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Sabine Ludwig

Aufruhr im Schlaraffenland

Roman. Mit Vignetten von Isabel Kreitz. Dressler, Hamburg 2010. 256 Seiten. 13,95 EUR. Ab 10 Jahren. ISBN: 978-3-7915-1238-9, >>> Amazon

Philipp hat sich schon so auf die Sommerferien gefreut. Erst mal einfach "abhängen" und später noch für einige Wochen zu Tante Elli, wo er im Gasthof helfen und auf dem Feld ihres Sohnes zum ersten Mal allein den Trecker fahren darf. Nur dumm, dass Philipps Vater Versicherungsvertreter ist und vor einer unzufriedenen Kundin fliehen muss. Die Gelegenheit, mal etwas allein mit seinem Sohn zu unternehmen, und zwar eine Wanderung ohne elektronische Begleitinstrumente wie Handy und Gameboy. Na toll!
Um mit dem Auto den Ausgangspunkt dieser Wanderung zu erreichen, erwirbt der Vater jedoch noch extra ein neues Navigationsgerät - das prompt versagt. Nachdem sie unterwegs auch noch die aus einem Reisebus verstoßene Familie Schultze aus Berlin aufgelesen hatten, geraten sie auf völlig unbekannte Feldwege und dann in einen höchst eigenartigen Ferienclub. Dort stellt sich ihnen ein Harry Hanfstengel als Geschäftsführer vor und lädt sie sogleich zu einem Gratisaufenthalt ein: Essen und Trinken nach Lust und Laune, dazu Attraktionen wie zum Beispiel Bäume, von denen man ganz nach Belieben Geld und Kleidung schütteln kann. Doch es dauert nicht lange, und dieses Schlaraffenland erweist sich insbesondere für Philipp als reiner Alptraum ...
Die Berliner Kinderbuchautorin Sabine Ludwig hinterfragt mit "Aufruhr im Schlaraffenland" ein nicht zuletzt in der Version von Ludwig Bechstein bekanntes Märchen, das hier zur Wirklichkeit geworden ihren Protagonisten längst nicht mehr so verführerisch wie ehedem erscheint.
Denn ganz abgesehen davon, dass dort kein Strom für heutige Verführungen und "Notwendigkeiten" existiert, ist der Zwang zum Nichtstun eben auch ein Zwang! Mit dieser keineswegs moralinsauer eingebrachten Neubewertung bildet das Märchen nun den Rahmen für die kriminellen Machenschaften Harry Hanfstengels und deren durchaus spannenden Aufklärung, vor allem aber auch für eine situationskomische Szene nach der anderen, wenn heutige Erwartungen auf die Vorstellungen der von Harry Hanfstengel bedrohten Ur-Schlaraffen treffen.
Köstlich auch die Dialoge mit Carmen Schultze, die in schönstem Berlinisch mit ihrer Sicht der Dinge zumeist den Nagel auf den Kopf trifft - wiewohl sie ihre Kinder "Zementa" und "Justi" keineswegs immer im Griff hat. Und dann sind da noch die insgeheim aufkeimenden, aber erst nur auf wenig Gegenliebe stoßenden Gefühle Philipps für "Zementa", die in Wahrheit Samantha heißt und sich von ihm nur Sam nennen lässt.
Alles zusammen also ein für Kurzweil sorgendes Märchenabenteuer, das auch gewiss außerhalb der Ferienzeiten den Leseappetit anzuregen vermag.

Weitere Besprechungen zu Werken von Sabine Ludwig siehe:
Sabine Ludwig: Die besten Rabeneltern der Welt (1998)
Sabine Ludwig: Fische haben keinen Po (1999)
Sabine Ludwig: Mops und Molly Mendelsohn (2000)
Sabine Ludwig: Weihnachtsmänner küsst man nicht (2002)
Sabine Ludwig: Die schrecklichsten Mütter der Welt (2009)
Sabine Ludwig: Aufruhr im Schlaraffenland (2010)

Buechernachlese © Ulrich Karger


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