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Büchernachlese | Kurzhinweise 2010


Neben denen des aktuellen Erscheinungsjahrs können auch noch siehe Links oben insgesamt 411 Kurzhinweise zu den Jahren 2003 bis 2017 abgerufen werden:

Sortiert nach Genre und dem Alphabet der Autorennamen führen die verlinkten Genrebezeichnungen zum jeweils ersten Kurzhinweis.

  • Belletristik: Eli Gottlieb, Guillermo Martínez, Lew N. Tolstoi
  • SF / Fantasy: Tad Williams
  • Krimis / Thriller: Peter Abrahams, Andrea Camilleri, Richard Doetsch, Andreas Föhr, Ingrid Hedström, Susan Hill, Arnaldur Indridason, Thomas Kastura, Michael Koryta, Val McDermid, Glenn Meade, Ulrich Noller u. Gök Senin, Craig Russel, Michael Stanley, Christopf Scholder, Wolfgang Schweiger, Markus Christian Schulte von Drach
  • Sachbuch: Ernst Horst
  • Kinder- & Jugendliteratur: Jutta Richter


  • Belletristik

    Nick Framingham ist seit dem Tod seines einstigen Schulfreundes Rob Castor nicht mehr derselbe. Zuvor als aufleuchtender Star in der Künstlerszene bewundert, war Rob für die Öffentlichkeit jetzt nur noch der Mörder seiner Ex-Freundin, der sich einer Verurteilung durch Selbstmord entzogen hat. Nick kann es nicht fassen und sucht noch ein halbes Jahr später unablässig nach Spuren von Rob und der gemeinsamen Vergangenheit. Das hat seinen Preis: Seine Frau und seine Kinder beginnen sich bereits von ihm abzuwenden, als er darüber hinaus mit Wahrheiten konfrontiert wird, die ihn vollends aus der Bahn zu werfen drohen ...
    Eli Gottlieb bietet mit Was niemand sah ein durchaus fesselndes Verwirrspiel um Familiengeheimnisse und Selbstwahrnehmung, das mit den unterschiedlichen Erwartungen an autonome und angepasste Rollenzuweisungen korrespondiert. Eine nette Zwischendurchlektüre. U.K.
    (Eli Gottlieb: Was niemand sah. Roman. Aus dem Englischen von Rainer Schmidt. Droemer Verlag, München 2010. 287 Seiten. 19,99 Euro. ISBN: 978-3-426-19889-6)
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    Guillermo Martinez hat bereits mit drei ins Deutsche übertragenen Romanen auch hierzulande für Furore gesorgt. (Siehe z.B. Die Pythagorasmorde)
    Nun ist unter dem Titel Gewaltige Höhle auch eine großartige Sammlung von zwanzig seiner Erzählungen nachzulesen. Wer die Magie des Erzählers Jorge Luis Borges zu schätzen weiß, wird in diesen Erzählungen des Guillermo Martínez eine zeitgenössische Fortsetzung auf ähnlichem Niveau finden … U.K.
    (Guillermo Martínez: Gewaltige Höhle. Erzählungen. Aus dem Spanischen von Angelica Ammar. Eichborn Verlag, Frankfurt a. M. 2010. 195 Seiten. Euro. ISBN: 978-3-8218-6115-9)
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    Zum 100. Todestag von Lew N. Tolstoi liegt nun auch eine kleine, feine von Ulrich Mattejiet besorgte Zusammenstellung von fünf seiner Erzählungen vor, die auf dem Kunstdruckpapier dieser Ausgabe mit sechs doppelseitigen Bildausschnitten von Werken des Zeitgenossen Wassily Kandinsky korrespondieren. Ergänzt werden diese die christlich religiöse Seite spiegelnden Texte Tolstois - darunter: Wie viel Erde braucht der Mensch und Hotel Schweizerhof - mit dem Vorwort des Herausgebers sowie einer Betrachtung von Rainer Maria Rilke.
    In jeder Hinsicht ein Kleinod, bietet dieser Band eine gute Gelegenheit einen der bedeutendsten Vertreter der russischen Literatur neu oder wieder zu entdecken. U.K.
