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Büchernachlese | Kurzhinweise 2015


Neben denen des aktuellen Erscheinungsjahrs können auch noch siehe Links oben insgesamt 411 Kurzhinweise zu den Jahren 2003 bis 2017 abgerufen werden:

Sortiert nach Genre und dem Alphabet der Autorennamen führen die verlinkten Genrebezeichnungen zum jeweils ersten Kurzhinweis.

  • Belletristik / Lyrik: Charles Bukowski, Matthias Reiner (Hrsg.),
  • Krimis / Thriller: Peter Abrahams, Alexander Bàlly, Alex Berg, Ben Berkeley, Saul Black, Katja Bohnet, Petra Busch, Torkil Damhaug, Michael Dobbs, Steven Dunne (2x), Andreas Föhr, Markus Frenzel, Harald Gilbers, Elizabeth Haynes, Ingrid Hedström, Daniel Holbe, Jψrn Lier Horst, Bettina Kerwien, Sven Koch, Michael Koryta, Howard Linskey, Pierre Martin, Oliver Ménard, Zygmunt Milozewski, Susanne Mischke, Steve Mosby. Karl Olsberg, Preston & Child, Paddy Richardson, Roger Smith, Oliver Truc, Su Turhan, Chris Tvedt, Stefan Valentin, Don Wilson
  • SF / Fantasy / Mystery: Kevin Hearne, Michael J. Sullivan (2x), Tad Williams
  • Sachbuch: Richard Saul
  • Kinder- & Jugendliteratur: Kristina Gehrmann


  • Belletristik / Lyrik

    Der Gedichtband You Get So Alone at Times That It Just Makes Sense (1986) von Charles Bukowski begründete in den USA seinen Ruf als Poet des Undergrounds. In der deutschen Ausgabe Roter Mercedes wurde 1989 lediglich die Hälfte dieser Gedichte veröffentlicht. Der Rest wurde - kaum zu glauben - schlicht vergessen. Unter dem Titel Alle reden zu viel - und andere Gedichte erscheint nun im MaroVerlag die fehlende Hälfte als deutsche Erstveröffentlichung.
    Seine ersten Fans hierzulande sind nun etwa in dem Alter von Charles Bukowski, als er diese Gedichte verfasst hatte. Waren es in den 1970ern noch "Ungeheuerlichkeiten", wie dass ein Autor ohne jede Hemmung solche Begriffe wie "Fuck" oder "Schwanz" in seine Verse packte, dürfte den altgewordenen Lesern heute insbesondere die Lakonie gefallen, mit der Bukowski dem Alter und selbst dem Tod den Stachel zu nehmen weiß. Das kommt eher melancholisch-bissig denn "komisch" daher, aber nirgends wehleidig oder selbstgerecht.
    Also für jeden etwas, bietet (auch) dieser Gedichteband einen guten Einstieg zum Kennenlernen eines nach wie vor mitreißenden Autors. U.K.
    (Charles Bukowski: Alle reden zu viel - und andere Gedichte. Aus dem Amerikanischen von Esther Ghionda- Breger. MaroVerlag, Augsburg 2015. 158 Seiten. 16,80 Euro. ISBN: 978-3-87512-469-9)
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    Die schönsten Fabeln, das sind laut ihrem Herausgeber Matthias Reiner zum überwiegenden Teil Fabeln von Aesop, Jean de la Fontaine, Gotthold Ephraim Lessing sowie im letzten Drittel noch einzelne Fundstücke von Matthias Claudius, Franz Grillparzer, Heinrich Heine, Wilhelm Busch, Franz Kafka, Wolfdietrich Schnurre, Reiner Kunze und immerhin noch sechs Fabeln von James Thurber.
    Abgesehen von den Textnachweisen im Anhang ist diese Auswahl nicht weiter kommentiert und die Sprachregelung für die älteren Fabeln wie ehedem arg antiquiert gehalten. So gesehen, bis auf die wenigen Fabeln des 20. Jahrhunderts, ist diese Ausgabe nicht wirklich herausragend und originell im Vergleich zu anderen Sammlungen dieser Art.
    Doch offenbar geht es bei diesem Band der Insel-Bücherei auch gar nicht um eine textkritische Ausgabe, als vielmehr um ein bezauberndes Geschenkbuch.
    Denn gebunden als Hardcover, ist es mit wunderbar farbenprächtigen Illustrationen von Reinhard Michl ausgestattet, die mit altmeisterlichem Strich und feinem Gespür für die Ironie der Texte überzeugen.
    Ein echter Blickfang also, der einen selber und gewiss auch andere immer wieder gerne darin blättern lässt. U.K.
    (Matthias Reiner (Hrsg.): Die schönsten Fabeln. Illustriert von Reinhard Michl. Insel Verlag, Berlin 2015. 92 Seiten. 16,00 Euro. ISBN: 978-3-458-20013-0)
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    Krimis / Thriller

    Roger hat zwar einen IQ von über 180, dennoch hat er seine Arbeit verloren und nun auch noch entdeckt, dass seine Frau Fancie ihn mit einem erfolgreichen Radio-Moderator betrügt. Rogers Rache soll ein perfektes Verbrechen werden, doch dann kommt es ganz anders als von allen Beteiligten gedacht …
    Peter Abrahams hat Kopflos im Original bereits 1998 unter dem Titel A Perfect Crime vorgelegt. Zuweilen arg klischeehaft in der Figurenzeichnung und in der Übersetzung nur mühsam die Patina hinsichtlich inzwischen gängiger Kommunikationspraxis übertünchend, ist es keineswegs der beste Thriller von Abrahams. Doch ein paar Stunden Kurzweil wirft seine durchdeklinierte Geschichte von den betrogenen Betrügern durchaus ab und hat insbesondere für Rogers Opfer auch noch einige überraschende Volten parat. U.K.
    (Peter Abrahams: Kopflos. Thriller. Aus dem Amerikanischem von Frauke Czwikla. Knaur Verlag, München 2015. 411 Seiten. 9,99 Euro. ISBN: 978-3-426-51475-7)
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    Vor dem Kirchturm von Wolnzach liegt der tote Benedikt Singer. Laut dem Rechtsmediziner wurde er offenbar vergiftet. Darüber hinaus sind Tatortspuren jedoch Mangelware, und Zeugen gibt es auch keine. Hauptkommissar Karl Konrad und sein Team nehmen die Ermittlungen auf. Dass sich der Rentner Ludwig Wimmer und seine Enkelin Anna darin schon wieder einmischen wollen, passt Konrad gar nicht …
    Alexander Bàlly legt nach "Der Tote am Maibaum" mit Der Tote am Kirchturm bereits den zweiten Holledau-Krimi vor, in dem den Hobbydetektiven Ludwig Wimmer und seiner Enkelin Anna eine wichtige Rolle zukommt.
    Wie schon beim ersten Krimi von Bally bestechen hierin die geschickt eingebauten Regionalia, wie z.B. die Schilderung einer typischen Hochzeit in der Holledau. Zudem zeichnet sich gerade dieser Roman durch eine selbstironische und für den Fall entscheidende Erörterung von Dialektliebhabern aus. Und wie sich hier Polizei und Hobbydetektive ergänzen und für Spannung sorgen, ohne die Plausibilitätsgrenzen überschreiten, ist aller Ehren wert.
    In den Dialogen wird Bayrisches wie auch das Schwäbische eines Kollegen von Konrad gemäßigt und gut lesbar lautiert, beim Hochdeutschen ist noch etwas Luft nach oben. Insgesamt eine nette Krimi-Schmökerlektüre, die gut zu unterhalten vermag. U.K.
    (Alexander Bàlly: Der Tote am Kirchturm. Ein Holledau-Krimi. Sutton Verlag, Erfurt 2015. 243 Seiten. Euro. ISBN: 978-3-95400-500-0)
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    Mit 48 Jahren gibt Marion ihren Posten als Oberärztin in Hamburg auf, um sich nun in Paris auf einen Auslandseinsatz für "Ärzte ohne Grenzen" vorzubereiten. Bei Greg und Louise Bonnier, die sie schon als Kind häufiger besucht hatte, findet sie Unterkunft und trifft dort auf ein kleines Mädchen namens Zahra. Zahra war zwar dem Bürgerkrieg in Syrien dank der Entschlossenheit ihrer Mutter entkommen, aber nur um nun als Tochter eines politisch sehr einflussreichen Wirtschaftsbosses als Schlüssel eines für mehrere Staaten brisanten Deals zu dienen. Schon kurz nachdem das verstörte Kind Vertrauen zu Marion gefasst hat, geraten beide zwischen die Fronten verschiedener Geheimdienste und der Unterstützern ihres Vaters. In deren Auseinandersetzung würde nicht nur der Tod des Kindes als "Kollateralschaden" billigend in Kauf genommen …
    Alex Berg legt mit Tochter der Angst einen Roman vor, der gleich auf mehreren Ebenen für Spannung sorgt. Der Abschied aus Hamburg ist für Marion zugleich eine Auszeit von einer eingefahrenen Ehe und erwachsen gewordenen Kindern. Ihre idealistischen Ambitionen, sich für wenig Geld auf einen Einsatz für "Ärzte ohne Grenzen" einzulassen, werden jedoch nur am Rande bzw. über Bande gestreift. So agieren neben ihr noch ein Neffe von Louise als Flüchtlingshelfer, der auch Zahra außer Landes gebracht hat, sowie zwei französische Agenten, die auch die Hintergründe der Flüchtlingsströme kommentieren.
