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Büchernachlese | Kurzhinweise 2012


Neben denen des aktuellen Erscheinungsjahrs können auch noch siehe Links oben insgesamt 411 Kurzhinweise zu den Jahren 2003 bis 2017 abgerufen werden:

Sortiert nach Genre und dem Alphabet der Autorennamen führen die verlinkten Genrebezeichnungen zum jeweils ersten Kurzhinweis.

  • Belletristik: Katharina Tiwald
  • Krimis / Thriller: Linwood Barclay, Helmut Barz, Christopher Brookmyre, Andrea Camilleri, Veit Etzold, Sebastian Fitzek & Michael Tsokos, Andreas Föhr, Sophie Hannah, Steve Hamilton, Oliver Harris, Tim Herden, Lars Kepler, Howard Linskey, Nigel McCrery, Val McDermid, Derek Nikitas, Douglas Preston & Lincoln Child, Fran Ray, Roger Smith, Willi Voss
  • Kinder- & Jugendliteratur: Alice Gabathuler, Elisabeth Zöller


  • Belletristik

    Katharina Tiwald stellt in ihrem Roman Die Wahrheit ist ein Heer ein lediglich mit G. bezeichnetes, ansonsten namenlos bleibendes Mädchen und ihr kurzes von Gesellschafts-, Familien- und Schulsystem inkl. Mobbing gezeichnetes Leben vor - doch nicht wie der Klappentext verspricht, in stringenter auf den Punkt gebrachter Lakonie, sondern in Wortteppichen, die im Gegensatz zum Namen viele Details an Erfahrungen und Sinneswahrnehmungen aneinanderknüpfen oder auch nur aufzählen. Eine ambitionierte, jedoch vor allem artifizielle Etüde, die durchaus immer wieder eine beklemmende Atmosphäre zu erzeugen vermag.
    Bleibt die Frage, wen der seitens des Verlags mit Musils "Törleß", Torbergs "Schüler Gerber" und Hesses "Unterm Rad" verglichene und damit dann doch einigermaßen überschätzte Text heute in dieser Form erreichen will .. und kann. U.K.
    (Katharina Tiwald: Die Wahrheit ist ein Heer. Roman. Styria Verlag, Wien-Graz-Klagenfurt 2012. 201 Seiten. 24,99 Euro. ISBN: 978-3-222-13365-7)
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    Krimis / Thriller

    Erst fährt Glens Frau Sheila sich und zwei Andere volltrunken in den Tod, wenig später ertrinkt unter mysteriösen ihre Freundin. Und dann heißt es auch noch, Sheila hätte mit dem Verkauf gefälschter Medikamente die knappe Haushaltskasse aufzubessern versucht. Doch wiewohl die Indizien sehr stark sind, gibt Glen es nicht auf, Sheilas Unschuld zu beweisen ...
    Linwood Barclay inszeniert in Weil ich euch liebte eine fesselndes Schein-und-Sein-Gefüge, das die noch ansteigende Zahl der Toten als Ergebnis eines über die Verhältnisse Lebens in wirtschaftlich schlechten Zeiten vorstellt.
    Dieser Plot wird gerade an den nur skizzierten Nebenfiguren sehr anschaulich durchexerziert. Glen und seine Tochter Kelly allerdings sind aus jenem Heldenstoff gewirkt, der für die Identifikation innerhalb eines Pageturners ausreicht, aber bei einem langsameren Lesen rasch zahlreiche Fragen an deren Glaubwürdigkeit aufwirft. U.K.
    (Linwood Barclay: Weil ich euch liebte. Thriller. Aus dem Englischen von Silvia Visintini. Knaur TB-Verlag, München 2012. 527 Seiten. 9,99 Euro. ISBN: 978-3-426-51052-0)
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    Ray Kilbride hat es nicht leicht. Sein Bruder Thomas ist schizophren und mit seinen 35 Jahren noch immer auf Betreuung angewiesen. Das Einzige was er perfekt beherrscht, ist sich Routen und Wege ganzer Stadtpläne zu merken. Und bei einem seiner virtuellen Rundgänge durch das für ein Computerprogramm abfotografierte New York, entdeckt er in einem Fenster den Kopf einer Frau in einer zugeschnürten Plastiktüte. Selbst Ray kann nicht leugnen, dass hier höchstwahrscheinlich ein Mordopfer zu sehen ist. Er fährt im Auftrag seines Bruders nach New York und setzt damit eine unheilvolle Ereigniskette in Gang ...
