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Büchernachlese | Kurzhinweise 2021


Neben den nachfolgenden des aktuellen Erscheinungsjahrs können auch noch siehe Links oben insgesamt 488 Kurzhinweise zu den Jahren 2003 bis 2020 abgerufen werden:

Sortiert nach Genre und dem Alphabet der Autorennamen führen die verlinkten Genrebezeichnungen zum jeweils ersten Kurzhinweis.

  • Belletristik: Noa Yedlin
  • Krimis / Thriller: Jakob Bodan, Pascal Engmann (2x), Andreas Götz, Bernhard Jaumann, Anders de la Motte, Gilly Macmillan, Kimberly McCreight, Val McDermid
  • SF / Fantasy / Horror / Mystery:
  • Sachbuch:
  • Kinder- & Jugendliteratur: Ole Könnecke, Suzanne & Max Lang, Ina Mertens & Steffi Krohmann, Kobi Yamada & Elise Hurst


  • Belletristik

    Ein passendes Eigenheim in Tel Aviv finden, ist nicht einfach. Erst waren Osnat und Dror samit ihren beiden Töchtern von dem neuen Haus regelrecht begeistert. Zwar lag das Haus in einer ziemlich heruntergekommenen Gegend, aber die könnte sich in ein paar Jahren zu einem neuen Szeneviertel entwickeln, was neben dem Neid von Familie und Bekannten auch eine echte Wertsteigerung des Hauses bedeuten könnte. Nach kurzer Zeit erweisen sich aber die direkten Nachbarn als echte Nervensägen. Und spätestens nach einem Einbruch bei ihnen kommen Osnat und Dror einige Zweifel, ob der Umzug in dieses Haus wirklich die richtige Entscheidung war …
    Von der israelischen Autorin Noa Yedlin liegt nun in der Übersetzung von Markus Lemke der Roman Leute wie wir (Original: Anashim kamonu, 2019) vor.
    Erst kürzlich war im deutschen Sprachraum auch die auf einem Roman von Yedlin basierende und hochkarätig besetzte TV-Miniserie Unter Freunden stirbt man nicht ausgestrahlt und u.a. für die "herrlich bösen Dialoge" gelobt worden.
    "Leute wie wir" dekliniert familiäre und andere Beziehungsgeflechte durch und spürt dabei dem nach, was man z.B. über Nachbarn zwar nicht sagen, aber vielleicht noch denken darf. Tel Aviv als angesagte israelische Großstadt spielt dabei eine ganz eigene Rolle, wiewohl bestimmte Wohnviertel auch von Großstädten anderer Länder jungen Paaren samt ihren pubertierenden Kindern ähnlich schwarzen Humor abverlangende Problemlagen hervorrufen dürften - Noa Yedlin erzählt davon jedenfalls sehr treffend. U.K.
