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Büchernachlese | Kurzhinweise 2020


Neben den nachfolgenden des aktuellen Erscheinungsjahrs können auch noch siehe Links oben insgesamt 471 Kurzhinweise zu den Jahren 2003 bis 2019 abgerufen werden:

Sortiert nach Genre und dem Alphabet der Autorennamen führen die verlinkten Genrebezeichnungen zum jeweils ersten Kurzhinweis.

  • Belletristik:
  • Krimis / Thriller: Ølsten Borge, Chris Holm, Anne von Vaszary
  • SF / Fantasy / Horror / Mystery: N. K. Jemisin, Michael J. Sullivan
  • Sachbuch:
  • Kinder- & Jugendliteratur:


  • Belletristik




    Krimis / Thriller

    In Amsterdam wurde eine norwegische Studentin mit einer Bolzenschusspistole getötet. Tatort ist eine Bank in einem öffentlich zugänglichen Park, doch weder finden sich Zeugen noch brauchbare Spuren. Die rot gemalte "13" auf der Parkbank bildet erst mal nur ein weiteres Rätsel, genauso wie der seltsame Zahlencode, der, wie sich später herausstellen sollte, bereits vor dem Mord in einer SMS an den holländischen Kommissar Meijer gesendet worden war.
    Bei Gewaltverbrechen an norwegischen Staatsbürgern im Ausland wird Europol-Ermittler Bogart Bull zur Unterstützung der einheimischen Polizei geschickt. So auch dieses Mal, aber als kurz hintereinander zwei weitere Menschen ermordet werden, die ganz anderen Milieus, als dem der Studentin entstammten, und auch auf sehr unterschiedliche Weise getötet wurden, weiß auch Bull erst mal nicht weiter. Einzig verbindendes Merkmal ist eine rote 13, die an allen Tatorten zu finden war, sowie eine kurzfristig jedem Mord vorausgeschickte SMS. Als Bull dann endlich zu verstehen beginnt, auf wen es der Serienkiller eigentlich abgesehen hat, ist es beinahe zu spät …
    Ølsten Borge legt mit Irrfahrt seinen dritten Kriminalroman um den Europol-Kommissar Bogart Bull vor.
    Wieder ein sehr komplexer Plot, der Vergangenheit und Gegenwart (politisch wie privat) in eine spannende Beziehung zu setzen weiß. Der Autor entwickelt daraus in eingängiger Übersetzung eine Mordsgeschichte, die im Vergleich zu den beiden Vorgängerromanen noch einmal ein Schippchen drauflegt, was sich immer mehr anziehende Spannung und diesmal auch das rundum so überraschende wie überzeugende Finale angeht.
    Dieser Kriminalroman ist nicht nur gut, sondern dürfte mit zum Besten zählen, was dieses Frühjahr an Krimis vorzuweisen hat! Sehr empfehlenswert, bitte mehr davon! U.K.
    (Olsten Borge: Irrfahrt. Kriminalroman. Aus dem Norwegischen von Andreas Brunstermann und Gabriele Haefs. Droemer Verlag, München 2020. 320 Seiten. 9,99 Euro. ISBN: 978-3-426-30748-9)
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    Auftragskiller Michael Hendricks tötete prinzipiell ausschließlich andere Auftragskiller, sofern die von ihnen bedrohten Opfer bereit waren, das Zehnfache des für ihren Tod angebotenen Honorars zu zahlen. Doch als daraufhin die Mitglieder des weltweit agierenden Verbrecher-Syndikats "The Council" ihn selbst und seinen Partner Lester auf die Abschussliste gesetzt haben, konnte es nur noch darum gehen, die Mitglieder von "The Council" zu enttarnen. Nur ohne den bereits getöteten Technik-Freak Lester war das nahezu unmöglich. Da eröffnet sich ihm unverhofft eine neue Chance - eine Fernsehreportage zu einem Bombenanschlag zeigt Handy-Aufnahmen, darunter auch eine kurze Sequenz mit einem altgewordenen, eigentlich tot geglaubten Kronzeugen gegen "The Council". Nur sehen diese Aufnahmen natürlich auch das FBI und das Syndikat …