    Am Ende beziehen sich alle Handlungsstränge nicht nur auf das kleine Mädchen Zahra, sondern reichen auch weit zurück in die Vergangenheit von Marion. Dafür wird nicht wenig Unterstützung seitens des "Deus ex machina" in Anspruch genommen - doch da die Autorin es in sehr gepflegtem Sprachstil versteht, unnötige Klischees zu vermeiden, sieht man darüber gern hinweg und fühlt sich am Ende gut unterhalten. U.K.
    (Alex Berg: Tochter der Angst. Roman. Knaur Tb Verlag, München 2015. 345 Seiten. 9,99 Euro. ISBN: 978-3-426-51319-4)
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    Nachdem Gary Golay als Stellvertretender Stabschef im Weißen Haus recht Erfolg versprechend eine Vorlage des Präsidenten unterstützt hat, die das unkontrollierte Nutzen der von der National Security Agency (NSA) gesammelten Daten einschränken soll, wird ihm das Leben zur Hölle gemacht. Plötzlich sieht er sich einer Anklage für den Mord an einer Prostituierten ausgesetzt, die sich auf Indizien stützt, die selbst seine Frau an ihm zweifeln lässt. Einzig der kauzige Anwalt Thibault Stein und seine Assistentin Pia Lindt glauben seine Geschichte von einer Verschwörung, die bis ins Oval Office reichen muss …
    Ben Berkeley, als Sohn deutscher Einwanderer in Palo Alto geboren und heute im kalifornischen Santa Barbara und in Tel Aviv lebend, hat mit Das Haus der tausend Augen seinen dritten Thriller vorgelegt. Und der hat es wahrlich in sich. Dabei bietet seine Entfaltung eines Plots à la "einer gegen alle" und die Unterstützung durch wenige, aber dafür äußerst engagierte und fähige Unterstützer für sich genommen nichts Herausragenderes - aber eben auch nichts Schlechteres - als es schon vor Jahrzehnten einer wie John Grisham seinen Fans geboten hat.
    Geradezu verdienstvoll aufklärerisch ist jedoch Berkeleys Ausmalen dessen, was es bedeuten kann, wenn ein Dienst wie die NSA umgehemmt Daten via Telefon, Email usw. in ungeahnter Größenordnung sammelt. Denn aus ihnen lassen sich eben nicht nur Rückschlüsse für begangene Verbrechen oder für das Vorfeld von Verbrechen ziehen, sondern auch nach Bedarf scheinbar zufällig bekannt werdende Dinge aus der Privatsphäre streuen und missbrauchen, um z.B. missliebige Konkurrenten oder Kritiker "auszuschalten".
    Und weil das wirklich jeden angehen kann, hier eine eindeutige Leseempfehlung! U.K.
    (Ben Berkeley: Das Haus der tausend Augen. Thriller. Droemer Verlag, München 2015. 442 Seiten. 14,99 Euro. ISBN: 978-3-426-30422-8)
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    Ein psychopathischer Serienkiller und sein brutaler Helfer wollen ihren Opfern offenbar Lektionen erteilen, die in ihrer verqueren Logik in jedem Fall tödlich zu enden haben. Doch ehe Detective Valerie Hart vom San Francisco Police Department das durchschaut hat, mussten bereits sieben Menschen ihr Leben lassen …
    Killing Lessons von Saul Black ist ein Thriller, der genreüblich auf eine detailfreudige Erörterung blutrünstiger Verbrechen abhebt. Bemerkenswert immerhin, wie hier die Gedanken der Täter auf deren Getriebenheit verweisen und so für ein verstörendes Verständnis sorgen.
    Ansonsten ist das vor allem wieder etwas für Freunde solcher Heldinnen wie Detective Valerie Hart, die auch noch mit ihrem Kopf unterm Arm am Ende die Täter zu überführen wissen … U.K.
    (Saul Black: Killing Lessons. Thriller. Aus dem Englischen von Christine Gaspard. Knaur TB Verlag, München 2015. 505 Seiten. 9,99 Euro. ISBN: 978-3-426-51610-2)
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    Alla Kusmins Leiche liegt erstochen und verstümmelt in einer Wohnung in Berlin-Marzahn. Viktor Saizew und Rosa Lopez vom Berliner LKA stellen Nachforschungen in der Familie der ermordeten Russin an und stoßen auf weitere Opfer die zugleich auch Täter sind. Am Ende führt die Spur über Russland auch zu den beiden höchst eigenwilligen Ermittlern selbst ...
    Mit Messertanz legt Katja Bohnet ein bereits sehr überzeugendes Thriller-Debüt vor, in dem gleich mehrere lose scheinende Fäden aus Vergangenheit und Gegenwart von Täter, Opfer und Ermittler zusammenfinden. All diese verwobenen Erzählfäden werden jedoch für die Autorin zu einer Gratwanderung, die im Rückblick den Gesamteindruck dann doch etwas schwanken lässt. Doch wie die Figuren, allen voran Viktor Saizew und Rosa Lopez, eingeführt werden und z.T. sehr anarchisch in Aktion treten, fesselt von der ersten Seite an. Und auf jeden Fall macht der nicht zuletzt auch sprachlich angenehm auffallende Thriller neugierig, wie die Autorin es nach dieser Vorlage versteht, einen weiteren Fall von den beiden auflösen zu lassen … U.K.
    (Katja Bohnet: Messertanz. Thriller. Knaur Verlag, München 2015. 304 Seiten. 9,99 Euro. ISBN: 978-3-426-51674-4)
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    Nina Bach fühlte sich mit ihren 28 Jahren zeitlebens von ihrer Familie ungeliebt, nicht zuletzt weil ihr die ältere Schwester Frauke stets vorgezogen wurde. Als Jugendliche erst wegen eines Selbstmordversuchs in eine psychiatrische Klinik eingewiesen, war sie anschließend auf Trebe und hat sich insbesondere für behinderte oder kranke Menschen prostituiert. Und nun soll die verhasste Schwester Suizid begangen und sich dabei selbst die Haut eines Unterarms abgezogen haben. Beides scheint ihr völlig unglaubhaft, doch die Polizei stellt dennoch schon bald die Ermittlungen ein. Nur der für den Fall zuständige Rechtsmediziner Emil Koswig will ihr helfen, da er seine Frau unter ähnlichen Umständen verloren hat …
    Petra Busch legt mit Das Lächeln des Bösen ihren vierten Kriminalroman bzw. Thriller vor - und der zeigt im Gegensatz zu ihrem unbegreiflicherweise mit dem Glauser Preis ausgezeichneten Erstling "Schweig still, mein Kind" durchaus Qualitäten, die einen zeitweilig gebannt am Ball bleiben lassen. Insbesondere die Innenperspektive ihrer Heldin Nina überzeugt und überrascht zugleich mit ihrer eigenartigen Sicht auf Liebe und Zärtlichkeit - was allerdings gebrochen wird durch ihre wachsende Zuneigung für Emil Koswig, der als ihr neuer Liebhaber und Unterstützer sehr vorhersehbar und überkonstruiert seine titelgebende Wandlung durchläuft.
    Die Autorin zeigt Potential, dem man endlich eine durchgängige Entfaltung wünscht - vielleicht beim nächsten Mal. U.K.
    (Petra Busch: Das Lächeln des Bösen. Psychothriller. Knaur Verlag, München 2015. 440 Seiten. 9,99 Euro. ISBN: 978-3-426-51548-8)
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    Als Ibro Hakanovic ins Osloer Universitätskrankenhaus schwer verletzt eingeliefert wird, geht dort alles drunter und drüber. Wenig später muss die Pathologin Jennifer Platerud seine Leiche untersuchen, an der die Kehle mit einem äußerst professionellen Schnitt durchtrennt wurde. Was sie noch nicht weiß: Ihr Sohn Sigurd, ein 23-jähriger Medizinstudent und Hobbykampfsportler, hatte Hakanovic aus Eifersucht mit einem Golfschläger verprügelt …
    In der Schusslinie ist ein neuer Thriller von Torkil Damhaug (siehe auch Die Bärenkralle), mit dem der norwegische Autor und Psychiater zu überzeugen weiß.
    Drei Erzählperspektiven geben beeindruckenden Einblick in das Umfeld der Pathologin, ihres Sohnes und dessen bosnischer Freundin sowie eines aus dem Iran geflüchteten Krankenpflegers und treiben einen fesselnden Plot bis zum explosiven Finale voran. U.K.
    (Torkil Damhaug: In der Schusslinie. Roman. Aus dem Norwegischen von Knut Krüger. Knaur Verlag, München 2015. 489 Seiten. 14,99 Euro. ISBN: 978-3-426-51615-7)
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    Bei den Neuwahlen in Großbritannien sind sich die Konservativen ihrer Wiederwahl sehr sicher. Kurz vor dem Wahltag macht der Premierminister seinem Fraktionsvorsitzenden Francis Urquhart klar, dass er ihm keinen Kabinettsposten geben, sondern ihn erneut nur wieder in seinem alten Amt belassen will. Doch in seinem Alter kann Urquhart nicht mehr auf eine neue Chance nach einer weiteren Legislaturperiode hoffen - und als Fraktionsvorsitzender hat er Zugang zu allen schmutzigen Geheimnissen seiner Parteifreunde. Am Ende ist es dann der Premierminister, der politisch nicht überleben wird …
    Michael Dobbs hat 1989 mit House of Cards einen Bestseller vorgelegt, der in den 1990ern als englische Miniserie im Fernsehen sowie Anfang 2013 im Internetdienst Netflix mit Kevin Spacey in der Hauptrolle große Erfolge feierte. Dem folgt nun eine neu übersetzte Buchausgabe auf der Grundlage einer von Dobbs 2014 überarbeiten Neuausgabe.