    Fenster zum Tod ist ein weiterer Thriller von Linwood Barclay - und überzeugender als der oben beschriebene!
    Ein aberwitziger Plot, der von der ersten bis zur letzten Seite zu einem mitreißenden Thriller entfaltet wurde. U.K.
    (Linwood Barclay: Fenster zum Tod. Thriller. Aus dem Englischen von Silvia Visintini. Knaur Verlag, München 2012. 589 Seiten. 14,99 Euro. ISBN: 978-3-426-21356-8)
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    Hauptkommissarin Katherina Klein soll zur Leiterin einer Spezialeinheit für unaufgeklärte Verbrechen befördert werden. Bereits berüchtigt für ihre Extravaganzen und eigenwilligen Ermittlungsmethoden, sieht sie sich jedoch bei ihrer Rückkehr nach Frankfurt mit neuen Spuren des 16 Jahre zurückliegenden Mordes an ihrer Familie konfrontiert - und wirft nun erst recht jedwedes von offizieller Seite legitimiertes Regelwerk über den Haufen. Doch sie hat damit offenbar Erfolg und irgendjemanden aufgescheucht, der nun mit allen Mitteln ihre Ermittlungen zu unterlaufen sucht und dabei auch vor weiteren Morden nicht zurückscheut ...
    Der Sutton Verlag hat sich u.a. auf Regionalkrimis spezialisiert - leider ist ihre buchgestalterische Ausstattung zuweilen besser als deren Plot oder/und Sprachregelung.
    Aber es gibt auch immer wieder Ausnahmen: Helmut Barz hat mit Dolphin Dance seinen dritten Roman mit Katherina Klein vorgelegt. Kein Regionalkrimi, sondern eher eine Art Thrillermärchen mit vielen "zufällig" zur rechten Zeit auftauchenden dei ex machina à la James Bond - doch das kommt in sich schlüssig und zuweilen auch ganz witzig rüber. Und es weckt durchaus das Interesse für die beiden Vorläuferbände. U.K.
    (Helmut Barz: Dolphin Dance. Kriminalroman. Sutton Verlag, Erfurt 2012. 446 Seiten. 12,00 Euro. ISBN: 978-3-95400-038-8)
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    Jasmine Sharp ist froh, nach erfolglosen Versuchen als Schauspielerin in der Detektei ihres Onkels Jim untergekommen zu sein. Sein plötzliches Verschwinden bringt sie in arge Bedrängnis. Da trifft sie auf Tron Ingrams, der ihr einerseits ganz unverblümt deutlich macht, wie wenig er von ihren Fähigkeiten als Detektivin hält, ihr jedoch auch seine Hilfe anbietet. Denn er ahnt bereits, dass es bei Jims Verschwinden um Korruption von Leuten geht, bei denen man es am wenigsten vermuten sollte ...
    Neben Jasmine Sharp führt Christopher Brookmyre in Wer schlafende Hunde weckt noch die Polizistin Catherine McLeod ein, die von ihrer Seite den Korruptionsskandal anzugehen sucht. Insgesamt ergibt das einen Krimi, der erst wegen seiner schottischen Handlungsorte und den hymnischen Blurbs unterm Klappentext sogar auf einen neuen Ian Rankin hoffen lässt, dann aber mit seinen arg dicht am Klischee klebenden Protagonisten eher mäßig dahinplätschert und alsbald in ein wenig unerwartetes Ende ausläuft. U.K.
    (Christopher Brookmyre: Wer schlafende Hunde weckt. Roman. Aus dem Englischen von Hannes Meyer. Galiani Verlag Berlin, Köln 2012. 399 Seiten. 19,99 Euro. ISBN: 978-3-86971-063-1)
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    Erst wird eine in 30 Teile zerstückelte Leiche gefunden, kurz danach meldet eine Frau ihren Ehemann als vermisst. Am rätselhaftesten erscheint Comissario Montalbano jedoch die Frau, die ihn einerseits wegen ihrer Sorge um den Ehemann sehr anrührt, ihm dabei aber auch sehr nahe zu kommen sucht - aus Naivität oder aus Berechnung? Und mit seinem Freund und Kollegen, dem Vize Mimì Augello, kann er sich wegen dessen immer schlechter werdenden Laune nicht darüber austauschen ...
