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Büchernachlese | Kurzhinweise 2018


Neben den nachfolgenden des aktuellen Erscheinungsjahrs können auch noch siehe Links oben insgesamt 411 Kurzhinweise zu den Jahren 2003 bis 2017 abgerufen werden:

Sortiert nach Genre und dem Alphabet der Autorennamen führen die verlinkten Genrebezeichnungen zum jeweils ersten Kurzhinweis.

  • Belletristik:
  • Krimis / Thriller: Steve Hamilton, Stefan Lehnberg, Jean-François Parot
  • SF / Fantasy / Mystery: Brian Lee Durfee, Kevin Hearne, Markus Heitz
  • Sachbuch:
  • Kinder- & Jugendliteratur:


  • Belletristik


    Krimis / Thriller

    Nick Mason ist noch immer in der Hand von Darius Cole, der ihm als Pate von Chicago eine vorzeitige Entlassung aus dem Gefängnis verschafft hat. Doch dafür muss Nick als Nächstes drei Männer töten, die Cole ins Gefängnis gebracht haben und seither mit neuen Identitäten im Zeugenschutzprogramm des FBI abgetaucht sind. Dank korrupter Beamte weiß Cole zwar, wo Nick sie finden kann, doch angesichts der Bewachung rund um die Uhr durch US Marshals sind die Zeitfenster für Anschläge sehr klein. Zudem will Nick keine Unschuldigen töten, was das Ganze nicht einfacher macht. Scheitert Nick nur bei einem Auftrag, würden in jedem Fall Nicks Kind und seine Exfrau getötet …
    Nach Das zweite Leben des Nick Mason legt Steve Hamilton mit Drei Zeugen zu viel den zweiten Band um Nick Mason als Auftragskiller wider Willen vor.
    Brutal und Testosteron beladen bis zum Anschlag, sind bis auf eine Staatsanwältin alle Handelnden Männer, während Frauen bestenfalls die Rolle zu beschützender Geliebte einnehmen. Nick Mason selbst scheint dabei immer mehr dem Marvel-Comic-Universum entsprungen zu sein, der noch selbst mit dem Kopf unterm Arm eine Gruppe von Muskelbergträgern überwinden könnte. So muss der Autor bei seinen Plots immer noch ein Schippchen an Fallhöhe drauflegen, um die Spannung zu erhöhen und auch ein Scheitern Nicks für wahrscheinlich zu halten. Und tatsächlich wartet das Ende des Romans mit einer nicht allzu leicht vorhersehbaren Volte auf … U.K.
    (Steve Hamilton: Drei Zeugen zu viel. Thriller. Aus dem amerikanischen Englisch von Karin Diemerling. Droemer Verlag, München 2018. 334 Seiten. 14,99 Euro. ISBN: 978-3-426-30499-0)
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    Nach ihrer höchst anstrengenden und langwierigen Reise nach "Franckfurt" am Main, stellt Goethe seinem Freund Schiller den Ort seiner Kindheit und Jugend vor. Kurz vor ihrer geplanten Rückreise werden sie zum Generalerbpostmeister Karl Anselm von Thurn und Taxis bestellt, der ihnen den Auftrag gibt, die beiden bei ihm sitzenden Stadträte von Frankfurt bei einer "criminalistischen" Untersuchung zu unterstützen. Denn kurz zuvor wurden zwei andere Ratsmitglieder der Stadt ermordet, und darüber hinaus war in abgefangenen Depeschen an Napoleon fälschlicherweise nachzulesen, dass Frankfurt an 121 Garnisonsstädte Kuriere entsandt hätte, was den Eindruck erwecken sollte, dass das hohe Contributionen an Napoleon zahlende Frankfurt ein Heer gegen Frankreich zusammenziehen wolle. Und angesichts einer solchen Provokation ist zu befürchten, dass Napoleon mit seinem Heer erneut in die Stadt einfällt …
    Stefan Lehnberg legt mit Die Affäre Carambol den zweiten Band der "criminalistischen Werke des Johann Wolfgang von Goethe, aufgezeichnet von seinem Freunde Friedrich von Schiller" vor.
    Das Ermittlerduo Goethe und Schiller stößt unter der Fragestellung "Cui bono?" schnell auf ungewöhnlich hohe Lieferungen von Mehl an einen geheimen Ort in Frankfurt, mit denen offenbar auf eine baldige kriegsbedingte Hungersnot spekuliert wird, was in seiner zynischen Perfidie durchaus an heutige Börsespekulationen gemahnt. Das zwingt die beiden Ermittler zu einigen waghalsigen Abenteuern, die sie zuweilen mit List aber vor allem mit sehr viel Glück überstehen.