    (Noa Yedlin: Leute wie wir. Roman. Aus dem Hebräischen von Markus Lemke. Kein & Aber Verlag, Zürich - Berlin 2021. 367 Seiten. 23,00 Euro. ISBN: 978-3-0369-5841-5)
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    Krimis / Thriller

    Constanze Behrenberg arbeitet als Fotoreporterin für das MAGAZIN und hat mit Freia eine folgenreiche Zufallsbekanntschaft gemacht. Erst als interessantes Fotomotiv und anschließend als hilfsbereite Freundin, die sich bei einem Fotoshooting in jenen der beiden Kanzlerkandidaten verliebt, der als Populist auch gleich die Parteienlandschaft umgestalten will. Das geht so weit, dass Freia dank ihres Geliebten einen gut dotierten Job an der Rezeption eines mondänen Züricher Grandhotels erhält - was wiederum eine Erleichterung für die Verabredung von Treffen mit ihrem Geliebten darstellt. Wie es der Zufall will, ist Behrenberg wenig später in eben jenem Grandhotel zu einem Interview mit einem anderen chancenreichen Kanzlerkandidaten verabredet, doch was der in der Schweiz wollte, wird nicht mehr zu klären sein - Behrenberg findet ihn nur noch tot in der Badewanne …
    Jakob Bodan hat mit Das Schöne, Wahre und Böse seinen zweiten in sich abgeschlossenen Roman um die Figur Constanze Behrenberg vorgelegt. Beworben als Thriller, ist diesem Roman trotz einiger "netter" Sequenzen wie die Selbstdarstellungen eines Chefredakteurs in breitem Fränkisch leider bestenfalls nur mäßiger Unterhaltungswert zu bescheinigen. Der Autor will offenbar zuviel, denn sein Roman soll nicht nur ein "Polit-Elite-Thriller", sondern zugleich "Mediensatire" und "Spannungsroman mit aktuellem und historischem Hintergrund" sein. Wo demzufolge Subtiles gefragt wäre, kam der Dampfhammer bzw. Geschmackloses wie die unverhohlene Anspielung auf den Tod Barschels zum Einsatz. Und - von wegen Thriller - Spannung kam nirgends auf. Wenn, dann höchstens in Bezug darauf, wie eine analog zu den 1950ern in ihren Möglichkeiten derart reduzierte Hauptfigur diese an Zufällen reiche Handlung - Achtung Spoiler! - bis zur letzten Seite überleben konnte. U.K.
    (Jakob Bodan: Das Schöne, Wahre und Böse. Thriller. Droemer Verlag, München 2021. 368 Seiten. 14,99 Euro. ISBN: 978-3-426-30792-2)
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    Vanessa Frank, Anfang 40 und vermögend, hat es eigentlich gar nicht nötig, als Kriminalkommissarin und Gruppenleiterin der Sondereinheit Nova gegen das Organisierte Verbrechen zu arbeiten. Außerdem ist sie wegen Alkohol am Steuer auch noch vom Dienst suspendiert. Trotzdem nimmt sie nicht nur von außen Anteil an den aktuellen Ermittlungen, die sich gerade um die Entführung zweier Geschäftsmänner drehen. Schon bald deckt sie ein noch übleres Verbrechen sozusagen in der Nachbarschaft der Entführungen auf, das Menschenraub von Straßenkindern einschließt, denen in Chile, unweit der einstigen Colonia Dignidad, Organe für Transplantationen entnommen werden …
    Pascal Engmann, Jahrgang 1986, veröffentlichte die schwedische Originalversion von Feuerland bereits 2018 und hat damit seine Thriller-Reihe um die so toughe wie kämpferische Vanessa Frank eröffnet. Auch die deutsche Übersetzung wurde bereits 2020 erstmals vorgelegt, erscheint 2021 aber in einer kostengünstigeren Neuausgabe erneut, um damit zeitgleich den zweiten Band der Reihe unter dem Titel "Rattenkönig" zu bewerben.
    Die Kapitel meist nur sehr kurz, zündet der Plot dieses Thrillers in mehreren Stufen seine Spannungsbögen und entfaltet dabei auch reizvolle Ideen, wie z.B. die Auswahl der entführten Bänker anhand einer zuvor in einem exklusiven Uhrenladen mit Patek-Philippe-Uhren entwendeten Kundenliste. Eigenartig für den Eröffnungsband einer Reihe erscheint jedoch, dass Vanessa Frank als eigentliche Hauptfigur weit blasser und "behaupteter" wirkt, als ihre drei als Verbrecher auftretenden männlichen Gegenspieler.
    Nichtsdestotrotz als Genre- bzw. Thrillerkost durchaus überzeugend, bleibt also abzuwarten, wie sich der s.o. bereits angekündigte zweite Band der Reihe anlässt … U.K.
