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Büchernachlese | Kurzhinweise 2014


Neben denen des aktuellen Erscheinungsjahrs können auch noch siehe Links oben insgesamt 380 Kurzhinweise zu den Jahren 2003 bis 2016 abgerufen werden:

Sortiert nach Genre und dem Alphabet der Autorennamen führen die verlinkten Genrebezeichnungen zum jeweils ersten Kurzhinweis.

  • Belletristik: A.S.A. Harrison, Immanuel Kant - Jens Kulenkampff, Robin Sloan
  • Krimis / Thriller: Gert Anhalt, Veronika Aydin & Kerstin Klamroth, Thomas Bogenberger, Michael Connelly, Fulvio Ervas, Karin Fossum, Oliver Harris, Elizabeth Haynes, Jürgen Heimbach, Jutta Maria Herrmann, Keigo Higashino, Antonia Hodgson, Gregg Hurwitz, Sven Koch, Maria Laue, Howard Linskey, Robert C. Marley, Petra Mattfeldt, Nigel McCrery, Val McDermid, Bernard Minier, Wolfgang Polifka, Michèle Rowe, Rolf Sakulowski, Martin Schöne, Susanne Staun, Sophie Sumburane, Angelika Svensson, Victor Thoma, Su Turhan, Susan Wilkens, Don Winslow, Franz Zeller, Kim Zupan
  • SF / Fantasy / Mystery: A. K. Benedict, Mike Carey, Kevin Hearne, Markus Heitz, William Horwood, Stefan Kisbye, Diane Menschig, Michael J. Sullivan, Tad Williams
  • Sachbuch: Karen Duve
  • Kinder- & Jugendliteratur: Simon Mason, Julia Donaldson & Axel Scheffler


  • Belletristik

    Die Psychotherapeutin Jodi Brett wird nach zwanzigjähriger Ehe mit Todd Gilbert zur Mörderin. Gerade noch im Wohlgefühl ausdauernd geübter Verdrängung, sieht sie sich unverhofft brutal einer Realität ausgesetzt, die ihre lang gepflegte Scheinwelt mehr als nur ins Wanken bringt …
    Die 2013 an Krebs verstorbene A.S.A. Harrison hat mit Die stille Frau ihren ersten und zugleich letzten Roman vorgelegt - ein ambivalent erfolgreiches Debüt.
    Wer an der Entwicklungspsychologie eines Ehepaares interessiert ist, erhält jeweils im Wechsel sehr detaillierte Innenansichten, die zuweilen in durchaus treffsichere Pointen münden. Wer sich von dem Klappentext jedoch vor allem einen Thriller verspricht, wird viele Seiten überlesen, da sie hierfür viel zu viel unnötigen Ballast enthalten. Nichtsdestotrotz hat A.S.A. Harrison mit diesem Roman jedenfalls Interesse weckendes Erzähltalent bewiesen - schade, dass hiernach kein neuer Text mehr von ihr zu erwarten ist … U.K.
    (A.S.A. Harrison: Die stille Frau. Roman. Aus dem Englischen von Juliane Pahnke. Bloomsbury Verlag, Berlin 2014. 383 Seiten. 14,99 Euro. ISBN: 978-3-8270-1207-4)
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    Wer sich intensiver mit Leben und Werk des Philosophen Immanuel Kant beschäftigt, kann sich nun auch an Notizen aus dem Nachlass erfreuen, eine Auswahl von Kant auf Notizzetteln und an den Rändern seiner Lehrbücher festgehaltener Aperηus aller Art, die als Gedankensplitter wiederum Tiefsinniges über Allzumenschliches oder auch weise Ratschläge enthalten. Der Titel Köche ohne Zunge bezieht sich auf eines davon:
    Es gibt Köche ohne Zunge. Es verlohnt sich wohl, ein Vergnügen zu kultivieren, was täglich genossen werden kann.
    Die Auswahl besorgt und mit einem editorischen Vorwort versehen hat Jens Kulenkampff, ehemals Professor an der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg.
    Vorgelegt im L.S.D. als Imprint des Steidl Verlags, dürfte das Büchlein im Leinengewand und mit Lesebändchen ausgestattet auch rein äußerlich als bibliophiles Kleinod geschätzt werden. U.K.
    (Immanuel Kant: Köche ohne Zunge. Notizen aus dem Nachlass. Auswahl und Vorwort von Jens Kulenkampff. L.S.D. im Steidl Verlag, Göttingen 2014. 99 Seiten. Euro. ISBN: 978-3-86930-836-4)
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    Clay Jannon, seines Zeichen arbeitsloser Webdesigner, übernimmt in der antiquiert wirkenden Buchhandlung des Mr. Penumbra die Nachtschicht. Doch seine Kunden kaufen nichts, sondern leihen sich meist die Bücher nur aus, die Clay mit einiger Kletterakrobatik aus drei Etagen hohen Regalen zu ziehen hat. Zudem enthalten diese Bücher keine Texte, sondern nur ellenlange, scheinbar sinnfreie Reihen aus Buchstaben. Tatsächlich aber enthalten sie einen Code, der ein uraltes Geheimnis lüften helfen soll. Und woran die Kunden nicht nur dieser Buchhandlung seit den Anfangszeiten des Buchdrucks knobeln, versucht sich nun auch Clay gemeinsam mit zwei Freunden …
    Robin Sloan hat mit Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra einen eingängigen Schmöker vorgelegt, dessen Klappentext jedoch nur von sehr oberflächlichen Lesern bekräftigt wird, wonach es sich hierbei auch um "ein spannendes literarisches Rätsel und ein inspirierendes und und philosophisches Buch voller einzigartiger Charaktere und visionärer Ideen" handelte.
    Tatsächlich kommt "Literatur" nur sehr am Rande vor, vielmehr türmen sich hier lediglich Klischees über Bücherliebhaber und Lesezirkel auf. Und während so manches, wie die Schrifttype "Garamond" pseudonymisiert wird, schlägt etwas Anderes als unverhohlen penetrantes Product-Placement auf: So werden die Algorithmen des Netzes sprich das Internet im Allgemeinen und die der mit Klarnamen eingeführten Suchmaschine "Google" im Besonderen als nur zu unser aller Besten allwissende Heilsbringer wiederholt zum Deus ex machina erhoben - um damit einem letztlich wenig spektakulären "Geheimnis" auf die Spur zu kommen.
    Gegen solche Dreistigkeit wird die Flöte des Rattenfängers von Hameln zu einem subtilen Instrument der Verführung … U.K.
    (Robin Sloan: Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra. Roman. Aus dem Amerikanischen von Ruth Keen. Blessing Verlag, München 2014. 351 Seiten. 19,99 Euro. ISBN: 978-3-89667-480-7)
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    Krimis / Thriller

    Strafversetzt und mit nicht geringen seelischen Problemen wie z.B. einer Waldphobie, muss der Elite-Ermittler Thomas Caspari ab jetzt als Feld-, Wald- und Wiesenpolizist im Nordhessischen Frankenberg seine Arbeit verrichten. Seine Kollegen vor Ort sind u.a. die so aufsässige wie schillernde Nadide Kolcuoglu und der dagegen weit einfacher gestrickte Marti Happel. Und kaum im Dienst, erstickt auch noch der Ex-Schlagerstar Henny Winkler höchst unfreiwillig an Schweineschmalz. Es tun sich alsbald finstere Abgründe auf - nicht nur in diesem Mordfall. Caspari selbst sieht sich immer größeren Bedrohungen ausgesetzt …
    Mit Mordmäßig schmalzig beginnt Gert Anhalt eine neue Krimiserie mit dem Untertitel Caspari ermittelt.
    Zu Anfang denkt man bei der Lektüre an die ARD-Serie Mord mit Aussicht, nur dass man die eben wegen des kongenialen Schauspieler-Ensembles kuckt und nicht wegen ihrer auch für Herzkranke zuträglichen Spannung noch als Buch lesen wollte. Doch der Autor zieht die Geschichte in Spiralen nach und nach immer wieder ein Level höher - und entwickelt schließlich durchaus das, was man einen "Thrill" nennen kann, verbunden mit viel Sarkasmus und schwarzem Humor. Ob das noch steigerungsfähig ist? Man darf gespannt sein … U.K.
    (Gert Anhalt: Mordmäßig schmalzig. Caspari ermittelt. Roman. Knaur Verlag, München 2014. 504 Seiten. 9,99 Euro. ISBN: 978-3-426-51608-9)
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    In einer der Kühltruhen des Tierbestatters Bodo Müller liegt eine tote Frau. Seine Nachbarin, die Detektivin Elfriede Schmittke wollte eigentlich nur noch lukrative Fälle annehmen und sich aus den Ermittlungen der Polizei heraushalten - aber dann soll sie das aus der Truhe entfernte Kaninchen aufspüren, damit es von seinen einstigen Besitzen würdevoll beerdigt werden kann …
    Veronika Aydin & Kerstin Klamroth haben mit Bestattungsfragen Elfriedes zweiten Fall vorgelegt - und im Gegensatz zu manch unsäglicher Veröffentlichung des Verlags (wie Tod beim Martinszug von Stefanie Gregg oder Pleiten, Pech & Leichen von Elke Schwab) ist dieser Taunus-Krimi durchaus lesbare Kost. Der Plot baut neugierig haltende Spannung auf und bewegt sich zwischen Reichen, Obdachlosen und Computerhackern. Und das nicht zuletzt ihre Familienangehörigen umfassende Team um Elfriede Schmittke erdet das Ganze mit einigem Humor.
    Insgesamt also eine nette Urlaubslektüre. U.K.