    Schlag auf Schlag wird darin einem mehr oder weniger unverhohlenem Machiavellismus gefrönt, dass einem bald Hören und Sehen vergeht. Letztlich jede/r ausschließlich auf den eigenen Vorteil bedacht, geht es nur darum, wer weiter vorausdenken und besser manipulieren kann - und Francis Urquhart hierbei den Vogel abschießt. Das ist sehr spannend und mit viel britisch-schwarz-humorigem Charme inszeniert - nur dass einem das Lachen im Halse stecken bleibt bei dem Gedanken, dass hier wahrscheinlich auch nur die Spitze eines Eisbergs verhandelt wird und es in Wahrheit noch viel schlimmer ist. Denn Dobbs weiß aus eigener Erfahrung, wovon er schreibt … U.K.
    (Michael Dobbs: House of Cards. Thriller. Aus dem Englischen von Johannes Sabinski und Alexander Weber. Berlin Verlag, Berlin 2015. 478 Seiten. 9,99 Euro. ISBN: 978-3-8333-1036-2)
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    Zuerst wird die Leiche eines Landstreichers aufgefunden. Ohne ersichtliche Indizien für einen Mord wurden ihr offenbar post mortem bis auf das Herz innere Organe und das Hirn entnommen. Als eine weitere ähnlich "behandelte" Leiche gefunden wird, gehen parallel dazu Vermisstenmeldungen von vier Studenten ein, von denen alsbald im Internet ein Film hochgeladen wurde, der ihren gemeinsamen Selbstmord zeigt. Ein schlechter Scherz? Oder nur die Spitze eines Eisberges?
    Steven Dunne legt mit Abgott seinen zweiten Roman um Detective Inspector Damien Brook vor, der als trockener Alkoholiker sich nun auch noch das Rauchen abzugewöhnen versucht - und seit seinem Misserfolg mit dem "Schlitzer" noch immer keinen leichten Stand in Derby hat. Doch Brook lässt sich nicht einschüchtern und er kann sich auf sein Team verlassen.
    Und so entfaltet sich mit treffend gezeichneten Charakteren ein ausgeklügelter Plot um einen besonders perfiden Serienmörder zu einem fesselnden Spitzenthriller, der bis zur letzten Seite überzeugt. U.K.
    (Steven Dunne: Abgott. Thriller. Aus dem Englischen von Juliane Pahnke. Berlin Verlag, Berlin 2015. 590 Seiten. 9,99 Euro. ISBN: 978-3-8333-1002-7)
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    Inspector Brook hat den Tiefpunkt seiner Karriere erreicht, der eigentlich nur noch doch durch seine Kündigung überboten werden könnte - er wurde in die Abteilung für unaufgeklärte Fälle versetzt. Dabei hält gerade eine Kindesentführung ganz Derby in Atem. Doch dann scheinen in alten Akten verstaubende Morde an Jungen aus der Gegend eigenartige Parallelen aufzuweisen. Der älteste liegt jedoch gut 50 Jahre zurück, ein Zusammenhang scheint also unmöglich. Oder doch nicht? Dann müsste Brook schnell sein, denn dann gäbe es bereits in den nächsten Tagen einen weiteren Toten ...
    Steven Dunne legt mit Ein unruhiges Grab seinen dritten Roman um Detective Inspector Damien Brook vor, der als trockener Alkoholiker und frischgebackener Nichtraucher bei den meisten seiner Kollegen in Derby keinen leichten Stand hat. Doch Brook ist hartnäckig und kann sich zumindest auf einen von ihnen verlassen.
    Und so entfaltet sich hier ein erneut mit treffend gezeichneten Charakteren ausgeklügelter Plot um Serienmorde, die sich wie Dominosteine aus anderen davor zu "ergeben" scheinen. Fesselnd bis zur letzten Seite. U.K.
    (Steven Dunne: Ein unruhiges Grab. Thriller. Aus dem Englischen von Juliane Pahnke. Berlin Verlag, Berlin 2015. 590 Seiten. 9,99 Euro. ISBN: 978-3-8333-1003-4)
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    Ein Leichenwagen mitsamt Bestattungsunternehmer findet sein Ende in der Mangfall, wenig später verschwindet eine junge Frau. Letzteres wird für Kommissar Clemens Wallner allerdings erst zum "Fall", als der Wagen der Frau von einem Maibaum aufgespießt im Gebirge gefunden wird. Ein Zusammenhang zwischen beidem ergibt sich nicht zuletzt auch durch Polizeiobermeister Leonhard Kreuthner, der zumindest an den skurrilen Begleitumständen der Fundorte nicht wenig beteiligt ist.
    Andreas Föhr legt mit Wolfsschlucht nach dem "Prequel" Totensonntag wieder einen "aktuellen" Krimi um Kommissar Wallner und seinen subversiven Kollegen Kreuthner als nunmehr 6. Band dieser Reihe vor.
    Es ist einmal mehr erstaunlich, wie es Föhr (immer noch besser) gelingt, zwischen ernsthafter Krimiperspektive und den ans Bauerntheater gemahnenden Possen seines - im Sinne höchster Anerkennung gemeinten - "Sauhunds" Kreuthner hin und her zu wechseln und dabei die Balance zu halten. Wallners Großvater Manfred hingegen, der mit seinen 85 Jahren auf dem Elektrodreirad durchaus absichtsvoll auch schon mal ganze Marktstände abräumt, hat zwar mit Kreuthner einiges an Schlitzohrigkeit gemein, fordert Wallner jedoch vor allem emotional heraus und gibt damit Einblicke ins Privatleben des ewig fröstelnden und deshalb in Daunenjacken steckenden Kommissars.
    Die Auflösung des Mordes am Bestatter und des Verschwindens der Frau werden nach allen Regeln der Kunst spannend in Szene gesetzt und mit einigen mal heiteren, mal tragisch anrührenden Momenten erst auf den letzten Seiten abgeschlossen. Auch die hierbei auftretenden personae dramatae zeichnet Föhr - je nach Bedeutung - so treffend wie vielschichtig, so dass eine Verkürzung dieser Romane auf laut Wikipedia "alpenländische Heimatkriminalromane" einen nur noch den Kopf schütteln lässt. Denn gerade derartige Verschubladisierungen unterläuft der Autor mindestens genauso gekonnt subversiv wie sein Polizeiobermeister Leonhard Kreuthner. Ganz abgesehen davon, dass hierin auch Lehrreiches zum Besten gegeben wird - geboren und aufgewachsen in Bayern, weiß ich jetzt endlich auch, woher sich ein "Gloifi" etymologisch ableitet …
    Einfach bärig! U.K.
    (Andreas Föhr: Wolfsschlucht. Kriminalroman. Knaur Verlag, München 2015. 395 Seiten. 14,99 Euro. ISBN: 978-3-426-51704-8)
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    Im nur noch in Resten bestehenden Vergnügungspark des Plänterwalds in Berlin wurde eine junge Frau auf grausamste Weise gepfählt aufgefunden. Und kurze Zeit später müssen Ermittlungen zu einem nicht minder grausam Ermordeten aufgenommen werden, dem wie der ersten Leiche in die Stirn Buchstaben eingeritzt waren. Der einst als Kind aus Bosnien geflohene Kommissar Vuk Tolstoi sieht angesichts dieser Brutalität sofort eine Verbindung zu dem seine Familie zerstörenden Kriegsgeschehen in der eigenen Vergangenheit …
    Der für das ARD-Magazin FAKT als investigativer Journalist tätige Markus Frenzel hat mit Die Säuberung ein Thriller-Debüt vorgelegt, das sich durch einen fesselnden Plot mit einer historisch interessanten Querverbindung auszeichnet, die über den Bosnienkrieg bis in die wilhelminischen Zeiten zu dem berühmt-berüchtigten Journalisten Maximilian Harden führt. Auch die Charaktere des Teams neben Kommissar Vuk Tolstoi sind vielversprechend angelegt, darunter nicht zuletzt seine historisch versierte und gutes Essen schätzende Geliebte Tonia. Die im Thriller ausgemalten Grausamkeiten sind nichts für Herzkranke, werden aber weit plausibler und glaubwürdiger als in anderen Thrillern dieser Art begründet.
    Wenn Frenzel jetzt noch etwas mehr an seiner zuweilen hölzernen Sprachregelung arbeitet und wie am Ende die Hinzunahme des deus ex machina vermeidet, könnte er schon bald Fitzek & Co. weit hinter sich lassen. U.K.
    (Markus Frenzel: Die Säuberung. Thriller. Sutton Verlag, Erfurt 2015. 365 Seiten. 14,99 Euro. ISBN: 978-3-95400-619-9)
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    Detective Chief Inspector Lou Smith wird mit einem zehn Jahre zurückliegenden und als ungelöst betrachteten Fall konfrontiert, an dem sie als Berufsanfängerin beteiligt war. Damals ist auf der griechischen Insel Korfu die 15-jährige Scarlett spurlos verschwunden. Doch jetzt ist Scarlett wider Erwarten wieder aufgetaucht - unter anderem Namen und in einem Bordell ihres Heimatortes. Aber Scarlett erweist sich als äußerst misstrauisch und schweigsam. Und seltsamerweise reagieren ihr Eltern ebenfalls sehr zurückhaltend auf ihre Wiederkehr. Nur dank Lous Hartnäckigkeit stoßen ihre Ermittlungen und die ihres Teams auf ein raffiniert geknüpftes Netz des Verbrechens, das weiter gespannt ist, als sie es je für möglich gehalten hätte …
    Elizabeth Haynes legt mit Schwesterherz den zweiten Thriller um DCI Lou Smith vor, der erneut zu überzeugen weiß und ohne überzogene Effekthascherei spannend bis zur letzten Seite ist. Da freut man sich schon auf den nächsten Band. U.K.