    (Pascal Engmann: Feuerland. Roman. Aus dem Schwedischen von Nike Karen Müller. Tropen Verlag (Klett-Cotta Verlag), Stuttgart 2021. 492 Seiten. 10,00 Euro. ISBN: 978-3-608-50439-2)
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    Die Spurenlage schien eindeutig zu sein: Der Mann hatte zwar noch einige Zeit in der JVA abzusitzen, doch als seine Ex-Freundin ermordet wurde, war er auf Freigang. Aber dann gibt ihm eine andere Frau ein glaubwürdiges Alibi. Der Mann hatte sie nämlich zur Tatzeit des Mordes vergewaltigt - sie will ihn jedoch nicht anzeigen, weil sie sonst auch noch an entsprechenden Pressemitteilungen zu leiden hätte.
    Dieser Fall lüftet für Vanessa Frank den Deckel über einem System von Frauenverachtung, dessen Ausmaß ihr zuvor nicht klar war. Sich selbst als "Incels" bezeichnende Männer leben ihre frauenfeindlichen Phantasien in den dunkelsten Ecken des Internets aus und rufen zu "Racheaktionen" auf …
    Rattenkönig ist der zweite Roman der Thriller-Reihe um die so toughe wie kämpferische Vanessa Frank, den Pascal Engmann in der schwedischen Originalversion bereits 2019 vorgelegt hatte.
    Das Thema ist leider immer noch hochaktuell - dennoch überzeugt dieser Roman noch weniger als der erste Vanessa-Frank-Band.
    Inhaltlich sei das hier gar nicht mehr weiter vertieft, bereits formal zergliedern die auf Drehbuch- bzw. Filmschnittkürze angelegten zweieinhalb bis nur vier Seiten umfassenden Kapitel den Text hier derart, dass darüber hinaus gehende Spannungsbögen kaum bis gar nicht entwickelt werden. Schade, bei einigen Szenen beweist der Autor ja durchaus Talent, aber um diesen Thriller empfehlen zu können, hätte ein Lektorat unbedingt noch einiges spiegeln und auf richtige Bahnen lenken müssen. U.K
    (Pascal Engmann: Rattenkönig. Roman. Aus dem Schwedischen von Nike Karen Müller. Tropen Verlag (Klett-Cotta Verlag), Stuttgart 2021. 463 Seiten. 17,00 Euro. ISBN: 978-3-608-50440-8)
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    Sommer 1955 in München. Der Journalist Karl Wieners arbeitet an einer Reportage über Emigranten. Seine Nichte Magda wirkt daran als Fotografin mit. Beide treffen bei ihren Recherchen auf die junge Agota aus Litauen, die ihnen Rätsel aufgibt - und sie ist keineswegs die Einzige, die das tut …
    Zur gleichen Zeit versucht Ludwig Gruber in München nun als Privatdetektiv den angeblichen Selbstmord eines Jugendlichen aufzuklären. Nachdem in einem Schwabinger Postamt eine Paketbombe explodiert und zwei Menschen tötet - darunter einen slowakischen Exilpolitiker -, ergeben sich eindeutige Verbindungen zwischen Grubers und Wieners Untersuchungen …
    Andreas Götz hat mit Die Nachtigall singt nicht mehr den zweiten Band einer Trilogie um die bereits genannten Protagonisten vorgelegt. Etwa fünf Jahre nach dem ersten Band spielt die Handlung immer noch in den 1950ern und sucht damit auch die frühen Jahre der Nachkriegszeit einzufangen.
    Was Karl, Magda und Ludwig schon seit dem Vorgängerroman verbindet, wird derart ausführlich eingeführt, dass zum Verständnis dieses zweiten Teils die Lektüre des ersten nicht zwingend notwendig erscheint. Auch sonst reproduziert der Autor in seinen Darstellungen mehr als ausreichend und zugleich leider sehr unkritisch die Rollenbilder zwischen den Geschlechtern und dazu noch von Formulierungen analog zu den alten Werbefilmchen jener Jahre limitiert auch manch andere Klischees. Dem Plot fehlt es hingegen an innerer Plausibilität, was dann zwischen den überdeutlich gezeichneten Protagonisten auch nur schwerlich Spannung aufbauen und entfalten lässt.
