b Ulrich Karger - Büchernachlese | Kurzhinweise 2018



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Büchernachlese | Kurzhinweise 2018


Neben den nachfolgenden des aktuellen Erscheinungsjahrs können auch noch siehe Links oben insgesamt 411 Kurzhinweise zu den Jahren 2003 bis 2017 abgerufen werden:

Sortiert nach Genre und dem Alphabet der Autorennamen führen die verlinkten Genrebezeichnungen zum jeweils ersten Kurzhinweis.

  • Belletristik:
  • Krimis / Thriller: C. J. Cooke, Bill Clinton & James Patterson, Vitu Falconi alias Thomas Thiemeyer, Steve Hamilton, Jørn Lier Horst, Stefan Lehnberg, Nina Laurin, Nora Luttmer, Gilly MacMillan, Maile Meloy, Jean-François Parot, Gordon Tyrie
  • SF / Fantasy / Mystery: Mike Brooks, Brian Lee Durfee, Kevin Hearne, Markus Heitz, Christopher Husberg
  • Sachbuch:
  • Kinder- & Jugendliteratur: Wolfgang Korn, Dirk Pope


  • Belletristik


    Krimis / Thriller

    Als eine Frau am Strand der griechischen Insel Komméno geweckt wird, weiß sie weder ihren Namen noch woher die Verletzung am Kopf stammt. Dabei hat sie noch Glück im Unglück, denn auf der schon längere Zeit völlig verlassenen Insel haben sich vier Autoren eines der leerstehenden Häuser hergerichtet, um für einige Wochen die karge Abgeschiedenheit der Insel als Inspiration für ihr Schreiben zu nutzen. Als die Frau einigermaßen wach ist, bieten sie ihr gleich ihre Hilfe an. Doch irgendetwas stimmt mit den Vieren nicht, und bald fragt sich die Frau, ob sie nicht mehr über sie wissen, als sie behaupten.
    Zeitgleich vermisst in London Lochlan Shelley seine Ehefrau Eloise, die offenbar am helllichten Tag spurlos verschwunden ist und ihn wie auch die gemeinsamen zwei kleinen Kinder ohne erkennbare Begründung verlassen hat. Ohne Geld und Ausweis, ohne Koffer oder Auto, ohne Flugticket. Es dauert nicht lange, und Lochlan sieht sich Vorwürfen und Beschuldigungen ausgesetzt - nicht zuletzt auch von jenen, die er sich selber macht ...
    Unter dem Pseudonym C. J. Cooke hat eine in Glasgow lebende "preisgekrönte Autorin" den Psychothriller Broken Memory - Woher kennst du meinen Namen? vorgelegt.
    Im Wechsel erzählen Lochlan und die Frau auf Komméno aus der Innenperspektive, und es wird schnell klar, dass es sich bei ihr um die vermisste Eloise handelt. Der Spannungsbogen innerhalb und zwischen diesen beiden Innenperspektiven wird von Anfang an kräftig angezogen und bis zum Ende durchgehalten - dem kann man sich selbst dann nicht mehr entziehen, wenn einem deutlich wird, an welchem Kindheitstrauma Eloise leidet und was es z.B. mit den anderen vier Inselbewohnern auf sich hat.
    Spannend bis zur letzten Seite, wirkt der eingängig entfaltete Plot in sich sehr schlüssig und kommt ohne Effekthascherei aus - die ist auch gar nicht nötig, vermögen doch jahrelang geübte selektive Wahrnehmung und Verdrängung Abgründe aufzutun. Endlich mal wieder ein Psychothriller, der im besten Sinne die Genre-Zuordnung verdient! U.K.
    (C. J. Cooke: Broken Memory - Woher kennst du meinen Namen? Psychothriller. Aus dem Englischen von Susanne Wallbaum. Droemer Verlag, München 2018. 366 Seiten. 14,99 Euro. ISBN: 978-3-426-28184-0)
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    Vertreter von Kongress und Senat halten dem US-Präsidenten mehrere Gerüchte vor, die nicht zuletzt Cyberterror und Spionage betreffen. Doch der Präsident kann nicht angemessen antworten, da es offensichtlich im Kabinett einen Verräter gibt, von dem neben ihm nur eine Handvoll Mitarbeiter wissen dürfen. Als der Präsident schließlich sogar selbst unter Verdacht gerät, ist er plötzlich von der Bildfläche verschwunden. Etwas noch nie Dagewesenes …
    Der Thriller The President Is Missing wird als Gemeinschaftswerk von James Patterson und dem ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton beworben. Wie hoch die jeweiligen Schreibanteile daran verteilt sind, lässt sich nicht sagen - angeblich sei der Thriller aber "gespickt mit Informationen, über die nur ein ehemaliger Oberbefehlshaber verfügt".
    Nun ja, der im Zusammenhang mit einer virtuellen Bedrohung von ganz Amerika gebaute Plot ist nach altbekannter Patterson-Manier durchaus spannend aus der Ich-Perspektive eines fiktiven US-Präsidenten entfaltet. Das darin aufscheinende Selbstbild des Präsidenten - aus einfachen Verhältnissen durch Fleiß und Bildung nach oben gekommen, zudem von anerkannt selbstloser Tapferkeit als Ex-Ranger im Militär -, ist vor allem dem Allgemeinwohl verpflichtet und hat angesichts des derzeitigen Präsidenten (aber auch in Erinnerung an Clinton selbst) eben … fiktiven Charakter. Was das Hauen und Stechen innerhalb Regierung, Senat und Kongress angeht, ist da nichts wirklich Neues nachzulesen - aber der Plot trifft immerhin mit dem Aufgreifen des Cyberterrors als einer der derzeit womöglich größten menschengemachten Bedrohungen auch für den Rest der Welt den Nagel auf den Kopf. U.K.
