der Medicus von Saragossa (1999)
Medicus-Trilogie
Noah Gordon: Der Medicus (1987)
Noah Gordon: Der Schamane (1992)
Noah Gordon: Die Erben des Medicus (1995)

Buechernachlese © Ulrich Karger


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