    Das Ritual der Rache von Andrea Camilleri ist auf einem voltenreich spannenden Plot im Mafiamilieu aufgebaut, der zugleich eine Art Rollentausch vornimmt. War es sonst immer Comissario Montalbano, der sein Umfeld für seine Eskapaden und Ziele einspannte, so sieht er sich hier nun selbst zur Rücksichtnahme gezwungen, um seinen Freund Mimì nicht ins Gefängnis schicken zu müssen.
    Kaum zu glauben, aber Andrea Camilleri versteht es trotz des beschaulichen Umfeldes seines fiktiven Städtchens Vigàta tatsächlich, für seinen Montalbano immer noch ein Schippchen an Spannung und Situationskomik draufzulegen! U.K.
    (Andrea Camilleri: Das Ritual der Rache. Roman. Aus dem Italienischen von Moshe Kahn. Lübbe Verlag, Köln 2012. 283 Seiten. 19,99 Euro. ISBN: 978-3-7857-2431-6)
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    Ein sich als "Namenloser" bezeichnender Serienkiller gelangt zuletzt vor den Augen der Polizei auf die Landing Page eines Internetportals mit Millionenpublikum, um dort vor aller Augen einen Mord durchzuführen.
    Veit Etzold legt mit Final Cut einen Thriller vor, dessen Dynamik auf den ersten 70, 80 Seiten einen durchaus mitnimmt.
    Der Plot ist reizvoll, hält bis zum Ende neugierig, und die Morde im Kontext virtueller Vermarktungsmechanismen sind geradezu akribisch ausgemalt. Dem stehen jedoch mit den fragmentarisch sattsam bekannten Versatzstücken für den Täter und einer mit ihm ungewollt verbandelten LKA-Beamtin keine "mitreißenden" und glaubhaft agierenden Charaktere gegenüber. Und die wenigen etwas tiefer schürfenden Dialoge um das "Unheimliche" werden von Plattheiten unterboten, deren Grauen auch noch durch Wiederholung gesteigert wird.
    Schade eigentlich - denn hätte sich ein Lektorat an dem Buch so abgearbeitet wie Verlag und Autor in Sachen (Selbst-)Vermarktung, wäre hier vielleicht sogar etwas zu feiern gewesen. U.K.
    (Veit Etzold: Final Cut. Roman. Bastei Lübbe Verlag, Köln 2012. 447 Seiten. 8,99 Euro. ISBN: 978-3-404-16687-9)
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    Die Tochter des Rechtsmediziners Paul Herzfeld wurde verschleppt. An und vorwiegend in Mordopfern werden Herzfeld immer neue Hinweise gegeben, wie er Hannah wieder finden kann. Neben alldem, was ihr in der Zwischenzeit angetan werden könnte, setzt nicht zuletzt auch das Asthmaleiden seiner Tochter Herzfeld unter Zeitdruck …
    Nach längerer Pause nun ein erneuter Lektüreversuch eines Thrillers von Sebastian Fitzek, der sich für Abgeschnitten den Leiter der Rechtsmedizin an der Berliner Charité Michael Tsokos als Co-Autor gesichert hat.
    Aber auch wenn das, was ein Rechtsmediziner sichten und beschreiben kann, nun formal korrekt wiedergegeben sein mag, ist das "Essentielle" drumherum, nämlich die Geschichte selbst derart hanebüchen konstruiert und ausgeführt, dass man schon fast wieder über das Übermaß an unfreiwilliger Komik lachen könnte - wäre da nicht auch noch ein "Held" wie der Rechtsmediziner Paul Herzfeld, der am Ende ungebremst und ohne Reue das Hohe Lied der Selbstjustiz keineswegs nur singt. Und dies - Achtung Spoiler! - nachdem er seine Tochter gesund und munter wieder gefunden hat, sieht man einmal davon ab, dass ihre als Scheidungskind an ihn gerichteten Vorwürfe von einer davon unabhängigen, weil auch für ihr Alter unplausiblen, kaum minder großen geistigen und seelischen Beschränktheit zeugen.
    Als Vorlage für einen Splatterfilm vielleicht ausreichend, ansonsten nicht einmal geschmacklos und billig, sondern einfach nur schlecht und die Reputation eines echten Rechtsmediziners gewiss nicht fördernd. U.K.
    (Sebastian Fitzek & Michael Tsokos: Abgeschnitten. Thriller. Droemer Verlag, München 2012. 398 Seiten. 19,99 Euro. ISBN: 978-3-426-19926-8)
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    Nach Der Prinzessinnenmörder, Schafskopf und Karwoche stellt Andreas Föhr mit Schwarze Piste seinen vierten Tegernsee-Kriminalroman vor, der den ewig frierenden Kommissar Wallner an seinem Vater und dem anarcho-oberbayrischen Polizeiobermeister-Kollegen Kreuthner immer wieder aufs Neue verzweifeln lässt.