    (Veronika Aydin & Kerstin Klamroth: Bestattungsfragen. Elfriedes zweiter Fall. Ein Taunus-Krimi. Sutton Verlag, Erfurt 2014. 214 Seiten. 12,99 Euro. ISBN: 978-3-95400-393-8)
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    Die auf einem stillgelegten Bauplatz verscharrte Leiche eines wegen seiner dubiosen Geschäfte und als Frauenheld ortsbekannten Immobilienmaklers bringt für Kommissar Hattinger erst mal nur eines - viele Verdächtige. Und damit nicht genug, geht das Morden auch noch weiter und Hattinger wird daneben noch geplagt von wiederkehrenden Albträumen und andauerndem Nebel, der unverhofft gekündigten Wohnung, in die zu allem Überfluss nun auch noch seine Tochter Lena einziehen will …
    Aufmerksam geworden durch die gelungene Verfilmung des ersten Teils "Hattinger und die kalte Hand" mit Michael Fitz in der Hauptrolle, überzeugt Thomas Bogenberger mit seinem 2. Band Hattinger und der Nebel um den Kommissar Hattinger als Lektüre erst recht. Die Dialoge in einem gemäßigtem Bayrisch lautiert (wonach z.B. ein gehört auch noch für Preussen als g'hört lesbar bleibt), versteht es der Autor sehr gut, einen Spannungsbogen aufzubauen und diesen mit viel Wortwitz und Situationskomik zu unterfüttern, ohne damit seine Figuren als bayrische Knallchargen zu verraten. Im Gegenteil - dieser Krimi ist ein Beweis dafür, dass auch ein freundlich miteinander umgehendes Kommissariat für ein echtes Lesevergnügen sorgen kann. U.K.
    (Thomas Bogenberger: Hattinger und der Nebel. Kriminalroman. Pendragon Verlag, Bielefeld 2014. 388 Seiten. 12,99 Euro. ISBN: 978-3-86532-390-3)
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    DNA-Spuren an der Leiche einer Studentin, die vor zwanzig Jahren vergewaltigt und umgebracht wurde, können einem Sexualstraftäter zugeordnet werden - doch der war damals erst acht Jahre alt. Und ganz aktuell ist der Sohn eines einflussreichen, Harry Bosch nur allzu gut bekannten Stadtrates von Los Angeles aus dem siebten Stock eines Luxushotels gestürzt. Selbstmord - oder Mord? Detective Harry Bosch muss die beiden Fälle gleichzeitig bearbeiten, sich zugleich um seine 15-jährige Tochter und eine mögliche neue Liebe kümmern …
    Nach dem sich ausschließlich aufs Stammhirn zielende Niveau in "Neun Drachen" (2011) legt Michael Connelly mit Der Widersacher endlich wieder einen durchgängig lesenswerten Harry-Bosch-Roman vor. Sein bisweilen sehr enggeführter Gerechtigkeitssinn erfährt hier immer wieder sehr "erfrischende" Brechungen, ohne dass Harry Bosch deshalb nun gleich als "Gutmensch" abgetan werden könnte.
    Spannende Unterhaltung bis zur letzten Seite - weiter so! U.K.
    (Michael Connelly: Der Widersacher. Thriller. Aus dem Amerikanischen von Sepp Leeb. Knaur TB-Verlag, München 2014. 457 Seiten. 9,99 Euro. ISBN: 978-3-426-51135-0)
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    Auf den Widersacher s.o. folgt dieses Jahr gleich eine Hardcoverausgabe eines sich auch inhaltlich anschließenden Harry-Bosch-Romans von Michael Connelly unter dem Titel Blackbox.
    In ihm geht es um den Mord an einer dänischen Journalistin, der 1992 während der Rassenunruhen in Los Angeles von Harry Bosch zwar aufgenommen, aber in all den Jahren nicht gelöst wurde. Erst das Auffinden der Mordwaffe wird zu einer heißen Spur, die zugleich auf später mit ihr begangene Morde weist …
    Daneben wird Harry Bosch von seinem Vorgesetzten - auch in Verbindung mit dem im Band zuvor dank Bosch geschassten Stadtrat - bis zur drohenden Kündigung gepiesackt und der im Gefängnis einsitzende Sohn seiner Freundin Hannah wird hierbei zu einem unberechenbaren Faktor.
    Insgesamt also wieder fesselnde Unterhaltung bis zur letzten Seite, die einen erneut nach einer Fortsetzung fiebern lässt! U.K.
    (Michael Connelly: Blackbox. Thriller. Aus dem Amerikanischen von Sepp Leeb. Droemer, München 2014. 441 Seiten. 19,99 Euro. ISBN: 978-3-426-19990-9)
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    Am Morgen des Ostersonntags wird Inspektor Stucky zur Leiche eines kürzlich erst pensionierten Priesters auf den Stufen des Tempels von Possagno geführt. Einmal mehr ist der örtliche Klerus in Aufruhr und verlangt nach umgehender Aufklärung. Dem stehen jedoch die bestenfalls rätselhaften Aussagen der Dorfbewohner entgegen - wenn sie sich denn überhaupt dazu äußern. Doch der atheistische Inspektor Stucky kennt seine "Pappenheimer" und gibt nicht auf. Und nebenbei entlarvt er in selbstlosem Einsatz auch noch das Phantom eines aggressiven Joggingläufers, der andere immer wieder umschubst und damit zu Fall bringt ...
    Auch Nur der Spumante kann uns retten von Fulvio Ervas zeichnet als dessen dritter Kriminalroman ein liebevoll anarchischer Witz aus, der ein wenig an Don Camillo und Peppone anknüpft, diesen aber zeitgemäß fortschreibt und mit seinen Dorfbewohnerstudien an satirischer Subtilität weit übertrifft.
    Für Italienliebhaber, die nicht nur Schenkelklopferhumor zu schätzen wissen, einmal mehr ein unterhaltsames Muss! U.K.
    (Fulvio Ervas: Nur der Spumante kann uns retten. Kriminalroman. Aus dem Italienischem von Sylvia Höfer. Berlin Verlag Taschenbuch, München 2014. 302 Seiten. 9,99 Euro. ISBN: 978-3-8333-0967-0)
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    Tommy, ein 16 Monate alter Junge mit Down-Syndrom wird ertrunken am Seeufer unweit des Wohnhauses aufgefunden. Es sieht alles nach einem tragischen Unglück aus: Die 19-jährige Mutter hatte kurz im Badezimmer zu tun, der 20-jährige Vater war im Keller - da soll der als sehr lebhaft beschriebene Tommy, der gerade das Laufen erlernt hat, unbeaufsichtigt zum See gelaufen sein. Doch Kommissar Sejer spürt wie sein Kollege Skarre, dass da etwas nicht stimmt …
    Karin Fossum greift in Schlafe, mein Prinzchen, schlaf ein ein brisantes Thema auf: wie lebt es sich mit einem Kind mit Down-Syndrom, wiewohl doch die Mehrzahl es abtreiben lassen würden, wenn sie schon vor seiner Geburt von seinem genetischen Defekt wüssten? Und Fossum dekliniert das wirklich haarklein durch.
    Das lässt einen nicht kalt - aber als Krimi wird der Bogen hier schon arg ausgedünnt und in die Länge gezogen, nur um am Ende in Sejers Hund Frank einen deus ex machina für die Auflösung zu präsentieren. U.K.
    (Karin Fossum: Schlafe, mein Prinzchen, schlaf ein. Kriminalroman. Aus dem Norwegischen von Gabriele Haefs. Berlin Verlag TB, Berlin 2014. 286 Seiten. 9,99 Euro. ISBN: 978-3-8333-0993-9)
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    Detective Nick Belsey gerät bei seinen Ermittlungen unverhofft in ein riesiges Tunnellabyrinth unter den Straßen des Londoner Zentrums, das mehrere Bunkersysteme miteinander verbindet. Erst verschwindet darin ein ein Verdächtiger spurlos, dann eine dort mit Nick zu einem Rendezvous verabredete junge Frau. Nachdem er wieder mal sämtliche Regeln gebrochen hat, muss Belsey seinen Kollegen nun immer einen Schritt voraus sein, um die Entführung seiner Bekannten aufzuklären …
    Nach London Killing gibt Oliver Harris in London Underground erneut dem Affen Zucker - und übertreibt es diesmal.
    Dass der aktuelle Fall die Rache für ein Ereignis während des Kalten Krieges anhandelt, hat durchaus ihren historischen Reiz. Aber wie der Held Nick Belsey völlig übermüdet und nur noch von Kaffee und Drogen aufrecht gehalten selbst Schussverwundungen abtut, um am Ball zu bleiben, überstrapaziert jedwede Plausibilität. Ganz abgesehen davon, dass auch die Schilderungen zum und über das Tunnellabyrinth in Teilen ziemlich wirr und kaum noch nachvollziehbar sind.
    Fazit: London Killing war da bereits um einiges besser! U.K.
    (Oliver Harris: London Underground. Roman. Aus dem Englischen von Gunnar Kwisinski. Blessing Verlag, München 2014. 446 Seiten. 19,99 Euro. ISBN: 978-3-89667-449-4)
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    In einem kleinen englischen Dorf werden kurz hintereinander zwei tote Frauen aufgefunden. Einer jungen Frau wurde der Schädel zertrümmert, die Leiche ihrer Nachbarin in einem von der Straße abgekommenen PKW. Auch wenn bei letzterer alles auf Selbstmord deutet, sieht Louisa Smith als frischgebackener Detective Chief Inspector hier einen engen Zusammenhang. Ihr Team hat jedoch gegen das halbe Dorf zu ermitteln, das auf geheimnisvolle, nicht zuletzt erotische Weise mit den beiden Frauen verbunden gewesen zu sein scheint …
    Elizabeth Haynes legt mit Atemnot einen Thriller vor, in dem sie es versteht, Sex und Erotik innerhalb wie außerhalb des Ermittlerteams zu verknüpfen, ohne dabei ins schmuddlig Billige abzugleiten. Die eigentlichen Themen dahinter sind "Gehorsam" und Selbstbestimmtheit, welche die Autorin in einen buchstäblich fesselnden Plot gegossen hat.