    (Bill Clinton & James Patterson: The President Is Missing. Roman. Aus dem Amerikanischen von Anke und Eberhard Kreutzer. Droemer Verlag, München 2018 2018. 477 Seiten. 22,99 Euro. ISBN: 978-3-426-28197-0
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    An einer Schreibblockade leidend, will der Autor Eric Marchand die Hauptfigur seiner Krimiserie sterben lassen, doch sein Verleger empfiehlt im stattdessen eine Auszeit zu nehmen. Die führt Marchand nach Korsika, wo auch seine Mutter herstammte. Erst schien ihn die Insel freundlich willkommen zu heißen, doch als er bei einer Gelegenheit den Familiennamen seiner Mutter nennt, weckt er eine jahrhundertealte Blutfehde, die sich nun auch auf ihn erstreckt …
    Unter dem Pseudonym Vitu Falconi hat Thomas Thiemeyer mit Das korsische Begräbnis eine neue "Urlaubs-Krimireihe" gestartet.
    Den Schauplatz Korsika mit seinen reizvollen Landschaften weiß der Autor gut vor Augen zu führen und er zieht aus den Traditionen samt einer Mentalität mit archaisch anmutenden Ehrbegriff genug Honig, um daraus eine actionreiche Handlung zu konstruieren. Eric Marchand, der u.a. auch Martial Arts trainiert hatte, passt da als Hauptfigur mit soft-angehauchten Machismo ganz gut hinein. So unterläuft er die ihm zugeschriebene Intelligenz immer wieder auch mit ziemlich dämlichem, rein Impuls gesteuerten Gebaren.
    Die Handlung lebt neben der bis zum Ende gehaltenen Spannung auch von einigen, angeblich traditionsbedingt esoterischen Abschweifungen - aber was soll's, insgesamt kommt das im Vergleich zu manch anderem Krimi ganz rund und flüssig daher. Angesichts der darin durchaus blutrünstig geschilderten, auch "versehentlich" nicht vor Touristen halt machenden Mafiastrukturen sollte man das Buch vielleicht nicht gerade als Urlaubslektüre auf Korsika nutzen. U.K.
    (Vitu Falconi: Das korsische Begräbnis. Kriminalroman. Knaur Verlag, München 2018. 352 Seiten. 14,99 Euro. ISBN: 978-3-426-52170-0)
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    Nick Mason ist noch immer in der Hand von Darius Cole, der ihm als Pate von Chicago eine vorzeitige Entlassung aus dem Gefängnis verschafft hat. Doch dafür muss Nick als Nächstes drei Männer töten, die Cole ins Gefängnis gebracht haben und seither mit neuen Identitäten im Zeugenschutzprogramm des FBI abgetaucht sind. Dank korrupter Beamte weiß Cole zwar, wo Nick sie finden kann, doch angesichts der Bewachung rund um die Uhr durch US Marshals sind die Zeitfenster für Anschläge sehr klein. Zudem will Nick keine Unschuldigen töten, was das Ganze nicht einfacher macht. Scheitert Nick nur bei einem Auftrag, würden in jedem Fall Nicks Kind und seine Exfrau getötet …
    Nach Das zweite Leben des Nick Mason legt Steve Hamilton mit Drei Zeugen zu viel den zweiten Band um Nick Mason als Auftragskiller wider Willen vor.
    Brutal und Testosteron beladen bis zum Anschlag, sind bis auf eine Staatsanwältin alle Handelnden Männer, während Frauen bestenfalls die Rolle zu beschützender Geliebte einnehmen. Nick Mason selbst scheint dabei immer mehr dem Marvel-Comic-Universum entsprungen zu sein, der noch selbst mit dem Kopf unterm Arm eine Gruppe von Muskelbergträgern überwinden könnte. So muss der Autor bei seinen Plots immer noch ein Schippchen an Fallhöhe drauflegen, um die Spannung zu erhöhen und auch ein Scheitern Nicks für wahrscheinlich zu halten. Und tatsächlich wartet das Ende des Romans mit einer nicht allzu leicht vorhersehbaren Volte auf … U.K.
    (Steve Hamilton: Drei Zeugen zu viel. Thriller. Aus dem amerikanischen Englisch von Karin Diemerling. Droemer Verlag, München 2018. 334 Seiten. 14,99 Euro. ISBN: 978-3-426-30499-0)
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    Weil Hauptkommissar William Wisting wegen des Vorwurfs, vor 17 Jahren in einem Entführungs- und Mordfall zum Schaden einer jungen Frau Beweise manipuliert zu haben, vom Dienst suspendiert wird, ist seine Tochter Line als Journalistin nun mehrgleisig unterwegs. So verfolgt sie mit ihren Kollegen den inzwischen aus dem Gefängnis entlassenen und gegen die Ermittlungsbeamten von damals Klage erhebenden, einstigen Tatverdächtigen und sucht zugleich wie die Kollegen ihres Vaters in zwei aktuellen Fällen nach Hinweisen zu einem verschwundenen Mädchen sowie zum mysteriösen Mord an einem zuvor völlig unauffälligen Mann. Wisting selbst durchforstet inzwischen die alten Akten, um seine Unschuld schließlich auch mithilfe einiger alter Kollegen beweisen zu können. Doch den Fall auflösen wird Line …
    Jørn Lier Horst hat mit Jagdhunde, bis auf einige unnötige Redundanzen zu Anfang, erneut einen rundum überzeugenden Kriminalroman vorgelegt.
    Die Charaktere, allen voran Kommissar William Wisting und seine als Journalistin tätige Tochter Line, sind angenehm unprätentiös und zugleich sehr glaubwürdig angelegt. Dass Line diesmal die aktivere ist, tut dem keinen Abbruch. Der fesselnd entfaltete Plot zieht die Spannungsschraube bis zur letzten Seite an. Bestechend einmal mehr, dass anstelle blutig zur Schau gestellter Gemetzel hier die Wistings mit ihrer plausiblen Polizei- und Journalistenarbeit im Vordergrund stehen, um Verbrechen auf die Spur zu kommen. U.K.