    Das hält die Neugier auf den dritten Band dieser Trilogie in Grenzen … U.K.
    (Andreas Götz: Die Nachtigall singt nicht mehr. Kriminalroman. Scherz Verlag, Frankfurt a. M. 2021. 446 Seiten. 16,99 Euro. ISBN: 978-3-651-00075-9)
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    Sein einstiger Schulfreund Alban Posselt hat Rupert von Schleewitz gebeten, mit ihm gemeinsam die Gemäldegalerie von Schloss Sanssouci zu besuchen. Dort angekommen, zieht Posselt plötzlich ein Messer aus einer Tasche und sticht auf das Caravaggio-Gemälde Der ungläubige Thomas ein. Schlimmer noch: Als das beschädigte Gemälde in einem Spezialinstitut restauriert werden soll, wird es auf dem Transport dorthin gestohlen. Auch um jeden Verdacht gegen sich abzuwehren, sieht von Schleewitz sich gezwungen, so bald wie möglich für eine Rückführung des Gemäldes zu sorgen …
    Bernhard Jaumann legt mit Caravaggios Schatten den zweiten Kriminalroman um und mit Kunstdetektiv Rupert von Schleewitz vor.
    Warum der Autor seine Hauptfigur im Kunstmilieu agieren lässt, wird schnell deutlich, wenn er ein Kunstwerk wie das hier bereits angesprochene Caravaggio-Gemälde derart engagiert und detailliert zu beschreiben vermag, dass vermutlich selbst Blinde eine gute Vorstellung davon bekämen. (Für die Nicht-Blinden hat der Verlag auf der Buchrückseite zudem noch eine kleine Kopie zur Überprüfung des Gelesenen abgedruckt.)
    Der relativ einfach gestrickte Plot hingegen, der sich aus Erlebnissen des Kunstdetektivs als Schüler in einem Internat und die Abwicklung des Artnappings bzw. der Wiederbeschaffung des Caravaggios speist, ruckelt in seiner Entfaltung und Zusammenführung kaum weniger als das nicht nachvollziehbare Nebeneinander des Kunstdetektei-Teams. Abgesehen vom häufig unempathisch auftretenden von Schleewitz zählen dazu noch Klara, die hier als Kunstexpertin fungiert, sowie Max, der als Mann für alles Mögliche Erkundigungen einzuziehen hat - wofür sich aber weder von Schleewitz noch Klara interessieren, was dann nicht von ungefähr die Auflösung des Falls unnötig in die Länge zieht.
    Aber immerhin sind neben den Bildbeschreibungen auch noch da und dort nett-absurde Dialoge u.a. zwischen Klara und ihrem Vater eingestreut, die einem die weitere Lektüre bis zur letzten Seite erleichtern. Aber die nach den Rezensionen zum ersten Band geweckten Erwartungen werden leider eher nicht erfüllt … U.K.
    (Bernhard Jaumann: Caravaggios Schatten. Kriminalroman. Galiani Berlin Verlag, Köln 2021. 303 Seiten. 15,00 Euro. ISBN: 978-3-86971-197-3)
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    Die Ärztin Thea Lind zieht gemeinsam mit ihrem Mann David in das Schloss Bokelund in der schwedischen Provinz Schonen ein. Sie will künftig als Bezirksärztin arbeiten und David das Schloss zu einem Nobelrestaurant umbauen. Doch Thea merkt bald, dass alle im Umfeld des Schlosses, darunter auch die Eltern von David, eine tragische Geschichte aus der Vergangenheit meiden und zugleich von ihr besessen scheinen. Denn in der Walpurgisnacht 1986 wurde im Wald unweit des Schlosses ein 16-jähriges Mädchen getötet. Dabei schien es sich um eine Art Ritualmord zu handeln, für den schließlich der Stiefbruder des Mädchens verurteilt wird. Die Familie der Toten wie auch des Stiefbruders verschwanden kurze Zeit darauf spurlos …
    Mit Bluteiche legt Anders de la Motte den letzten seiner vier in Schonen spielenden, davon abgesehen aber in sich eigenständigen Kriminalromane vor.