    Eine Autorin (und mit DCI Louisa Smith eine Heldin), die es sich zu merken lohnt. U.K.
    (Elizabeth Haynes: Atemnot. Thriller. Aus dem Englischen von Elvira Willems. Berlin Verlag TB, Berlin 2014. 474 Seiten. 9,99 Euro. ISBN: 978-3-8333-0956-4)
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    Im Deutschland von 1947 beginnt Kommissar Paul Koch mit den Untersuchungen eines Mordes, bei dem das männliche Opfer am Verlust seiner Genitalien verblutete. Allein die Identität des Mannes zu ermitteln war damals mit größten Schwierigkeiten verbunden, u.a. weil noch viele kurz vor oder nach Ende des Krieges sie noch auf die Schnelle gewechselt haben. Daneben hat Koch noch Anderes zu klären: Warum meidet seine Verlobte plötzlich jeden Kontakt mit ihm? Und hat sich mit Reuber, einer der wenigen ihm vertrauten Kollegen, korrumpieren lassen und wurde womöglich sogar selber zum Mörder? Und überhaupt: Machen all diese Untersuchungen überhaupt Sinn in einem Land voller Nazis, die scheinbar nur sehr selten für ihre früheren Verbrechen belangt werden?
    Jürgen Heimbach hat mit Alte Feinde den zweiten Roman um den in Mainz ermittelnden Kommissar Paul Koch vorgelegt. An einer Stelle sagt ein neuer Gerichtsmediziner über Koch, dass er "rechthaberisch und selbstgerecht bis zur Impertinenz" sei - was leider sehr, sehr lange zutrifft. Aber das ist selbst inklusive seines ungeheuren Alkoholkonsums für die Geschichte insoweit in Ordnung, als sie auch plausible Anlässe für Erläuterungen des historischen Kontextes erlauben. Weniger in Ordnung sind allerdings die "Impertinenz" bedingten Wiederholungen von Plattitüden, deren Verzicht (gefühlte gut 150 von 666 Seiten) auch der Dynamik des Romans insgesamt gut getan hätte. Doch davon abgesehen liefert dieser historische Krimi auch der Sprachregelung nach ein Eintauchen in den detaillierten und offenbar sehr gut recherchierten Alltag von Polizei, Verbrechern und ihren Opfern jener Zeit. Das ist in großen Teilen fesselnd - und hätte gerade deshalb das stärkere Eingreifen eines auf mehr Balance in der Komposition bedachten Lektorats verdient. U.K.
    (Jürgen Heimbach: Alte Feinde. Roman. Pendragon Verlag, Bielefeld 2014. 666 Seiten. 14,99 Euro. ISBN: 978-3-86532-389-7)
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    Chris, Konrad, Paula und Rick wohnen nicht nur zusammen in einer WG in Berlin-Kreuzberg, sondern betreiben auch noch gemeinsam eine Beichthotline. Als eine Anruferin ankündigt, ihr neugeborenes Kind lebendig zu vergraben, sind sie ratlos. Die Polizei zu verständigen, würde für ihre "Kunden" einen Vertrauensverlust bedeuten. Doch auch wenn sie dann auf dem Friedhof nur eine Puppe ausgraben, können sie das Ganze nicht als Scherz abtun - denn die Anruferin meldet sich erneut und verkündet, dies sei erst der Anfang gewesen …
    Mit Hotline hat Jutta Maria Herrmann ein überzeugendes Thrillerdebüt vorgelegt, das die mörderischen Absichten einer Frau dem Neben- und Miteinander einer Wohngemeinschaft im Kreuzberger Milieu gegenüberstellt. Wahrnehmung und Wertschätzung klaffen hier trotz der Slogans ihrer Beichthotline zuweilen weit auseinander. Und das kann sehr verletzen oder sogar tödlich enden.
    Diese Kombination von Thrill und Kreuzberg ist gelungen und macht neugierig auf mehr von dieser Autorin. U.K.
    (Jutta Maria Herrmann: Hotline. Psychothriller. Knaur Verlag, München 2014. 331 Seiten. 9,99 Euro. ISBN: 978-3-426-51456-6)
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    Der Unternehmer Mashiba wurde ermordet. Alles weist auf seine Ehefrau Ayane als Täterin hin, von der sich der Ermordete scheiden lassen wollte - doch sie war zum Zeitpunkt des Mordes nachweislich verreist. Doch durch wen und wie ist dann das Arsen in das Kaffeewasser des Toten gelangt?
    Der japanische Autor Keigo Higashino legt mit Heilige Mörderin einen in jeder Hinsicht klassischen Who-done-it Krimi vor - leider nicht nur in gutem Sinne.
    Zwar hält einen die Auflösung des Rätsels bis zur letzten Seite gespannt, aber die Zeichnung der Figuren wie auch ihre Dialoge muten u.a. mit ihren Geschlechterrollenbildern und der bestenfalls sehr subtil hinterfragten Autoritätshörigkeit doch sehr altmodisch an. Sollte jedoch das Klischee derart höflich ritualisierter Umgangsformen (noch immer) der japanischen Wirklichkeit entsprechen, dann verärgern sie mehr als dass sie neugierig darauf machen. Aber für den, der's mag … U.K.
    (Keigo Higashino: Heilige Mörderin. Kriminalroman. Aus dem Japanischen von Ursula Gräfe. Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2014. 516 Seiten. Euro. ISBN: 978-3-608-98012-7)
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    Tom Hawkins will nicht in die Fußstapfen seines Vaters treten und Landpfarrer werden. Doch seine Vorliebe für Frauen, Bier und Glücksspiel bringen ihn ins "Marshalsea" - ein wegen seines brutalen Direktors besonders berüchtigtes Londoner Schuldgefängnis. Um darin zu überleben, bedarf es Unterstützer, die einem Geld für die Ausstattung der Unterkunft und Essen gewähren. Deshalb verdingt sich Tom alsbald als Ermittler, um den Mord an einem Gefängnisinsassen aufzuklären. Sein Zellengenosse ist jedoch Fleet, der selbst bei den abgebrühtesten Wärtern des Marshalsea als Ausgeburt der Hölle gilt …
    Antonia Hodgson hat mit Das Teufelsloch ein bemerkenswertes Debüt in dem Genre historischer Kriminalromane vorgelegt. Offenbar fundiert recherchiert, beruht der Roman auf Tagebuchaufzeichnungen eines Häftlings aus den Jahren 1728/29, der darin die Mechanismen privat geführter und rein profitorientierter Gefängnisse jener Zeit beschreibt. Die Autorin gewann dem einen so überzeugenden wie spannenden Plot und mitreißende Charaktere ab. Ihr Schreibstil gemahnt dabei ein wenig an den Duktus eines Robinson Crusoes - nur weit detaillierter, was die nicht wenig ekligen Zustände hinter diesen Gefängnismauern angeht.
    Ein echter Schmöker mit hohem Unterhaltungswert! U.K.
    (Antonia Hodgson: Das Teufelsloch. Roman. Aus dem Englischen von Katharina Volk. Knaur Verlag, München 2014. 490 Seiten. 19,99 Euro. ISBN: 978-3-426-65345-6)
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    Mike Wingate hat keine Ahnung, warum er, seine Frau Annabel und ihre gemeinsame Tochter Kat von zwei skrupellosen Auftragskillern verfolgt werden. Und auch die Polizei scheint eher den Killern zuzuarbeiten, anstatt Mikes Befürchtungen ernst zu nehmen. Die Familie muss fliehen und wird am Ende voneinander getrennt - eine Wiederholung seiner Kindheit, als Mike vierjährig von seinem Vater ausgesetzt wurde und danach in einer Pflegefamilie aufwuchs?
    Mit Flieh um dein Leben hat Gregg Hurwitz erneut einen fesselnden Thriller vorgelegt, der jedoch einmal mehr eine sehr ambivalente Sicht auf die USA und ihr Rechtssystem abbildet und damit Waffenbesitz und Selbstjustiz zur Notwendigkeit erhebt. Zudem folgt der Plot jenem US-typischen Ansatz, wonach der Held in eigentlich immer aussichtslosere (und brutalere) Situationen gerät, die am Ende nur mit unmenschlicher Schmerzunempfindlichkeit, zwei loyalen Freunden und manchem "Zufall" zu überwinden sind. Einigen Anspruch auf Realität dürfte allerdings der hier auch durchdeklinierte Missbrauch digitaler Datensammlungen sein. U.K.
    (Gregg Hurwitz: Flieh um dein Leben. Thriller. Aus dem Englischen von Wibke Kuhn. Knaur TB-Verlag, München 2014. 539 Seiten. 9,99 Euro. ISBN: 978-3-426-51161-9)
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    Tjark Wolf und Femke Folkmer treffen wieder aufeinander, nachdem ihre Kollegin Ceylan vermutlich durch einen Rocker lebensgefährlich verletzt wird. Die Sorge um sie wird jedoch bald abgelenkt durch einen Mann ohne Fingerabdrücke, der sich im Rockermilieu Waffen und Sprengstoff beschafft hat, um damit eine voll besetzte Nordseefähre in die Luft zu jagen ...