    (Jørn Lier Horst: Jagdhunde. Kriminalroman. Aus dem Norwegischen von Andreas Brunstermann. Droemer Verlag, München 2018. 397 Seiten. 14,99 Euro. ISBN: 978-3-426-30628-4)
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    Nach ihrer höchst anstrengenden und langwierigen Reise nach "Franckfurt" am Main, stellt Goethe seinem Freund Schiller den Ort seiner Kindheit und Jugend vor. Kurz vor ihrer geplanten Rückreise werden sie zum Generalerbpostmeister Karl Anselm von Thurn und Taxis bestellt, der ihnen den Auftrag gibt, die beiden bei ihm sitzenden Stadträte von Frankfurt bei einer "criminalistischen" Untersuchung zu unterstützen. Denn kurz zuvor wurden zwei andere Ratsmitglieder der Stadt ermordet, und darüber hinaus war in abgefangenen Depeschen an Napoleon fälschlicherweise nachzulesen, dass Frankfurt an 121 Garnisonsstädte Kuriere entsandt hätte, was den Eindruck erwecken sollte, dass das hohe Contributionen an Napoleon zahlende Frankfurt ein Heer gegen Frankreich zusammenziehen wolle. Und angesichts einer solchen Provokation ist zu befürchten, dass Napoleon mit seinem Heer erneut in die Stadt einfällt …
    Stefan Lehnberg legt mit Die Affäre Carambol den zweiten Band der "criminalistischen Werke des Johann Wolfgang von Goethe, aufgezeichnet von seinem Freunde Friedrich von Schiller" vor.
    Das Ermittlerduo Goethe und Schiller stößt unter der Fragestellung "Cui bono?" schnell auf ungewöhnlich hohe Lieferungen von Mehl an einen geheimen Ort in Frankfurt, mit denen offenbar auf eine baldige kriegsbedingte Hungersnot spekuliert wird, was in seiner zynischen Perfidie durchaus an heutige Börsespekulationen gemahnt. Das zwingt die beiden Ermittler zu einigen waghalsigen Abenteuern, die sie zuweilen mit List aber vor allem mit sehr viel Glück überstehen.
    Nichtsdestotrotz lebt auch dieser Roman weniger von dem kriminalistischen Plot und dessen "Action" als von der augenzwinkernden Fiktion einer Posse oder Persiflage, die bei aller Unwahrscheinlichkeit der ihnen hier zugeschriebenen Taten gerade auch in den Dialogen u.a. das immer wieder augenscheinliche Gefälle der beiden Dichterfürsten analog zu Sherlock Holmes und Dr. Watson treffend herausstellt. So verlangt Goethe an einer Stelle von Schiller zwei Drittel der Tantiemen, die Schiller für sein Buch mit dem von ihm geschilderten ersten Ermittlungen in Durch Nacht und Wind erhalten hat - denn ohne Goethes Stellung und Spürsinn wären die beiden ja nie beauftragt worden. Schiller findet das "originell" argumentiert, wiewohl er ja bislang stets den anstrengenderen Part der Ermittlungen zu übernehmen hatte. Daneben legt der offenbar sehr kenntnisreiche Lehnberg ihnen aber auch Worte in den Mund, die sie tatsächlich so gesagt haben könnten oder geschrieben haben - das betrifft auch weitere Eigenheiten, wie Schillers Geldknappheit oder Goethes Hang zu Liebeleien.
    So geht es hier wie im Band davor im wahrsten Sinn des Wortes um einen Lesespaß, dem jeder Bierernst abträglich wäre. Den I-Punkt setzt hierfür einmal mehr die liebevolle Ausstattung des Buches im handgerechten Hardcoverformat und mit einer altertümlich stilisierten Schreibweise, die neben sei = sey oder bei = bey noch en passant und ohne den Lesefluss zu stören kleine Glanzlichter einstiger Wortvertracktheiten setzt. U.K.
    (Stefan Lehnberg: Die Affäre Carambol. Die criminalistischen Werke des Johann Wolfgang von Goethe, aufgezeichnet von seinem Freunde Friedrich von Schiller. Kriminalroman. Tropen c/o Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2018. 232 Seiten. 15,00 Euro. ISBN: 978-3-608-50354-8)
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    Ella Santos gelang mit 13 Jahren die Flucht: Da war sie hochschwanger und hatte drei Jahre lang immer wieder den quälenden Missbrauch durch ihren Entführer ertragen müssen. Ihr Kind, ein Mädchen, hat sie, ohne es zu sehen, zur Adoption freigegeben. Da ihr Entführer nie gefasst wurde, bekam sie einen neuen Namen - aber mehr an Unterstützung wurde ihr nicht zuteil. Weder von ihrer Mutter noch von Amts wegen. Zehn Jahre später überlebt sie nun als Laine Moreno mit Gelegenheitsjobs und einem Tablettencocktail, der ihr beim Vergessen helfen soll. Doch dann sieht sie auf einem Vermisstenplakat ein zehnjähriges Mädchen, das Oliva Shaw heißt und ihr Ebenbild sein könnte. Kurz darauf taucht jener Polizist wieder bei ihr auf, der sie als Kind gerettet hatte. Und er will, dass Laine sich erinnert, damit Olivia nicht das gleiche Schicksal wie sie erleiden muss …
    Nina Laurin hat mit Escape - Wenn die Angst dich einholt ein Roman-Debüt vorgelegt, das vom Verlag als "Psychothriller" beworben wird. Das weckt falsche Erwartungen, die weder die Autorin noch der Roman verdient haben. Denn in erster Linie handelt es sich hierbei um die durchaus gelungene Psychostudie einer Tablettensüchtigen, die immer wieder gegen ihre inneren Beschränkungen anzukämpfen hat. Dank der eingängigen Übersetzung lassen sich auch die typischen Redundanzen vom Scheitern und Neu-beginnen-wollen in auswegloser Situation flüssig weglesen. Wer selber Kinder hat, den wird die innere Spannung Laines nicht loslassen: den kaum widerstehbaren Drang nach Vergessen und den dagegen vergleichsweise nur sehr schwachen Impulsen, Olivia dieses Schicksal ersparen zu wollen.
    Erst im letzten Viertel des Buches ist Laine soweit, dass die Geschichte einen "Thrill" im eigentlichen Sinne entwickelt - und zwar derart passabel, dass man neugierig darauf ist, ob und wie die talentierte junge Autorin auch einen Roman mit nicht von vornherein derart eingeschränkten Handlungsträgern gestalten könnte. U.K.