    Wieder bildet die Vergangenheitsbeladene Atmosphäre einer kleinen Gemeinde in Schonen den Hintergrund für eine spannungsreiche Geschichte, die noch Jahrzehnte später Folgen zu zeitigen vermag. Doch diesmal ist es keine professionelle Ermittlerin, sondern eine Ärztin mit einer eigenen, nicht minder belasteten Vergangenheit, die sich immer tiefer in diese für sie ja eigentlich fremde Geschichte verstricken lässt. Zudem schien ihr Mann David damals als Kind eine nicht unwesentliche Rolle gespielt zu haben.
    Auch dieser Skandinavien-Krimi bietet wieder einmal nahezu durchgehend sehr gute Unterhaltung - und das ist weit mehr, als so manch anderer Krimi oder Thriller dieses Frühjahrs von sich behaupten kann! U.K.
    (Anders de la Motte: Bluteiche. Kriminalroman. Aus dem Schwedischen von Marie-Sophie Kasten. Droemer Verlag, München 2021. 431 Seiten. 14,99 Euro. ISBN: 978-3-426-30743-4)
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    Im Februar 2017 hat sich Sidney Noyce erhängt. In seiner Zelle. Zwanzig Jahre vorher war er wegen eines brutalen Mordes in Bristol an zwei 11-Jährigen verurteilt worden. Bis zu seinem Tod hatter seine Unschuld beteuert. Nach dem Selbstmord von Noyce kehrt Cody Swift, der seinerzeit beste Freund der beiden Ermordeten, nunmehr als erwachsener Journalist nach Bristol zurück und will mithilfe eines True-Crime-Podcasts diejenigen zum Reden bringen, die allzu lang geschwiegen haben - denn er glaubte damals nicht und glaubt auch heute nicht, dass mit Noyce der Mörder seiner Freund verurteilt worden ist …
    Gilly Macmillan hat 2018 im englischen Original mit Sieben Wahrheiten ihren vierten Psychothriller vorgelegt, der wie Toter Himmel und Bad Friends erneut zur Extraklasse des Genres zählt! Im Wechsel von Gegenwart und Rückblicken in die Vergangenheit gelingt es der Autorin hier einmal mehr, sehr kunstvoll und subtil mehrere Böden in die bis zuletzt sehr spannungsreiche Handlung einzuziehen und dabei zugleich sehr anschaulich ein Milieu Bristols in der Nähe einer Hunderennbahn aus Kinder- und Erwachsenensicht vorzustellen. Und wie Gilly Macmillan den Plot von "Sieben Wahrheiten" entfaltet, erinnert einmal mehr an die besten Romane von Krimi-Queens wie Minette Walters und P.D. James. U.K.