    Mit Des Teufels Vollstrecker hat Chris Holm nach So was von tot den zweiten Thriller um den Auftragskiller Michael Hendricks vorgelegt.
    Auch ohne Kenntnis des Vorgängerromans rutscht man - wie der Rezensent - problemlos in die in sich abgeschlossene Handlungswelt des von Anfang an packenden Thrillers hinein. Die Ambivalenz der Hauptfigur Michael Hendricks, die neben einigem schwarzen Humor durchaus auch ehrenwert verantwortungsvolle Seiten zeigt, ist dabei genauso überzeugend, wie die Entfaltung des Plots, der natürlich haarsträubende, kaum überlebbare Zumutungen wie auch das Rettende dank einiger Helfer und seiner Reaktionsfähigkeit anbahnt. Unterfüttert wird das Ganze durch weitere Charaktere, die entweder geradezu als Karikatur des Bösen parodiert oder mit wenigen Strichen durchaus komplex eingeführt werden.
    Genreliteratur, die bis zur letzten Seite unterhält und auf die Folgebände (wie auch den Vorgängerband) neugierig macht! U.K
    (Chris Holm: Des Teufels Vollstrecker. Thriller. Aus dem amerikanischen Englisch von Karin Diemerling. Knaur Verlag, München 2020. 349 Seiten. 9,99 Euro. ISBN: 978-3-426-52209-7)
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    Nina, Anfang Zwanzig und bislang ohne jeden Plan, hat mal wieder im Lostopf danebengegriffen. Eher aus Versehen mit dem sich für unwiderstehlich haltenden Ricky einen One-Night-Stand gehabt und danach auch gleich schon wieder vergessen, muss sie sich nun doch mit ihm noch einmal treffen. Doch als sie ihm in dem Berliner Kiez-Restaurant von den in ihrem Bauch wachsenden Folgen ihres One-Night-Stands erzählen will, beginnen gleich mehrere Gäste gleichzeitig nach Luft zu ringen und um ihre Leben zu kämpfen. Auch Ricky. Nina blieb nur deshalb von dem Giftanschlag verschont, weil ihre Nase mit Beginn der Schwangerschaft hochsensibel geworden ist und sie deshalb ihr Essen noch nicht einmal probieren wollte. Kommissar Keller setzt Nina zwar ganz weit oben auf seiner Verdächtigenliste, aber zugleich spannt er sie und vor allem ihre Nase für seine Ermittlungen ein …
    Mit Die Schnüfflerin ist Anne von Vaszary ein Kriminalroman-Debüt gelungen, das weniger auf brutalen Thrill als auf Situationskomik und insbesondere bei den gut gezeichneten Nebenfiguren auf glaubhafte Charaktere setzt!
    Mit der Erzählperspektive Ninas ist der Ton eher jugendlich und bezieht seine Vergleiche vor allem aus Fernsehserien und Kinofilmen. Doch das stellt sich keineswegs intelligenten Fragen und Dialogen entgegen, um Ninas Sicht auf die Welt und das gerade anstehende Problem zu erhellen. Sind die ersten Seiten noch etwas plakativ geraten und gemahnen an ein Jugendbuch, gewinnen die Figuren allmählich immer mehr an Tiefe und verhandeln u.a. schmerzhafte Verluste über die Generationengrenzen hinweg.
    Für einen Krimi steht die systematisch polizeiliche Ermittlungsarbeit eher weniger im Vordergrund bzw. gerät zuweilen schon arg in die Nähe jener Polizisten, die im ZDF bei Wilsberg ihr Unwesen treiben. Dafür aber gibt es herzerfrischendes Bauchgefühl - das natürlich auch in die Irre führt -, kesse Sprüche sowie Ninas außergewöhnlichen Geruchssinn, der durchaus in sich plausibel und überzeugend die Geschichte bis zur Auflösung vorantreibt.
    Auch für schwache Nerven ein echter Lesespaß! U.K.
    (Anne von Vaszary: Die Schnüfflerin. Kriminalroman. Knaur Verlag, München 2020. 383 Seiten. 9,99 Euro. ISBN: 978-3-426-52382-7)
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    SF / Fantasy / Mystery