    Erst fliegt Daniela Kramm die Asche von Kreuthners Onkel Simon ins Gesicht. Kreuthners Wiedergutmachung, mit ihr auf Skiern die Schwarze Piste hinunterzufahren, wird zu einer Irrfahrt mit nicht wenigen Stürzen, die ihr Ende bei der auf einer Bank weit abseits der Abfahrt gesetzten Leiche ihrer Schwester findet …
    Kaum zu glauben - aber Andreas Föhr wird immer besser und seine Romane um Kommissar Wallner und Leohnhardt Kreuthner immer runder, ohne dabei an Witz einzubüßen. Dabei werden Ereignisse an den Rändern der RAF zum Antrieb für einen Serientäter und Andreas Föhr gelingt es durchaus seriös und fesselnd, diesen "historischen" Hintergrund auszuleuchten und auf bayerische Verhältnisse zu erden.
    Der Autor unterstreicht damit einmal mehr, der wohl derzeit beste Verfasser von eingängig unterhaltsamen Regionalkrimis zu sein. U.K.
    (Andreas Föhr: Schwarze Piste. Roman. Knaur Verlag, München 2012. 426 Seiten. 14,99 Euro. ISBN: 978-3-426-21353-7)
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    Ruth, die bereits einiges durchgemacht hat, verliebt sich in Aidan. Als sich beide ihre schlimmsten Taten gestehen, eröffnet der wortkarge, ebenfalls an seiner Vergangenheit leidende Aidan, er hätte eine Frau namens Mary Trelease getötet. Doch das ist unmöglich: Ruth hat Mary Trelease erst vor Kurzem als sehr lebendig und äußerst rücksichtslos kennen gelernt ...
    Totes Herz von Sophie Hannah verlangt den Lesern einiges an gutem Willen ab. Den bereits erwähnten Personen steht alsbald ein miteinander verlobtes Polizistenpaar gegenüber, das kaum weniger kommunikationsgestört wirkt und sich gegen den Spott ihre werten Kollegen behaupten muss. Die Zumutung wird umso größer, als die Polizistin Charlie "zufällig" auch noch direkt in diesen Fall involviert zu sein scheint - der ja erstmal gar keiner ist. Denn auch die Polizei kann erst mal nur die sehr lebendige Existenz von Mary Trelease bestätigen.
    Doch gerade dieser Haken ist es, der die Leser trotz der kaum realistisch erscheinenden Kommunikationsmuster an diesem "Psychothriller" hängen bleiben lässt - um sich am Ende von einer sehr englischen, zwar haarsträubend komplizierten, aber dann doch "irgendwie" schlüssigen Auflösung belohnt zu sehen. U.K.
    (Sophie Hannah: Totes Herz. Psychothriller. Aus dem Englischen von Anke Angela Grube. Bastei Lübbe Verlag, Köln 2012. 606 Seiten. 8,99 Euro. ISBN: 978-3-404-16617-6)
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    Mit acht Jahren überlebt Mike nur sehr knapp den mörderischen Amoklauf seines Vaters, vor dem er sich in einen Safe retten musste. Seither ist Mike verstummt, entdeckt jedoch als Jugendlicher seine Begabung zum Zeichnen sowie eher unfreiwillig auch die Fähigkeit, nicht nur Türschlösser aller Art sondern auch Safes zu knacken, ohne dabei eine Spur zu hinterlassen. Und dass Mike nie redet, ist für gewisse Leute geradezu ein Extrabonus ...
    Der Mann aus dem Safe von Steve Hamilton ist inzwischen 28 Jahre alt und hält im Gefängnis Rückschau auf seine 10 bis 20 Jahre zurückliegenden Erlebnisse. Angesichts des Alters seines Helden durchaus auch als Jugendroman einzuordnen, entspinnt der Autor im lakonischen Tonfall zwei chronologisch sich abwechselnde Erzählfäden zu einer packenden Tour de Force des Überlebens im Kriminellenmilieu. Melodramatisch und schicksalhaft wie ein Roman von Charles Dickens, wird auch hier den Geschehnissen als Kontrapunkt eine zarte Liebesgeschichte gegenübergestellt, die am Ende wenigstens noch auf Gutes hoffen lässt. U.K.