    (Nina Laurin: Escape - Wenn die Angst dich einholt. Psychothriller. Aus dem kanadischen Englisch von Alice Jakubeit. Knaur Verlag, München 2018. 344 Seiten. 14,99 Euro. ISBN: 978-3-426-65410-1)
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    Kommissarin Mia Paulsen hat sich nach mehreren Jahren von Berlin nach Hamburg versetzen lassen - nur um dort dann wieder auf ihren Ex zu treffen, noch dazu als ihren unmittelbaren Vorgesetzten. An aktuelle Fälle lässt Jens Bordasch sie nicht ran, stattdessen soll Mia eigentlich schon zu den Akten gelegte, seit Jahren ungelöste Fälle bearbeiten. In einem davon geht es um die Leiche eines vietnamesischen Jungen, die zwei Jahre zuvor auf einer Lichtung im Raakmoor im Norden Hamburgs entdeckt wurde. Als Mia den Fundort aufsucht, stößt sie an derselben Stelle auf zwei erst kürzlich dort vergrabene Männerleichen. Mia setzt die Leichen sofort in Beziehung zu der des Jungen, doch Bordasch sieht das prompt anders - Mia soll sich ausschließlich um den alten Fall kümmern …
    Nora Luttmer hat mit Dunkelkinder einen von der ersten bis letzten Seite überzeugenden Thriller vorgelegt.
    Angefangen vom überraschungsreichen Plot, den sie an sehr unterschiedlichen Orten in Hamburg und Umgebung entfaltet, sind ihre Charaktere - abgesehen vom Fiesling Bordasch - vielschichtig angelegt, so wie auch das Allem zugrunde liegende Verbrechen einige der (Mit-)Täter auch Opfer sein lässt, handelt es sich doch bei ihnen um Kinder. Und diese "Dunkelkinder" sind leider der Realität abgeschaut ...
    Nicht zuletzt auch ihre eingängig und wohldosiert mit treffenden Metaphern umgehende Sprachregelung macht Nora Luttmer zu einer Autorin, die man sich merken mag! U.K.
    (Nora Luttmer: Dunkelkinder. Thriller. Knaur Verlag, München 2018. 317 Seiten. 14,99 Euro. ISBN: 978-3-426-52193-9)
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    Nach der Flucht seiner Familie aus Somalia kam Abdi Mahal an eine Schule in Boston. Dort lernte er den schwer krebskranken Mitschüler Noah Sadler kennen. Trotz großer sozialer Unterschiede wurden sie beste Freunde und sind bald unzertrennlich. Als sich Abdi und Noah eines Nachts zum Feeder Canal davonschleichen, um Noahs "To-do-Liste" abzuarbeiten, kommt es dort zu einem folgenschweren Vorfall. In der Folge davon muss Noah bewusstlos aus dem Kanal gezogen und anschließend ins Koma versetzt werden, während Abdi daneben steht und aus ihm kein Wort herauszubekommen ist. So ist Detective Inspector Jim Clemo dringend auf Zeugen angewiesen, und das unter dem Vorzeichen, angesichts der zunehmenden Fremdenfeindlichkeit in Bristol möglichst taktvoll zu ermitteln. Währenddessen gerät das Leben der beiden Freunde und ihrer Familien immer mehr aus den Fugen …
    Nach ihrem eher schwächeren Thriller Perfect Girl knüpft Gilly Macmillan mit Bad Friends wieder an die Extraklasse ihres Debütromanes Toter Himmel an.
    Aus den wechselnden Ich-Perspektiven Jim Clemos, Abdis Schwester und natürlich der beiden Jungen entwickelt die Autorin einen Sog, der einen mit immer neuen und überraschenden Verweisen auf die Wirkung des Geschehens und ihre Vorgeschichte(n) in Bann hält. Ein echter Psychothriller, der nicht nur auf die nackte Handlung sondern vor allem auf die peu à peu sichtbar werdenden Puzzlesteine der Charaktere setzt und dabei immer wieder geschickt auch Klischees unterläuft - nicht zuletzt auch was die "politcal correctness" gegenüber Flüchtlingen und Kranken angeht.
    Natürlich, Kinder und Jugendliche, noch dazu als Opfer oder Täter, wecken sowieso den Thrill und entsprechende Neugier beim Leser - aber wie Gilly Macmillan sie nun auch wieder in diesem Plot von "Toter Himmel" einbindet, erinnert einmal mehr an die besten Romane von Krimi-Queens wie Minette Walters und PD James. U.K.
    (Gilly MacMillan: Bad Friends. Thriller. Aus dem Englischen von Maria Hochsieder. Knaur Verlag, München 2018. 415 Seiten. 14,99 Euro. ISBN: 978-3-426-52258-5)
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    Zwei befreundete Ehepaare aus Los Angeles buchen relativ kurz entschlossen eine Kreuzfahrt. Beide Paare haben je zwei Kinder im Altern von elf und acht bzw. elf und sechs Jahren, die sich untereinander gut verstehen und tagsüber von dem vertrauenswürdigen Personal des "Kids Club" betreut werden. So können auch die Erwachsenen zu ihrem Recht auf Erholung und schließen bei der Gelegenheit auch noch mit einem argentinischen Ehepaar Bekanntschaft, deren Kinder schon Jugendliche waren. Alles wunderbar also, bis zu dem Tag, als bei einem Landgang in Ecuador die Männer sich zum Golfen verabreden, während die Frauen mit den Kindern eine Sehenswürdigkeit besichtigen wollten. Doch wegen eines Unfalls mussten die Frauen improvisieren und ließen sich mit den Kindern von ihrem Guide zu einem Flussufer führen. Noch war das Wasser flach, in dem die Kinder mit großen Schwimmreifen tobten - dass eine Flut des nahen Meeres auch im Fluss den Wasserspiegel steigen lässt und für eine kräftige Strömung sorgt, wusste der Guide nicht. Als die Frauen, sich gegenseitig auf die anderen verlassend, für eine ganze Weile nicht auf die Kinder Acht gaben, waren alle sechs Kinder auf einmal weg …
    Maile Meloy hat mit Bewahren Sie Ruhe einen Thriller vorgelegt, der wegen seines Plots - insbesondere dank des Erzählstrangs mit den Kindern - von Anfang an packt und auf jeden Fall zu Ende gelesen werden will. Allerdings spätestens ab der Mitte des Buches nur noch, um zu sehen, ob und wie die Autorin ihr griffig "ausbalanciertes", wenn auch nicht immer plausibles Baukastenmodell zur Erstellung eines Romans für das US-amerikanische Middle-Class-Milieu durchhält. So ist zwar immer wieder von political correctness die Rede, doch die Zuteilungen der jeweiligen Schicksale und die seitens der Autorin durchdeklinierten Vorurteile hätten trotz allem Helikopter-Eltern-Geschwafel von Agatha Christie selig stammen können.
