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Büchernachlese | Kurzhinweise 2021


Neben den nachfolgenden des aktuellen Erscheinungsjahrs können auch noch siehe Links oben insgesamt 488 Kurzhinweise zu den Jahren 2003 bis 2020 abgerufen werden:

Sortiert nach Genre und dem Alphabet der Autorennamen führen die verlinkten Genrebezeichnungen zum jeweils ersten Kurzhinweis.

  • Belletristik: Noa Yedlin
  • Krimis / Thriller: Pascal Engmann (2x), Andreas Götz, Gilly Macmillan
  • SF / Fantasy / Horror / Mystery:
  • Sachbuch:
  • Kinder- & Jugendliteratur:


  • Belletristik

    Ein passendes Eigenheim in Tel Aviv finden, ist nicht einfach. Erst waren Osnat und Dror samit ihren beiden Töchtern von dem neuen Haus regelrecht begeistert. Zwar lag das Haus in einer ziemlich heruntergekommenen Gegend, aber die könnte sich in ein paar Jahren zu einem neuen Szeneviertel entwickeln, was neben dem Neid von Familie und Bekannten auch eine echte Wertsteigerung des Hauses bedeuten könnte. Nach kurzer Zeit erweisen sich aber die direkten Nachbarn als echte Nervensägen. Und spätestens nach einem Einbruch bei ihnen kommen Osnat und Dror einige Zweifel, ob der Umzug in dieses Haus wirklich die richtige Entscheidung war …
    Von der israelischen Autorin Noa Yedlin liegt nun in der Übersetzung von Markus Lemke der Roman Leute wie wir (Original: Anashim kamonu, 2019) vor.
    Erst kürzlich war im deutschen Sprachraum auch die auf einem Roman von Yedlin basierende und hochkarätig besetzte TV-Miniserie Unter Freunden stirbt man nicht ausgestrahlt und u.a. für die "herrlich bösen Dialoge" gelobt worden.
    "Leute wie wir" dekliniert familiäre und andere Beziehungsgeflechte durch und spürt dabei dem nach, was man z.B. über Nachbarn zwar nicht sagen, aber vielleicht noch denken darf. Tel Aviv als angesagte israelische Großstadt spielt dabei eine ganz eigene Rolle, wiewohl bestimmte Wohnviertel anderer Großstädte auch anderer Länder jungen Paaren samt ihren pubertierenden Kindern ähnlich schwarzen Humor abverlangende Problemlagen hervorrufen dürften - Noa Yedlin erzählt davon jedenfalls sehr treffend und sorgt so für ein echtes Lesevergnügen. U.K.
    (Noa Yedlin: Leute wie wir. Roman. Aus dem Hebräischen von Markus Lemke. Kein & Aber Verlag, Zürich - Berlin 2021. 367 Seiten. 23,00 Euro. ISBN: 978-3-0369-5841-5)
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    Krimis / Thriller