    (Lew N. Tolstoi: Wer das Leben liebt, der liebt auch Gott. Erzählungen. Bilder: Wassily Kandinsky. Vorwort und Zusammenstellung Ulrich Mattejiet. Aus dem Russischen von Raphael Löwenfeld. Präsenz Verlag, Hünfelden 2010. 111 Seiten. 14,95 Euro. ISBN: 978-3-87630-093-1)
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    SF / Fantasy

    Von Tad Williams liegen die drei beiden Bände der Osten-Ard-Saga bzw. Das Geheimnis der großen Schwerter in einer überarbeiteten Übersetzung vor. Der noch fehlende Band soll bis zum Frühjahr 2011 erscheinen - für die Büchernachlese erfolgt eine ausführliche Besprechung dieses über dreitausend Seiten umfassenden Fantasy-Werkes im Anschluss seiner vollständigen Lektüre. (Nachzulesen jetzt unter Williams, Tad: Das Geheimnis der großen Schwerter.)
    Zu den ersten Bänden jetzt nur schon mal soviel:
    Wenn auch noch nicht so ausgereift wie sein späteres Meisterwerk The Otherland, zieht einen das Debütwerk von Tad Williams durchaus in seinen Bann und ist für Fantasy-Liebhaber allemal lesenswert. U.K.
    (Tad Williams: Der Drachenbeinthron. Das Geheimnis der großen Schwerter Bd.1. SF-Roman. Aus dem Englischen von Verena C. Harksen, neu durchgesehen von Andy Hahnemann. Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2010. 976 Seiten. 24,90 Euro. ISBN: 978-3-608-93866-1)
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    (Tad Williams: Der Abschiedsstein. Das Geheimnis der großen Schwerter Bd.2. SF-Roman. Aus dem Englischen von Verena C. Harksen, neu durchgesehen von Andy Hahnemann. Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2010. 891 Seiten. 24,90 Euro. ISBN: 978-3-608-93867-8)
    >>> Amazon (Tad Williams: Die Nornenkönigin. Das Geheimnis der großen Schwerter Bd.3. SF-Roman. Aus dem Englischen von Verena C. Harksen, neu durchgesehen von Andy Hahnemann. Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2010. 863 Seiten. 24,95 Euro. ISBN: 978-3-608-93868-5)
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    Krimis / Thriller

    Mit Ausradiert ist Peter Abrahams wieder ein so eigenwilliger wie fesselnder Thriller gelungen, der ohne das Gerüst eines Serienhelden auskommt.
    Privatdetektiv Nick Petrov aus L.A. hat den Auftrag, die Tochter eines Callgirls zu finden. Doch nachdem er zusammengeschlagen wurde, leidet er nicht nur unter hochgradigem Gedächtnisverlust, sondern auch an einer schwerwiegenden Krankheitsdiagnose. Dennoch kann er nicht loslassen, drängen sich in diesem Fall doch Parallelen zu jenem auf, den er vor Jahren komplett zu lösen geglaubt hat.
    Ein außergewöhnliches Krimivergnügen! U.K.
    (Peter Abrahams: Ausradiert. Roman. Aus dem Amerikanischen von Frauke Czwikla. Knaur Verlag, München 2010. 447 Seiten. 8,95 Euro. ISBN: 978-3-426-63415-8)
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    Beim morgendlichen Blick aus dem Fenster sieht Commissario Montalbano ein totes Pferd am Strand liegen, dessen Ende offenbar brutal herbeigeführt worden ist. Nach einer kurzen Beratung mit seinen Kollegen abseits des Fundorts, ist das verendete Tier verschwunden, dafür taucht wenig später die erfolgreiche und sehr attraktive Rachele Estermann bei Montalbano auf. Sie weist ihn auf den Diebstahl eines kostbaren Pferdes hin, das bei Lo Duca untergestellt war, einem einflussreichen Züchter mit "besten Beziehungen" …
    Andrea Camilleri hat mit Die Spur des Fuchses wieder einen eher durchschnittlichen Montalbano-Krimi vorgelegt, der jedoch dank seiner bekannten Camilleri-Mischung aus Vigata-Lokalkolorit, aberwitzigen Protagonisten und plastisch beschriebener italienischer Küche durchaus zu unterhalten weiß. Montalbanos Freundin Livia tritt diesmal allerdings nur als ungelegene und streitsüchtige Gesprächspartnerin am Telefon auf - und hat allen Grund dazu … U.K.