    Sven Koch legt mit Dünentod den zweiten Band um ein ostfriesisches Ermittlerquartett vor, der den bereits vielversprechenden ersten sogar noch an Spannung übertrifft.
    Eingebunden in die Nordsee-Region, ohne jedoch übertrieben mit den regionalen Klischees hausieren zu gehen, stimmt in diesem Krimi einfach alles: überzeugende Charaktere, ein von der ersten Seite an fesselnder Plot bis zum voltenreichen Finale - damit hält er auch einem internationalen Vergleich durchaus stand.
    Bitte, bitte mehr davon … U.K.
    (Sven Koch: Dünentod. Kriminalroman. Knaur TB-Verlag, München 2014. 430 Seiten. 8,99 Euro. ISBN: 978-3-426-51441-2)
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    Der einstmals sehr erfolgreichen Edinburgher Jazzband "Dalmore Jazz" wurde eine alte Flasche Dalmore-Whisky gestohlen, die von allen Mitgliedern eine Haarlocke enthält - und für die Sammler Höchstpreise zahlen würden. Privatermittlerin Rowan Lockhart soll sie wieder finden, doch ein des Diebstahls Hauptverdächtiger wird kurz darauf ermordet - offenbar steckt hinter dieser Flasche weit mehr als die Sentimentalität der Jazz-Musiker …
    Maria Laue hat mit Dalmore Jazz bereits den 2. Band um die Privatermittlerin Rowan Lockhart mit ihrer Vorliebe für japanischen Kampfsport vorgelegt.
    Was Sprachregelung und gendermäßige Korrektheit angeht, ist darin alles in Ordnung. Der Spannungsaufbau mit sich öfters wiederholenden Erkenntnissen und die sehr "kenntliche" Figurenzeichnung erinnern jedoch an das "Gut Nacht, John Boy" der einstigen TV-Serie "Die Waltons" - nach dem Motto "ganz nett", mag das Herzkranken ausreichend Spannung bieten. U.K.
    (Maria Laue: Dalmore Jazz. Ein Edinburgh-Krimi mit Rowan Lockhart. Goldfinch Verlag, Frankfurt a. M. 2014. 289 Seiten. 12,95 Euro. ISBN: 978-3-940258-31-1)
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    Nachdem David Blake den Auftrag seines einstigen Bosses Bobby Mahoney als dessen Berater gelöst und seinen Boss am Ende getötet hat, ist er nun selber der oberste Pate von Newcastle und mit der Tochter Mahoneys liiert. Eine Zeitlang kann er einigermaßen beruhigt (und sicher!) die Geschäfte von Thailand aus kontrollieren, doch dann laufen die Dinge aus dem Ruder und er muss wieder selbst in Newcastle nach dem Rechten sehen ...
    Mit Gangland hat Howard Linskey eine überzeugende Fortsetzung von Crime Machine vorgelegt, in der das organisierte Verbrechen wie die zynisch satirische Zuspitzung eines Wirtschaftsunternehmen daherkommt - nur dass sich hier zuweilen auch ein Boss hin und wieder noch selber die Finger schmutzig machen muss. Wer den ersten Band zu schätzen wusste und über einen ausgeprägten Sinn an schwarzem "Brit Crime"-Humor verfügt, wird auch hier wieder auf seine Kosten kommen. U.K.
    (Howard Linskey: Gangland. Thriller. Aus dem Englischen von Conny Lösch. Knaur Verlag, München 2014. 413 Seiten. 9,99 Euro. ISBN: 978-3-426-51397-2)
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    Als der Londoner Chief Inspector Donald Sutherland Swanson 1893 zu dem ermordeten Goldschmied Gordon Wigfield geführt wird, raucht es noch aus dem Rachen des Mordopfers. Und schon bald werden zwei weitere Goldschmiede auf bestialische Weise ermordet. Bei seinen Nachforschungen ergibt sich für Swanson als einzige Verknüpfung der "Blaue Hope-Diamant" - aber der ist doch sicher im Bankhaus Parr am Cavendish Square aufbewahrt, oder?
    Robert C. Marley legt mit Inspector Swanson und der Fluch des Hope-Diamanten einen Kriminalroman vor, der seinem Ambiente nach an Sherlock-Holmes-Geschichten erinnert und sogar dessen Autor Arthur Conan Doyle als Nebenfigur auftreten lässt. Da der Autor auch Kriminalhistoriker ist, sind die äußeren Umstände des fiktiven Kriminalfalles vermutlich gewissenhaft recherchiert und epochengemäß adäquat beschrieben.
    Doch im Inneren wackeln die Perspektiven leider meist unschlüssig hin und her. So legt Marley seinem Chief Inspector Swanson altbackene Vorurteile gegenüber dem ebenfalls sich einmischenden Oscar Wilde im Besonderen und den Homosexuellen im Allgemeinen in den Mund. Die "feministische" Volte zum Ende hingegen kratzt einige Aussichten auf die Zukunft frei - überzeugt aber auch nicht wirklich, da dem Chief Inspector eben nicht das Genie eines Holmes gegeben ist, sondern ihm ein deus ex machina schon sehr nachdrücklich Erkenntnisse "zufallen" lassen muss, damit sie dieser Beamte nicht ignorant beiseite schiebt.
    Aber wer an Zuckerwatte Spaß hat, findet diesen Krimi vielleicht noch ganz nett. U.K.
    (Robert C. Marley: Inspector Swanson und der Fluch des Hope-Diamanten. Kriminalroman. Dryas Verlag, Frankfurt a. M. 2014. 304 Seiten. 9,50 Euro. ISBN: 978-3-940855-53-4)
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    Die Kriminalautorin hat es in ihrem Roman vorgemacht: Dem Opfer die Nasenlöcher verstopfen und anschließend den Mund mit Sekundenkleber verschließen. Und genauso wurde sie schließlich selbst getötet.
    Falko Cornelsen setzt alles an Techniken ein, um die Tat, das Opfer und den Täter zu verstehen - nur so gelang dem Kriminalkommissar in Norddeutschland bereits eine beneidenswert hohe Aufklärungsrate. Und so wird ihm schon bald klar, dass er es mit einem Serienkiller zu tun haben muss …
    Petra Mattfeldt ist mit Sekundentod ein durchaus vielversprechendes Debut gelungen. Da die Erzählperspektive immer wieder auch zu den Opfern des Serienkillers wechselt, bleibt es spannend bis zur letzten Seite. Emotionales Gegenwicht bildet ein Ensemble von Polizeibeamten, das sich weder durch besonderen Witz noch exzentrische Macken auszeichnet. Insofern mal auch was ganz Anderes, das gewiss seine Liebhaber finden wird. U.K.
    (Petra Mattfeldt: Sekundentod. Kriminalroman. Knaur Verlag, München 2014. 362 Seiten. 9,99 Euro. ISBN: 978-3-426-51445-0)
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    Endlich hat Detective Chief Inspector Mark Lapslie seine Synästhesie bedingten extremen Sinneseindrücken einigermaßen im Griff. Doch dann erhält er anonym eine Mail mit einer Sound-Datei im Anhang, auf der 27 Schreie einer Frau zu hören sind, der offenbar fürchterliche Schmerzen zugefügt wurden. Und kurze Zeit später wird eine Frauenleiche gefunden, die 27 Schnitte aufweist …
    In Grau wie der Tod fordert Nigel McCrery einmal mehr den Leser mit detaillierten Schilderungen äußerst grausamer Verletzungen heraus, für die er jedoch einen gepflegten Erzählstil findet und damit ebenso detailliert durchaus positive Stimmungen und seine Charaktere aufzubauen weiß.
    Wer bereit ist, die erste Hürde zu nehmen, wird hier aufs Spannendste unterhalten. U.K.
    (Nigel McCrery: Grau wie der Tod. Kriminalroman. Aus dem Englischen von Marie-Luise Bezzenberger. Knaur Verlag, München 2014. 352 Seiten. 9,99 Euro. ISBN: 978-3-426-50984-5)
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    Die Gesichter der ermordeten Frauen sind bis zur Unkenntlichkeit zertrümmert. Dennoch meint die zum Sergeant aufgestiegene Natalia McIntyre aus dem ehemaligen MIT-Team eine gewisse Ähnlichkeit mit ihrer früheren Chefin Detective Chief Inspector Carol Jordan zu erkennen. Doch Jordan hat sich völlig aus dem Polizeidienst zurückgezogen. Sie will auch nichts mehr mit dem so verschrobenen wie liebenswerten Profiler Tony Hill zu tun haben, wirft sie doch gerade ihm eklatante Unfähigkeit vor, die Morde an ihrem Bruder und dessen Frau zu verhindern. Und dann wird Tony auch noch von Natalias neuer Vorgesetzten unter dem Verdacht verhaftet, sich mit den aktuellen Morden an Jordan rächen zu wollen …
    Gott sei Dank! Val McDermid hat mit uns Lesern Erbarmen und mit Eiszeit einen neuen Roman um und mit Carol Jordan und Tony Hill vorgelegt.
    Auch wenn beide nun eher am Rand agieren und als Ermittlerin Natalia McIntyre mehr in den Vordergrund gerät, setzt dieser Thriller alles fort, was an Milieu, Atmosphäre und Spannung seine Vorgängerbände auszeichnete. Und am Ende spricht weit weniger dagegen, dass es nicht auch noch einen weiteren Band geben könnte. Wunderbar! U.K.