    (Gilly MacMillan: Sieben Wahrheiten. Thriller. Aus dem Englischen von Maria Hochsieder. Knaur Verlag, München 2021. 413 Seiten. 14,99 Euro. ISBN: 978-3-426-52304-9)
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    Die New Yorker Anwältin Lizzie Kitsakis hat mit Strafrecht eigentlich nichts mehr zu tun, denn sie musste wegen ihres alkoholkranken Ehemannes die Arbeit als Staatsanwältin zugunsten einer besser bezahlten Arbeit als Anwältin für Wirtschaftsrecht aufgeben. Dennoch meldet sich ihr einstiger Studienfreund Zach aus dem berüchtigten Rikers-Island-Gefängnis bei ihr, nachdem er verdächtigt wird, seine Frau Amanda ermordet zu haben. Lizzy glaubt seinen Unschuldsbeteuerungen und fragt ihren Chef, ob sie Zach vertreten darf. Mit dem Einverständnis ihres Chefs dringt sie dann immer tiefer in die Geheimnisse eines elitären Brooklyner Wohnviertels ein und entdeckt zugleich einige Ungereimtheiten in der Beziehung von Zach und Amanda. Doch am meisten beunruhigt Lizzy, dass unverhofft ein neues Beweismittel auch auf ihren eigenen Ehemann als Täter hinweisen könnte …
    Kimberly McCreight legt mit Eine perfekte Ehe einen Thriller vor, der aus den wechselnden Perspektiven von Lizzie für die Gegenwart und den von Amanda geschilderten Ereignissen vor ihrem Tod eine immer stärker anziehende Spannung aufbaut. Bestechend auch die doppelbödigen Milieuschilderungen der Autorin, die ja vor ihrer Tätigkeit als Autorin ebenfalls als Anwältin in New York gearbeitet hatte. Einige Wendungen der Handlung sind zwar früher oder später vorhersehbar, aber mindestens eine kurz vor Schluss dürfte die meisten Leser dann doch überraschen. Insgesamt also eine durchaus unterhaltsame Lektüre. U.K.
    (Kimberly McCreight: Eine perfekte Ehe. Thriller. Aus dem Englischen von Kristina Lake-Zapp. Droemer Verlag, München 2021. 543 Seiten. 14,99 Euro. ISBN: 978-3-426-28262-5)
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    Als sich in den Netzen eines Hummerfischers eine Leiche verfängt, wird das nur deshalb wenig später ein Fall für DCI Karen Pirie, weil es sich bei dem Toten um einen Bruder eines schottischen Politikers handelt, der vor Jahren spurlos verschwunden ist und bereits von Pirie in Wiedervorlage als "Cold Case" behandelt wurde. Und parallel dazu muss sich Pirie mit einem in einem Skelett in einem Wohnmobil beschäftigen, das nur zufällig von der Schwester in der Garage ihrer kürzlich bei einem Unfall verstorbenen Schwester entdeckt wurde. Die beiden Fälle haben zwar im Detail nichts miteinander zu tun, aber die Untersuchungen dazu beeinflussen sich gegenseitig erheblich …
    Val McDermid legt nach Das Grab im Moor mit Ein Bild der Niedertracht den sechsten "Cold Case" für DCI Karen Pirie vor, der von ihr wie auch von ihren Kollegen Jason alias "Minzdrops" und der ihr neu zugeteilten Daisy Mortimer eine Menge an Improvisationstalent und Phantasie abverlangt - noch dazu unter den nach wie vor gehässig missgünstigen Augen ihrer Chefin Ann Markie, die allseits nur noch "Hundekuchen" genannt wird.
    Neben britischer bzw. schottischer Landespolitik wird hier insbesondere der Kunsthandel zum Thema und letztlich auch zu einem der bestimmenden Motive beider Morde.
    Insgesamt einmal mehr ein sehr überzeugender Krimi von Val McDermid, der hier sehr gerne weiterempfohlen wird! U.K.
    (Val McDermid: Ein Bild der Niedertracht. Ein Fall für Karen Pirie. Aus dem Englischen von Kirsten Reimes. Droemer Verlag, München 2021. 494 Seiten. 16,99 Euro. ISBN: 978-3-426-28268-7)
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    SF / Fantasy / Mystery


    Sachbuch




    Kinder- & Jugendliteratur

    Noch vor ihrem Geburtstag hatte Dulcinea ihrem Vater versprochen, nie in den Wald zu gehen, denn im Wald wohnt eine Hexe. Doch an ihrem Geburtstag hat ihr Vater zwar wieder die weltbesten Pfannkuchen gebacken, jedoch fehlten noch die Blaubeeren. Die hatten beide vergessen, auf dem Markt einzukaufen. Da sagte Dulcineas Vater: "Das bringe ich in Ordnung." Aber als er vor der Tür stand, hatte er ein Problem: Zum Markt und zurück würde es viel zu lange dauern. Nicht weit vom Haus wuchsen Blaubeeren - aber dazu müsste er in den Wald …
    Mit Dulcinea im Zauberwald hat Ole Könnecke ein im Wortsinn bezauberndes Märchen geschrieben und mit seinem bekannt pointierten, sich mit viel Witz auf das Wesentliche beschränkenden Zeichenstrich illustriert.
