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Sabine Ludwig

Fische haben keinen Po

Erzählung ab 10 Jahre. Edda Skibe (Illus.), Dressler Verlag, Hamburg 1999, 176 S., ISBN 3-7915-1231-5, >>> Amazon

Es hätte ein wundervolles Wochenende werden können. Johannes wollte zusammen mit seinem Freund Tom das neue Kanu ausprobieren und danach picknicken. Aber dann kommt alles anders. Mama verstaucht sich den Fuß, und Johannes muß nun Einkaufen gehen, das Mittagessen bereiten und sich zu allem Übel auch noch um seine kleine Schwester Melly kümmern. Und Melly ist mit ihren vier Jahren von hoher Durchsetzungskraft. Als er mit ihr zum Treffpunkt kommt, ist Tom bereits mit Manuel, dem "Schleimer", auf dem Wasser. Als ob das nicht schon schlimm genug wäre, scheint es auch noch zwischen Mama und dem sie behandelnden Arzt zu funken. Dabei ist dieser Herbert einer jener "Müslis", die einem, angefangen von der Schokolade bis hin zum Hamburger, alles vermiesen. Und Papa ist kein Kämpfertyp. Er ist damals ohne Protest gleich ausgezogen, als Mama es nach einem Streit von ihm gefordert hatte. Wenn Johannes sich jetzt nicht bald etwas Geniales einfallen läßt, bricht alles auseinander, und er muß sich womöglich wie Josefa aus seiner Klasse auch noch mit Halbgeschwistern herumschlagen.
Sabine Ludwig ist vielen Liebhabern der Ohrenbär-Hörfunk-Reihe längst ein Begriff. Mit "Fische haben keinen Po" legt die Berlinerin nun jedoch auch bereits den vierten Roman vor, der sich an ältere Kinder wendet. Wie schon bei "Die besten Rabeneltern der Welt" versteht sie es, heikle Themen auf den Punkt zu bringen, ohne daß dabei die Situationskomik zu kurz kommt. Die Perspektive des Ich-Erzählers Johannes ist zwar verzweifelt, aber nicht problemüberladen. Letztlich sind alle Beteiligten in der Lage, am Happy End mitzuwirken. So bekommt der Schwebezustand einer elterlichen Trennung und der rigorose Einsatz als "verständiger Ältester" kein allzu tragisches Gewicht, und der moralische Zeigefinger muß erst recht nicht gehoben werden. Ins Gewicht fällt dagegen das Talent der Autorin, Alltagsszenen zwischen Kindern und Erwachsenen mit hohem Wiedererkennungswert zu gestalten. Insbesondere der Hang zum Dramatischen bei Klein-Melly dürfte hierbei auf schmunzelnden Widerhall stoßen. Nicht von ungefähr hat sie dann auch das letzte Wort in dieser Geschichte.

Weitere Besprechungen zu Werken von Sabine Ludwig siehe:
Sabine Ludwig: Die besten Rabeneltern der Welt (1998)
Sabine Ludwig: Fische haben keinen Po (1999)
Sabine Ludwig: Mops und Molly Mendelsohn (2000)
Sabine Ludwig: Weihnachtsmänner küsst man nicht (2002)
Sabine Ludwig: Die schrecklichsten Mütter der Welt (2009)
Sabine Ludwig: Aufruhr im Schlaraffenland (2010)

Buechernachlese © Ulrich Karger


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