    Nichtsdestotrotz lebt auch dieser Roman weniger von dem kriminalistischen Plot und dessen "Action" als von der augenzwinkernden Fiktion einer Posse oder Persiflage, die bei aller Unwahrscheinlichkeit der ihnen hier zugeschriebenen Taten gerade auch in den Dialogen u.a. das immer wieder augenscheinliche Gefälle der beiden Dichterfürsten analog zu Sherlock Holmes und Dr. Watson treffend herausstellt. So verlangt Goethe an einer Stelle von Schiller zwei Drittel der Tantiemen, die Schiller für sein Buch mit dem von ihm geschilderten ersten Ermittlungen in Durch Nacht und Wind erhalten hat - denn ohne Goethes Stellung und Spürsinn wären die beiden ja nie beauftragt worden. Schiller findet das "originell" argumentiert, wiewohl er ja bislang stets den anstrengenderen Part der Ermittlungen zu übernehmen hatte. Daneben legt der offenbar sehr kenntnisreiche Lehnberg ihnen aber auch Worte in den Mund, die sie tatsächlich so gesagt haben könnten oder geschrieben haben - das betrifft auch weitere Eigenheiten, wie Schillers Geldknappheit oder Goethes Hang zu Liebeleien.
    So geht es hier wie im Band davor im wahrsten Sinn des Wortes um einen Lesespaß, dem jeder Bierernst abträglich wäre. Den I-Punkt setzt hierfür einmal mehr die liebevolle Ausstattung des Buches im handgerechten Hardcoverformat und mit einer altertümlich stilisierten Schreibweise, die neben sei = sey oder bei = bey noch en passant und ohne den Lesefluss zu stören kleine Glanzlichter einstiger Wortvertracktheiten setzt. U.K.
    (Stefan Lehnberg: Die Affäre Carambol. Die criminalistischen Werke des Johann Wolfgang von Goethe, aufgezeichnet von seinem Freunde Friedrich von Schiller. Kriminalroman. Tropen c/o Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2018. 232 Seiten. 15,00 Euro. ISBN: 978-3-608-50354-8)
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    Commissaire Nicolas Le Floch muss im Auftrag seines Polizeipräfekten erneut Fingerspitzengefühl walten lassen: Nachdem er das von innen verschlossene Zimmer des Grafensohnes Lieutnant Lionel de Ruissec hat aufbrechen lassen, sieht es auf den ersten Blick so aus, als hätte sich Lionel mit seiner Pistole erschossen. Und wiewohl das für eine adlige Familie hohe Nachteile bedeutet und sie zu entehren droht, beharrt auch sein Vater darauf, dass es sich um Selbstmord handeln muss - doch die Mutter ist wie insgeheim auch bereits Nicolas anderer Meinung, und verabredet sich heimlich mit dem Commissaire zu einem Gespräch in einem Kloster. Am Treffpunkt findet Nicolas allerdings nur noch die sterblichen Überreste von ihr vor …
    Im Original bereits 2000 erschienen, liegt nun mit Commissaire le Floch und der Brunnen der Toten auch der zweite Band der mehrteiligen Nicholas-Le-Floch-Reihe von Jean-François Parot in deutscher Sprache vor.
    Der nach erfolgreicher Aufklärung zum Commissaire erhobene Nicolas Le Floch hat nun von Anfang zwar an einen besseren Stand bei seinen Untersuchungen, sieht sich aber auch mit immer höheren Erwartungen konfrontiert, denen er nur dank seines immer größer werdenden "Netzwerks" aus verlässlichen (und auch einflussreichen!) Begleitern entsprechen kann. Wie der erste spielt auch der zweite Fall im Jahr 1761 und birgt dank seines im besten Sinne mehrbödigen Plots nicht wenige Überraschungen. Und einmal mehr lässt Parot die Leser mit allen Sinnen das Paris jener Zeit nachvollziehen - sei es in den Straßen, Gasthäusern, Bordellen, Theatern, Klöstern oder auch außerhalb davon im königlichen Hof von Versailles.
    Wie schon im ersten Band mit einem umfangreichen Anhang ausgestattet, bieten auch hier die Abenteuer des Commissaire Nicolas Le Floch ein echtes Lesevergnügen, das man gern mit vielen neuen Lesern teilen möchte. U.K.
    (Jean-François Parot: Commissaire Le Floch und der Brunnen der Toten. Ein historischer Paris-Krimi. Aus dem Französischen von Michael von Killisch-Horn. Blessing Verlag, München 2018. 415 Seiten. 17,00 Euro. ISBN: 978-3-89667-572-9)
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    SF / Fantasy /Mystery

