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Büchernachlese-Extra: SF/Fantasy nicht nur für die Jugend

Tad Williams & Deborah Beal

Die Drachen der Tinkerfarm

Fantasy-Roman, Bd.1. Aus dem Englischen von Hans-Ulrich Möhring. Vignetten: Jan Reiser. Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2009. 380 Seiten. 19,90 EUR. Ab 13 Jahren. ISBN: 978-3-608-93821-0, >>> Amazon

Die Geheimnisse der Tinkerfarm

Fantasy-Roman, Bd.2. Aus dem Englischen von Hans-Ulrich Möhring. Vignetten: Jan Reiser. Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2011. 430 Seiten. 19,95 EUR. Ab 13 Jahren. ISBN: 978-3-608-93822-7, >>> Amazon

Erst fühlen sich Tyler und Lucinda, zwei mehr oder weniger pubertierende Geschwister, von ihrer Mutter "abgeschoben", weil sie ohne die beiden einen Single-Urlaub machen will. Und nach Ankunft auf der Farm eines ihnen bislang völlig unbekannten Großonkels scheinen sich sämtliche Befürchtungen zu bestätigen. Höchst eigenartige, meist einsilbige Leute wollen sie in der Hauptsache nur zum Arbeiten anhalten. Und keiner will auf ihre Nachfragen antworten, z.B. woher diese rätselhaften Geräusche kommen. Doch dann findet Tyler es selbst heraus. In einem der riesigen Gebäude, denen nahezukommen ihnen streng verboten worden war, liegt ein Drache, genauer gesagt eine Drachin - und sie ist nur eines von vielen unglaublichen Geschöpfen, die auf der Tinkerfarm versorgt werden ...
Tad Williams, bekannt u.a. für die SF- und Fantasyzyklen "Otherland" und "Shadow March", und seine Ehefrau Deborah Beale eröffnen mit "Die Drachen der Tinkerfarm" eine Fantasyserie, die aus pädagogischen Gründen eigentlich nicht zu vertreten ist. Denn das erste, was der Großenkel von Tyler und Lucinda abverlangt, ist, niemandem, auch nicht der eigenen Mutter, von den seltsamen Geschöpfen auf der Tinkerfarm zu erzählen. Und die beiden wollen sich noch am Ende des Buches an dieses Versprechen halten, denn einmal publik, wäre es mit der Ruhe für die Drachen und all die anderen sagenhaften Tiere vorbei. Doch das Lüften des Geheimnisses dürfte nur eine Frage der Zeit sein, denn einer der Angestellten hat heimlich Kontakt zu einem Milliardär aufgenommen, um die Farm vor der Pleite zu retten.
Für die Existenz dieser Tiere bemühen die Autoren eine Theorie von Octavio Tinker, wonach es eben nicht nur zwei Magnetpole sondern auch zwei Pole für eine fünfte Dimension gäbe, die einen Zugang zu parallelen Zeitexistenzen erlaube. Und die von ihm begründete Tinkerfarm liegt offenbar genau über einem dieser Pole.
Wie das Autorengespann die Geschichte aufzieht, hat durchaus Suchtpotential. Untermalt vom flapsigen Grundton der beiden skeptischen Großstadtkinder halten einen die immer neuen Rätsel und Geheimnisse um die Tiere, das Personal und die zahlreichen Gebäude der Farm bis zuletzt neugierig. Die stets nur in kleinen Dosen gewährten Erklärungen dazu, verfügen über eine hinreichend innere Plausibilität, die auch noch ältere Leser Spaß an der Lektüre haben lässt.
Auch die sich verändernde Beziehung der beiden Helden untereinander sowie die neugewonnenen Freund- und Feindschaften zu anderen Kindern haben nun eine breites Fundament gelegt, das mehr als gespannt auf den Folgeband sein lässt.

Der nach über einem Jahr Pause erschienene zweite Band "Die Geheimnisse der Tinkerfarm" wirkt leider im Ganzen ziemlich hingeschludert und setzt zumindest für das Schaffen von Tad Williams ein Allzeittief.
Tyler und Lucinda werden von ihrem Onkel Gideon am Bahnhof abgeholt, ohne dass zuvor oder danach ein Wort über das vergangene Jahr und ihre Beziehung zur Mutter fällt. Auch zwischendurch fragt man sich, wieso die Mutter der beiden sich (noch immer) kein einziges Mal meldet und nachfragt, wie es ihnen geht.
Die Binnengeschichte auf der Farm selbst hat zwar wieder einige spannende wie auch situationskomische Szenen, doch anstatt die Figuren und ihre Herkunft vom ersten Band weiter zu vertiefen und aus ihren Charakterkorsetts zu befreien, kommen neue, noch dazu ziemlich eindimensional gestrickte hinzu. Sofern das Absicht ist, verstimmt das umso mehr.
Kein Wunder denn auch, dass der deus ex machina fröhliche Urständ feiert, um die meist getrennt agierenden Geschwister immer wieder aus der Klemme zu befreien und die allseits beschworenen Katastrophen von der Farm abzuwenden, wiewohl die stärksten Bewohner der Farm außer Gefecht gesetzt und naheliegende Konfliktlösungen geradezu mit Gewalt vermieden wurden. Warum die beiden dann am Ende immer noch scharf darauf sind, die "Ordinary Farm" erneut zu besuchen - möglichst noch vor den nächsten Sommerferien - bleibt einem schleierhaft.
Fazit: Der nächste Band müsste qualitativ schon wieder an den ersten anschließen, um nicht von hier aus den Mantel des Vergessen über diese Serie zu legen ...

Weitere Besprechungen zu Werken von Tad Williams siehe:
Bobby Dollar:
Tad Williams: Die dunklen Gassen des Himmels Bd.1 (2013)
Kurzhinweis: Tad Williams: Happy Hour in der Hölle Bd.2 (2014)
Kurzhinweis: Tad Williams: Spät dran am Jüngsten Tag Bd.3 (2015)
Osten Ard 1:
Tad Williams: Das Geheimnis der großen Schwerter Bd.1-4 (2010-2011)
Tad Williams: Das Herz der verlorenen Dinge (2017)
Osten Ard 2:
Tad Williams: Die Hexenholzkrone 1+2 (2017)
Otherland:
Tad Williams: Stadt der goldenen Schatten Bd.1 (1998)
Tad Williams: Otherland Bd.1-4 (1998-2002)
Shadow March:
Tad Williams: Die Grenze Bd.1 (2005)
Tad Williams: Das Spiel Bd.2 (2007)
Tad Williams: Das Dämmerung Bd.3 (2010)
Tad Williams: Das Herz Bd.4 (2011)
Tinkerfarm:
Tad Williams & Deborah Beal: Die Drachen der Tinkerfarm Bd.1 (2009)

Buechernachlese © Ulrich Karger



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