    (Andrea Camilleri: Die Spur des Fuchses. Roman. Aus dem Italienischen von Moshe Kahne. Lübbe Verlag, Köln 2010. 267 Seiten. 19,99 Euro. ISBN: 978-3-7857-2395-1)
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    Durch einen Flugzeugabsturz sind nahezu alle Polizeibeamten in Anspruch genommen - außer denjenigen, die Nick Quinn den Mord an seiner Frau in die Schuhe schieben wollen. Doch dann bekommt Nick die unglaubliche Chance, dreizehn Stunden rückwärts zu reisen ...
    Dieser durchaus verheißungsvolle Plot wurde von Richard Doetsch bestenfalls als brauchbares Treatment für einen Film umgesetzt - darauf hätte man die über 410 Seiten von Die 13. Stunde jedenfalls verdampfen sollen. Den Stilblütensammlern zur Freude, ist das, was hier als "Roman" vorgestellt wird, allein schon in seiner sich redundant wiederholenden Groschenheft-Klischeebeladenheit eine geradezu systematische Vergewaltigung literarischer Sprachregelung. U.K.
    (Richard Doetsch: Die 13. Stunde (Die dreizehnte Stunde). Roman. Aus dem Englischen von Dietmar Schmidt. Lübbe Verlag, Köln 2010. 410 Seiten. 14,99 Euro. ISBN: 978-3-7857-6036-9)
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    Seinem bemerkenswerten Krimidebüt mit Der Prinzessinnenmörder lässt Andreas Föhr einen ebenso spannenden wie bayrisch charmanten Kriminalroman folgen. Schafkopf ist bei den Bayern ein beliebtes Kartenspiel, das hier jedoch den möglichen "Ehrverlust" wegen nicht gezahlter Spielschulden zum Anstoß eines Dominoeffektes mit tödlichen Folgen werden lässt. Nur gut, dass in Miesbach am Tegernsee dem ewig frierenden Kommissar Wallner sein anarcho-oberbayrischer Polizeiobermeister Kreuthner zur Seite steht, der als Gewinner des besagten Spiels beide Seiten dieses Kriminalfalles nur allzu gut durchschaut.
    Worauf beim ersten Roman nur zu hoffen war, wird nun allmählich zur Gewissheit: Andreas Föhr schreibt derzeit die besten Kriminalromane mit bayrischem Lokalkolorit, die haarscharf an der Grenze zur Parodie durch eine äußerst gelungene Mixtur aus Tragischem wie Komischen bestechen! U.K.
    (Andreas Föhr: Schafkopf. Roman. Knaur Verlag, München 2010. 448 Seiten. 14.95 Euro. ISBN: 978-3-426-66398-1)
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    Im belgischen Villete werden 1994 drei Mädchen tot aufgefunden - ein Mord dessen Auslöser schon 50 Jahre vorher zu suchen ist und auch die eigene Familie der Untersuchungsrichterin Martine Poirot betrifft …
    Mit Die toten Mädchen von Villette legt die schwedische Autorin Ingrid Hedström dank ihrer Erfahrungen als Auslandskorrespondentin in Brüssel einen atmosphärisch äußerst dichten wie stimmigen Kriminalroman vor, der neben der fesselnden Auflösung des "gegenwärtigen" Falls auch Belgiens Vergangenheit beispielhaft vor Augen führen hilft.
    Die Krimireihe des Suhrkamp-Verlags gewinnt nun endlich respektables Profil - bitte mehr von dieser Autorin! U.K.
    (Ingrid Hedström: Die toten Mädchen von Villette. Roman. Aus dem Schwedischen von Angelika Gundlach. Suhrkamp Verlag, Frankfurt a. M. 2010. 402 Seiten. 9,95 Euro. ISBN: 978-3-518-46128-0)
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    Der Toten tiefes Schweigen von Susan Hill ist der vierte Band um DCS Simon Serrailler, dessen Ermittlerteams und seine Familie (siehe auch Besprechung zu Susan Hill: Des Abends eisige Stille)
    Während sich für Serraillers Familie erneut ein tragischer Verlust abzeichnet, schlägt ein Serientäter zu und tötet immer wieder Menschen im Rahmen von Hochzeitsfeierlichkeiten ...