    Und leider ist das Ganze eben nicht als Satire gemeint … U.K.
    (Maile Meloy: Bewahren Sie Ruhe. Roman. Aus dem Amerikanischen von Anna-Christin Kramer und Jenny Merling. Kein & Aber Verlag, Zürich-Berlin 2018. 430 Seiten. 23,00 Euro. ISBN: 978-3-0369-5776-0)
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    Commissaire Nicolas Le Floch muss im Auftrag seines Polizeipräfekten erneut Fingerspitzengefühl walten lassen: Nachdem er das von innen verschlossene Zimmer des Grafensohnes Lieutnant Lionel de Ruissec hat aufbrechen lassen, sieht es auf den ersten Blick so aus, als hätte sich Lionel mit seiner Pistole erschossen. Und wiewohl das für eine adlige Familie hohe Nachteile bedeutet und sie zu entehren droht, beharrt auch sein Vater darauf, dass es sich um Selbstmord handeln muss - doch die Mutter ist wie insgeheim auch bereits Nicolas anderer Meinung, und verabredet sich heimlich mit dem Commissaire zu einem Gespräch in einem Kloster. Am Treffpunkt findet Nicolas allerdings nur noch die sterblichen Überreste von ihr vor …
    Im Original bereits 2000 erschienen, liegt nun mit Commissaire le Floch und der Brunnen der Toten auch der zweite Band der mehrteiligen Nicholas-Le-Floch-Reihe von Jean-François Parot in deutscher Sprache vor.
    Der nach erfolgreicher Aufklärung zum Commissaire erhobene Nicolas Le Floch hat nun von Anfang zwar an einen besseren Stand bei seinen Untersuchungen, sieht sich aber auch mit immer höheren Erwartungen konfrontiert, denen er nur dank seines immer größer werdenden "Netzwerks" aus verlässlichen (und auch einflussreichen!) Begleitern entsprechen kann. Wie der erste spielt auch der zweite Fall im Jahr 1761 und birgt dank seines im besten Sinne mehrbödigen Plots nicht wenige Überraschungen. Und einmal mehr lässt Parot die Leser mit allen Sinnen das Paris jener Zeit nachvollziehen - sei es in den Straßen, Gasthäusern, Bordellen, Theatern, Klöstern oder auch außerhalb davon im königlichen Hof von Versailles.
    Wie schon im ersten Band mit einem umfangreichen Anhang ausgestattet, bieten auch hier die Abenteuer des Commissaire Nicolas Le Floch ein echtes Lesevergnügen, das man gern mit vielen neuen Lesern teilen möchte. U.K.
    (Jean-François Parot: Commissaire Le Floch und der Brunnen der Toten. Ein historischer Paris-Krimi. Aus dem Französischen von Michael von Killisch-Horn. Blessing Verlag, München 2018. 415 Seiten. 17,00 Euro. ISBN: 978-3-89667-572-9)
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    Der Gangsterboss Mallard ist eigentlich schon so gut wie tot - als Hynch sein Präzisionsgewehr wieder ablegt. Irgendetwas ist faul hier. Zusammen mit seinen beiden Teamkollegen begibt er sich nicht nur auf einen Rückzug, sondern flieht mit ihnen in die Einöde der Hybrideninsel Jura. Doch die Inselbewohner durchschauen dank der breaking news schnell, wer sich hier als urlaubende Camper maskiert hat - macht aber nichts, denn sie haben ein Problem mit einem sich auf der Insel breit machenden Milliardär, der ihre Lebensweise bedroht. Könnte ein leicht auszuhandelndes Agreement werden, stünde da nicht der Killer Hynch auf der To-do-Liste eines weit schlimmeren Verbrechers, der Schritt für Schritt einen seit Jahren gefassten Plan in die Tat umsetzt …
    Gordon Tyrie hat mit Todesströmung ein äußerst gelungenes Thrillerdebüt vorgelegt, worin er zwar nicht gleich das Rad neu erfindet, aber immerhin so manche Genrevorgabe auf den Kopf stellt.
    So hat der Killer Hynch zwar nur ein Buch wirklich gelesen, aber das ist eines des Philosophen David Hume - und daraus zitiert der ansonsten wortkarge Mann immer wieder mal. Und die verkehrte Welt geht noch weiter, als bald immer deutlicher wird, dass die Rollen von gut und böse vertauscht sind: Da ein Killer, der tut, was er tun muss, aber nur gegen andere Killer und ohne Kollateralschaden an unschuldigen Zivilpersonen, auf der anderen Seite korrupte Polizisten im Auftrag machtgieriger Politiker. Und wie die Inselbevölkerung die Killer aufnimmt und sich von ihnen nicht einschüchtern lässt, hat Situationskomik, die aber nicht zur flachen Witzelei gerinnt. Der Tod bleibt eine ernste Sache, genauso wie der Überlebenskampf und die Gründe dafür - aber keine Angst: Es geht hier wie in jedem guten Krimi um einen Plot, der sehr geschickt immer mehr an der Spannungsschraube dreht und dabei sprachlich flüssig mit politisch unkorrekten Sichtweisen durchaus zum Nachdenken anregt, ohne dabei das Wichtigste nicht zu vergessen - nämlich von der ersten bis zur letzten Seite gut zu unterhalten. U.K.