    (Elizabeth Haynes: Schwesterherz. Thriller. Aus dem Englischen von Christiane Winkler. Berlin Verlag TB, Berlin 2015. 492 Seiten. 9,99 Euro. ISBN: 978-3-8333-1046-1)
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    Astrid Sammils Laufbahn als schwedische Vorzeige-Diplomatin bekommt einen tiefen Riss: Nachdem sie ihren Mann in flagranti mit der Außenministerin erwischt und dabei gefilmt hatte, stellte Astrid diese Szene ins Netz. Ihre Karriere und ihre Ehe in Trümmern, kehrt sie an ihren Geburtsort ins ländliche Schweden zurück. Doch die Ruhe ist trügerisch, macht Astrid doch im Haus ihres Onkels eine Entdeckung, die ihre Familie auf verstörende Weise mit einem seit zwanzig Jahren vermissten Jungen in Verbindung bringt. Ihre Nachforschungen führen sie u.a. zu den dunklen Seiten schwedischer Nachkriegsgeschichte und zugleich ins heutige Bukarest, das ungebrochen von alten Seil- und Machenschaften jener Zeit betroffen ist …
    Ingrid Hedström bietet in Rosenkind alles, was einen guten Kriminalroman auszuzeichnen hat: Ein von der ersten bis zur letzten Seite fesselnder Plot, der von überzeugenden Charakteren getragen wird, die einen in keineswegs nur schwarz-weißer Rollenzuweisung einnehmen oder abschrecken. Dazu noch eine fundierte Horizonterweiterung, die einem einen Teilaspekt der Geschichte Schwedens und dessen Auswirkungen bis in die Gegenwart näher bringt. Sehr zu empfehlen! U.K.
    (Ingrid Hedström: Rosenkind. Kriminalroman. Aus dem Schwedischen von Nina Hoyer. Bloomsbury Berlin Verlag, München - Berlin 2015. 463 Seiten. 14,99 Euro. ISBN: 978-3-8270-1291-3)
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    Richard Oppenheimer, einst erfolgreicher Kommissar der Kripo Berlin, ist als Jude vom Dienst entlassen worden. Seither ist er untergetaucht und muss sich mit Schwarzmarktgeschäften über Wasser halten. Als seine Unterstützerin Hilde unter dem Verdacht verhaftet wird, den seit Jahren von ihr getrennt lebenden Ehemann, SS-Hauptsturmführer Erich Hauser, brutal ermordet zu haben, muss Oppenheimer alles riskieren, um sie aus den Fängen des Volksgerichtshofs zu retten. Dabei hätte Hilde als Regimegegnerin durchaus ein Motiv gehabt: Der skrupellose Mediziner Hauser war KZ-Lagerarzt und hat Versuche an Menschen durchgeführt. Wiewohl der schreckliche Richter Freisler einer Bombe zum Opfer fällt, bleibt der Zeitdruck für Oppenheimer groß. Kurz vor Kriegsende wird die Todesstrafe auch von anderen Richtern ohne großes Aufheben durchgesetzt ...
    Harald Gilbers legt mit Odins Söhne nach Germania den zweiten Roman um Kommissar Oppenheimer vor. Auf der Grundlage im Anhang aufgeführter Sachliteratur zur Historie entfaltet er erneut einen mitreißenden Plot und zugleich ein sehr authentisches Zeitbild, das die Spannungsschraube noch weiter anzuziehen hilft.
    Insgesamt wieder ein sehr empfehlenswertes Buch, das eine unselige Historie in einen fesselnden Krimi packt. U.K.
    (Harald Gilbers: Odins Söhne. Roman. Knaur Verlag, München 2015. 528 Seiten. 9,99 Euro. ISBN: 978-3-426-51643-0)
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    Die Existenz des Kommissariats in Bad Vilbel steht scheinbar kurz vor dem Aus. Während sich Sabine Kaufmann noch direkt mit ihrem Vorgesetzten herumschlagen muss, wurde Ralph Angersbach in die Nähe seines Herkunftsortes ausgeliehen. Und dort wird ein Mord zu seiner Familienangelegenheit, denn der Mörder legt seine Spuren offenbar ausschließlich für ihn ...
    Daniel Holbe, der u.a. auch erfolgreich die Romane des verstorbenen Andreas-Franz fortgesetzt hat, legt mit Schwarzer Mann seinen zweiten eigenständigen Kriminalroman vor.
    Während die Figurenzeichnung seiner Hauptfiguren im Polizeidienst durchaus überzeugen, ist die Entfaltung seines verwickelten Plots samt den Verweisen auf Kindesmissbrauch und den RAF-Terror früherer Zeiten zuweilen etwas hölzern. Auch das Finale wirkt etwas zu schnell heruntergepoltert. Dennoch - für einen Regionalkrimi ergibt das insgesamt immer noch eine recht unterhaltsame Lektüre, die annehmbar ist. U.K.
    (Daniel Holbe: Schwarzer Mann. Kriminalroman. Knaur Verlag, München 2015. 444 Seiten. 9,99 Euro. ISBN: 978-3-426-51648-5)
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    Tot seit August, ist die Leiche dank einiger dafür günstiger Umstände mumifiziert, als sie erst kurz vor Weihnachten vor dem noch laufenden Fernseher sitzend entdeckt wird. Der alte Mann scheint ganz "natürlich" an Einsamkeit gestorben zu sein. Doch der unweit davon nur wenig später unter einer Tanne entdeckte Tote ist offensichtlich einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen. Für Kommissar Wisting gibt es zwischen den beiden Toten in dem norwegischen Hafenstädtchen Stavern erstmal keinen Zusammenhang. Zu sehr sind er und sein Team davon in Anspruch genommen, dass bei dem zweiten Toten ein Dokument gefunden wird, auf dem die Fingerabdrücke eines vom FBI gesuchten Serienmörders identifiziert werden …
    Jψrn Lier Horst hat mit Eisige Schatten einen rundum überzeugenden Kriminalroman vorgelegt. Fesselnd von Anfang bis Ende, sind die Charaktere, allen voran Kommissar William Wisting und seine als Journalistin tätige Tochter Line, angenehm unprätentiös und zugleich sehr glaubwürdig angelegt. Und vor dem Zufall steht hier mühevoll plausible Kleinarbeit, um dem Verbrechen auf die Spur zu kommen. Dazu noch die Landschaft und das Klima Norwegens, ergibt das zusammen ein Paradebeispiel für einen sehr gelungenen Skandinavienkrimi! Bitte mehr davon!! U.K.
    (Jψrn Lier Horst: Eisige Schatten. Kriminalroman. Aus dem Norwegischen von Andreas Brunstermann. Droemer Verlag, München 2015. 432 Seiten. 14,99 Euro. ISBN: 978-3-426-30426-6)
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    Liberty Vale ist in Berlin-Moabit aufgewachsen. Sie sieht gut aus, ist intelligent, hat das Herz auf dem rechten Fleck und ist darüber hinaus auch noch so witzig wie schlagfertig - trotzdem hat es sie in einen Escort-Service verschlagen, nachdem sie als Flugbegleiterin einem VIP-Gast ihre Grenzen aufgezeigt hatte. Sie und der wortkarge Privatdetektiv Martin Sanders haben sich zudem aus unterschiedlichen Gründen erpressbar gemacht und müssen die lesbische Staatssekretärin Dr. Julia Steinberg mit einer "Honigfalle" kompromittieren - doch für die korrupten Auftraggeber ist das nur die Einleitung: Sie lassen Steinberg töten und präsentieren anschließend Liberty und Sanders als die Killer …
    Märzwinter von Bettina Kerwien bietet gleich eine ganze Menge auf einmal: Weniger Krimi, dafür aber zwei Helden, die eine an James Bond gemahnende Action- und Verfolgungsjagd durch Berlins Mitte zu überstehen haben und neben satirischen Einsprengseln durchaus kenntlicher Realpolitik(er) auch Einiges an Dialogwitz - insbesondere, wenn aus der Perspektive Libertys erzählt wird.
    Was bei anderen Titeln des Verlags viel zu wenig ist, schießt hier jedoch zuweilen übers Ziel und enthält trotz offenkundig nachhaltiger Recherchebemühungen der Autorin zu Moabiter Straßenzügen auch noch einige störende Fehler wie z.B. bei der Beschreibung eines Tango Argentino - ein seinen Namen verdienendes Lektorat hätte dem Titel also noch einiges an Feinschliff angedeihen lassen können.
    Doch insgesamt kommen hier hardboiled Action- und Berlin-Liebhaber durchaus auf ihre Kosten. U.K.
    (Bettina Kerwien: Märzwinter. Ein Berlin-Krimi. Sutton Verlag, Erfurt 2015. 302 Seiten. 12,99 Euro. ISBN: 978-3-95400-597-0)
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    Ein Krabbenfischer auf der Nordsee entdeckt eine schnittige Yacht mit drei Toten und einer Überlebenden an Bord, die kein Wort spricht. Für die Sondereinheit des LKA Niedersachsen mit den Ermittlern Femke Folkmer, Ceylan Özer, Tjark Wolf und seinem Kumpel Fred bleibt es lange Zeit schwierig, allein den Tathergang nachzuvollziehen. Die Toten wurden mit dem Yachtausflug offenbar für ihr Engagement um einen neuen Offshore-Windpark "belohnt", und zunächst wird von einem Eifersuchtsdrama ausgegangen. Doch dann wird ein Mordanschlag auf die junge Frau verübt, und dessen "professionelle" Handschrift verweist auf etwas ganz Anderes ...