    Mit diesem Roman hat die Autorin mit ihrer subtilen Erzählweise wieder eine überzeugende Schöpfungshöhe erreicht und vermag von der ersten Seite an zu fesseln. U.K.
    (Susan Hill: Der Toten tiefes Schweigen. Roman. Aus dem Englischen von Susanne Aeckerle und Marion Balkenhol. Knaur Verlag, München, 2010. 441 Seiten. 16,95 Euro. ISBN: 978-3-426-66366-0)
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    Arnaldur Indridason legt mit Frevelopfer einen Island-Krimi vor, der mit seiner nunmehr in den Mittelpunkt gestellten Kommissarin Elinborg sehr überzeugend ist.
    Neben den spannenden und Jahrzehnte zurückweisenden Ermittlungen zu einem Toten, dessen Kehle fein säuberlich durchtrennt war, kommt auch das zwar durch die Arbeit belastete aber keineswegs trübsinnige Familienleben der Kommissarin zum Tragen. Das ist bei all den zynischen Dreitagebartträgern dieses Genres doch mal eine angenehme Abwechslung. U.K.
    (Arnaldur Indridason: Frevelopfer. Roman. Aus dem Isländischen von Coletta Bürling. Lübbe Verlag, Bergisch Gladbach 2010. 381 Seiten. 18,99 Euro. ISBN: 978-3-7857-2393-7)
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    Der Tote wurde in einer Kleingartenanlage mit einem Spaten erschlagen. Für Kommissar Klemens Raupach und sein Team setzt er den Anfang eines beklemmenden Falles, der nicht zuletzt den dunklen Geheimnissen einer Familie auf die Spur zu kommen hat.
    Thomas Kastura hat mit Das geheime Kind bereits das vierte Buch um einen Kölner Kommissar vorgelegt, der mit viel Lokalkolorit aber ohne Dialekteinschübe auskommt. Stattdessen zeichnet der Autor seine Charaktere bis zur Schmerzgrenze genau und macht auch die Grauzonen, in denen sich ermittelnde Beamte bewegen müssen über die sattsam bekannten Klischees hinaus kenntlich. Somit hebt sich dieser Krimi wohltuend von dem Einheitsbrei ab und macht auch neugierig auf die Vorgänger- und künftigen Romane dieses Autors. U.K.
    (Thomas Kastura: Das geheime Kind. Kriminalroman. Droemer Verlag, München 2010. 377 Seiten. 19,99 Euro. ISBN: 978-3-426-19864-3)
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    Frank Temple III. trägt an einem schweren Erbe: Sein Großvater ein Kriegsheld, war sein Vater ein CIA-Agent, der zum Auftragskiller mutiert ist und sich nach Bekanntwerden seiner Nebentätigkeit selbst erschossen hatte. Zuvor aber hat er seinem Sohn alles beigebracht, was das Töten von Feinden angeht. Und als Frank nun den Anruf eines alten Freundes erhält, wonach der "Verräter" von einst sich demnächst wieder auf der Insel seines Vaters aufhält, muss er sich entscheiden, ob er den Ballast endlich abwerfen oder sich rächen will …
    Blutige Schuld ist bereits der dritte Thriller des erst 1983 geborenen Autors Michael Koryta - und auch dieser Krimi wurde wieder mehrfach für Preise nominiert. Zu Recht! Spannung von der ersten bis zur letzten Seite, dekliniert der junge Autor die blutrünstigen Klischees von Ehre, Gewalt und Racheakten durch, um sie dann aber im Gegensatz beispielsweise zu einem Michael Conelly aufzubrechen und als das zu entlarven, was sie sind: US-amerikanische Klischees. Das erspart einem Unterhaltung unter zivilisiertem Niveau - und das ist gut so! U.K.