    Eine neue Fünftzeit droht, in der auf dem Kontinent "Die Stille" nur überlebt, wer auf geheime Vorräte zurückgreifen kann. Und womöglich noch nicht einmal dann - sollte mit dieser Fünftzeit tatsächlich das Ende der Welt bevorstehen.
    Essun sucht noch immer nach ihrer Tochter Nassun, die ihr Mann entführt hat, kurz nachdem er zum Mörder ihres gemeinsamen Sohnes wurde - denn er hasst alle Orogene, die nicht nur ihre Umgebung vereisen, sondern auch Erdbeben auslösen und damit (meist unabsichtlich) Menschen töten können. Sollte Essun wieder auf ihn treffen, wäre sein Schicksal besiegelt. Gefunden wurde Essun hingegen von dem sich versteinernden Alabaster Tenring, einem Orogenen mit 10 Ringen, der die Zerstörung der Welt eingeleitet hat - und Essun hierfür um Unterstützung bittet.
    Weit entfernt von Essun schlägt sich ihre Tochter Nassun mit dem Vater durch. Doch für ihn sind ihre zunehmenden, jedoch nicht von einem Fulcrum ausgebildeten Orogene-Fähigkeiten bald nicht mehr länger zu übersehen - und zu ertragen. Nassun wächst zu einer Orogene heran, die womöglich noch machtvoller als ihre Mutter wird ...
    Mit Brennender Fels wird von N. K. Jemisin der zweite Band ihrer preisgekrönten Romantrilogie Die große Stille vorgelegt. Wer den ersten Band Zerrissene Erde gelesen hat, wird sich auf jeden Fall auch diesen zu Gemüte führen wollen - er hält auch dank der erneut gelungenen Übersetzung von Susanne Gerold das im besten Sinne Genre sprengende Niveau. Aber seine Lektüre wird den Lesern nicht leicht gemacht. Zwei Jahre nach Erscheinen des ersten Bandes, knüpft der zweite bruchlos daran an, wo der erste geendet hat. All die bewusst erst aufgeteilten Erzählstränge des ersten Bandes sind nun zwar auf nur noch zwei "reduziert", doch die Begrifflichkeiten und Auseinandersetzungen dieser Welt bleiben hochkomplex und eigentlich nur bei einem Hintereinanderweglesen beider Bände von Anfang an nachvollziehbar. Nach zwei Jahren aber ist das Wiederhineinfinden etwas mühsam.
    Zum Glück ist das Erscheinen des dritten Bandes "Steinerner Himmel" schon für Juli 2020 angekündigt - am besten dann gleich alle drei Bände bestellen und lesen, lesen, lesen … U.K.
    (N. K. Jemisin: Brennender Fels. Die große Stille Bd. 2/3. Roman. Aus dem Englischen von Susanne Gerold. Knaur Verlag, München 2020. 432 Seiten. 14,99 Euro. ISBN: 978-3-426-52516-6)
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    Hadrian Blackwater sieht in Royce Melborn beim ersten Aufeinandertreffen erstmal nur eine Bedrohung, gegen die es sich zu verteidigen gilt. Als er ihn bei Arcadius, einem alten Professor für Überlieferung an der Universität von Sheridan, wieder trifft, ändert sich daran nur wenig - und wenn dann nur zum Schlechteren. Und Royce Melborn schätzt Hadrian Blackwater, wenn auch unter anderen Vorzeichen, ebenfalls nicht besser ein. Er hält ihn schlicht für dumm. Doch Arcadius will unbedingt, dass beide, der eine ein erfahrener Krieger, der andere ein meisterhafter Dieb und Mörder, zusammenarbeiten und für ihn gemeinsam ein geheimnisvolles Buch aus dem als uneinnehmbar geltenden Kronturm stehlen. Beide wehren sich heftig gegen dieses Ansinnen, doch Arcadius hat am Ende die besseren Argumente …
    Michael J. Sullivan beginnt mit Im Schatten des Kronturms eine neue Serie unter dem Titel Riyria-Chroniken, die zugleich ein Prequel der nach 6 Bänden abgeschlossenen Riyria-Reihe darstellt (siehe dazu auch die Besprechung zu deren ersten Band Der Thron von Melengar).
    Für Fans der Riyria-Reihe, zu denen auch der Rezensent sich zählt, ist das eine schöne Wiederbegegnung mit liebgewordenen Protagonisten, die auf jeden Fall lohnt - auch wenn der Spannungsbogen hier bislang um Einiges weniger komplex als in der abgeschlossenen Reihe angelegt ist. Neben den beiden bereits genannten Helden wird hier auch deren erste Begegnung mit Gwen DeLancy angebahnt, was durchaus einige Verwicklungen voraussetzt - doch die Metaebene einer herrschenden, später alles mit ihrer Religion bestimmenden Klasse, wird für diese sehr eigene Welt mit ihren verschiedenen Königreichen eben (noch) bestenfalls nur angedeutet. Kriege, Elend abhängiger Frauen und Anderes bleiben deshalb vom Anlass her noch eher vage und "nur" auf die konkrete Ebene heruntergebrochene Auseinandersetzungen. Das ist dann für sich genommen zwar auch nicht wenig spannend wie auch die ersten Dialogscharmützel zwischen Hadrian Blackwater und Royce Melborn mit ihrem trockenem Humor durchaus das Zwerchfell kitzeln.
    Hinzu kommt, dass Sullivan es abhängig vom Erfolg dieses 1. Bandes macht, ob er das Prequel fortsetzt - insofern würde ich entgegen seiner Vorstellung allen "Neulingen" keine Wahl lassen, sondern ihnen zuerst die Lektüre der abgeschlossenen Riyria-Reihe empfehlen, bevor sie mit dem 1. Band des Prequels beginnen. (Sollte das Prequel dann tatsächlich bis zum Anschluss an die Riyria-Reihe fortgesetzt werden, kann sich diese Einschätzung natürlich auch wieder ändern.)
    So oder so, lohnt es jedenfalls, auf den nächsten Band der Riyria-Chroniken neugierig zu sein - denn unterhaltend sind sie allemal. U.K.
    (Michael J. Sullivan: Im Schatten des Kronturms - Riyria-Chroniken 1. SF-Roman. Aus dem Englischen von Wolfram Ströle. Klett Cotta Verlag, Stuttgart 2020. 461 Seiten. 17,00 Euro. ISBN: 978-3-608-98569-6)
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    Sachbuch




    Kinder- & Jugendliteratur






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