    Sven Koch hat nach Dünengrab und Dünentod mit Dünenkiller nun den dritten Band um (s)ein ostfriesisches Ermittlerquartett vorgelegt.
    Eingebunden in die Nordsee-Region, ohne jedoch übertrieben mit den regionalen Klischees hausieren zu gehen, stimmt auch hier wieder einfach alles: überzeugende Charaktere, ein von der ersten Seite an fesselnder Plot bis zum voltenreichen Finale, fühlt man sich am Ende auf gutem Niveau unterhalten. U.K.
    (Sven Koch: Dünenkiller. Kriminalroman. Knaur TB-Verlag, München 2015. 426 Seiten. 8,99 Euro. ISBN: 978-3-426-51633-1)
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    Im Sommer 1935 verschlägt es Arlen Wagner in ein entlegenes kleines Hotel am Golf von Mexiko in Florida. Schnell wird ihm klar, dass dessen Eigentümerin Rebecca Cady von einem kriminellen Netzwerk erpresst wird, dem federführend der für den Ort zuständige Sheriff sowie der Richter angehören. Eigentlich aussichtslos, sich dagegen durchzusetzen - doch dem alsbald in Rebecca verliebten Arlen ist eine besondere Gabe zueigen: Wenn er in den Augen seiner Mitmenschen Rauch erkennt, weiß er, dass ihr Tod unmittelbar bevorsteht …
    Michael Koryta legt mit Die Sprache der Toten einen weiteren Thriller vor, der mit seinen Horrorelementen an die früheren Romane von Stephen King gemahnt. Zusammen mit der zeitlichen Verortung auf die von einer Wirtschaftskrise geschüttelten USA der 1930er wirkt das Ganze zwar etwas "old school", ist aber auf seine Weise durchaus überzeugend. Ein spannender Urlaubsschmöker für zwischendurch. U.K.
    (Michael Koryta: Die Sprache der Toten. Thriller. Aus dem Amerikanischen von Karin Diemerling. Knaur Verlag, München 2015. 476 Seiten. 9,99 Euro. ISBN: 978-3-426-51026-1)
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    Als Boss des organisierten Verbrechens im nordenglischen Newcastle scheint David Blake den Zenit erreicht zu haben - doch jetzt aussteigen und mit seinem Vermögen das Weite suchen, geht nicht. Immerhin kann er schon mal andere absichern, denn es wird immer enger für ihn: Nach der Ermordung der Tochter des Polizeichefs sitzen ihm nicht nur die Polizei, sondern auch noch russische und serbische Syndikate im Nacken, die vor keiner Brutalität zurückschrecken und ihm sein Territorium streitig machen …
    Mit Killer Instinct hat Howard Linskey erneut eine überzeugende Fortsetzung von Crime Machine und Gangland vorgelegt, in der das organisierte Verbrechen wie die zynisch satirische Zuspitzung eines Wirtschaftsunternehmen daherkommt - nur dass sich David Blake als Boss zuweilen auch hin und wieder noch selber die Finger schmutzig machen muss, dabei durchaus einen Ehrenkodex achtet und eine Minimal-Moral voraussetzt.
    Wer die ersten Bände zu schätzen wusste und über einen ausgeprägten Sinn an schwarzem "Brit Crime"-Humor verfügt, wird auch hier wieder auf seine Kosten kommen - und es sehr bedauern, wenn ihm kein weiterer Band folgen sollte … U.K.
    (Howard Linskey: Killer Instinct. Thriller. Aus dem Englischen von Karl-Heinz Ebnet. Knaur Verlag, München 2015. 379 Seiten. 9,99 Euro. ISBN: 978-3-426-51618-8)
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    Nach einem Bombenattentat hat sich Kommissarin Isabelle Bonnet von der Police Nationale ins beschauliche Fragolin versetzen lassen, wo sie dank eines einflussreichen Vorgesetzten nun ungelöste alte Fälle nach eigenem Gutdünken aufklären kann - wie den brutalen Mord mit einer Mistgabel an einem Mann vor zehn Jahren. Dank der neuen Digitaltechnik entdeckt Bonnet alsbald eine Spur, die zu weiteren ungeklärten Mordfällen führt …
    Madame le Commissaire und die späte Rache ist der zweite Roman mit Isabelle Bonnet als "Heldin". So wie der Name des Autors Pierre Martin ein Pseudonym ist, dürfte auch das "beschauliche Fragolin" so fiktiv sein, wie die ganze Konstruktion um Isabelle Bonnet herum. Tatsächlich kann "beschaulich" für den Roman insgesamt als kennzeichnendes Merkmal genutzt werden, das wiederum die Sicht wohl vieler deutscher Touristen auf das Leben in der südlichen Provence widerspiegelt. Nichtsdestotrotz (oder gerade deswegen) ergäbe das durchaus eine nette Urlaubslektüre, die mit charmantem, nicht selten klischeebeladenem Personal aufwartet und in auch für Herzkranke verträglichen Maßen für Spannung sorgt - wenn da nicht auch noch das bestenfalls "gutgemeinte" Verständnis für eine lesbische Frau wäre, die ihre homosexuelle Neigung offenbar nur wegen ihrer schlechten Erfahrungen mit ihrem Stiefvater und ihrem Ehemann entwickelt hatte. Das ist nicht beschaulich, sondern einfach nur ungenießbarer Käse ... U.K.
    (Pierre Martin: Madame le Commissaire und die späte Rache. Ein Provence-Krimi. Knaur Verlag, München 2015. 366 Seiten. 14,99 Euro. ISBN: 978-3-426-51730-7)
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    Die als instinktsicher geltende Journalistin Christine Lenève soll die entführte Fernsehmoderatorin Sarah Wagner wiederfinden. Eine in Wagners Wohnung gefundene Feder verweist auf "Ikarus", der seine Serie bereits in der DDR begonnen und wenige Jahre nach der Wende die Schwester von Sarah Wagner entführt hatte. Christine Lenève wird zur Jägerin und zugleich zur Figur in einem doppelbödigen Spiel, bei dem ihre Überlebenschancen nach Null tendieren …
    Oliver Ménard hat mit Federspiel ein Thrillerdebüt vorgelegt, das eigentlich alles bietet, was derartige Spannungsliteratur verlangt - ein verzwickte Ausgangslage und ein voltenreiches Ende. Entfaltet wird der Plot jedoch anhand von Handlungsträgern, die sehr verkürzt so manches Klischee bedienen. Insbesondere von der Heldin Christine wird immer wieder behauptet, sie sei neben ihrer Instinktsicherheit, kleinste Anzeichen richtig zu deuten, auch sehr intelligent - aber das gilt nur bedingt, stehen dem doch ihre permanenten, sie prompt immer wieder in Gefahr bringenden Solotouren im Weg. Da ist also noch einige Luft nach oben, und dann könnte man durchaus neugierig auf weitere Thriller des Autors werden. U.K.
    (Oliver Ménard: Federspiel. Thriller. Knaur Verlag, München 2015. 378 Seiten. 9,99 Euro. ISBN: 978-3-426-51656-0)
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    Staatsanwalt Szacki muss am Sonntag zu einem Toten, dem ein Bratspieß durchs Auge ins Hirn getrieben wurde. Der Tote war Teil einer kleinen Therapiegruppe, die mit "Familien-Aufstellungen" nach der Methode von Bert Hellinger ihren Lebenskrisen auf die Spur zu kommen suchte. Tatort und Tatumstände lassen neben der höchst unwahrscheinlichen Alternative eines Selbstmordes nur die Annahme zu, dass einer aus der Therapiegruppe oder der Therapeut selbst ihn ermordet haben. Doch alle haben Alibis …
    Zygmunt Milozewski hat 2007 Warschauer Verstrickungen vorgelegt und wurde dafür mit dem Wielki-Kaliber-Literaturpreis ausgezeichnet.
    Sein Kriminalroman spielt in Warschau und dort wie in ganz Polen, sind Staatsanwälte die eigentlichen Ermittler und die Kriminalpolizei nur deren Zuarbeiter. Diese Umkehrung des Üblichen bzw. bislang Bekannten sowie die historischen Bezüge seines Romans, der noch auf die Vorwendezeiten ganz anderer Behörden verweist, sind durchaus interessant, doch in der Summe ist der Roman leider noch nicht sehr überzeugend. So kommen in der Sprachregelung der Übersetzung die Figuren inkl. des angeblich noch in den 30ern stehenden Staatsanwalts allesamt sehr bräsig und altbacken daher, so dass man sich eher in den 1950ern als in der Gegenwart von 2007 wähnt. Zudem ist der Aufbau sprunghaft und zuweilen wenig logisch, was Spannung erst in den letzten Kapiteln aufkommen lässt. U.K.