    (Michael Koryta: Blutige Schuld. Roman. Aus dem Amerikanischen von Thomas Bertram. Knaur TB-Verlag, München 2010. 476 Seiten. 9,99 EUR. ISBN: 978-3-426-50442-0)
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    Wer im ZDF bereits die englische Krimiserie Hautnah - Die Methode Hill zu schätzen gelernt hat, sollte sich auch die Romanvorlagen dazu nicht entgehen lassen - sie sind noch besser als die Verfilmungen der Romane von Val McDermid!
    So auch der Buch gewordene Fall Nr.6:
    DCI Carol Jordan und ihr eigenwilliger Profiler Tony Hill haben es in Vatermord mit einem Serientäter zu tun, der zwar die Geschlechtsorgane seiner jugendlichen Opfer wegschneidet und dennoch nicht in das Raster eines Sexualstraftäters passt. Parallel dazu muss Jordan bei ihrem neuen Vorgesetzten um den weiteren Einsatz von Hill kämpfen, während dieser sich nicht auf das Erbe des verstorbenen Vaters einlassen will ...
    Vielschichtige Charaktere und fesselnd bis zur letzten Seite! U.K.
    (Val McDermid: Vatermord. Roman. Aus dem Englischen von Doris Styron. Knaur Verlag, München 2010. 524 Seiten. 9,99 Euro. ISBN: 978-3-426-50726-1)
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    Verschwörungsromane, noch dazu solche um Jesus und den Vatikan haben mit Literatur meist nur sehr wenig zu tun.
    So lässt auch Glenn Meade in Der zweite Messias seinen sympathischen Helden nach bewährtem Strickmuster eine Schriftrolle finden, die Mord und Todschlag auslöst, weil sie nicht nur die Grundfesten des Christentums sondern auch das Judentum erschüttern würde.
    Reizvoll, weil neu ist jedoch jener Teil des Plots, wonach ein frisch gewählter Papst nicht nur die Geheimarchive des Vatikans aller Welt zugänglich machen, sondern auch noch sämtliche Vatikanischen Besitztümer zugunsten der Armen und Jesuanischer Demut aufgeben will. Das ist doch mal eine Idee, die über den reinen Unterhaltungswert derartiger Romane hinausgeht und deshalb auch für echte Spannung sorgt. U.K.
    (Glenn Meade: Der zweite Messias. Roman. Aus dem Englischen von Karin Meddekis. Bastei Lübbe Verlag, Köln 2010. 543 Seiten. 9,99 Euro. ISBN: 978-3-404-16432-5)
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    In Çelik & Pelzer treffen bei den Autoren Ulrich Noller und Gök Senin ein in Köln aufgewachsener Ex-Kommissar aus Istanbul und eine versierte Psychologin aufeinander. Ihr Vater hatte Çelik nach Köln gebeten, wurde dann jedoch von Celik nur noch sterbend aufgefunden. Gemeinsam auf der Suche nach dem Mörder, müssen Çelik und Pelzer Spuren nachgehen, die weit in die Vergangenheit der RAF und ihrer internen Fehden reichen.
    Die Hörspielvorlagen liest man diesem Roman nicht an, der über den Kriminalfall und die Soziopathien der RAF hinaus sehr fesselnd ist, und zwischen Gegenwart und Vergangenheit von Deutschland und Türkei unvermutete Brücken zu schlagen weiß. U.K.
    (Ulrich Noller u. Gök Senin: Çelik & Pelzer. Kriminalroman. Eichborn Verlag, Frankfurt a.M. 2010. 222 Seiten. 16,95 Euro. ISBN: 978-3-8218-6134-0) >>> Amazon

    Im fünften Thriller um den Hamburger Hauptkommissar Jan Fabel (siehe auch Besprechung zu Craig Russell: Blutadler) wird ein noch in der DDR ausgebrütetes Projekt Walküre zum Dreh- und Angelpunkt mörderischer Zusammentreffen in der Gegenwart. Drei nach perfiden Vorgaben ausgewählte Mädchen wurden seinerzeit zu gefühllosen Killermaschinen ausgebildet, und mindestens eine davon wird offensichtlich auch noch in der Nachwendezeit als Auftragsmöderin eingesetzt. Ihrer Perfektion scheint kaum noch etwas entgegenzusetzen zu sein ...