    (Steve Hamilton: Der Mann aus dem Safe. Roman. Aus dem Englischen von Karin Diemerling. Droemer Verlag, München 2012. 460 Seiten. 16,99 Euro. ISBN: 978-3-426-22621-6)
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    Wegen seiner immensen Schulden sieht Detective Nick Belsey sein Heil nur noch in der Flucht. Möglichst ganz weit weg in die Sonne. Für das nötige Kapital sollen die Identität und die mutmaßlichen Millionen des vermissten russischen Oligarchen Alexei Devereux sorgen - doch auf diese Idee scheint bereits auch ein anderer gekommen zu sein ...
    Immer haarscharf am Abgrund und dabei den berühmt-berüchtigten schwarzen Humor der Briten traktierend, sorgt Oliver Harris in London Killing mit seinem sich traumwandlerisch durchmogelnden Nick Belsey durchaus für Amüsement - weit erstaunlicher als dessen Überlisten der global agierenden Gaunerelite, scheinen jedoch die mit Blindheit geschlagenen Londoner Kollegen, die diesen ja keineswegs hochrangigen Detective bis zuletzt gewähren lassen.
    Das Ende immerhin bietet eine unerwartete Volte und macht neugierig auf einen etwaigen Folgeband. U.K.
    (Oliver Harris: London Killing. Roman. Aus dem Englischen von Wolfgang Müller. Blessing Verlag, München 2012. 479 Seiten. 19,95 Euro. ISBN: 978-3-89667-438-8)
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    Jens-Uwe Schneider war für die Einwohner von Hiddensee stets nur der etwas distanzierte Inselpfarrer. Doch dann wurde das Pseudonym seines Alter-Egos gelüftet. Nachdem Prominenz aus Politik und Kultur angereist kam, um ihn als den deutschlandweit bekannten Literaturkritiker "Jean Jacques Hoffstede" zu ehren und zu feiern, wird einige Tage später seine Leiche auf den Klippen am Toten Kerl entdeckt ...
    Tim Herden hat mit Toter Kerl einen der durchaus besseren Regionalkrimis verfasst, der neben dem Ambiente Hiddensees plausible Charaktere und einen spannenden Plot bietet und sogar ein Stück deutsch-deutsche Geschichte in Sachen RAF thematisiert. U.K.
    (Tim Herden: Toter Kerl. Roman. Mitteldeutscher verlag, Halle (Saale) 2012. 286 Seiten. 9,95 Euro. ISBN: 978-3-89812-894-0)
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    In einer Einrichtung für schwer erziehbare Jugendliche liegt ein ermordetes Mädchen mit beiden Händen vor dem Gesicht aufgebahrt. Unweit davon wurde eine Erzieherin mit einem Hammer erschlagen. Eine Spur weist auf eine höchst aggressive Jugendliche und der Fall scheint aufgeklärt. Doch Joona Linna bleibt skeptisch ...
    Nach ihrem äußerst erfolgreichen Debut mit Der Hypnotiseur legt das schwedische Autorenehepaar Alexandra Coehlo Ahndoril und Alexander Ahndoril unter dem Pseudonym Lars Kepler mit Flammenkinder bereits seinen dritten Thriller um den eigenwilligen Kommissar Joona Linna vor.
    Nichts für Zartbesaitete, muss er diesmal insbesondere brutalen Verbrechen an Kindern nachgehen. Allerdings nur als "Beobachter", da er noch das Urteil einer "inneren Untersuchung" gegen sich selbst abzuwarten hat - wovon er sich aber nur wenig beeindrucken lässt.
    Fiel der zweite Roman Paganinis Fluch darin im Gegensatz zum ersten stark ab, kann nun sogar, was die innere Geschlossenheit des Plots angeht, dem neuen Roman eine echte Steigerung attestiert werden. Zudem gewähren Rückblicke in Linnas Vorleben einige Erklärungen für das Setzen seiner Prioritäten. Spannend bis zur letzten Seite, macht dort ein atemberaubender Cliffhanger schon mehr als neugigierig auf den nächsten Roman mit Joona Linna ... U.K.
    (Lars Kepler: Flammenkinder. Roman. Aus dem Schwedischen von Paul Berf. Lübbe Verlag, Köln 2012. 621 Seiten. 19,99 Euro. ISBN: 978-3-7857-2463-7)
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    David Blake, seines Zeichens Ideengeber und rechte Hand von Bobby Mahoney, muss mal wieder seine Vertrauenswürdigkeit beweisen - denn dafür, dass zigtausend Pfund Schutzgeld verschwunden sind, wird allein er verantwortlich gemacht. Immerhin gibt Boss Mahoney ihm 72 Stunden, das Geld wieder aufzutreiben ...