    (Val McDermid: Eiszeit. Thriller. Aus dem Englischen von Doris Styron. Knaur Verlag, München 2014. 510 Seiten. 9,99 Euro. ISBN: 978-3-426-51519-8)
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    Eine Lehrerin der Elite-Schule Marsac liegt komplett verschnürt in der vollen Badewanne und ihre Mundhöhle wird von einer in den Rachen gesteckten Taschenlampe beleuchtet. Untermalt wird der Fund ihrer Leiche mit Musik von Gustav Mahler - der Lieblingskomponist von Kommissar Martin Servaz wie auch die von dem seit Monaten flüchtigen Serienmörder Julian Hirtmann …
    Bernard Minier legt mit Kindertotenlied den zweiten Thriller um Martin Servaz und Julian Hirtmann vor - ohne dass dieser Roman deshalb eine "einfache" Fortsetzung des ersten wäre. Denn ob und inwieweit der Serienmörder auch in diesen Fall verwickelt ist, löst sich erst nach und nach auf. Zudem besticht der Thriller durch überzeugend intelligente Protagonisten und eine ihnen angemessene Sprachregelung, ohne dass damit dem Elitären an sich das Wort geredet würde. Im Gegenteil! Denn auch für das Grauen findet der Autor eine sehr "angemessene" Sprachregelung.
    Viele Gründe der letzten Seite bis zum vielschichtigen Finale entgegenzufiebern! U.K.
    (Bernard Minier: Kindertotenlied. Thriller. Aus dem Französischem von Thorsten Schmidt. Droemer Verlag, München 2014. 653 Seiten. 19,99 Euro. ISBN: 978-3-426-19980-0)
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    Oberkommissar Götz Flößer hat im Sonderauftrag des bayerischen Innenministeriums eine Abgesandte des türkischen Staates zu betreuen. Denn im Hof der Kronacher Festung wurden wertvolle Dokumente über Kronach aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges entdeckt, die aus dem Topkapi-Palast des türkischen Sultans in Istanbul stammen sollen. Als wäre diese Angelegenheit nicht schon verzwickt genug, hat der Oberkommissar auch noch mit seinen Klischeevorstellungen gegenüber türkische Beamtinnen im Allgemeinen und Yildiz im Besonderen zu kämpfen. Er könnte sich auf der Stelle in sie verlieben, doch sie scheint ihm einiges zu verheimlichen ...
    Wolfgang Polifka legt mit Die Rosenberg-Pergamente eine eigentlich durchaus gelungene Mischung aus Regionalkrimi mit fundierten historischen Bezügen vor. Eine spannende Geschichte über Geschichte, mit zugehörigem Witz über regionale Befindlichkeiten und persönliche Eigenheiten. Wenn der Autor nun auch noch auf die leider nicht wenigen überzähligen Absätze und Wiederholungen für die dem Oberkommissar Götz Flößer in den Mund gelegten "schlauen" Kommentare verzichtet hätte, wäre das zum "reinen" Lektüre-Vergnügen geworden.
    Vielleicht beim nächsten Mal … U.K.
    (Wolfgang Polifka: Die Rosenberg-Pergamente. Ein Kronach-Krimi. Sutton Verlag, Erfurt 2014. 237 Seiten. 12,99 Euro. ISBN: 978-3-95400-318-1)
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    Detective Persephone Jonas alias "Persy" hat es in ihrem Revier Noordhoek-Township südlich von Kapstadt nicht leicht - vor allem als Frau. Aber da sie in Noordhoek aufgewachsen ist, kennt sie einige der Verbrecher von klein auf. Doch als die Leiche eines stadtbekannten Lehrers am Strand angespült wird, muss sie mit der pensionierten Kriminalpsychologin Marge Labuschagne zusammenarbeiten - und das ist nicht nur wegen ihrer unterschiedlichen Hautfarben schwierig …
    Ausgezeichnet mit dem Debut Dagger der britischen Crime Writers' Association, liegt Kap der Lügen von Michèle Rowe nun auch auf deutsch vor. Neben der üblichen Frage nach dem Täter, wird darin auch die spannende Entwicklungsgeschichte zweier Frauen vorgestellt, die wiederum ein erhellendes Schlaglicht auf das Südafrika nach der offiziellen Beendigung der Apartheid wirft. Einziger Makel dieses ansonsten fesselnden Kriminalromans sind die immer wieder eingeschobenen, eher störenden als Atmosphäre vermittelnden burischen Begriffe, die ein Nachschlagen im angehängten Glossar notwendig machen. U.K.
    (Michèle Rowe: Kap der Lügen. Kriminalroman. Aus dem Englischen von Alexandra Beisch. Knaur Verlag, München 2014. 460 Seiten. 14,99 Euro. ISBN: 978-3-426-51624-9)
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    Nachdem Fenja den ganzen Sommer als Fee verkleidet Besuchergruppen durch die Saalfelder Feengrotten geführt und parallel dazu für ihr Geologiestudium die Höhlen untersucht hat, ist ihr Freund Jonas gekommen, um sie abzuholen. Doch nach ihrem letzten Arbeitstag war zwar der von ihr benutzte Schlüssel zur Grotte im Briefkasten abgegeben worden, aber Fenja selbst ist spurlos verschwunden. Wenig später wird ihr blutverschmiertes Handy gefunden …
    Das Feengrottengeheimnis ist ein gelungenes Romandebüt von Rolf Sakulowski und zugleich einer jener Kriminalromane, der den Sutton Verlag zuweilen als lohnende Fundgrube auszeichnet.
    Denn abgesehen von der zuweilen etwas hölzernen und plattitüdenhaften Sprachregelung, vermochte der Autor nach offenbar eingehenden Recherchen zu den Saalfelder Feengrotten einen spannungsreich mehrschichtigen Plot anzulegen. Abwechselnd in Gegenwart und Vergangenheit spielend und mit überzeugenden Charakteren als Kriminal- wie auch als Mysteryroman entfaltet, mündet das Ganze am Ende in einer so plausiblen wie überraschenden Volte für die Auflösung.
    Historisches und Fiktives derart fesselnd kombiniert hat dann auch das Zeug zu einem "Pageturner", der einen schon mal die Nacht zum Tage werden lässt! U.K.
    (Rolf Sakulowski: Das Feengrottengeheimnis. Kriminalroman. Sutton Verlag, Erfurt 2014. Seiten. 12,99 Euro. ISBN: 978-3-95400-389-1)
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    Tom Wolf ist Ex-Zielfahnder beim BKA und hatte sich dank eines großen Erbes auf die Insel Malta zurückgezogen. Doch dann meldet sich Anke, die Frau seines einst besten, vor 24 Jahren verschwundenen Freundes Peter. Und jetzt ist auch noch deren gemeinsamer Sohn Philip verschwunden. Wolf nimmt sofort den nächsten Flug nach Berlin …
    Wolf hetzt die Meute von Martin Schöne ist ein echter Thriller, der den fiktiven Fernsehsender "DDR" mit Sitz über einer mehrgeschossigen Bunkeranlage ausleuchtet. Der Autor versteht es darin gekonnt, Realität mit Fiktion zu verbinden und dabei den einstigen und vermutlich auch verbliebenen Stasi-Seilschaften nachzuspüren. Einziger Wehrmutstropfen ist die zuweilen zur Geschwätzigkeit neigende Erzählweise seines Ich-Erzählers Wolf, der noch dazu im "wirklichen Leben" wortkarg auftritt. Aber nach den ersten 20 Seiten liest man darüber weg - denn die Geschichte ist bis zuletzt spannend und wartet am Ende mit einer beeindruckenden Volte auf. U.K.
    (Martin Schöne: Wolf hetzt die Meute. Roman. Pendragon Verlag, Bielefeld 2014. 368 Seiten. 12,99 Euro. ISBN: 978-3-86532-387-3)
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    In Odense trifft die Rechtsmedizinerin Maria Krause unverhofft auf ihren Zwillingsbruder, der bereits als Kind ein sadistisches Ekelpaket war. Nach seiner Rückkehr aus den USA gerät er in den Verdacht, ein Baby misshandelt zu haben. Maria setzt alles daran, ihn hinter Gitter zu bringen und überschreitet dabei so manche Grenze …
    Susanne Staun legt mit dem Thriller Blutfrost den Nachfolger zu "Totenzimmer" vor, der vom Leser erneut einiges abverlangt. So wird ihre psychisch labile Hauptfigur u.a. einmal mehr zur Folie für Fragen nach Gerechtigkeit und Selbstjustiz, deren bestimmendes "Familiengeheimnis" jetzt gelüftet wird. Insgesamt im Wortsinn wieder ein außergewöhnliches Exemplar seines Genres, darf man darf gespannt sein, ob dem zweiten noch ein dritter Roman mit Maria Krause folgt … U.K.
    (Susanne Staun: Blutfrost. Thriller. Aus dem Dänischen von Günther Frauenlob. Tropen Verlag, Stuttgart 2014. 219 Seiten. 17,95 Euro. ISBN: 978-3-608-50214-5)
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    Die Chefin des Ingenieurbüros WesTex wird tot aufgefunden. Ein Mord aus Eifersucht? Doch bei ihren Ermittlungen stößt die Leipziger Kommissarin Charlotte Petzold auf schmutzige Geschäfte. WesTex war offenbar auch an Waffenlieferungen nach Ägypten beteiligt …
    Gefährlicher Frühling von Sophie Sumburane ist ein verstörender Krimi, der aus mehreren Erzählperspektiven einerseits die Gegenwart eines Kriminalfalls in Leipzig, andererseits sehr anschaulich als Vorgeschichte Ereignisse vor und während des so genannten "Arabischen Frühlings" in Ägypten dokumentiert, die den Mord in Leipzig beinah zur Nebensache werden lässt. Für Letzteres scheint die Autorin über authentische Quellen zu verfügen, so plastisch und auch entsprechend blutrünstig kommt das rüber. Einzige Abstriche sind an ihrer zuweilen leider nur "gut gemeinten", literarisch-ambitionierten Sprachregelung zu machen - die befördern zuweilen weniger den fesselnden Inhalt als ein Stocken in der Lektüre.