    Denn natürlich wurde der Vater von der Zauberin entdeckt und alsbald in einen Baum verwandelt. Aber die Hexe hat nicht mit Dulcinea gerechnet, die ohne zu zögern sich auf die Suche nach ihrem Vater machte und für seine Rettung sorgte. Und nicht nur das: Dulcinea gelang es, die Zauberin mit Heulen und Jaulen an ihre Orgel zu bannen und ihr das Zauberbuch zu entwenden. Und mit dem Zauberbuch zauberte sie Blaubeeren herbei und noch so manches andere - nur keine Pfannkuchen, denn die schmeckten vom Vater gebacken am besten.
    Ganz egal ob vorgelesen oder als Erstleser selbstgelesen - Kinder wie Erwachsene werden an diesem Buch nicht nur einmal, sondern gewiss mehrmals ihr Vergnügen finden. U.K.
    (Ole Könnecke: Dulcinea im Zauberwald. Ein Märchen. Hanser Verlag, München 2021. 64 Seiten. 16,00 Euro. Ab 5 Jahre. ISBN: 978-3-446-26951-4)
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    Kleinkinder im Alter von 2, 3 Jahren sind eigentlich immer süß. Aber eben nur eigentlich. Denn manchmal können auch Kleinkinder schlechte Laune haben. Dann kann man vorschlagen haben, was man will - nichts scheint zu helfen …
    Aber vielleicht Jims kleines Buch der miesen Laune. Den Text dazu hat Suzanne Lang verfasst und die Bilder sind von ihrem Ehemann Max Lang, der u.a. für sein Drehbuch und die Regie zu Der Grüffelo mit einer Oskar-Nominierung ausgezeichnet wurde.
    In der gelungenen Übersetzung von Pia Jüngert werden erst einmal Angebote an den kleinen mies gelaunten Affen Jim durchdekliniert, wie Banane, Banane und Ball und dann gleich ein Riesenhaufen von Dingen, denen dann noch einmal buchstäblich eins draufgesetzt wird. Ergebnis: Brüllalarm!
    Auf die nun folgende Frage "Willst du deine Ruhe haben?", kommt das nächste Bild mit der Feststellung: "Oje, traurig."
    Aber dann: "Magst du deine Ruhe haben … und einen Freund?"
    Und endlich heißt es am Schluss: "Schon besser!"
    Dank der mit dem Text witzig-kongenial korrespondierenden Bilder (nicht zuletzt mit dem jeweiligen Gesichtsausdruck von Jim) dürfte das auch für kleine Hände gut zu greifende Pappbilderbuch schnell für gute und bessere Laune sorgen und auch zum Selberdurchblättern einladen.
    Deshalb; Wirklich empfehlenswert - noch dazu angesichts des sehr günstigen Preises für so ein farbiges Pappbilderbuch! U.K.
    (Suzanne & Max Lang: Jims kleines Buch der miesen Laune. Bilderbuch. Aus dem Englischen von Pia Jüngert. Loewe Verlag, Bindlach 2021. 22 Seiten. 8,00 Euro. Ab 2 Jahren. ISBN: 978-3-7432-1106-3)
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    Nach der Vorlage einer Buchillustration von Isolde Schmitt-Menzel wurde mit ihr gemeinsam vor 50 Jahren die Hauptfigur der Sendung mit der Maus konzipiert und von Friedrich Streich animiert. Neben der bereits ausgestrahlten Jubiläumssendung im Fernsehen liegt nun auch das auf diese Vorlagen beruhende, von Ina Mertens und Steffi Krohmann illustrierte Wimmelbuch Die Maus - Durch das Jahr vor.