    Was wäre die Alternative zum organisierten Verbrechen? Anarchisch unorganisierte Verbrechen jedenfalls selbst nach Ansicht der Polizeibehörden nicht. Und so lässt Howard Linskey in Crime Machine seinen Helden David Blake mit nicht wenig britischem Humor - allerdings auch mit nicht wenig beinharter Brutalität - vom Wesen seiner stets auf Loyalität bedachten Zunft plaudern.
    Spannend bis zur letzten Seite entlarvt sich hier auch die Doppelbödigkeit so mancher westlichen Gesellschaft, so dass die Sogkraft des Plots einen am Ende sogar den Rachemord des Helden gutheißen lässt. Es bedarf also eines sehr gefestigten Charakters, um im Anschluss der Lektüre wieder auf Recht und Ordnung zu setzen .. oder zumindest darauf zu hoffen. U.K.
    (Howard Linskey: Crime Machine. Roman. Aus dem Englischen von Conny Lösch. Knaur Verlag, München 2012. 380 Seiten. 9,99 Euro. ISBN: 978-3-426-51036-0)
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    Cart Whittley muss wegen seiner so eigensüchtigen wie ignoranten Mutter den schwerkranken Vater alleine pflegen. Doch nicht allein deshalb wird er zum Serienmörder, der nur noch einen Ehrgeiz hat: Keiner seiner Morde soll dem anderen gleichen ...
    Der kurz vor dem Ausscheiden aus dem Dienst stehende Detective Chief Inspector Mark Lapslie leidet meist an einer Synästhesie-Variante, die ihn Geräusche oft ungewollt heftig mit Geschmackserlebnissen verbinden lässt - und von Cart Whittley kann er feinste Geruchsabsonderungen als Trommelschläge hören und somit eine Verbindung zwischen den Morden ohne gemeinsames Muster ziehen. Doch wer soll ihm das glauben?
    Nigel McCrery fordert in Schwarzes Schaf den Leser nicht nur mit recht eigenartigen Synästhesie-Varianten heraus, sondern vor allem durch die detaillierten Schilderungen äußerst grausamer Verletzungen, die Cart Whittley seinen Opfern beibringt. Erträglich und damit auch einigermaßen spannend-unterhaltsam bis zur letzten Seite wird dieser Kriminalroman paradoxerweise durch den "ansonsten" gepflegt akademischen Erzählstil. U.K.
    (Nigel McCrery: Schwarzes Schaf. Roman. Aus dem Englischen von Marie-Luise Bezzenberger. Knaur Verlag, München 2012. 397 Seiten. 8,99 Euro. ISBN: 978-3-426-63962-7)
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    Tony Hill darf nicht mehr offiziell als Profiler für DCI Carol Jordan arbeiten - und dies, obwohl dem höchst manipulativen Mädchenmörder Jacko Vance nach 12 Jahren Haft die Flucht aus einem angeblich absolut ausbruchsicheren Gefängnis gelingt und er auf gnadenlose Vergeltung an allen zielt, die ihn verhaftet hatten. Nicht indem er sie tötet, sondern z.B. Carol Jordan ihr Liebstes nimmt und ihren Bruder sowie dessen Frau bestialisch ermordet …
    Vergeltung ist der siebte Fall der auch im ZDF als Hautnah - Die Methode Hill bekannt gewordenen englischen Krimiserie von Val McDermid.
    Jacko Vance gemahnt in seiner Perfidität an Hannibal Lecter - mit fürchterlichen Folgen. So droht auch die über das reine Arbeitsverhältnis hinausgehende Beziehung zwischen Caroll und Toni zu enden, denn Caroll gibt Toni die Schuld daran, den Mord an ihrem Bruder nicht verhindert zu haben. Einmal mehr spannend bis zur letzten Seite! U.K.
    (Val McDermid: Vatermord. Roman. Aus dem Englischen von Doris Styron. Knaur Verlag, München 2012. 504 Seiten. 10,99 Euro. ISBN: 978-3-426-51181-7)
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    Die 15-jährige Lucia hat gerade im Kaufhaus eine CD geklaut und ist froh, als der auf sie wartende Vater, ein anerkannter Literaturprofessor, endlich den Wagen startet. Da klopft es ans Wagendach, der sich von einem Dieb bedroht sehende Vater will wegfahren - und wird erschossen ...