    Aeros Raijael ist Engelsprinz von Sør Sevier und sieht sich als Erbe und Vollstrecker seines Vorfahren, dem Gottessohn Raijael. Sein Rachefeldzug innerhalb der Fünf-Inseln-Welt zielt auf nicht weniger als die (Rück-)Eroberung sämtlicher Königreiche unter seine Herrschaft. "Verstoßen" wurde der Gottessohn Raijael seinerzeit von der alten Laijons-Religion, die mit ihren Kulten und einer machtbewussten Priesterschaft seither das Leben auf den fünf Inseln bestimmt und nach Aeros Willen allesamt totgeweiht sind. Doch anstatt sich gegen Aeros zu verbünden, leugnet u.a. Jovan als König über Gul Kana die Realität und richtet seinen von der Priesterschaft befeuerten Verfolgungswahn auch gegen die eigene Familie. Anfangs noch unbemerkt lebt in Gul Kana auch ein Vollwaise namens Nail, der als Kleinkind von einem Ritter gegen die Verfolgung durch die Bluthölzler gerettet und von diesem als Vormund unter falschem Namen großgezogen wurde. Dieser Nail wird alsbald wie viele andere aus seinem Dorf vor Aeros auf der Flucht sein - und dabei immer mehr mit seiner eigenen Bestimmung konfrontiert …
    Brian Lee Durfee legt mit Der Mond des Vergessens den ersten Band seiner High-Fantasy-Serie "Die fünf Kriegerengel" vor.
    888 Seiten umfangreich, wird in 54 Kapiteln aus acht wechselnden Erzählperspektiven ein Tanz auf dem Vulkan einer vom Untergang bedrohten Welt entfaltet. Farbenprächtig und detailreich werden Land und Leute geschildert, die Charaktere entwickeln trotz einiger Vorhersehbarkeit auch interessante Haken und Ösen. Mit am interessantesten unter ihnen die Entwicklungsgeschichte von Nail, der sich alles andere als zum Helden berufen sieht. Die Brutalität, sei sie physisch wie auch in Form von Intrigenspielen, ist allgegenwärtig und lässt auch durchaus anfangs vielversprechende Handlungsträger "über die Klinge springen". Die zuweilen sich an kirchengeschichtliche Motive aus dem Christentum des Mittelalters anlehnenden Religionen dieser Welt lassen bei den Bewohnern keine agnostische Haltung zu, dafür umso mehr engsternigen Fundamentalismus, was wiederum an heutige so genannte "Gotteskrieger" gemahnt.
    Der erste Band entwickelt einen mächtigen Erzählsog - und das, obwohl gerade die beschreibenden Teile der Form nach noch des Öfteren unverhofft hölzern und redundant rüberkommen.
    Doch am Ende ist man auf jeden Fall neugierig auf den zweiten Band … U.K.
    (Brian Lee Durfee: Der Mond des Vergessens - Die fünf Kriegerengel 1. SF-Roman. Aus dem Amerikanischen von Andreas Heckmann. Hobbit Presse / Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2018. 888 Seiten. 25,00 Euro. ISBN: 978-3-608-96141-6)
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    Nachdem der Druide Atticus - siehe Bd.1 Die Hetzjagd - mit seinen 2100 Lebensjahren in Notwehr eine hohe keltische Gottheit getötet hat, gerät er von einer Auseinandersetzung in die nächste.
    Mittlerweile ist Atticus klar, dass Theophilus als ältester Vampir die eigentliche Ursache für all seine Schwierigkeiten ist, da dessen Ziel seit mehr als 2000 Jahren die Ausrottung sämtlicher Druiden ist. Als Vertreter Gaias sind Druiden schon immer auf sehr effektive Weise Vampiren gefährlich geworden. So kommt es nun zu einem folgenreichen Show-down in Rom …
