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Klaus Kordon & Peter Schimmel

Die Lisa

Ein Leben. ars edition, München 1991, 40 S., ISBN: 3-7607-7681-7, >>> Amazon

Ein couragierter Verlag, der Autor Klaus Kordon und der "Buchmaler" Peter Schimmel haben eine eigentlich naheliegende, aber in dieser Form noch nie umgesetzte Idee Wirklichkeit werden lassen: Ein großformatiges Bilderbuch für Kinder, das eine ganze Lebenspanne veranschaulicht.
Lisa wird am 30. Januar 1899 in Berlin geboren, und verläßt zeitlebens nicht das Haus ihrer Geburt im Wiesenweg Nr.10 bzw. Feldherrnweg Nr.10 bzw. Adolf-Hitler-Str. 10 bzw. Dietrich Bonhoeffer-Weg Nr.10.
Klaus Kordon hatte seine Geschichte der gelernten Schneiderin Lisa einem Drehbuch gleich vorgelegt, und Peter Schimmel schuf danach über 30 Bilder, die in ihrer Strichführung und Farbigkeit, vor allem aber in ihrer Detailgenauigkeit einfach bestechend sind. Dadurch verkürzte sich wiederum der Textanteil zu einfachen Sätzen, die ohne Umstände auch von den Befindlichkeiten eines heranwachsenden Menschen von "damals" zu erzählen vermögen.
"... später mußte ihr Vater in den Krieg. Der Erste Weltkrieg hatte begonnen. Doch die Menschen in den Straßen waren darüber nicht traurig. Ganz im Gegenteil, sie jubelten ..."
Darüber ein doppelseitiges Bild mit der Abschiedsszene, eingerahmt von Fahnen, fröhlich Winkenden und stramm marschierenden Soldaten sowie dem Mann auf der Leiter, der gerade zum ersten Mal das Straßenschild am Haus Nr.10 auswechselt.
Nichts, was das Leben von Lisa bestimmt haben mag, wird ausgelassen: 1.Weltkrieg-Revolution-Arbeitslosigkeit-Beginn von Nazideutschland (hierbei die einzig bewußte Detailfälschung: Schimmel weigerte sich Hakenkreuze "richtig" auszuführen)-2.Weltkrieg-Abtransport der jüdischen Freundin aus Kindertagen-Befreiung-Mauerbau-APO-Maueröffnung. Dazwischen das ganz normale Schicksal einer Frau: ihr Mann fällt im Krieg, ein Sohn kehrt erst Jahre später aus der Gefangenschaft zurück, geht aber in den Ostteil der Stadt, zweite Heirat, Enkel werden geboren, schließlich sogar Urenkel.
Bemerkenswert dabei ist auch, daß die handelnden Personen, unabhängig von ihrem zunehmenden Alter, stets wiederzuerkennen sind.
In der Familie und auch in der Schule ist Lisas Geschichte ein idealer Anlaß zu einem Gespräch über "früher" und "Wie war das, als du klein warst?". Natürlich werden 5-jährige andere Dinge an diesem Bilderbuch interessant finden als ältere. Der Gehalt von Text und Bilder wird aber selbst 13-jährige nicht die Nase rümpfen lassen.
DIE LISA muß man einfach gesehen haben.

Weitere Besprechungen zu Werken von Klaus Kordon siehe:
Klaus Kordon & Peter Schimmel: Die Lisa (1991)
Klaus Kordon: Die Zeit ist kaputt - Die Lebensgeschichte des Erich Kästner (1994)
Klaus Kordon: Adams Apfel (1994)
Klaus Kordon: Lütt Luftballon (1994)
Klaus Kordon: Der goldene Ritter (1996)
Klaus Kordon: 1848 (1997)
Klaus Kordon: Joss oder der Preis der Freiheit (2014)

Buechernachlese © Ulrich Karger


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