    Derek Nikitas, Jahrgang 1974, hat Scheiterhaufen im Original bereits 2007 vorgelegt und dekliniert darin ein schichtenübergreifendes Gewaltphänomen durch, bei dem ermittelnde Polizeibeamte wie Greta Hurd nur noch am Rande vorkommen. Mit beinharter Folgerichtigkeit wird die bis dahin vergleichsweise behütete Lucia rein auf sich bezogenen Antrieben ausgesetzt und sieht alsbald auch ihr eigenes Leben bedroht.
    Nichts für schwache Nerven! Am Ende dieser durchgehend fesselnden Lektüre ist man froh, wenigstens mit dem Anflug eines Happy Ends entlassen zu werden. U.K.
    (Derek Nikitas: Scheiterhaufen. Roman. Aus dem Amerikanischen von Jens Seeling. Knaur TB Verlag, München 2012. 428 Seiten. 9,99 Euro. ISBN: 978-3-426-50989-0)
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    Die Tage des Agenten Gideon Crew sind gezählt, ein inoperables Aneurysma wird ihn innerhalb eines Jahres töten. Doch sehr wahrscheinlich stirbt er schon weit früher, denn ein früherer Arbeitskollege von ihm hat offenbar eine nukleare Bombe gelegt, die innerhalb von 10 Tagen in den USA detonieren soll ...
    Douglas Preston & Lincoln Child haben mit Countdown einen Thriller der Extraklasse vorgelegt, der bei aller ironisch gebrochenen James-Bond-Haftigkeit seines Helden von durchaus realistischen Grundannahmen ausgehen dürfte, u.a. was das Neben- und Miteinander der US-amerikanischen Geheimdienste angeht, und bis zur letzten Seite mit immer neuen Volten und Wendungen für immer neuen Nervenkitzel sorgt. U.K.
    (Douglas Preston & Lincoln Child: Countdown. Thriller. Aus dem Englischen von Michael Benthack. Knaur Verlag, München 2012. 444 Seiten. 14,99 Euro. ISBN: 978-3-426-21355-1)
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    In San Diego wird ein kinderlieber Hund zur Bestie, in Brüssel detoniert eine Bombe und in Afghanistan richten Soldaten ein schreckliches Massaker an, von denen wenige Monate nach ihrer Rückkehr nur noch einer am Leben ist. Einzig die junge Journalistin Karen Burnett erkennt hier einen größeren Zusammenhang und ist alsbald einer rätselhaften Verschwörung auf der Spur - und in höchster Gefahr ...
    Fran Ray legt mit Das Syndikat einen Thriller vor, dessen Heldin Karen und ihre Art des Erkenntnisgewinns einem zwar nicht immer plausibel erscheint, der jedoch die bereits vorhandenen Möglichkeiten zur Manipulation des Weltgeschehens sehr mitreißend und damit so fesselnd wie erschreckend vor Augen führt. U.K.
    (Fran Ray: Das Syndikat. Roman. Bastei Lübbe Verlag, Köln 2012. 478 Seiten. 8,99 Euro. ISBN: 3-404-16630-2)
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    Die Ehe von Nick Exley und seiner depressiven Frau Caroline steht längst auf Messers Schneide, als durch die Unachtsamkeit aller beide ihre vierjährige Tochter am Strand von Kapstadt ertrinkt. Als scheinbarer Retter in der Not tritt nun Expolizist Vernon Saul auf, der nichts anderes im Sinn hat, als nun auch diesen Vertretern der Upperclass seinen mörderischen Willen aufzuzwingen ...
    Roger Smith hat mit Stiller Tod einen Thriller vorgelegt, der neben äußerst präzise entfalteter Brutalität und der Geschichte vom betrogenen Betrüger auch noch das Filmmuster "Pretty Woman" durchdekliniert - gefesselt bis zur letzten Seite, fragt man sich beim Zuklappen denn auch, ob man sich angesichts dieser vorgeführten Menagerie an Schablonen der Selbstsüchtigkeit nicht gerade heftig unter Niveau unterhalten hat. U.K.
    (Roger Smith: Stiller Tod. Roman. Aus dem Englischen von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann. Tropen bei Klett Cotta Verlag, Stuttgart 2012. 380 Seiten. Euro. ISBN: 978-3-608-50132-2)
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    Diesmal also ein Niedersachsen-Krimi, genauer gesagt, ein "Dümmer-Krimi", was zwar zutreffend ist, aber zugleich auch ein wenig unfreiwillig komisch klingt.