    (Zygmunt Milozewski: Warschauer Verstrickungen. Theodor Szacki ermittelt. Aus dem Polnischen von Friedrich Griese. Berlin Tb-Verlag, Berlin 2015. 447 Seiten. 9,99 Euro. ISBN: 978-3-8333-1010-2)
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    Als Jugendlicher war Steffen Plate vor 18 Jahren an einer Geiselnahme mit dem Ziel eines Bankraubs beteiligt, die den Tod einer Tochter des Bankfilialleiters und den seines Komplizen zur Folge hatte. Erst vor Kurzem aus dem Gefängnis entlassen, wird Plate in einem Brunnen gefunden und ist nur noch über die DNA zu identifizieren. Ratten haben ihn bei lebendigem Leibe bis zur Unkenntlichkeit angefressen - und die Ermittlungen ergeben bald, dass dieser Mord offenbar minutiös von langer Hand geplant wurde. Die Suche nach dem Täter stellt sich Hauptkommissar Jessen und Oberkommissarin Dante umso dringender, als womöglich auch noch andere zum Opfer eines Rachfeldzugs werden könnten …
    Susanne Mischke ist mit Kalte Fährte einmal mehr ein echter Page-turner gelungen, den man erst nach der letzten Seite aus der Hand legen will. Die Protagonisten - Täter, Opfer und Ermittler - sind so vielschichtig wie die Spurenlage verwirrend ist. Und nach dem voltenreichen Ende hat man den steifen Hauptkommissar Jessen und die temperamentvolle Oberkommissarin Dante ins Herz geschlossen und würde sehr gern noch weitere Fälle mit ihnen lesen. U.K.
    (Susanne Mischke: Kalte Fährte. Kriminalroman. Bloomsbury Berlin Verlag, Berlin 2015. 462 Seiten. 14,99 Euro. ISBN: 978-3-8270-1248-7)
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    Detective Kearney jagt einen Killer, der Frauen über Tage hinweg langsam verbluten lässt. Seine Ermittlungen führen Kearney auf verbotene Webseiten, die ihn am Ende nicht nur sein Amt kosten …
    Parallel zu Kearneys Ermittlungen kehrt Alex nach England zurück, nachdem er auf seinen zwei Jahre währenden Reisen den Tod seiner Frau Marie vergessen wollte. Damals war ihm seine Freundin Sarah eine große Stütze, doch nun ist sie ermordet worden. Die Polizei meint zwar ihren Mörder zu haben, von ihrer Leiche fehlt jedoch jede Spur. Seine Suche nach ihr führt Alex in erschreckende Abgründe der menschlichen Seele und überschneidet sich alsbald mit Kearneys Ermittlungen.
    Steve Mosby hat mit Der Kreis des Todes wieder einen spannenden und somit durchaus lesenswerten Thriller vorgelegt, auch wenn die Handlungsträger sich zuweilen auf allzu offensichtlich konstruierten Bahnen bewegen, damit einer Lösung näher kommen. Das darin abgehandelte Thema von den dunklen Seiten des virtuellen Raums wird jedoch erschütternd glaubwürdig vorgestellt. U.K.
    (Steve Mosby: Der Kreis des Todes. Thriller. Aus dem Englischen von Doris Styron. Droemer Verlag, München 2015. 430 Seiten. 14,99 Euro. ISBN: 978-3-426-30450-1)
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    Eine bis dahin unbekannte Aktivistengruppe namens NTR wendet sich gegen die zunehmende Abhängigkeit des Menschen von der Technik und setzt mit einem Stromausfall in ganz Berlin den Auftakt einer Anschlagserie. Da hierfür Hacker-Methoden eingesetzt wurden, eigentlich ein klarer Fall für Hauptkommissar Eisenberg und seine Sonderermittlungsgruppe Internet (SEGI). Doch der zuständige Fahndungsleiter des Landeskriminalamts hält wenig von der SEGI und seinen jedem "offiziellen Dienstweg" widerstrebenden Mitarbeitern. Und als einer des Teams in Verdacht gerät, private Kontakte zu NTR zu pflegen, ist die weitere Existenz der SEGI bedroht …
    Karl Olsberg legt mit Enter einen Thriller vor, der hochaktuell künstliche Intelligenz, Internetterror und die illegale Überwachung durch Geheimdienste thematisiert. Leider ist dem Autor diesmal jedoch nur mäßiger Erfolg beschieden, was die Umsetzung seines Plots angeht. Vermochte er noch in Delete die Protagonisten als glaubwürdige Charaktere einzuführen, wirken sie jetzt zu flach und schablonenhaft, um mit ihnen einen fesselnden Spannungsbogen aufzubauen, der noch dazu von überlangen Auszügen aus semiwissenschaftlichen Vorträgen torpediert wird.
    Vielleicht klappt's beim nächsten Mal ja wieder besser … U.K.
    (Karl Olsberg: Enter. Thriller. Berlin Verlag TB, Berlin 2015. 428 Seiten. 9,99 Euro. ISBN: 978-3-8333-1005-8)
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    Nach wie vor sind die Tage des Agenten Gideon Crew gezählt, ein inoperables Aneurysma lässt ihn vermutlich nur noch 10 Monate leben. Der neue Auftrag, während einer Ausstellung in New York das berühmteste Blatt einer frühmittelalterlichen Handschrift zu stehlen, gibt auch ihm wieder Hoffnung - denn das Pergament birgt eine alte Seekarte, die den Weg von der Ägäis zu einer Karibikinsel zeigt und zugleich auf eine Heilpflanze verweist, die das Leben verlängern helfen und selbst verlorene Gliedmaßen nachwachsen lassen soll …
    Preston & Child können mit Lost Island - Expedition in den Tod vermutlich nur noch durch übermäßigen Actionfilm-Konsum verwahrloste Leser überzeugen. War der Vorgängerband "Countdown" wenigstens noch halbwegs in sich plausibel und in seiner James-Bond-Haftigkeit ironisch gebrochen, lebt der neue Band nur noch von Behauptungen, bei denen zu offensichtlich und zahlreich ein immer neuer deus ex machina weiterhelfen soll. Wie hier u.a. die Homersche Odyssee geplündert und in die Gegenwart transponiert wird, lässt nicht nur Altphilologen erschaudern - oder in Hohngelächter ausbrechen. Genauso über den Cliffhanger am Ende, dem eine unglaubwürdige Saulus-in-Paulus-Verwandlung von Gideons Auftraggeber Glinn vorauszugehen hatte, um nur noch sehr bedingt auf den nächsten Band neugierig zu machen.
    Einmal ist keinmal, beim nächsten Schrott dieser Art ist allerdings Schluss! U.K.
    (Douglas Preston & Lincoln Child: Lost Island - Expedition in den Tod. Thriller. Aus dem Englischen von Michael Benthack. Knaur Verlag, München 2015. 414 Seiten. 14,99 Euro. ISBN: 978-3-426-51497-9)
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    Nach der Absetzung ihrer Show muss sich Starmoderatorin Rebecca Thorne neu beweisen. Da stößt sie auf die Geschichte des autistisch wirkenden Häftlings Connor Bligh, der trotz schwacher Indizien wegen dreifachen Mordes zu lebenslänglich verurteilt worden ist. Ein Justizskandal? Daraus ließe sich genau die Dokumentation machen, die Rebecca wieder zur gefragten TV-Größe werden ließe. Doch nicht nur sie verfolgt ehrgeizige Ziele und am Ende schwebt Rebecca in Lebensgefahr …
    Die neuseeländische Autorin Paddy Richardson hat mit Deine Schuld einen mitreißenden Psychothriller vorgelegt, der jeweils aus Rebeccas und Connors Perspektive die unterschiedliche Sicht auf Menschen und Fakten sowie deren Manipulation vorstellt - und dabei den Leser nicht außen vor lässt: Er muss sich bis zuletzt fragen, wessen Darstellung hier der Wahrheit entspricht und ob der erste Eindruck nicht zuweilen doch der "richtige" ist … U.K.
    (Paddy Richardson: Deine Schuld: Psychothriller. Psychothriller. Aus dem Englischen von Eva Bonné. Knaur Verlag, München 2015. 399 Seiten. 9,99 Euro. ISBN: 978-3-426-51449-8)
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    Michael Lane zählt als betuchter Erbe zur Upperclass von Kapstadt. Doch dann hören er und seine geschäftstüchtige Frau Beverly in einer Sommernacht verzweifelte Schreie, die aus ihrem Garten kommen. Vor ihrem Poolhaus entdecken sie die Leiche einer jungen Frau und ihren mit Anabolika aufgepumpten Sohn Christopher, der sie mit einer Hantel brutal erschlagen hat. Für Beverly Lane ist klar, dass ihr Sohn dafür nicht verurteilt werden darf. Nur gut, dass der drogenabhängige Sohn ihrer Haushälterin einen perfekten Schuldigen abgibt …
    Roger Smith hat mit Leichtes Opfer einen Thriller vorgelegt, in dem ein perfides Intrigenspiel mit äußerst brutalen Mitteln durchdekliniert wird.
    Kapstadt in Südafrika wird auch in anderen Romanen als nicht sonderlich friedliches Pflaster vorgestellt - und die gesetzlich überwundene Apartheid ist gewiss noch längst nicht in allen Köpfen angekommen oder hat gar für sozialen Ausgleich und Gerechtigkeit gesorgt. Doch wie der Autor hier die rassistische "Balance" sucht, indem er seine seelisch allesamt angeschlagenen und Zwängen unterlegenen Handlungsträger wie Schachfiguren gegenüberstellt, erlaubt zwar eine spannungsgeladene Dramaturgie, wirkt in seiner Klischeebeladenheit und damit verbundenen Ausweglosigkeit aber lediglich wie Misanthropie pur. So sieht er alle "Weißen" als nur mehr oder weniger zynisch auf sich bezogen und alle "Schwarzen" von Drogen und Gangsterethik umnebelt, was den Handlungsspielraum beider Seiten letztlich derart verengt, dass er stets in tödlich endenden Gewaltexzessen mündet.