    Wie immer so spannend wie "blutrünstig", gelang es Craig Russel und seinem Übersetzer erneut, die Schrauben anzuziehen. Ein packender Thriller aus einem Guss, der einen bis zur letzten Seite in Atem hält. U.K.
    (Craig Russel: Walküre. Roman. Aus dem Englischen von Bernd Rullköter. Lübbe Ehrenwirt Verlag, Köln 2010. 445 Seiten. 19,99 Euro. ISBN: 978-3-431-03795-1)
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    In Botswana werden an einem Wasserloch in der Kalahari die Überreste eines Mannes gefunden - gerade noch rechtzeitig, denn wenig später wären sie vollständig von Hyänen und anderem Getier einverleibt worden. So aber werden sie für Kubu, dem liebenswerten Assistant Superintendent des CID, zur ersten rätselhaften Spur auf ein raffiniert angelegtes Verbrechen, das die Chefetage eines internationalen Diamantenkonzerns und auch die Regierung Botswanas nicht unberührt lässt.
    Kubu und der Tote in der Wüste ist das vielversprechende Erstlingswerk eines unter Michael Stanley zeichnenden Autorenduos. Der so verzwickt wie spannend angelegte Plot vermittelt mit seinen überzeugenden Handlungsträgern einen mitreißenden Einblick in ein von abendländischer Zivilisation und uralter Schamanenkultur geprägtes afrikanisches Land, der weit über die seltenen Berichte in der "Tagesschau" hinausreicht. U.K.
    (Michael Stanley: Kubu und der Tote in der Wüste. Roman. Aus dem südafrikanischem Englisch von Stefanie Schäfer. Eichborn Verlag, Frankfurt a. M. 2010. 540 Seiten. 29,95 Euro. ISBN: 978-3-8218-6109-8)
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    Christopf Scholder sprengt mit dem Thriller Oktoberfest wohl einige Superlative - russischen Geiselnehmern gelingt es, alle Zelte des Oktoberfests mit seinen 70000 Besuchern in ihre Gewalt zu bringen, und um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, müssen davon gleich zu Anfang 2000 Menschen sterben. Für Bundes- wie bayerische Landesregierung liegt die einzige Hoffnung im Kapitän zur See Wolfgang Härter, einem geheimen Geheimdienstmann, von dessen Existenz bis dahin nur der Innenminister wusste.
    Nun ja, natürlich ist dieser Thriller spannend und die nüchtern präzise Umsetzung des Verbrechens erinnert, wenn auch weit weniger charmant, an "Rififi" - aber das Ausloten der Leserschmerzgrenzen (Gas als Tötungsinstrument von Massen!) hat zudem auch noch mit einer zuweilen recht hölzernen Personen- und Dialogführung und einer am Ende doch sehr zusammengeschusterten Auflösung zu kämpfen. U.K. (Christopf Scholder: Oktoberfest. Roman. Droemer Verlag, München 2010. 604 Seiten. 19,95 Euro. ISBN: 978-3-426-19888-9)
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    In Traunstein wir der Enthüllungsjournalist Dieter Leschnik ermordet. Die Kommissare Gruber und Bischoff tippen auf ein Verbrechen der Salzburger Unterwelt. Da Gruber mit dem Salzburger Kripochef Schmidinger gut bekannt ist, scheint die gegenseitige Amtshilfe kein Problem zu sein ...
    Wolfgang Schweiger stellt mit Tödlicher Grenzverkehr seinen dritten Chiemgau-Krimi vor. Wie zuvor lebt auch dieser Krimi von dem gemütlichen Duktus des Kommissars und Endfünfzigers Gruber, der die Geschichte trotz nicht weniger zur Auflösung des Falls notwendiger, diesmal aber auch höchst überraschender Zufallsentdeckungen in ein kurzweiliges Lesevergnügen schaukelt. U.K.
    (Wolfgang Schweiger: Tödlicher Grenzverkehr. Kriminalroman. Pendragon Verlag, Bielefeld 2009. 230 Seiten. 9,95 Euro. ISBN: 978-3-86532-203-6)
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    Von Markus C. Schulte von Drach liegt sein Thriller Der fremde Wille (Kiepenheuer & Witsch 2009, >>> Amazon) nun auch als preiswerteres TB unter dem Titel Der Parasit vor.