    Vanessa Frank, Anfang 40 und vermögend, hat es eigentlich gar nicht nötig, als Kriminalkommissarin und Gruppenleiterin der Sondereinheit Nova gegen das Organisierte Verbrechen zu arbeiten. Außerdem ist sie wegen Alkohol am Steuer auch noch vom Dienst suspendiert. Trotzdem nimmt sie nicht nur von außen Anteil an den aktuellen Ermittlungen, die sich gerade um die Entführung zweier Geschäftsmänner drehen. Schon bald deckt sie ein noch übleres Verbrechen sozusagen in der Nachbarschaft der Entführungen auf, das Menschenraub von Straßenkindern einschließt, denen in Chile, unweit der einstigen Colonia Dignidad, Organe für Transplantationen entnommen werden …
    Pascal Engmann, Jahrgang 1986, veröffentlichte die schwedische Originalversion von Feuerland bereits 2018 und hat damit seine Thriller-Reihe um die so toughe wie kämpferische Vanessa Frank eröffnet. Auch die deutsche Übersetzung wurde bereits 2020 erstmals vorgelegt, erscheint 2021 aber in einer kostengünstigeren Neuausgabe erneut, um damit zeitgleich den zweiten Band der Reihe unter dem Titel "Rattenkönig" zu bewerben.
    Die Kapitel meist nur sehr kurz, zündet der Plot dieses Thrillers in mehreren Stufen seine Spannungsbögen und entfaltet dabei auch reizvolle Ideen, wie z.B. die Auswahl der entführten Bänker anhand einer zuvor in einem exklusiven Uhrenladen mit Patek-Philippe-Uhren entwendeten Kundenliste. Eigenartig für den Eröffnungsband einer Reihe erscheint jedoch, dass Vanessa Frank als eigentliche Hauptfigur weit blasser und "behaupteter" wirkt, als ihre drei als Verbrecher auftretenden männlichen Gegenspieler.
    Nichtsdestotrotz als Genre- bzw. Thrillerkost durchaus überzeugend, bleibt also abzuwarten, wie sich der s.o. bereits angekündigte zweite Band der Reihe anlässt … U.K.
    (Pascal Engmann: Feuerland. Roman. Aus dem Schwedischen von Nike Karen Müller. Tropen Verlag (Klett-Cotta Verlag), Stuttgart 2021. 492 Seiten. 10,00 Euro. ISBN: 978-3-608-50439-2)
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    Die Spurenlage schien eindeutig zu sein: Der Mann hatte zwar noch einige Zeit in der JVA abzusitzen, doch als seine Ex-Freundin ermordet wurde, war er auf Freigang. Aber dann gibt ihm eine andere Frau ein glaubwürdiges Alibi. Der Mann hatte sie nämlich zur Tatzeit des Mordes vergewaltigt - sie will ihn jedoch nicht anzeigen, weil sie sonst auch noch an entsprechenden Pressemitteilungen zu leiden hätte.
    Dieser Fall lüftet für Vanessa Frank den Deckel über einem System von Frauenverachtung, dessen Ausmaß ihr zuvor nicht klar war. Sich selbst als "Incels" bezeichnende Männer leben ihre frauenfeindlichen Phantasien in den dunkelsten Ecken des Internets aus und rufen zu "Racheaktionen" auf …
    Rattenkönig ist der zweite Roman der Thriller-Reihe um die so toughe wie kämpferische Vanessa Frank, den Pascal Engmann in der schwedischen Originalversion bereits 2019 vorgelegt hatte.
    Das Thema ist leider immer noch hochaktuell - dennoch überzeugt dieser Roman noch weniger als der erste Vanessa-Frank-Band.
    Inhaltlich sei das hier gar nicht mehr weiter vertieft, bereits formal zergliedern die auf Drehbuch- bzw. Filmschnittkürze angelegten zweieinhalb bis nur vier Seiten umfassenden Kapitel den Text hier derart, dass darüber hinaus gehende Spannungsbögen kaum bis gar nicht entwickelt werden. Schade, bei einigen Szenen beweist der Autor ja durchaus Talent, aber um diesen Thriller empfehlen zu können, hätte ein Lektorat unbedingt noch einiges spiegeln und auf richtige Bahnen lenken müssen. U.K
    (Pascal Engmann: Rattenkönig. Roman. Aus dem Schwedischen von Nike Karen Müller. Tropen Verlag (Klett-Cotta Verlag), Stuttgart 2021. 463 Seiten. 17,00 Euro. ISBN: 978-3-608-50440-8)
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    Sommer 1955 in München. Der Journalist Karl Wieners arbeitet an einer Reportage über Emigranten. Seine Nichte Magda wirkt daran als Fotografin mit. Beide treffen bei ihren Recherchen auf die junge Agota aus Litauen, die ihnen Rätsel aufgibt - und sie ist keineswegs die Einzige, die das tut …
    Zur gleichen Zeit versucht Ludwig Gruber in München nun als Privatdetektiv den angeblichen Selbstmord eines Jugendlichen aufzuklären. Nachdem in einem Schwabinger Postamt eine Paketbombe explodiert und zwei Menschen tötet - darunter einen slowakischen Exilpolitiker -, ergeben sich eindeutige Verbindungen zwischen Grubers und Wieners Untersuchungen …
    Andreas Götz hat mit Die Nachtigall singt nicht mehr den zweiten Band einer Trilogie um die bereits genannten Protagonisten vorgelegt. Etwa fünf Jahre nach dem ersten Band spielt die Handlung immer noch in den 1950ern und sucht damit auch die frühen Jahre der Nachkriegszeit einzufangen.
    Was Karl, Magda und Ludwig schon seit dem Vorgängerroman verbindet, wird derart ausführlich eingeführt, dass zum Verständnis dieses zweiten Teils die Lektüre des ersten nicht zwingend notwendig erscheint. Auch sonst reproduziert der Autor in seinen Darstellungen mehr als ausreichend und zugleich leider sehr unkritisch die Rollenbilder zwischen den Geschlechtern und dazu noch von Formulierungen analog zu den alten Werbefilmchen jener Jahre limitiert auch manch andere Klischees. Dem Plot fehlt es hingegen an innerer Plausibilität, was dann zwischen den überdeutlich gezeichneten Protagonisten auch nur schwerlich Spannung aufbauen und entfalten lässt.
    Das hält die Neugier auf den dritten Band dieser Trilogie in Grenzen … U.K.
    (Andreas Götz: Die Nachtigall singt nicht mehr. Kriminalroman. Scherz Verlag, Frankfurt a. M. 2021. 446 Seiten. 16,99 Euro. ISBN: 978-3-651-00075-9)
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    Im Februar 2017 hat sich Sidney Noyce erhängt. In seiner Zelle. Zwanzig Jahre vorher war er wegen eines brutalen Mordes in Bristol an zwei 11-Jährigen verurteilt worden. Bis zu seinem Tod hatter seine Unschuld beteuert. Nach dem Selbstmord von Noyce kehrt Cody Swift, der seinerzeit beste Freund der beiden Ermordeten, nunmehr als erwachsener Journalist nach Bristol zurück und will mithilfe eines True-Crime-Podcasts diejenigen zum Reden bringen, die allzu lang geschwiegen haben - denn er glaubte damals nicht und glaubt auch heute nicht, dass mit Noyce der Mörder seiner Freund verurteilt worden ist …
    Gilly Macmillan hat 2018 im englischen Original mit Sieben Wahrheiten ihren vierten Psychothriller vorgelegt, der wie Toter Himmel und Bad Friends erneut zur Extraklasse des Genres zählt! Im Wechsel von Gegenwart und Rückblicken in die Vergangenheit gelingt es der Autorin hier einmal mehr, sehr kunstvoll und subtil mehrere Böden in die bis zuletzt sehr spannungsreiche Handlung einzuziehen und dabei zugleich sehr anschaulich ein Milieu Bristols in der Nähe einer Hunderennbahn aus Kinder- und Erwachsenensicht vorzustellen. Und wie Gilly Macmillan den Plot von "Sieben Wahrheiten" entfaltet, erinnert einmal mehr an die besten Romane von Krimi-Queens wie Minette Walters und P.D. James. U.K.
    (Gilly MacMillan: Sieben Wahrheiten. Thriller. Aus dem Englischen von Maria Hochsieder. Knaur Verlag, München 2021. 413 Seiten. 14,99 Euro. ISBN: 978-3-426-52304-9)
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    SF / Fantasy / Mystery


    Sachbuch




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