    Auf sechs Doppelseiten zeigen die Maus und ihre Freunde der blaue Elefant und die gelbe Ente, was die Jahreszeiten alles zu bieten haben: Im Frühling geht es um Arbeiten im Garten und den "Frühjahrsputz", auf der nächsten Doppelseite ist das Wohnhaus der Freunde von innen zu sehen und wie sie Ostereier verstecken, dann folgen der Sommer im Freibad, der Herbst u.a. mit Abenteuern beim Wandern, der Winter mit Allem, was Schnee und Eis bieten und zuletzt wieder eine Hausinnensicht auf das Begehen des Weihnachtsfestes.
    Wer genau hinsieht, entdeckt immer wieder Lustiges, Neues und zuweilen auch kleine Sequenzen, die von oben nach unten betrachtet eine kleine Geschichte ergeben.
    Selbst wer von den Kindern die Sendung mit der Maus noch nicht kennt, wird mit viel Spaß und Vergnügen in den so farbenprächtigen wie detailfreudigen Bildern auf Entdeckungsreise gehen. Darüber hinaus ist das ein Bilderbuch, das wirklich zu jeder Gelegenheit verschenkt werden und für schöne Gemeinschaftserlebnisse zwischen Kindern und ihren großen Vorlesern bzw. Bilderbuchumblätterern sorgen kann. U.K.
    (Ina Mertens & Steffi Krohmann: Die Maus - Durch das Jahr. Wimmelbuch. Wimmelbuchverlag, 2021. 12 Seiten. 12,95 EUR. Ab 2 Jahren. ISBN: 978-3-94863-871-9)
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    Ein Junge sieht einem Bildhauer bei der Arbeit zu und fragt: "Wie macht man das?" und der alte Bildhauer antwortet: "Man macht es einfach." Und der Junge darauf: "Das könnte ich nie."
    Das Bilderbuch "Vielleicht", zu dem Kobi Yamada den Text verfasst hat, wurde zu einem Bestseller - nun hat der Autor mit einer anderen Illustratorin, nämlich Elise Hurst, ein neues Bilderbuch vorgelegt. Die Illustrationen in Versuchen wirken wie nachträglich sehr zart kolorierte Schwarz-Weiß-Zeichnungen und lassen den Betrachtern bei aller Gegenständlichkeit viel Raum um das in dem Titel angesprochene Thema zu interpretieren.
    Der Text des Bestsellerautors ist präzise in knappen Sätzen gestaltet - aber nicht so, wie Kinder in der angedachten Zielgruppe von 6 bis 8 Jahren sprechen würden. Die durchdeklinierte Botschaft vom Scheitern und Gelingen mündet am Ende in dem Fazit: "Wenn wir uns die Sicherheit geben, scheitern zu dürfen, geben wir uns Sicherheit, dass es gelingen kann." Und am Ende wird der groß gewordene Junge von einem kleinen Mädchen gefragt: "Wie mache ich das?"
    Am besten wohl geeignet, für ehrgeizige Menschen, die schon etwas erreichen wollten und immer wieder mutlos geworden sind. Das bedarf eines gewissen Alters, zu dem siehe oben auch die Sprache passt. 6- bis 8-jährige könnten und sollten nicht schon derart unter Druck gesetzt werden. Vielleicht also besser erst ab 8 Jahren ohne Altersbegrenzung nach oben … U.K.
    (Kobi Yamada: Versuchen. Bilderbuch. Illustrationen: Elise Hurst. Aus dem amerikanischen Englisch von Gerda Maria Plum. Adrian Verlag, Berlin 2021. 48 Seiten. 12,95 Euro. Ab ? Jahren. ISBN: 978-3-948638-65-8)
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