    Nicht nur einer, sondern gleich mehrere Serienmörder töten parallel und nahezu gleichzeitig ihre zuvor vergewaltigten Opfer, die allesamt schreckliche Bisswunden am Hals aufweisen. Die Tatorte liegen in München, Hawaii, Schottland, den USA und im Kongo.
    Der vorwärts treibend spannende Plot, die in ihm verpackte, philosophische Binnendiskussion inkl. den Zitaten von Jürgen Habermas über den freien Willen eines Täters stechen heraus, wiewohl die Handlungsträger nur selten durchgehend zu überzeugen wissen. So stellen die ermittelnden Beamten die sich für erfahrene Krimileser schon bald aufdrängenden Fragen viel zu spät und unterbieten zuweilen sogar ohne weitere Erläuterung später ihre eigenen Vorkenntnisse.
    Fazit: Entsprechend lektoriert und um ca. 100 Seiten gekürzt, wäre es ein Spitzenthriller geworden - so ist er in Summa leider nur von ambivalentem Durchschnitt. U.K.
    (Markus C. Schulte von Drach: Der Parasit. Roman. Knaur Verlag, München 2010. 590 Seiten. 8,95 Euro. ISBN: 978-3-426-50443-7)
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    Sachbuch

    Ernst Horst hat in Nur keine Sentimentalitäten! den Entenhausener Übersetzungen von Dr. Erika Fuchs ein liebevolles Denkmal gesetzt und vermittelt dabei anhand von vielen Bildbeispielen Grundlegendes über die Wirkungsgeschichte insbesondere der von ihr zwischen den 1950ern und 1970ern den Deutschen nahegebrachten "Donald Duck"-Geschichten.
    Ein humorvolles Parlando eines DONALDISTen, der sich auch selbstironisch auf die Schippe zu nehmen weiß und am Ende u.a. auch noch nützliche Tipps für Sammler gibt.
    Nicht ganz so enthusiasmierten Nostalgikern, die das Buch dennoch auf einen Rutsch durchlesen, könnte jedoch ab der Hälfte so manche Redundanz aufstoßen, u.a. wenn der Autor zum gefühlten 100. Mal erwähnt, das die Fuchs nicht wortwörtlich übersetzt hat - aber denen fehlt es vermutlich nur am Sinn für das rituell Spirituelle von Mantras innerhalb eines solchen Werkes. U.K.
    (Ernst Horst: Nur keine Sentimentalitäten!. Wie Dr. Erika Fuchs Entenhausen nach Deutschland verlegte. Blessing Verlag, München 2010. 384 Seiten. 22,95 Euro. ISBN: 978-3-89667-406-7)
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    Kinder- & Jugendliteratur

    Jutta Richter erzählt in Als ich Maria war von einem Mädchen, dessen Wunsch, die Hauptrolle im Krippenspiel zu bekommen, sich wider Erwarten erfüllt. Die Bilder von Jacky Gleich, welche die Geschichte in einem Dorf der 1950er oder 1960er Jahre inszenieren, zeigen das Gesicht des u.a. als "Blattlaus" beschimpften Mädchens erst auf den letzten Seiten von vorne. Und so löst sich auch erst hier das Rätsel auf, warum es vor der plötzlichen Erkrankung der eigentlichen "Maria" nur als "schwarzes Schaf" an dem Krippenspiel teilhaben sollte.
    Insofern also auch eine Weihnachtsgeschichte, als sie unverhofft einen Kinderwunsch wahr werden lässt. Doch sie geht weit darüber hinaus und zielt auf dumme, alles verkürzende Borniertheit, die der eigentlichen Botschaft der Weihnachtsgeschichte nur allzu oft zuwiderläuft. U.K.
    (Jutta Richter: Als ich Maria war. Bilderbuch. Illustrationen: Jacky Gleich. Hanser Verlag, München 2010. 32 Seiten. Euro. Ab 5 Jahre. ISBN: 978-3-446-23591-5)
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