    (Gordon Tyrie: Todesströmung. Thriller. Droemer Verlag, München 2018. 377 Seiten. 14,99 Euro. ISBN: 978-3-426-30650-5)
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    SF / Fantasy /Mystery

    Ichabod Drift, Captain des Raumfrachters Keiko, hat mit seiner eingeschworenen Crew aus Schmugglern, Glücksrittern und Abenteurern schon so manchen Coup gelandet. Wenn nötig, auch gern am Rande der Legalität oder darüber hinaus. Dass der aktuelle Auftraggeber ihn nun erpresst, schmeckt Drift allerdings gar nicht, noch dazu, weil er nicht das Geringste über die Ladung wissen darf, die er für ihn auf die Erde schmuggeln soll. Und deshalb weiß Drift auch nicht, welche Gefahr die Schmuggelladung nicht nur für das Schiff und seine Crew, sondern für den Zielort Amsterdam und dessen weitere Umgebung bedeutet ...
    Mike Brooks legte mit Dark Run einen klassischen Science-Fiction-Abenteuerroman vor, der eine Galaxie zum Spiel- und Handlungsort seiner Helden und Heldinnen macht. Die Menschen haben sich überall ausgebreitet, die Reichen können sich gute Luft leisten, während die Ärmeren es in unterirdischen Schächten aushalten müssen. Weit verbreitet sind zudem elektronische Bauteile, die Körperteile ersetzen.
    Drifts sechsköpfige Crew umfasst gendermäßig ausgewogen drei Kämpfer*innen, eine junge geniale Hackerin, einen Mann für die Maschinen und dessen Schwester als zielsichere Pilotin, die ihre Passagiere immer wieder an den Rand des Nervenzusammenbruchs zu treiben weiß. Nach dem Motto "Wir haben keine Chance, aber die nutzen wir immer" entwickelt der Plot eine eigentlich unüberwindbare Fallhöhe. Action ist somit garantiert, die nur noch mit den Dialogen voller Wortwitz konkurrieren muss. Nix zur tiefgründigen Erbauung, aber wer Sinn für spacig schwarzen Humor hat, wird hier bis zur letzten Seite gut unterhalten. U.K.
    (Mike Brooks: Dark Run. SF-Roman. Aus dem Englischen von Simon Weinert. Knaur Verlag, München 2018. 429 Seiten. 14,99 Euro. ISBN: 978-3-426-52208-0)
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    Aeros Raijael ist Engelsprinz von Sør Sevier und sieht sich als Erbe und Vollstrecker seines Vorfahren, dem Gottessohn Raijael. Sein Rachefeldzug innerhalb der Fünf-Inseln-Welt zielt auf nicht weniger als die (Rück-)Eroberung sämtlicher Königreiche unter seine Herrschaft. "Verstoßen" wurde der Gottessohn Raijael seinerzeit von der alten Laijons-Religion, die mit ihren Kulten und einer machtbewussten Priesterschaft seither das Leben auf den fünf Inseln bestimmt und nach Aeros Willen allesamt totgeweiht sind. Doch anstatt sich gegen Aeros zu verbünden, leugnet u.a. Jovan als König über Gul Kana die Realität und richtet seinen von der Priesterschaft befeuerten Verfolgungswahn auch gegen die eigene Familie. Anfangs noch unbemerkt lebt in Gul Kana auch ein Vollwaise namens Nail, der als Kleinkind von einem Ritter gegen die Verfolgung durch die Bluthölzler gerettet und von diesem als Vormund unter falschem Namen großgezogen wurde. Dieser Nail wird alsbald wie viele andere aus seinem Dorf vor Aeros auf der Flucht sein - und dabei immer mehr mit seiner eigenen Bestimmung konfrontiert …
    Brian Lee Durfee legt mit Der Mond des Vergessens den ersten Band seiner High-Fantasy-Serie "Die fünf Kriegerengel" vor.
    888 Seiten umfangreich, wird in 54 Kapiteln aus acht wechselnden Erzählperspektiven ein Tanz auf dem Vulkan einer vom Untergang bedrohten Welt entfaltet. Farbenprächtig und detailreich werden Land und Leute geschildert, die Charaktere entwickeln trotz einiger Vorhersehbarkeit auch interessante Haken und Ösen. Mit am interessantesten unter ihnen die Entwicklungsgeschichte von Nail, der sich alles andere als zum Helden berufen sieht. Die Brutalität, sei sie physisch wie auch in Form von Intrigenspielen, ist allgegenwärtig und lässt auch durchaus anfangs vielversprechende Handlungsträger "über die Klinge springen". Die zuweilen sich an kirchengeschichtliche Motive aus dem Christentum des Mittelalters anlehnenden Religionen dieser Welt lassen bei den Bewohnern keine agnostische Haltung zu, dafür umso mehr engsternigen Fundamentalismus, was wiederum an heutige so genannte "Gotteskrieger" gemahnt.
    Der erste Band entwickelt einen mächtigen Erzählsog - und das, obwohl gerade die beschreibenden Teile der Form nach noch des Öfteren unverhofft hölzern und redundant rüberkommen.
    Doch am Ende ist man auf jeden Fall neugierig auf den zweiten Band … U.K.
    (Brian Lee Durfee: Der Mond des Vergessens - Die fünf Kriegerengel 1. SF-Roman. Aus dem Amerikanischen von Andreas Heckmann. Hobbit Presse / Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2018. 888 Seiten. 25,00 Euro. ISBN: 978-3-608-96141-6)
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    Nachdem der Druide Atticus - siehe Bd.1 Die Hetzjagd - mit seinen 2100 Lebensjahren in Notwehr eine hohe keltische Gottheit getötet hat, gerät er von einer Auseinandersetzung in die nächste.