    Dennoch - insgesamt ein streckenweise sehr packender Krimi, der zugleich internationale Gegenwartsgeschichte zu vermitteln vermag. U.K.
    (Sophie Sumburane: Gefährlicher Frühling. Roman. Pendragon Verlag, Bielefeld 2014. 280 Seiten. 12,99 Euro. ISBN: 978-3-86532-386-6) >>> Amazon

    Zwei Segler entdecken die Leiche einer jungen Frau an der Kieler Förde. Wie sich bald herausstellt, handelt es sich bei der Toten um die Tochter eines ehemaligen Liebhabers von Kriminalhauptkommissarin Lisa Sanders. Dennoch lässt sie sich als Ermittlerin den Fall nicht abnehmen. Auch nicht von dem arrogant auftretenden Oberstaatsanwalt Dr. Thomas Freiherr von Fehrbach, der zudem selbst in ganz anderem Sinne "befangen" scheint …
    Unter dem Pseudonym Angelika Svensson tritt Angelika Waitschies, Jahrgang 1954, mit Kiellinie erstmals als Kriminalromanautorin auf den Plan - und das gleich mit durchschlagendem Erfolg!
    Angefangen vom Plot, bei dem es u.a. um die Nachwirkungen einer Kindesmisshandlung geht, sowie dessen Entfaltung bis hin zu den Charakteren ist ihr ein rundweg überzeugender Krimi gelungen, der auch noch auf den letzten Seiten zu überraschen vermag - und neugierig auf den nächsten Fall der Kommissarin Lisa Sanders macht! U.K.
    (Angelika Svensson: Kiellinie. Kriminalroman. Knaur TB Verlag, München 2014. 379 Seiten. 8,99 Euro. ISBN: 978-3-426-51401-6)
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    Ellermann soll ein paar Tage auf Sophia, eine verwirrt wirkende, aber reizende alte Dame aufpassen. Doch dann ist sie plötzlich verschwunden, und Ellermann wird schlecht vor Sorge. Denn Sophias Verschwinden scheint irgendwie auch mit einem Überfall auf die örtliche Bank und dem Fund einer Leiche zusammenzuhängen. Und wenn Sophia irgendetwas zustößt, kann sich Ellermann nicht nur sein Honorar abschminken …
    Victor Thoma, das Pseudonym eines deutschen Drehbuch- und Romanautors, hat mit Ein toter Mann ist doch kein D-Zug eine Art Kriminalgroteske vorgelegt, die vor allem mit situtationskomischen Ein- und Ansichten des Helden Ellermann glänzt, der als verschuldeter Klavierlehrer auf Nebeneinnahmen angewiesen ist. Und ja - spannend ist dieser Roman am Ende auch, so dass man gern noch mehr von und mit diesem Helden lesen will. U.K.
    (Victor Thoma: Ein toter Mann ist doch kein D-Zug. Ellermanns erster Fall. Berlin TB Verlag, Berlin 2014. 254 Seiten. 9,99 Euro. ISBN: 978-3-8333-0937-3
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    Schön, dass ein Wunsch noch im gleichen Jahr in Erfüllung geht!
    In seinem zweiten Fall stolpert der wider Willen ermittelnde Klavierlehrer Ellermann der buchstäblich atemberaubenden Josephine hinterher und soll ihr eine "klitzekleine" Bitte erfüllen. Doch einen entlaufenen Mops zu finden ist nicht so leicht, und am Ende sind auch noch Diamanten verschwunden und eine ehemalige Klavierschülerin Ellermanns tot …
    Mit Mops und Totschlag hat Victor Thoma noch eins draufgelegt - und womöglich einen sogar noch komischere und zugleich spannende Krimigroteske vorgelegt, die auf beste Weise dem Krimieinerlei zuwiderläuft. U.K.
    (Victor Thoma: Mops und Totschlag - Ellermann ermittelt. Roman. Berlin TB Verlag, Berlin 2014. 223 Seiten. 9,99 Euro. ISBN: 978-3-8333-0974-87)
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    In München liegt im Wittelsbacher Brunnen eine Bierleiche - vermutlich mit Migrationshintergrund und gewiss mit 3,2 Promille im Blut. Kommissar Zeki Demirbileks Ermittlungen von der Soko Migra führen zu einer renommierten Münchner Privatbrauerei, die demnächst abgebaut und dann in Istanbul türkisches Bier nach bayerischem Reinheitsgebot brauen soll. Neben dem mutmaßlichen Mord zeichnet sich alsbald ein Aufstand der Einheimischen ab …
    Su Turhan lässt in Bierleichen seinen Kommissar Zeki Demirbilek jedoch vor allem an dem von ihm streng beachteten Fastengebot des Ramadans leiden - und sein bayrisch-türkisches Team mitleiden. Daraus ergibt sich in dem 2. Fall des ironisch-respektvoll "Pascha" genannten Kommissars eine, was die Ermittlungen angeht, so spannende wie, was Zeki angeht, tragikomische und zugleich horizonterweiternde Kriminalgeschichte. Auf Augenhöhe mit den Romanen aus der gleichen Region von Andreas Föhr sorgt sie für glänzende Unterhaltung. Bärig! U.K.
    (Su Turhan: Bierleichen. Ein Fall für Kommissar Pascha. Knaur Verlag, München 2014. 366 Seiten. 9,99 Euro. ISBN: 978-3-426-51364-4)
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    Nachdem Karen sechs Jahre und damit weit länger im Gefängnis sitzen musste, als es ihr eigentlich zugestanden hätte, will sie endlich die Verbindung zu ihrer von Drogen, Missbrauch und Kriminalität geprägten Familie lösen. Ansporn ist die heimliche Liebe zu ihrer Anwältin und ihr im Gefängnis entdecktes Zeichentalent. Doch ihr jüngerer Bruder Joey, dessen Taten sie seinerzeit gedeckt hatte, ist ein psychopathischer Mörder, der bereits Anderes mit ihr im Sinn hat ...
    Susan Wilkens legt mit Bruderherz ein überzeugendes Thrillerdebüt vor, das sehr packend die Schwierigkeiten einer "Resozialisierung" aus einem Schwerstkriminellen-Milieu beschreibt - denn nicht nur die eigene Familie, sondern auch alle Behörden bis hin zur Polizei haben eigenen Interessen, die dem nicht selten entgegenstehen.
    Thriller gemäß zugespitzt, fesselt der Roman bis zur letzten Seite. U.K.
    (Susan Wilkens: Bruderherz. Thriller. Aus dem Englischen von Karin Diemerling. Knaur Verlag, München 2014. 540 Seiten. 9,99 Euro. ISBN: 978-3-426-51534-1)
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    Gerade spielte sie noch im Garten, ist die siebenjährige Hailey spurlos verschwunden. Kurze Zeit später passiert das Gleiche mit einem weiteren Mädchen. Nachdem ihre Leiche gefunden und der Täter gefasst wird, scheint auch der Fall Hailey geklärt zu sein. Nur Frank Decker glaubt nicht daran und hängt sogar seinen Job als Polizist und seine Ehe an den Nagel, um das Mädchen zu finden …
    Don Winslow (siehe u.a. auch Pacific Private) startet mit Missing New York eine Krimireihe um den Ermittler Frank Decker, der als "hardboiled detective" nur ein Ziel vor Augen hat - nämlich das oder den Gesuchten zu finden. Aus der Ich-Perspektive erzählt, entwickelt das von der ersten Seite an einen großen Sog - allerdings immer wieder unterbrochen durch die an der Stilistik oder auch an der Plausibilität krankenden Übersetzung.
    Doch das kann man ändern und dann kommt auch Vorfreude für den nächsten Krimi um Frank Decker auf. U.K.
    (Don Winslow: Missing New York. Roman. Aus dem Amerikanischen von Chris Hirte. Droemer Verlag, München 2014. 395 Seiten. 14,99 Euro. ISBN: 978-3-426-30428-0)
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    Ende Juli, die Festspiele haben bereits begonnen, wird eine Leiche über den Almkanal aus dem Salzburger Festungsberg gespült und verfängt sich zuletzt am Mühlrad, das den toten Körper in grotesker Haltung rotieren lässt. Chefinspektor Franco Moll und seine Kollegen wie der schwergewichtige Oberhollenzer der Abteilung "Leib und Leben" stöhnen auf, denn die Tote ist eine bekannte Schauspielerin und derartige Publicity - noch dazu in der Festspielzeit - erhöht den Aufklärungsdruck ungemein …
    Franz Zeller hat mit Sieben letzte Worte seinem Duo Moll und Oberhollenzer einen weiteren Fall aufs Auge gedrückt, der mit viel Charme und Sinn fürs Groteske nicht nur durchaus für Spannung zu sorgen, sondern als Teil des Salzburger Milieus auch sehr brillant die Festspiel-Eitelkeiten aufs Korn zu nehmen weiß. Vergleiche mit den Kultromanen von Andreas Föhr sind da mehr als zulässig … U.K.