    Kevin Hearne legt mit Aufgespießt den achten und damit vorletzten Band seiner "Chronik des eisernen Druiden" vor.
    Neben Atticus (plus Oberon) haben seine Schülerin Granuaile (plus Orlaith) und sein alter Lehrer und Erzdruide Owen Kennedy jeweils in eigenen Erzählsträngen ihre eigenen Probleme zu lösen. So will Granuaile sich von einer Markierung durch Loki befreien und ihrem verhassten Stiefvater endgütlig eins auswischen, während Owen sich von seiner Liebe zu der Werwölfin Greta zur Begründung eines neuen Hains zur Ausbildung von Werwolf-Kindern zu Druiden auserkoren sieht. Was scheinbar nebeneinander läuft, führt am Ende dazu, dass sich alle drei den Vampiren in Rom stellen - wie immer, mit vielen Überraschungen und köstlichem Dialogwitz.
    Und zum Glück kann man sich wenigstens noch auf einen weiteren Band mit Atticus freuen … U.K.
    (Kevin Hearne: Die Chronik des eisernen Druiden 8 - Aufgespießt. SF-Roman. Aus dem Amerikanischen von Friedrich Mader. Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2018. 464 Seiten. 16,95 Euro. ISBN: 978-3-608-98133-9)
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    Mit ihren gut 60 Jahren gilt die Kriegerin Danèstra nach wie vor als allseits hoch geachtete "Klinge des Schicksals". Jede Nacht geht sie in voller Rüstung zu Bett und hat den Schattenhund Thirio an sich gebunden - denn seit 40 Jahren passiert es immer wieder, dass sie mitten in der Nacht unverhofft woanders erwacht, um als Klinge des Schicksals für Gerechtigkeit sorgen zu müssen.
    Diesmal erwacht sie im Süden von Nankan, wo sie eine junge schwangere Frau namens Kalenia gegen marodierende Räuber schützen muss. Kalena berichtet anschließend von einer Verschwörung, wonach der große Wald samt all seinen Lebewesen sich gegen die Menschen des angrenzenden Kontinents Yarkin erhoben hat und sie zu vernichten trachtet. Die Ursache für den bösen Zauber seien Verschwörer, deren Namen Kalenia kennt. Danèstra soll sie alle töten, da sie nicht nur Kalenias Familie und alle Bewohner ihres Dorfes ermordet haben, sondern den ganzen Kontinent bedrohen …
    Markus Heitz legt mit Die Klinge des Schicksals einen Fantasy-Roman vor, der erneut viele brillante Ideen und interessante Charaktere aufweist, doch leider trotz seines Umfangs in einem mit heißer Nadel gestrickten und deshalb nicht wirklich überzeugenden Ende mündet.
    Auch der Anfang lässt sich erst ziemlich betulich an, doch dann nimmt der Roman eine spannungsreiche Fahrt auf, während der u.a. auch die Grundsatzfrage im Miteinander von Mensch und Natur eine essentielle Bedeutung bekommt. Dennoch - am Ende vertraut der Autor nicht mehr wirklich seinen eigenen Ideen und lässt trotz eingeführter magischer Momente mehrfach deus ex machina walten. Das kann er besser, wie er u.a. in "Des Teufels Gebetbuch" bewiesen hat. Deshalb hier nur ein ingesamt "ganz nett" … U.K.
    (Markus Heitz: Die Klinge des Schicksals. SF-Roman. Knaur Verlag, München 2018. 571 Seiten. 16,99 Euro. ISBN: 978-3-426-65448-4)
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    Sachbuch


    Kinder- & Jugendliteratur




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