    Mittlerweile ist Atticus klar, dass Theophilus als ältester Vampir die eigentliche Ursache für all seine Schwierigkeiten ist, da dessen Ziel seit mehr als 2000 Jahren die Ausrottung sämtlicher Druiden ist. Als Vertreter Gaias sind Druiden schon immer auf sehr effektive Weise Vampiren gefährlich geworden. So kommt es nun zu einem folgenreichen Show-down in Rom …
    Kevin Hearne legt mit Aufgespießt den achten und damit vorletzten Band seiner "Chronik des eisernen Druiden" vor.
    Neben Atticus (plus Oberon) haben seine Schülerin Granuaile (plus Orlaith) und sein alter Lehrer und Erzdruide Owen Kennedy jeweils in eigenen Erzählsträngen ihre eigenen Probleme zu lösen. So will Granuaile sich von einer Markierung durch Loki befreien und ihrem verhassten Stiefvater endgütlig eins auswischen, während Owen sich von seiner Liebe zu der Werwölfin Greta zur Begründung eines neuen Hains zur Ausbildung von Werwolf-Kindern zu Druiden auserkoren sieht. Was scheinbar nebeneinander läuft, führt am Ende dazu, dass sich alle drei den Vampiren in Rom stellen - wie immer, mit vielen Überraschungen und köstlichem Dialogwitz.
    Und zum Glück kann man sich wenigstens noch auf einen weiteren Band mit Atticus freuen … U.K.
    (Kevin Hearne: Die Chronik des eisernen Druiden 8 - Aufgespießt. SF-Roman. Aus dem Amerikanischen von Friedrich Mader. Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2018. 464 Seiten. 16,95 Euro. ISBN: 978-3-608-98133-9)
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    Mit ihren gut 60 Jahren gilt die Kriegerin Danèstra nach wie vor als allseits hoch geachtete "Klinge des Schicksals". Jede Nacht geht sie in voller Rüstung zu Bett und hat den Schattenhund Thirio an sich gebunden - denn seit 40 Jahren passiert es immer wieder, dass sie mitten in der Nacht unverhofft woanders erwacht, um als Klinge des Schicksals für Gerechtigkeit sorgen zu müssen.
    Diesmal erwacht sie im Süden von Nankan, wo sie eine junge schwangere Frau namens Kalenia gegen marodierende Räuber schützen muss. Kalena berichtet anschließend von einer Verschwörung, wonach der große Wald samt all seinen Lebewesen sich gegen die Menschen des angrenzenden Kontinents Yarkin erhoben hat und sie zu vernichten trachtet. Die Ursache für den bösen Zauber seien Verschwörer, deren Namen Kalenia kennt. Danèstra soll sie alle töten, da sie nicht nur Kalenias Familie und alle Bewohner ihres Dorfes ermordet haben, sondern den ganzen Kontinent bedrohen …
    Markus Heitz legt mit Die Klinge des Schicksals einen Fantasy-Roman vor, der erneut viele brillante Ideen und interessante Charaktere aufweist, doch leider trotz seines Umfangs in einem mit heißer Nadel gestrickten und deshalb nicht wirklich überzeugenden Ende mündet.
    Auch der Anfang lässt sich erst ziemlich betulich an, doch dann nimmt der Roman eine spannungsreiche Fahrt auf, während der u.a. auch die Grundsatzfrage im Miteinander von Mensch und Natur eine essentielle Bedeutung bekommt. Dennoch - am Ende vertraut der Autor nicht mehr wirklich seinen eigenen Ideen und lässt trotz eingeführter magischer Momente mehrfach deus ex machina walten. Das kann er besser, wie er u.a. in "Des Teufels Gebetbuch" bewiesen hat. Deshalb hier nur ein ingesamt "ganz nett" … U.K.
    (Markus Heitz: Die Klinge des Schicksals. SF-Roman. Knaur Verlag, München 2018. 571 Seiten. 16,99 Euro. ISBN: 978-3-426-65448-4)
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    Nach dem Sturz des Kaisers macht sich Lord Daval daran, selbst zum Kaiser gewählt zu werden. Und er hat einen mächtigen Unterstützer auf seiner Seite, der ihn sogar wieder jünger erscheinen und kräftiger sein lässt, ihn jedoch auch jederzeit wieder fallen lassen und zur geöffneten Büchse der Pandora für ganz Sphaera werden kann. Die bislang vorherrschende cantische Religion auf der Sphaera sieht sich zudem durch Jane bedroht, die ihren Anhängern als Prophetin gilt und zusammen mit ihrer Schwester Cinzia die cantische Religion wieder nach ihren eigentlichen Ursprüngen ausrichten will. Auf ihrer Seite ist Noth, der jedoch immer öfter Anfälle hat und von einer seiner zahlreichen Sifs übernommen wird. Und in den Reihen der Anhänger von Jane, die sich Odeniten nennen, verbergen sich immer mehr Attentäter, die neben Tiellanern auch Jane töten wollen …
    Mit Feuerstunde als 2. Band der Chroniken der Sphaera setzt Christopher Husberg seine sehr vielschichtige High-Fantasy-Reihe fort.
    Menschen, von diesen verachtete, an Elfen gemahnende Tiellaner und auch Vampire bevölkern die Sphaera. Einige seiner Bewohner verfügen über magische Fähigkeiten, meist allerdings nur mit Hilfe der süchtig machenden Droge "Frostflamme". Zudem werden die weltlichen Regenten von der Priesterschaft der Göttin Canta dominiert und den Glauben nicht achtende auch von deren Inquisitoren verfolgt. Und nun sind auch noch die Angst und Schrecken verbreitenden Dämonen zurückgekehrt …
    Husberg versteht es sehr gut, seine höchst unterschiedlichen Charaktere und Interessengruppen überzeugend auszugestalten und in Beziehung zu- oder gegeneinander zu setzen. Der Plot stellt nicht weniger als die Überlebens- und Sinnfrage für eine ganze Welt, was hier zuweilen auch in durchaus tiefgründige Überlegungen und Dialoge mündet.
    Bleibt nur noch die Frage: Wann folgt der 3. Band? U.K.
