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Klaus Kordon

Die Zeit ist kaputt - Die Lebensgeschichte des Erich Kästner

Biographie. Beltz & Gelberg Verlag, Weinheim 1994, 224 S., DM 19,80, ISBN: 3-407-80729-5, ab 16 Jahre, >>> Amazon

'Ihr und die Dummheit zieht in Viererreihen/ in die Kasernen der Vergangenheit./ Glaubt nicht, daß wir uns wundern, wenn ihr schreit./ Denn was ihr denkt und tut, das ist zum Schreien'

Nein, das ist nicht von Tucholsky, sondern von Erich Kästner. Tatsächlich aber gibt es zwischen den beiden mehr Verbindendes als es die heutige, nahezu ausschließlich auf seine Kinderbücher verengte Wahrnehmung des Autoren Kästners meinen läßt. Wie Tucholsky war Kästner ein Satiriker, dessen ohnmächtige, schließlich resignierende Weitsicht im Nachhinein an Prophetie grenzt. Wie Tucholsky hat er sich von keiner Partei o.ä. als Gallionsfigur mißbrauchen lassen:
'... auch wenn Sie an die Macht kommen, werden die Ideale der Menschheit im Verborgenen sitzen und weiterweinen. Man ist noch nicht gut und klug, bloß weil man arm ist.'
Die Kinderbücher, in denen Kästner seinem geliebten 'Muttchen' immer wieder ein Denkmal zu setzen weiß, sind von daher auch als Ventil zu verstehen. Wenn überhaupt, dann ist nur noch bei den Kindern etwas gegen die 'Dummheit in Viererreihen' zu machen. Und Erich Kästner hat mit seinen Kinderbüchern immerhin nicht weniger als ein ganzes Genre revolutioniert. Er war der Erste, der sich die Sicht der Kinder zu eigen zu machen versuchte und ist damit ein noch heute gültiges Vorbild.

Klaus Kordon, selber ein ausgezeichneter, weil ambitionierter Jugendbuchautor, hat nun mit 'DIE ZEIT IST KAPUTT' eine 'Lebensgeschichte des Erich Kästner' verfaßt. Ihm ist darin das Kunststück gelungen, nicht nur den Menschen und Autoren Kästner in seinen wesentlichen Facetten auszuleuchten (auch die etwas schattigeren, z.B. was sein Verhältnis zu Frauen oder seinem eigenen Kind betrifft), sondern zugleich auch ohne Umschweife den zeitgeschichtlichen Kontext im Leben dieses Mannes (1899-1974) vor Augen zu führen. Die Quellennachweise sauber belegt, glänzt dieses Werk vor allem durch seine klare, mitreißende Sprache, die nicht nur Jugendlichen einen Neuentdeckung Kästners erleichtern wird. Nicht zuletzt deshalb höchst preisverdächtig, sei diesem Buch eine weite Verbreitung gewünscht. Hätte das wiederum eine umfassendere Kästner-Renaissance zur Folge, wäre es nicht das Schlechteste, denn mehr denn je gilt sein Wort:

'Was auch immer geschieht:/ Nie dürft ihr so tief sinken,/ von dem Kakao, durch den man euch zieht,/ auch noch zu trinken!'

Weitere Besprechungen zu Werken von Klaus Kordon siehe:
Klaus Kordon & Peter Schimmel: Die Lisa (1991)
Klaus Kordon: Die Zeit ist kaputt - Die Lebensgeschichte des Erich Kästner (1994)
Klaus Kordon: Adams Apfel (1994)
Klaus Kordon: Lütt Luftballon (1994)
Klaus Kordon: Der goldene Ritter (1996)
Klaus Kordon: 1848 (1997)
Klaus Kordon: Joss oder der Preis der Freiheit (2014)

Weitere Besprechungen zu Werk-Neuauflagen von Erich Kästner siehe:
Erich Kästner: Die Konferenz der Tiere (1998)
Vorlesetipps-Sampler
Erich Kästner: Die Schildbürger (1993)
Erich Kästner: Gullivers Reisen (1993)
Erich Kästner: Als ich ein kleiner Junge war (1993)

Buechernachlese © Ulrich Karger


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