    Ein aufklärerisches Lehrstück? Oder doch nur ein Produkt, dass allein den wiederum perfiden Marktgesetzen eines auf Verkaufszahlen bedachten Buchmarktes zu folgen scheint ... U.K.
    (Roger Smith: Leichtes Opfer. Roman. Aus dem Englischen von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann. Tropen bei Klett Cotta Verlag, Stuttgart 2015. 334 Seiten. 19,95 Euro. ISBN: 978-3-608-50136-0)
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    Am 11. Januar scheint in Lappland nach 40 Tagen durchgehender Nacht wieder die Sonne - wenn auch erstmal nur für 27 Minuten. Doch die Rentierpolizei in Kautokeino muss sich anderen Tatsachen stellen: Ein Wahrzeichen des letzten Urvolks Europas wird aus dem Museum gestohlen und wenig später auch noch der Rentierhirte Mattis ermordet und ohne Ohren aufgefunden. Klemet und seine frisch von der Polizeischule dazugekommene Partnerin Nina geraten während ihrer Ermittlungen alsbald in Verwicklungen, die weit über das Übliche eines Mordfalls hinausgehen …
    Oliver Truc, Skandinavien-Korrespondent für "Le Monde", hat mit 40 Tage Nacht einen preisgekrönten und in mehrere Sprachen übersetzten Thriller vorgelegt, der der bedrohten Kultur der Sami ein Denkmal setzen möchte. Und trotz einer zuweilen auffällig holpernden Übersetzung gelingt ihm das auch - denn der Plot verwebt geschickt Banales, Historisches und sehr gegenwärtige über Leichen gehende Geschäftstüchtigkeit zu einem Aufeinandertreffen der Kulturen, das wiederum fesselnd anhand treffend gezeichneter Charaktere entfaltet wird.
    Das macht große Lust auf mehr Geschichten aus dieser buchstäblich eiskalten Region im Norden. U.K.
    (Oliver Truc: 40 Tage Nacht. Thriller. Aus dem Französischem von Elsbeth Ranke. Droemer Verlag, München 2015. 493 Seiten. 19,99 Euro. ISBN: 978-3-426-19987-9)
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    Erst wird in München ein türkischer Mann mit einer Stichwunde direkt bei dem als "Walking Man" bezeichneten Kunstwerk in der Leopoldstraße tot aufgefunden, als wenig später bei einer internationalen Bauchtanzshow auch noch eine der Tänzerinnen ermordet wird. Zeki Demirbilek alias Kommissar Pascha und seine Soko Migra haben es hier einerseits mit ziemlich kniffeligen Fällen zu tun und müssen sich zugleich mit der möglichen Auflösung ihrer Soko herumschlagen …
    Su Turhan lässt auch in Kruzitürken das Salto schlagende Familienleben seines Kommissar Zeki Demirbilek nicht zu kurz kommen. Neben den Streitereien seines Sohnes mit seiner schwangeren Freundin, kann er selber sich nicht zwischen seinen Gefühlen zur geschiedenen Frau und einer anderen entscheiden. Wohltuend vom Üblichen (womöglich auch von der Realität?) abhebend sind zudem die Auseinandersetzungen innerhalb der Soko Migra, die bei aller Frotzelei ein vergleichsweise gemütliches Miteinander belegen, um am Ende dann doch immer wieder gemeinsam an einem Strang zu ziehen.
    Somit ragt auch der 3. Band um den ironisch-respektvoll "Pascha" genannten Kommissar unter all den Kriminalromanen mit Regionaltouch heraus als gute Laune machende Unterhaltungslektüre. U.K.
    (Su Turhan: Kruzitürken. Ein neuer Fall für Kommissar Pascha. Knaur Verlag, München 2015. 333 Seiten. 9,99 Euro. ISBN: 978-3-426-51532-7)
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    Nacheinander werden im norwegischen Bergen drei Frauen ermordet, die auf den ersten Blick scheinbar nichts miteinander verbunden hat. Ein kniffliger Fall, aber Kommissar Edvard Matre ist nicht ganz bei der Sache, denn dank eines Zufalls erfährt er, dass er bereits als Baby adoptiert und seine leibliche Mutter in einem Massengrab neben einer Klinik in Oslo gefunden wurde.
    Chris Tvedt eröffnet mit Zu Staub sollst du zerfallen eine neue Krimireihe um den eher wortkargen Kommissar Edvard Matre. Tvedts bisheriger "Held" Mikaell Brenne kommt hier allerdings noch als am Rande wegen des Massengrabs ermittelnder Kollege vor. Beide Handlungsstränge ranken sich um das Thema Gewalt gegen Frauen und münden zuletzt auch für Matre selbst und sein Team in einige überraschende Auflösungen.
    Durchaus ansprechende Krimikost aus Skandinavien, die neugierig auf Mehr macht. U.K.
    (Chris Tvedt: Zu Staub sollst du zerfallen. Kriminalroman. Aus dem Norwegischen von Günther Frauenlob. Knaur Verlag, München 2015. 411 Seiten. 9,99 Euro. ISBN: 978-3-426-51538-9)
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    Als einige Hunde in der Siedlung verschwinden und nahezu zeitgleich Narkotika aus Tierarztpraxen gestohlen werden, ist für Tierarzt Dr. May klar, dass diese Begebenheiten in einem größeren Zusammenhang stehen und womöglich Vorboten eines schlimmeren Verbrechens sind. Doch als ein kleines Mädchen verschwindet, will Kommissarin Johanna Celep noch immer nicht seinen Argumenten folgen …
    Stefan Valentin (eigentlich: Stefan Valentin Müller) legt mit Der beste Freund des Mörders einen Kriminalroman vor, der mit einem Tierarzt als Protagonisten etwas aus der Reihe fällt. Doch entgegen aller Skepsis wird hier zwar kein herausragender, aber insgesamt doch durchaus akzeptabler Krimi geboten, der nicht selten auch mit Milieuschilderungen von Tierliebhabern in gelungener Sprachregelung zu überzeugen vermag. Was den für Kenner ab der Hälfte durchschaubaren und ein wenig mit der Brechstange hingebogenen Plot angeht, ist allerdings noch Luft nach oben. Mal sehen, ob und wie es mit Dr. May weitergeht … U.K.
    (Stefan Valentin: Der beste Freund des Mörders. Tierarzt Dr. May ermittelt. Kriminalroman. Berlin Verlag, Berlin 2015. 304 Seiten. 9,99 Euro. ISBN: 978-3-8333-0983-0)
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    Erst dachte Art Keller noch, mit der Verhaftung von Adán Barrera einen durchschlagenden Erfolg erzielt zu haben. Doch alsbald muss er feststellen, dass das Drogen- und Waffengeschäft in Mexiko nun erst recht derart unfassbare Dimensionen annimmt und er am Ende sogar gemeinsam mit Adán Barrera einen weit unberechenbareren und deshalb noch gefährlicheren Gegner zu bekämpfen hat …
    Nach in "Tage der Toten" legt Don Wilson mit Das Kartell eine fulminante Fortsetzung mit seinem hardboiled detective Art Keller vor, die als durchaus auch vom Vorgängerroman unabhängig zu lesendes 830-Seiten-Epos einen weiteren Meilenstein im Thrillergenre setzt.
    Denn der an Kriegsschauplätze erinnernde Seitendurchschnitt auf brutalst mögliche Weise zu Tode gekommener Opfer wird dank mehrjähriger Recherche des Autors erneut sehr realitätsnah grundiert: US- sowie latein-amerikanische Intrigenspiele höchster politischer Würdenträger und ihrer Geheimdienste lassen jede Hoffnung fahren, derartige Verbrechen nachhaltig bekämpfen zu können. Und so muss auch ein Art Keller am Ende einmal mehr einen faulen Kompromiss als bestmögliches Ergebnis akzeptieren lernen.
    Schrecklich spannend! U.K.
    (Don Wilson: Das Kartell. Roman. Aus dem Amerikanischen von Chris Hirte. Droemer Verlag, München 2015. 831 Seiten. 16,99 Euro. ISBN: 978-3-426-30429-7)
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    SF / Fantasy /Mystery

    Nachdem der Druide Atticus - siehe Bd.1 Die Hetzjagd - mit seinen 2100 Lebensjahren in Notwehr eine hohe keltische Gottheit getötet hat, wollen ihn plötzlich überraschend viele mythische Wesen als Killer für so manch andere Gottheit anwerben.
    Diesmal soll Atticus seinem Anwalt Leif, seines Zeichen ein Werwolf, die Gegenleistung für einen "Gefallen" erbringen und den so gewissenlosen wie brutal mit dem Hammer agierenden Gott Thor töten. Doch dafür müsste er erstmal unbeschadet in den germanischen Götterhimmel gelangen - ganz abgesehen davon, dass er vorher noch sein Testament aufsetzen muss …
    Kevin Hearne legt mit Gehämmert den dritten Band seiner "Chronik des eisernen Druiden" vor. Auch dieser Band lebt von einem anarchischem Dialogwitz, der in seiner wilden Mischung alter Mythen diesmal selbst vor Jesus nicht halt macht. Und am Ende ist klar, dass schon der nächste Konflikt nicht einfach nur im Raum stehen bleiben wird … U.K.