    (Christopher B. Husberg: Feuerstunde - Die Chroniken der Sphaera. SF-Roman. Aus dem Amerikanischen von Kerstin Fricke. Knaur Verlag, München 2018. 683 Seiten. 14,99 Euro. ISBN: 978-3-426-51922-6)
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    Sachbuch


    Kinder- & Jugendliteratur

    Anlässlich seines 200. Geburtstages stapeln sich neue Biografien und Bücher zu den Theorien von Karl Marx.
    Für interessierte Jugendliche wie auch für Erwachsene, die über die Schlagworte hinaus eine erste Einführung zur Person Karl Marx und seinen Theorien wie auch ihre Auswirkungen lesen wollen, sei Karl Marx - Ein radikaler Denker von Wolfgang Korn sehr anempfohlen.
    Das erste von 14 Kapiteln setzt nicht mit der Geburt, sondern mit dem Untertitel "Was Marx uns heute noch zu sagen hat" ein, in dem auch der Autor sein erstes Interesse an ihm offen legt. Die aktuellen Bezüge ergeben sich aus den erstmals und in vielerlei Hinsicht gut begründeten Vorhersagen von Marx, wonach die Welt wegen den Prinzipien einer Kapitalwirtschaft immer ungerechter wird, weil die reichen Länder immer reicher, und die meisten anderen Länder ärmer werden, während in den reichen Ländern wiederum die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer werden. Seine Erkenntnisse als erster Globalisierungskritiker über das Kapitalwesen feiten ihn zwar nicht vor Irrtümern und Missbrauch seiner Theorien - wiewohl Marx ausdrücklich sagte "Ich bin kein Marxist!" -, doch sie verdienen nach wie vor Beachtung, wenn man den oben angesprochenen Ungerechtigkeiten und daraus resultierender Unzufriedenheit ernsthaft etwas entgegensetzen will.
    Die Entwicklung seiner Theorien korrespondiert höchst spannungsgeladen und zuweilen auch widersprüchlich mit dem privaten Leben von Karl Marx. Ohne etwas zu beschönigen, setzt Wolfgang Korn dies auch in einen historischen Bezug z.B. vom allgemeinen Rollenverständnis zwischen Mann und Frau damals. Manche Fragen bleiben da angesichts des Buchumfangs offen, z.B. die, warum ein Friedrich Engels jahrzehntelang bis zu dessen Lebensende Karl Marx und seine Familie alimentierte und dafür sogar die verhasste Fabrik des Vaters übernahm - und dies, wiewohl der rechthaberische Karl Marx trotz seines ihm von Engels zugestandenen Genies so wenig zielstrebig seine wissenschaftlichen Arbeiten verfolgte oder auch nur Empathie für Engels in dessen traurigster Stunde aufbrachte.
    Aber das tut der Qualität des Buches keinen Abbruch - denn basierend auf aktuellstem Forschungsstand wird hier knapp (sic!), fundiert und in eingängiger Sprachregelung höchst unterhaltsam das Leben von Karl Marx, sein Werk und dessen Nachwirkungen vorgestellt. So manchem wird das genügen, andere werden gewiss neugierig gemacht und wollen nun mehr über diese Person der Zeitgeschichte erfahren. U.K.
    (Wolfgang Korn: Karl Marx - Ein radikaler Denker. Hanser Verlag, München 2018. 256 Seiten. 19,00 Euro. Ab 14 Jahren. ISBN: 978-3-446-25870-9)
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    Eigentlich ist der 17-jährige Viorel eher antriebslos, seine Fettleibigkeit Ergebnis nur sehr kleiner Pausen zwischen den Mahlzeiten. Und als seine Mutter tot am Küchentisch sitzt, weiß er erst mal gar nicht, was er tun soll. Sie ist das einzige an Familie, was er hatte. Aber dann erinnert er sich, dass sie in ihrer Heimat am Schwarzen Meer bestattet werden wollte. Vom Unterricht in der 11. Klasse bekam er eh nur noch wenig mit, also schnappte sich Viorel die 300 Euro aus der Haushaltskasse, tankte den kleinen Corsa auf, in dessen Kofferraum bereits seine zierliche, in einen Schlafsack gewickelte Mutter lag. Bis nach Malimudia in Rumänien sind es 2500 Kilometer - auf dem Weg dahin kommt er kaum zum Schlafen, lernt einen Experten für die Vampirmythen Transsylvaniens kennen und muss alsbald dessen Leiche ebenfalls in seinen Wagen packen. Und dann trifft er auf die unglaubliche Dana …
    Für sein Roadmovie der Sonderklasse hat Dirk Pope mit Abgefahren einen in jeder Hinsicht passenden Titel gewählt.
    Wie der Antiheld Viorel einerseits traumwandlerisch Klippen umschifft bzw. Gefahren hinter sich lässt, um dann in umso größere Nöte zu geraten, wird voller skurriler Einfälle entfaltet, ohne dabei je in seicht-witzelnde Gewässer zu geraten. Die tote Mutter, der Selbsthass auf sich und seine Verfressenheit - das Alles bleibt bis fast zuletzt bestimmend für Viorels Sicht auf die Welt, noch dazu in einem drögen, nüchternen Ton, der selbst die Situationskomik tragischer Ereignisse auf den Punkt zu bringen vermag. Klischees und Vorurteile - alle Rumänen klauen - werden einbezogen, dann von größtmöglicher Liebenswürdigkeit und Hilfsbereitschaft unterlaufen und in Teilen dann doch wieder wahr.
    Was zuweilen wie ein unglaubwürdiger LSD-Trip anmutet, aufgeladen u.a. durch Begegnungen wie der mit Danas Großmutter und ihren beiden Fledermauspapageien, von denen später einer noch Opfer eines Vampirs werden sollte - jedenfalls nach unverrückbarer Ansicht der Großmutter.
    Ein Lesevergnügen für Erwachsene und Jugendliche gleichermaßen. Schräg, komisch, skurril und unterhaltsam bis zur letzten Seite - einfach abgefahren! U.K.
    (Dirk Pope: Abgefahren. Roman. Hanser Verlag, München 2018. 235 Seiten. 15,00 Euro. Ab 14 Jahren ISBN: 978-3-446-25875-4)
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