    Willi Voss eröffnet mit Bitteres Blut jedenfalls eine Krimireihe um den frisch zugezogenen Kriminalobermeister Lorinser, der bei seinem ersten Fall im Landkreis Diepholz auch erst noch mit den Platzhirschen klarzukommen lernen muss. So ist er einige Zeit der einzige, der dem Hinweis eines Bauers nachgehen will und sich auf die Suche nach einer angeblich zuvor an einem Baum hängenden Leiche macht.
    Neben der Spurensuche gibt es reichlich Lokalkolorit und Abschweifungen in seelische Befindlichkeiten und privaten Beziehungsgeflechte des Lorinser. Der letzte mir von Voss bekannte Krimi Pforte des Todes hatte mehr Drive, aber wer's gern auch etwas regional kleinteiliger mag, bekommt mit "Bitteres Blut" nicht zu verachtende Hausmannkost. U.K.
    (Willi Voss: Bitteres Blut - Ein Dümmer-Krimi. Roman. Sutton Verlag, Erfurt 2012. 317 Seiten. 12,00 Euro. ISBN: 978-3-86680-958-1)
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    Kinder- & Jugendliteratur

    Die Eltern von Jori, Dany und Leonie gehören der Upperclass an, und die auf Sieg getrimmten drei jugendlichen Mädchen sind alles andere als Sympathieträgerinnen - arrogant und überheblich grenzen sie alle und Alles aus, was nicht ihren Vorstellungen vom überlebenswichtigen (An-)Schein entspricht. Doch für die Demütigung eines bei ihnen aushilfsweise angestellten Poolboys erhalten die drei eine Quittung, die alles übertrifft, was sie anderen angetan haben ...
    Alice Gabathuler hat mit Matchbox Boy einen Psychothriller der Extraklasse vorgelegt, der nicht nur Jugendliche mitreißt. Aus der Perspektive der bis zuletzt um ihr Selbstbewusstsein ringenden Jori wird geschildert, wie vernichtend Cybermobbing sein kann - und wie leicht sich "gedankenlose" Mehrheiten finden lassen, die selbst noch die "Strafenden" des Milgram-Experiments Anfang der 1960er unterbieten. Denn die Reaktionen der drei Mädchen werden nicht nur gehört, sondern vor laufender Kamera im Internet begafft. Dass die drei Jugendlichen echte "Miststücke" sind, stellt jedoch auch die Leser auf die Probe: An welcher Stelle werden und würden sie Nein sagen? U.K.
    (Alice Gabathuler: Matchbox Boy. Psychothriller. Thienemann Verlag, Stuttgart 2012. 288 Seiten. 12,95 Euro. ISBN: 978-3-522-20159-9)
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    Nach den Nazigesetzten "Halbjude", will Paul kurz vor seiner Deportation im zerbombten Köln untertauchen. Mit seinen siebzehn Jahren hat er Glück und trifft auf Franzi, die ihn nicht nur an den Kontrollen vorbeiführt, sondern auch ihrem Bruder und dessen Freunden vorstellt.
    Als "Edelweißpiraten" haben sie viele Tricks auf Lager, um Paul zu decken und mit ihm gemeinsam Sabotageaktionen zu unternehmen. Und mit Franzi hat Paul seine große Liebe gefunden - doch nachdem einer ihrer Freunde bei einem Überfall auf einen Lebensmitteltransport erschossen wird, geraten sie alle ins Visier von Sturmbannführer Ziegen, der sich und die Gestapo durch die "Edelweißpiraten" verhöhnt sieht ...
    Elisabeth Zöller (siehe u.a. auch die Besprechung zu ihrem Buch Schwarzer, Wolf, Ski) hat mit Wir tanzen nicht nach Führers Pfeife einen auf Tatsachen beruhenden und so fesselnden wie anrührenden Roman verfasst, der nicht nur Jugendliche in seinen Bann zu ziehen vermag. Dieser Thriller müsste selbst größte Geschichtsmuffel überzeugen und einen Blick über zweidimensionale Mattscheiben wagen lassen! U.K.
    (Elisabeth Zöller: Wir tanzen nicht nach Führers Pfeife. Ein Tatsachen-Thriller über die Edelweißpiraten. Hanser Verlag, München 2012. 351 Seiten. Euro. Ab 14 Jahren. ISBN: 978-3-446-24024-7)
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