    (Kevin Hearne: Die Chronik des eisernen Druiden 3 - Gehämmert. SF-Roman. Aus dem Englischen von Alexander Wagner und Friedrich Mader. Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2015. 366 Seiten. 16,95 Euro. ISBN: 978-3-608-93933-0)
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    Ein Bauernmädchen wurde als Marionette der nyphronischen Kirche zur Imperatorin ernannt - und das war erst der Anfang. Denn nun sollen alle Königreiche dem "Neuen Imperium" einverleibt werden. Nur Prinzessin Arista aus dem kleinen Königreich Melengar versucht dem zu widerstehen und gewinnt zu ihrer Unterstützung einmal mehr Royce und Hadrian …
    Der Aufstieg Nyphrons setzt nach Der Thron von Melengar und Der Turm von Avempartha als dritter Band die Riyria-Reihe von Michael J. Sullivan fort.
    Endlich. Denn einmal mehr versteht es der Autor bemerkenswerte Charaktere in einem sehr vielschichtigen Plot zu inszenieren, der mit Brutalität, Edelmut und sehr viel schwarzem Humor zu glänzen weiß.
    Alles äußerst zufriedenstellend, wäre da nicht auf der letzten Seite ein Cliffhänger, der einen sofort nach dem vierten Band verlangen ließe … U.K.
    (Michael J. Sullivan: Der Aufstieg Nyphrons - Riyria 3. SF-Roman. Aus dem Englischen von Wolfram Ströle. Klett Cotta Verlag, Stuttgart 2015. 445 Seiten. 16,95 Euro. ISBN: 978-3-608-96014-3)
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    An Bord der Smaragdsturm setzt als vierter Band die Riyria-Reihe von Michael J. Sullivan fort.
    In ihm wird buchstäblich der Horizont dieser Heldensaga geweitet, heuern Hadrian und Royce doch im Auftrag des Königs auf einem großen Segelschiff an, dass sie an die Küsten im fernen Südosten der Elan-Welt bringt. Hier hatten einst Zwerge kunstreiche Städte erbaut, in denen jetzt kriegerische Piraten hausen. Während Hadrian und Royce auf der Suche nach Merrick Marius sind, der als Agent des Imperialisten vor nichts Zerstörerischem zurückschreckt, merken sie lange nicht, dass er sie längst gefunden hat. Parallel dazu ist Arista mit Unterstützung von Thrace, die nun im Palast als Imperatorin Modena ein Schattendasein führt, auf der Suche nach Gaunt, der in sich den Schlüssel zu nichts weniger als zur Rettung der Welt trägt. Doch wo, wenn nicht in einem Palast sind Intrigen und Verrat zu Hause?
    Wiewohl der Plot seine Helden immer wieder in eigentlich völlig aussichtslose Situationen zwingt, findet sich zum Glück dann aber doch wieder ein guter Grund, mit großer Vorfreude den nächsten Band herbei zu sehnen. U.K.
    (Michael J. Sullivan: An Bord der Smaragdsturm - Riyria 4. SF-Roman. Aus dem Englischen von Wolfram Ströle. Klett Cotta Verlag, Stuttgart 2015. 441 Seiten. 16,95 Euro. ISBN: 978-3-608-96015-0)
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    Bobby Dollar hat es wider Erwarten geschafft, aus der Hölle zurückzukehren - doch seine Geliebte Caz scheint nun unwiderbringlich den Fängen des Erzdämons Eligor ausgeliefert zu sein. Doch ist das ein Grund für Bobby, Caz nun ganz aufzugeben? Natürlich nicht! Dass ihn jetzt auch noch der Himmel fallen lässt und ihm die Grenzen seiner Existenz aufzeigt, ist für ihn ebenfalls kein Hinterungsgrund. Nur diesmal hat er sich verrechnet - da müsste er schon seinen ärgsten Feind auf seine Seite ziehen, um noch einmal einigermaßen glücklich davonzukommen …
    Tad Williams hat mit Spät dran am Jüngsten Tag den dritten und zugleich die Trilogie abschließenden Band zu Bobby Dollar vorgelegt, der als Engel Doloriel und Anwalt der verlorenen Seelen in Die dunklen Gassen des Himmels eingeführt wurde.
    Diesmal wird für Bobby der Himmel zur Hölle bzw. erweist sich auf den für ihn maßgeblichen Ebenen weit weniger edel und gerecht als vielmehr intrigant und korrupt. Am Ende muss Bobby nahezu allen Freunden misstrauen lernen und … mehr soll vom Inhalt hier nicht verraten werden. Zu den bereits bekannten Handlungsträgern stoßen noch einige fiese dazu, die Tad Williams einmal mehr sehr phantasievoll ausmalt und mit viel schwarzen Humor kommentiert. Doch es kann nicht verschwiegen werden, dass der dritte Band einige Längen aufweist und eigentlich erst mit dem zweiten Drittel Fahrt aufnimmt, um dann im letzten Drittel wieder richtig zu fesseln - allein schon um zu erfahren, wie das Ganze ausgeht. Das Ende jedenfalls dürfte so manche Vorstellung von einem Himmel endgültig auf den Kopf stellen - und was das für Bobby Dollar bedeutet? Lesen Sie selbst! (Wer die ersten beiden Bände gelesen hat, wird sich sowieso den letzten nicht entgehen lassen.) U.K.
    (Tad Williams: Spät dran am Jüngsten Tag - Bobby Dollar 3. SF-Roman. Aus dem Englischen von Cornelia Holfelder-von der Tann. Klett Cotta Verlag, Stuttgart 2015. 611 Seiten. 22,95 Euro. ISBN: 978-3-608-93835-7)
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    Sachbuch

    Richard Saul wiederholt in seinem Buch Die ADHS-Lüge immer wieder die eine These, wonach ADHS bzw. die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung keine Diagnose, sondern ein Symptom von sehr verschiedenen, von ihm in 21 Abschnitten vorgestellten Erkrankungen sein kann.
    Mit dieser Ansicht ist er jedoch laut des ausführlichen Artikels dazu in der Wikipedia nicht der erste und das, was er fordert, nämlich eine personengerechte, angemessene und all die von ihm geschilderten Erkrankungsformen berücksichtigende bzw. ausschließende Anamnese leisten viele (gute) Ärzte schon seit Langem.
    Aber gute Ärzte, die sich angemessen Zeit für ihre Patienten nehmen, sind leider nicht als selbstverständlich vorauszusetzen - allein unter diesem Aspekt mag dieses Buch eine erste Hilfestellung bieten, einen Arzt auch andere Diagnosen in Erwägung ziehen zu lassen, als die eine sich scheinbar so zwingend aufdrängende und gerade hierbei auch auf Zweit- und Drittmeinungen zu setzen. (Dies leistet der Wikipedia-Artikel weit preiswerter aber ebenfalls.)
    Was jedoch die an sich zu rühmende Allgemeinverständlichkeit von angelsächsischen Wissenschaftlern angeht, unterbietet Saul das mit seinen penetranten Wiederholungen derart, dass man immer wieder ins Überfliegen gerät … U.K.
    (Richard Saul: Die ADHS-Lüge. Eine Fehldiagnose und ihre Folgen. Wie wir den Betroffenen helfen. Aus dem Amerikanischen von Dieter Fuchs. Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2015. 317 Seiten. 19,95 Euro. ISBN: 978-3-608-98046-2)
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    Kinder- & Jugendliteratur

    Nach dem Fund der HMS Erebus unter dem Eis des Nordpolarmeers stieg das Interesse an dem Schicksal der berühmt-berüchtigten Franklin-Expedition von 1845 bis 1848.
    Die in Hamburg lebende Illustratorin Kristin Gehrmann hat nun eine dreibändige Graphic Novel dazu konzipiert, die die wesentlichen Ereignisse um diese Franklin-Expedition buchstäblich auch nachzuzeichnen sucht. Die ersten zwei von drei Bänden unter dem Reihentitel Im Eisland liegen bereits vor.
    Der sich an den wenigen Fundstücken und Dokumenten orientierende Text spielt hier gattungsgemäß eher eine nachrangige Rolle, weiß aber die Handlung plausibel voranzutreiben und die historischen Ereignisse, soweit belegt, vereinfacht nachzuvollziehen. Doch gerade die in schwarz-weiß gehaltenen Bilder dieser Graphic Novel sind leider nicht von durchgängiger Überzeugungskraft. Während die (Eis-)Landschaften, die Schiffe und deren Einrichtung das Ambiente der Geschichte durchaus nachvollziehbar wiedergeben, bleiben die zuweilen sehr einfach gestrichelten Gesichter der Handlungsträger zweidimensional bzw. ihre Gesichter zeigen nur selten und wenn, dann sehr wenige Nuancen im Ausdruck und bei physischen Reaktionen - selbst wenn sie gruppenweise erkranken, hungern und frieren, geschieht das bestenfalls exemplarisch, wird dann aber nicht durchgehalten. Alles bleibt glatt wie wundersamerweise auch die Kleidung, die zudem bei den Außeneinsätzen auf dem Eis unglaubwürdig dünn erscheint - und wenn sie tatsächlich so dünn war, hätte das wiederum den Gesichtern ihrer Träger abzulesen sein müssen.
    Sich für derlei historisch maritime Ereignisse begeisternde Jugendliche mögen trotz dieser Einschränkungen dennoch ihren Spaß daran haben. U.K.
    (Kristina Gehrmann: Im Eisland. Band 1: Die Franklin-Expedition. Graphic Novel. Hinstorff Verlag, Rostock 2015. 224 Seiten. 16,99 Euro. ISBN: 978-3-356-01901-8)
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    (Kristina Gehrmann: Im Eisland. Band 2: Gefangen. Graphic Novel. Hinstorff Verlag, Rostock 2015. 224 Seiten. 16,99 Euro. ISBN: 978-3-356-01994-0)
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