    Franz Zeller: Sieben letzte Worte. Kriminalroman. Knaur Verlag, München 2014. 288 Seiten. Euro. ISBN: 978-3-426-51520-4
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    Fünfzig Jahre lang war John Gload Auftragskiller und hat im Westen der USA zahlreiche Menschen getötet, ohne jemals gefasst zu werden. Als er altgeworden für sein blutiges Handwerk einen Assistenten zu Hilfe nehmen musste, der prompt erwischt wird, stellt er sich freiwillig. Im Gefängnis lernt er den jungen und wie er auf einer Farm in Montana aufgewachsenen Deputy Val Millimaki schätzen - doch auch von ihm lässt er sich nicht entlocken, wo er all seine Opfer vergraben hat …
    Kim Zupan hat mit Die rechte Hand des Teufels einen Psychothriller vorgelegt, der nicht nur spannungsgeladen bis zur letzten Seite ist, sondern dank der hervorragenden Übersetzung von Marie-Luise Bezzenberger auch literarisch überzeugt. Zwei Männer mit sehr unterschiedlichen Lebensantrieben liefern sich mit den ihnen gemeinsamen Metaphern von Farmern ein Duell zwischen Cleverness und Empathie. Eine überzeugende Annäherung mit einem ländlichen Teil der USA als Hintergrundkulisse, die Grenzen auslotet, ohne sie je zu verkennen. U.K.
    (Kim Zupan: Die rechte Hand des Teufels. Psychothriller. Aus dem Amerikanischen von Marie-Luise Bezzenberger. Knaur Verlag, München 2014. 331 Seiten. 9,99 Euro. ISBN: 978-3-426-51515-0)
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    SF / Fantasy /Mystery

    Stephen Killigan ist frisch gebackener Philosophiedozent in Cambridge. Nur wenige Wochen nach seinem Dienstantritt entdeckt er die Leiche einer vermissten Schönheitskönigin - doch als er sie der Polizei zeigen will, ist sie buchstäblich spurlos verschwunden. Noch ahnt Killigan nicht, dass er selbst zur Figur eines perfiden Spiels geworden ist, das ihm neben dem Stress mit Polizei und Vorgesetzten auch Reisen ins 17.Jahrhundert abverlangt.
    Die Autorin A. K. Benedict studierte selbst in Cambridge Englische Literatur und legt mit Die Eleganz des Tötens ihr Mystery-Thrillerdebüt vor. Auch wenn darin das Wie und Warum des Zeitreisens bestenfalls angedeutet wird, besticht es neben dem mehr als geschickt die Polizei verwirrenden Spurenlegen des Mörders durch seinen (very british!) anspielungsreichen schwarzen Humor in den Dialogen und den darin angesprochenen ethischen Grundsatzfragen über das Morden an sich. Abgesehen von einigen kleinen aber dennoch störenden Anschlussfehlern - von 1635 bis 2015 sind es 380 und keine 280 Jahre! -, macht dieser Thriller bereits sehr neugierig auf nachfolgende Projekte dieser Autorin. U.K.
    (A. K. Benedict: Die Eleganz des Tötens. Thriller. Aus dem Englischen von Alice Jakubeit. Droemer Verlag, München 2014. 572 Seiten. 16,99 Euro. ISBN: 978-3-426-51320-0)
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    Die zehnjährige Melanie wird an Beinen, Armen und Hals auf ihrem Rollstuhl angeschnallt, bevor sie in den Unterrichtsraum gebracht wird. Nicht weil sie runterfallen könnte, sondern weil sie sonst ihre Lehrerin anfallen und sie auffressen würde …
    Unter dem Pseudonym M. R. Carey hat Mike Carey die Roman-Dystopie Die Berufene vorgelegt.
    Diesmal ist es ein pilzähnlicher Parasit, der bis auf sehr wenige die Menschheit befallen hat und sie in den Kannibalismus stürzt. Wissenschaftler untersuchen deshalb ohne weitere Rücksichtnahme oder Menschlichkeit einige Kinder, die trotz des Parasiten nicht in den sonst üblichen Zombiestatus verfallen, sondern noch ansprechbar sind. Doch dann kommt es anders ...
    Insbesondere die Kapitel aus der Perspektive Melanies sind sehr gelungen und erinnern an die besten Romane von Stephen King. Und auch das Ende bietet so etwas wie eine überraschende Volte … U.K.
    (M. R. Carey: Die Berufene. Roman. Aus dem Englischen von Charlotte Lungstrass-Kapfer u. Momo Evers. Knaur Verlag, München 2014. 509 Seiten. 14,99 Euro. ISBN: 978-3-426-51513-6)
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    Nachdem der Druide Atticus - siehe Bd.1 Die Hetzjagd - mit seinen 2100 Lebensjahren in Notwehr eine hohe keltische Gottheit getötet hat, wollen ihn plötzlich alle als Killer für so manch andere Gottheit anwerben. Dabei hat er genug damit zu tun, seine eigene Haut immer wieder aufs Neue zu retten. Erst haben es wildgewordene und äußert brutale Bacchantinnen auf ihn abgesehen, anschließend ein sich mit Dämonen verbündender Hexenorden, gegen den er schon während des Zweiten Weltkriegs zu kämpfen hatte. Das bringt Atticus trotz seines magischen Schwertes Fragarach an die Grenzen und er muss sich - natürlich gegen entsprechende Entlohnung - u.a. der Unterstützung eines Vampir-Anwalts versichern ...
    Mit Verhext legt Kevin Hearne den zweiten Band seiner "Chronik des eisernen Druiden" vor. Auch dieser Band belebt mit viel anarchischem Dialogwitz ein wilde Mischung alter Mythen und macht vor allem eins: Neugierig auf die Fortsetzung! U.K.
    (Kevin Hearne: Die Chronik des eisernen Druiden 2 - Verhext. SF-Roman. Aus dem Englischen von Alexander Wagner. Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2014. 362 Seiten. 16,95 Euro. ISBN: 978-3-608-93932-3)
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    Konstantin Korff ist Bestatter und hat einen internationalen Ruf als einer der Besten seines Fachs. Nicht von ungefähr - denn als "Todesschläfer" hat er täglich selbst einen Kampf mit dem Tod zu führen: schläft er ohne vorher getroffene Schutzmaßnahmen ein, stirbt jedes Lebewesen in seiner Nähe. Andere seiner Art sind da leichtsinniger oder schlicht skrupelloser, erlaubt diese "Begabung" doch für die Polizei unnachvollziehbare Massenmorde und sogar das ernsthafte Träumen von der Unsterblichkeit …
    Oneiros - Tödlicher Fluch ist eine Neuausgabe eines Thrillers von Markus Heitz, der das Prädikat "morbider Charme" - insbesondere was die Anzahl der Leichen angeht - ins Superlativ dekliniert. Auch wenn die "Guten" und die "Bösen" schnell ausgemacht sind und zuweilen an die Superhelden der Marvel-Comics erinnern, lässt der Autor auch immer wieder Spielraum für graue Zwischenzonen, die nicht so eindeutig zuzuordnen sind. "Charmant" sind nicht zuletzt die in Dialogen mit Korff eingebrachten schwarz-humorigen Oscar-Wilde-Zitate wie auch die eingefügten Märchen der Gebrüder Grimm, in denen dem Tod ein Schnippchen geschlagen wird. Darüber hinaus ist das Ganze so temporeich aus der Perspektive Korffs erzählt, das auch einige mal mehr, mal minder gravierende Anschlussfehler nicht (gleich) ins Auge stechen.
    Insgesamt also eine prima Einmal-Urlaubslektüre, die spannend ist und bis zur letzten Seite unterhält. U.K.
    (Markus Heitz: Oneiros - Tödlicher Fluch. Roman. Knaur Verlag, München 2014 (Neuausgabe). 624 Seiten. 9,99 Euro. ISBN: 978-3-426-51044-5)
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    Der vorletzte Band Hyddenworld - Die Ernte. Bd.3 der Tetralogie von William Horwood bildet ein wichtiges Scharnier zu den Vorgängerromanen und dem noch folgenden letzten Roman, wäre also für sich allein genommen kaum verständlich. Man muss schon sagen, wie immer etwas schwerfällig zu Anfang, nimmt auch dieser Band eine - nicht zuletzt auch dank der liebevollen Ausgestaltung seiner Charaktere - viel versprechende Fahrt auf und lässt einen gespannt auf das Finale dieser Reihe warten. (Siehe auch ausführliche Besprechung zu Hyddenworld - Der Frühling. Bd.1) U.K.
    (William Horwood: Hyddenworld - Die Ernte. Bd.3. Roman. Aus dem Englischen von Reiner Pfleiderer. Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2014. 489 Seiten. 21,95 Euro. ISBN: 978-3-608-94640-6)
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    Kurz nach seinem Umzug nach Strathleven in der Nähe von Lübeck wird Benno von dem einzigen Pfarrer des Dorfes gebeten, ihn mit seinem Auto zu fahren - der Pfarrer hatte gerade die Leiche einer jungen Frau gemeldet und wollte sie bis zur Ankunft der Polizei bewachen. Eigentlich ein fulminanter Einstieg für einen neuen Journalisten des Kreisblattes - aber bei seinen weiteren Recherchen stößt Benno in Strathleven immer wieder auf große Schweigsamkeit …
    Mit Messer, Gabel, Schere, Licht sei Stefan Kiesbye "ein in Deutschland spielender moderner Schauerroman auf amerikanischem Unterhaltungsniveau gelungen" - so der Klappentext, der diesem Roman damit aber leider in keiner Weise gerecht wird.
    Es hat den Anschein, als hätte da ein in der Wendezeit spielendes Manuskript schon seit damals in der Schublade des viel gereisten Autors gemodert, wäre mit einigen Anachronismen "aktualisiert" und dann trotz aller Klischees und unplausiblen Aktivitäten seiner Handlungsträger veröffentlicht worden. Einmal ist keinmal - aber diesmal hat der Tropen Verlag als Imprint von Klett-Cotta im Gegensatz zu seinen früheren Veröffentlichungen schon arg daneben gelangt. U.K.
    (Stefan Kisbye: Messer, Gabel, Schere, Licht. Roman. Tropen Verlag, Stuttgart 2014. 335 Seiten. Euro. ISBN: 978-3-608-50133-9)
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    Der Tod ihrer Großmutter nimmt Merle Hänssler sehr mit, war "Mago" doch für Merles Kindheit eine so feste wie verlässliche Bezugsgröße. Und so einsam auch das Haus Magos im Schwarzwald gelegen war, empfand Merle in ihm nur Geborgenheit. Doch jetzt findet sie im Nachlass eine alte Abschrift aus dem 16. Jahrhundert, worin ein gewisser Johannes über merkwürdige Geschehnisse rund um seine Schwester Greta in diesem Haus berichtet - und die scheinen nun ihre Fortsetzung zu finden, da Kinder verschwinden, die kürzlich noch Mago besucht hatten, und auch das alte Haus selbst ein seltsames Eigenleben entwickelt …
    Nach ihrem noch etwas hölzernen Fantasy-Debüt Hüter der Worte hat Diane Menschig mit ihrem Märchen-Crossover So finster, so kalt einen eigenen und durchaus überzeugenden Ton gefunden.
    Neben einer geerdeten Rahmenhandlung, die von wissenschaftlichen Erwägungen wie auch von einer "widerborstigen" Liebesgeschichte getragen wird, gelingen der Autorin Handlungsstränge aus Kindersicht, die in ihrer Imagination an Stephen King erinnern, und nicht zuletzt lebendig gewordene Märchen, die für nicht wenige Gruselschauer sorgen. Den Klischees und Erwartungshaltungen immer wieder entgegenlaufend, ist an diesem Roman nicht zuletzt auch die flüssige Sprachregelung hervorzuheben, die aus der Lektüre dieses Schmökers ein echtes Lesevergnügen macht. Weiter so! U.K.
    (Diane Menschig: So finster, so kalt. Roman. Knaur Verlag, München 2014. 380 Seiten. 8,99 Euro. ISBN: 978-3-426-51493-1)
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    Ein Bauernmädchen bittet Royce und Hadrian um Hilfe - ein Ungeheuer hat bereits mehrere Menschen aus ihrem Dorf getötet. Wiewohl sie nur wenige Ersparnisse vorzeigen kann, gehen die beiden Meisterdiebe darauf ein. Allerdings geraten sie dadurch unverhofft (mal wieder) mitten ins Zentrum politischer Machenschaften, denen sie doch eigentlich ausweichen wollten. Denn im Gegensatz zu ihnen sind die Vertreter des Adels oder der novronischen Kirche oft wirkliche Verbrecher …
    Der Turm von Avempartha setzt nach Der Thron von Melengar als zweiter Band die Riyria-Reihe von Michael J. Sullivan fort. Endlich. Denn einmal mehr versteht es der Autor und auch der neue Übersetzer bemerkenswerte Charaktere in einem sehr vielschichtigen Plot zu inszenieren, der mit Brutalität, Edelmut und sehr viel schwarzem Humor zu glänzen weiß.
    Und wann kommt nun der dritte Band??? U.K.
    (Michael J. Sullivan: Der Turm von Avempartha - Riyria 2. SF-Roman. Aus dem Englischen von Wolfram Ströle. Klett Cotta Verlag, Stuttgart 2014. 397 Seiten. 16,95 Euro. ISBN: 978-3-608-96013-6)
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    Bobby Dollar will unbedingt seine Geliebte wiedersehen. Doch Gräfin Casimira von Coldhands gehört zum Anhang des höllischen Großfürsten Eligor, der auf Bobby sowieso nicht gut zu sprechen ist. Alle seine Freunde warnen Bobby, auch nur einen Fuß in die Hölle zu setzen - aber er bleibt, wie immer, stur, denn insgeheim hofft er sogar, Casimira aus der Hölle entführen zu können. Und als seine Pläne unerwartete Bekräftigung in Form eines geheimnisvollen Auftrags seines himmlischen Mentors Temuel bekommen, kann ihn nichts mehr aufhalten ...
    Einmal mehr beweist Tad Williams seine Vielseitigkeit!
    Der Roman Happy Hour in der Hölle setzt als Band Bobby Dollar 2 die Trilogie um den Engel und Anwalt der verlorenen Seelen fort, der mit Die dunklen Gassen des Himmels seinen Anfang nahm.
    Wie schon dem Titel zu entnehmen, ist diesmal die Hölle der hauptsächliche Handlungsort - und wie Tad Williams sie sich samt den dort Bobby begegnenden "Charakteren" ausmalt, hätte auch Dante Freude bereitet. Denn selbst den durchaus intensiven Sexszenen gewinnt der Autor sehr viel schwarzen Humor ab. Ein weiteres Highlight, soviel sei hier schon verraten, sind geheime Treffen einiger höllischer Bewohner, die sich gegenseitig "missionieren" in der Hoffnung, irgendwann dereinst doch noch "erhoben" zu werden - einfach köstlich! U.K.
    (Tad Williams: Happy Hour in der Hölle - Bobby Dollar 2. SF-Roman. Aus dem Englischen von Cornelia Holfelder-von der Tann. Klett Cotta Verlag, Stuttgart 2014. 565 Seiten. 22,95 Euro. ISBN: 978-3-608-93833-3)
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    Sachbuch

    Nach ihrem luziden Erfahrungsbericht Anständig essen legt Karen Duve mit Warum die Sache schiefgeht eine Dystopie vor, die sich zwar durch quellenbelegte Aussagen auszeichnet, deren Zugkraft aber wiederum durch polemische Spekulationen und argumentative Schlingerkurse, wie dem zu Männern im Allgemeinen, entkräftet werden. Der Untertitel Wie Egoisten, Hohlköpfe und Psychopathen uns um die Zukunft bringen verweist dabei auf die Grundidee, dass Menschen, die nicht raffgierig, sondern sanftmütig auf Vernunft bedacht sind, per se auch gar nicht die bestimmenden Machtpositionen in Politik und Wirtschaft einnehmen können … und wollen. Und daraus ergibt sich wiederum ein Teufelskreis, der zuletzt nur noch schlussfolgert, dass es "eigentlich ein ganz erfrischender Gedanke (ist), dass Homo sapiens demnächst ausstirbt."
    Originell ist das nicht. Auch von daher wäre es geradezu absurd, diese insgesamt keineswegs überzeugende Ausformung vorausschauender Leichenfledderei mit Tantiemen für die Autorin zu honorieren und dafür auch noch unnötig Ressourcen zu verbrauchen. U.K.
    (Karen Duve: Warum die Sache schiefgeht. Wie Egoisten, Hohlköpfe und Psychopathen uns um die Zukunft bringen. Galiani Berlin Verlag, Köln 2014. 181 Seiten. Euro. ISBN: 978-3-86971-100-3)
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    Kinder- & Jugendliteratur

    Im Wald muss sich eine kleine Maus zahlreicher Fressfeinde erwehren - da erfindet die Maus den Grüffelo, der noch viel größer und schrecklicher ist als Fuchs, Eule und Schlange zusammen und schlägt sie damit alle in die Flucht. Doch dann taucht der Grüffelo tatsächlich auf …
    Anlässlich des 15. Geburtstages dieser von Axel Scheffler so wunderbar ausgemalten wie von Julia Donaldson und ihrer Übersetzerin Monika Osberghaus witzig gereimten Geschichte liegt Der Grüffelo nun als preiswerte Jubiläums-Bilderbuchausgabe samit CD zum Vorlesen und Mitsingen vor. U.K.
    (Axel Scheffler (Bild), Julia Donaldson (Text): Der Grüffelo. Limitierte Sonderausgabe. Bilderbuch mit CD. Aus dem Englischen von Monika Osberghaus. Beltz & Gelberg Verlag, Weinheim 2014. 30 Seiten. 15,00 Euro. ISBN: 978-3-407-79587-8)
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    Der sechzehnjährige Gravie Smith hat einen hohen IQ und ist schnell gelangweilt. Anstatt den Unterricht zu besuchen, hängt er lieber kiffend mit seinen Freunden ab. Erst als seine Mitschülerin Chloe Dow tot aufgefunden wird, regt sich sein Interesse - insbesondere da die Polizei mit ihren Ermittlungen nicht vorankommt …
    Simon Mason hat mit Zu schön um tot zu sein einen Krimi für Jugendliche vorgestellt, der in Teilen überzeugt. Denn der Autor vermag durchaus gekonnt, Spannung aufzubauen und jugendliches Gebaren, sei es einzeln oder in der Clique, gegen das der Erwachsenen zu setzen.
    Doch sein Gravie Smith als Detektiv spiegelt zwar die Attitüden des exzentrischen Sherlock aus den jüngsten TV-Produktionen, seine Form der "Ermittlung" widerspricht aber trotz dessen behaupteter Intelligenz insbesondere zum Ende hin jeder plausiblen Logik - auch der eines Jugendlichen. Das enttäuscht umso mehr, als Einiges von Anfang und Hauptteil des Romans weit mehr versprochen hat … U.K.
    (Simon Mason: Zu schön um tot zu sein. Roman. Sauerländer Verlag, Frankfurt a. M. 2014. 473 Seiten. 14,99 EUR. Ab 14 Jahren. ISBN: 978-3-7373-5096-9)
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